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Serguei Ivanov siegt auf der 14. Etappe der Tour de France. Sekundenspiel um das Gelbe Trikot befördert George Hincapie auf den zweiten Gesamt-Rang
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18.07.2009

Serguei Ivanov siegt auf der 14. Etappe der Tour de France. Sekundenspiel um das Gelbe Trikot befördert George Hincapie auf den zweiten Gesamt-Rang

Info: TOUR DE FRANCE
Autor: H.O.



Besançon, 18.7.09 - Der russische Meister Serguei Ivanov vom Team Katjusha hat die 14. Etappe der Tour de France gewonnen. Er setzte sich ca. 10 km vor dem Ziel aus einer zwölfköpfigen Spitzengruppe ab und siegte mit 16 Sekunden Vorsprung vor seinen ehemaligen Begleitern, dem Iren Nicolas Roche (AG2R La Mondiale) und dem Neuseeländer Hayden Roulston (Cervélo Test Team). Unerwartet spannend wurde es in der Gesamtwertung: Bis wenige Kilometer vor dem Ziel fuhr der US-amerikanische Mit-Ausreißer George Hincapie virtuell in Gelb; mit nur 5 Sekunden retteten AG2R und die anderen interessierten Teams schließlich die Führung von Rinaldo Nocentini.

Auf der letzten flachen Etappe vor der Ehrenfahrt nach Paris ging es heute über genau 199 km vom siebenmaligen elsässischen Gastgeber-Ort Colmar nach Besançon (Region Franche-Comté, ca. 122 000 Einwohner), das schon sage und schreibe 17 Mal die Tour beherbergen durfte. Zuletzt fand hier im Jahr 2004 das Zeitfahren der vorletzten Etappe statt, bei dem Lance Armstrong seinen sechsten Toursieg besiegelte. Man muss bis ins Jahr 1996 zurückgehen, bis man eine „normale“ Zielankunft in Besançon findet; Sieger damals war Stéphane Heulot. Heute warteten auf die Fahrer drei Sprint- und im besonders welligen Mittelteil zwei Bergwertungen der dritten Kategorie. Einerseits konnte man vermuten, dass angesichts der drohenden Alpen die Sprinter, von denen außer Mark Cavendish - und seit gestern auch wieder Thor Hushovd - keiner so recht zufrieden sein durfte, ihre letzte Chance nutzen wollten. Andererseits waren ihre Teams nun zu Beginn der letzten Woche nicht mehr die frischesten und es war fraglich, ob sie unter allen Umständen den Ausreißwilligen die Siegambitionen streitig machen würden. Wie wichtig war es Columbia, das Grüne Trikot ein weiteres Mal zurückzuholen, was bei lediglich fünf Punkten Rückstand alles andere als unmöglich erschien? Außerdem sorgte erneut die Bergwertung für Spannung, wo den neuen Trikotträger Pellizotti sogar nur drei Punkte von seinem Vorgänger Martinez trennten. Hingegen erwartete selbstverständlich niemand eine Veränderung an der Spitze der Gesamtwertung.

Zähe Anfangsphase
Beim Start in Colmar, wo sich nach dem Dauerregen am Vortag heute ab und zu die Sonne blicken ließ, waren unter den Fahrern keine neuen Ausfälle zu beklagen – selbst der gestern erst nach Kontrollschluss ins Ziel gekommene Simon Spilak (Lampre) durfte wieder antreten, da er offenbar von Zuschauern aufgehalten worden war. Das Wetter blieb regnerisch und unterkühlt, dennoch fand sich nach 16 km eine Ausreißergruppe zusammen, deren Erfolgsaussichten sich aber erst dann steigerten, als der zunächst ebenfalls vorne anwesende Mark Cavendish sich zurückfallen ließ. Aber selbst danach dauerte es noch einige Zeit, bevor man sich im Feld einig war, die verbliebenen 13 Männer ziehen lassen zu wollen. Es handelte sich um den Amerikaner George Hincapie (Columbia – HTC), den Belgier Frederik Willems (Liquigas), den Russen Serguei Ivanov (Katjusha), den Iren Nicolas Roche (AG2R), beide Meister ihres jeweiligen Landes, den Neuseeländer Hayden Roulston (Cervélo Test Team) sowie den Italiener Daniele Righi (Lampre) und seinen um einiges bekannteren Landsmann und Namensvetter Daniele Bennati (Liquigas). Auch die Niederländer waren mit Martijn Maaskant (Garmin) und Albert Timmer (Skil-Shimano) doppelt vertreten, ebenso wie die Franzosen durch Sébastien Minard (Cofidis) und Christophe Le Mevel (Française des Jeux) sowie die Deutschen mit Jens Voigt (Saxobank) und dem ehemaligen U23-Weltmeister Gerald Ciolek (Milram). Zwölf von 20 Teams hatten also einen Mann in der Gruppe – nur bei Liquigas konnte man sich über gleich zwei Vertreter freuen. Dennoch kletterte der Vorsprung kletterte nur häppchenweise in die Höhe. Noch beim ersten Sprint in Pulversheim nach 34 km betrug er lediglich anderthalb Minuten. Hier steckte Gerald Ciolek, der schon mehrfach bei Etappenankünften in den Top 10 platziert war, die Höchstpunktzahl ein vor den beiden Italienern Bennati und Righi, sodass er sich Hoffnung machen konnte, sich von seinem fünften Platz in der Punktewertung zu lösen.

Der Vorsprung wächst, Hincapie virtuell in Gelb
Erst nach über 55 km und nach einem vergeblichen Versuch Jerome Pineaus, die Gruppe im Alleingang einzuholen, fanden sich die nicht vorne repräsentierten Teams mit der Situation ab und der Vorsprung überstieg die 60-Sekunden-Marke. Ausgerechnet in diesem Moment wurde Jens Voigt durch einen Defekt jäh gestoppt und nach erfolgter Reparatur gelang es ihm nicht mehr, Anschluss an seine Fluchtgefährten zu finden. Nachdem er gestern schon auf halber Strecke aus der Spitzengruppe zurückgefallen war, fand er also heute erneut seine Aussichten auf den Tagessieg verfrüht vereitelt. Derweil stieg der Vorsprung der jetzt noch 12 Ausreißer mit einem Mal schlagartig an, auf über fünfeinhalb Minuten noch vor dem zweiten Zwischensprint bei km 67, wo Milram-Mann Gerald Ciolek diesmal leer ausging. Stattdessen sicherten sich der Neuseeländer Roulston und die beiden Franzosen Le Mevel und Minard die Punkte.
Mittlerweile stellte sich die Situation so dar, dass der vor der Etappe nur 5:25 hinter Nocentini gelegene George Hincapie (Columbia) virtuell das Gelbe Trikot übernommen hatte. Mit in etwa diesem Vorsprung vor dem von Astana kontrollierten Feld überquerten die 12 Fahrer die erste der beiden Kat.3-Bergwertungen, die Côte de Lebetain (2,4 km bei 4,4 %), wo Willems vor Timmer, Iwanow und schließlich Ciolek die Punkte einfuhr. Das hatte auf die Rangordnung des Gepunkteten Trikots allerdings ebenso wenig eine nennenswerte Auswirkung wie ca. 20 km darauf der zweite Bergpreis (Côte de Blamont: knapp 3 km bei fast 5 %), wo Minard, wiederum Ciolek und Willems sowie Maaskant als Erste die Linie überquerten. Interessanter war da schon die Entwicklung, die den Abstand zwischen Spitzengruppe und Hauptfeld betraf: Offenbar hatte Astana beschlossen, dass jetzt auch einmal andere Mannschaften am Zug seien, und die Nachführarbeit auf ein Minimum reduziert. Zudem arbeiteten die Ausreißer weiterhin gut zusammen – nur der AG2R-Mann Roche, Teamkollege des Gesamtführenden Nocentini, beteiligte sich verständlicherweise nicht am Tempomachen.
Allerdings war eben dieser Nocentini in höchster Gefahr, sein Gelbes Trikot zu verlieren, das sich immer mehr auf den Schultern von George Hincapie festzusetzen schien. Sein Vorsprung stieg auf über sechs und schließlich auf deutlich über acht Minuten – bei nur noch 70 zu fahrenden Kilometern. Ebenso schwer wie man es zu Beginn der Etappe der neu entstandenen Ausreißergruppe gemacht hatte, ebenso leichtsinnig ließ man sie nun gewähren. Gab AG2R das Maillot Jaune verfrüht auf, da man sich wenige Chancen ausrechnete, es auch am nächsten Tag zu verteidigen? Lange sah alles danach aus, also ob Altmeister Hincapie, der an allen sieben Toursiegen Lance Armstrongs als treuer Helfer beteiligt war, dabei selber aber nur ein einziges Mal (2006) Gelb tragen durfte, mit 36 Jahren seiner Karriere die Krone aufsetzen könnte.
Die letzte Sprintwertung in Baume-les-Dames ca. 38 km vor dem Ziel war dagegen Nebensache: Hier gewann erneut Roulston, diesmal vor Minard und Bennati, die also auch zum zweiten Mal am heutigen Tag ihr Punktekonto etwas aufbesserten.

Ivanov mit beherzter Attacke zum Sieg. Sekundenspiel um Gelb
Als sei AG2R der Ernst der Lage erst jetzt bewusst geworden, bemühte man sich nun sichtlich, den Abstand unter die magische 5:25-Grenze zu drücken. Hinzu kam, dass die Spitzengruppe umso unruhiger wurde, je näher das Ziel rückte. Zwölf Kilometer vor Besançon gab es kein Halten mehr. Zunächst versuchte es Maaskant, dann waren Le Mevel, Hincapie und Bennati an der Reihe, und schließlich sogar Nicolas Roche, der natürlich noch über die meisten Kräfte verfügte. Doch erst der mächtige Antritt des russischen Meisters Serguei Ivanov an der 1000-Meter-Marke hatte Erfolg. Blitzartig setzte er sich von seinen noch 10 Begleitern - Willems hatte schon zuvor wegen die Tempoverschärfungen abreißen lassen müssen - ab und erkämpfte sich einen soliden Vorsprung von zwischenzeitlich über 20 Sekunden. Nur Roulston und Timmer reagierten sofort und machten sich gemeinsam auf die Verfolgung, während sich die verbliebenen Fahrer aus der ehemaligen Spitzengruppe gegenseitig neutralisierten, solange bis Nicolas Roche die Sache in die Hand nahm und die beiden Verfolger stellte.
Katjusha-Mann Ivanov jedoch war der Sieg nicht mehr zu nehmen – 16 Sekunden Vorsprung brachte er ins Ziel vor der geschrumpften Gruppe, aus der sich der 25-jährige irische Landesmeister, Sohn des Tour-de-France-Siegers von 1987, den zweiten Platz sicherte. Dritter wurde letztlich der Neuseeländer Haydon Roulston, Teamkollege des gestrigen Etappensiegers vom Cervélo Test Team. Die weiteren Plätze belegten in dieser Reihenfolge Maaskant (Garmin, später zum aktivsten Fahrer gewählt), Minard (Cofidis) und Righi (Lampre) vor Le Mevel (FdJeux), Hincapie (Columbia) und Bennati (Liquigas). Der Deutsche Gerald Ciolek (Milram) wurde nur Zehnter und konnte den für ihn an sich sehr aussichtsreichen Etappenverlauf somit nicht in eine weitere Ergebnisverbesserung ummünzen.
Für den 34-jährigen Ivanov, den mehrmaligen und auch aktuellen russischen Meister, den Sieger des Amstel Gold Race 2009, der im letzten Jahr noch für Astana fuhr, war es bereits der zweite Etappensieg bei der Tour. Sein erster Triumph liegt allerdings schon acht Jahre zurück; damals gewann er den neuten Teilabschnitt, der in Pontarlier gestartet wurde – also genau dort, wo das Peloton sich morgen in Bewegung setzen wird!

Nach bewegter Etappe doch kein Wechsel in den wichtigsten Wertungen
Im separaten Rennen um das Gelbe Trikot zwischen Hincapie und Nocentini bzw. AG2R, die dann noch bei Garmin und Silence-Lotto Hilfe fanden, wurde es zum Ende hin denkbar knapp. 5:36 Minuten hinter dem Etappensieger und also 5:20 Minuten hinter dem US-Amerikaner überquerte das Feld um den Mann in Gelb endlich die Ziellinie. Mit 5 Sekunden hatten sie das Nervenspiel gewonnen; allerdings schiebt sich Hincapie noch vor seinem ehemaligen Kapitän Armstrong (+ 0:08) und Alberto Contador (+ 0:06) auf die zweite Gesamt-Position, womit vor dem heutigen Tag niemand hatte rechnen können. Plötzlich hat Columbia-THR wieder ein Wörtchen um die Wertung Maillot Jaune mitzureden, zumal man nach wie vor durch Tony Martin (+1:00) gut vertreten ist, der sich mittlerweile auf Platz 8 wiederfindet, da auch Ausreißer Christophe Le Mevel (Française des Jeux) einen Sprung nach vorne in der Gesamtwertung gemacht hat. Weniger gefallen dürfte dem T-Mobile-Nachfolgeteam die Entwicklung in der Punktewertung: Dadurch dass Mark Cavendish wegen unfairen Verhaltens im Sprint des Hauptfeldes, den er eigentlich gewonnen hatte, von der Jury zurückgestuft wurde und somit Thor Hushovd (Cervélo) als erster Fahrer hinter der Spitzengruppe noch 13 Punkte einkassierte, baute der Norweger seinen Vorsprung vor dem jungen Briten auf 18 Punkte aus. Gerald Ciolek liegt in der Wertung Maillot Verd jetzt immerhin auf Platz 4. An der Spitze der Berg- und der Nachwuchswertung gibt es keine Veränderung, während sich AG2R durch den heutigen Podiumsplatz von Roche die Führung in der Mannschaftswertung zurückholt.

Morgen im Rahmen von Etappe Nr. 15 steht endlich die zweite von diesmal insgesamt nur drei Bergankünften auf dem Programm und außerdem unternimmt die Tour einen Abstecher in die benachbarte Schweiz. Über 207 km geht es von Pontarlier (ca. 60 km südöstlich von Besançon) in den schicken Wintersport-Ort Verbier im Kanton Wallis. Mit Bergwertungen wird dabei nicht gespart: Vier der dritten und eine der zweiten am Col des Mosses sorgen vermutlich für erste Sortierungen, mit Angriffen der Favoriten darf am Kat. 1-Schlussanstieg hinauf 1468 Meter gerechnet werden. Die Jagd auf Nocentinis Gelbes Trikot, das heute schon fast Opfer einer Nachlässigkeit geworden wäre, dürfte sich nun nicht mehr länger hinauszögern lassen.

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Serguei Ivanov siegt auf der 14. Etappe der Tour de France. Sekundenspiel um das Gelbe Trikot befördert George Hincapie auf den zweiten Gesamt-Rang
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martin
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