<< älterer Bericht  | zurück zur News |  neuerer Bericht >>
Start > Interviews
Interview mit Florian Bissinger und Benjamin Edmüller am Vorabend der Deutschen Meisterschaften in Grimma
Suchen Interviews Forum  Interviews Forum  Interviews
24.06.2012

Interview mit Florian Bissinger und Benjamin Edmüller am Vorabend der Deutschen Meisterschaften in Grimma

Autor: Stefan Dechert (stefdech)



Nach unserem Treffen bei der DM in Neuwied 2011 mit Florian Bissinger entwickelte sich eine Freundschaft, die mit 2 sehr schönen Interviews im vergangenen Jahr (August, Dezember) weitergeführt wurde und wir uns für die DM in Grimma weiteres Treffen in einer kleinen, aber feinen Pension in Zwenkau verabredeten. Am Vorabend des Rennens fanden wir Zeit für ein Interview, zu dem sich sein ehemaliger Teamkollege und Freund Benjamin Edmüller vom Team Gebrüder Weiss-Oberndorfer gesellte.



LiVE-Radsport.com: Ihr Beide seid langjährige Teamkollegen und Freunde. Am besten stellt ihr euch gegenseitig vor, woher kennt ihr euch, was schätzt ihr am anderen?

Florian Bissinger: In erster Linie bin ich froh, dass ich hier in Grimma bei der DM nicht alleine fahren muss, sondern mit dem Benjamin einen guten Freund an meiner Seite habe, auch wenn wir in unterschiedlichen Teams fahren. Wir kennen uns daher, dass wir unsere Jugend auf dem Rad in unzähligen Einheiten zusammen verbracht haben, waren dann beim RSV Rosenheim in einem Team, sind im Bayern-Kader weiter ausgebildet worden und sind 2010 wieder zusammen in einem Team beim RSC Irschenberg gefahren. Wir haben uns in dieser Zeit schätzen gelernt, auch auf eine sehr witzige und humorige Art…der Schalk sitzt uns des Öfteren im Nacken. Das schätzt man im Radsport sehr, es ist eine sehr anstrengende Sportart und wenn man die gemeinsamen Rennen ein wenig angenehmer gestalten kann, ist das immer eine gute Sache.

Benjamin Edmüller: Wie der Florian eben schon erwähnt hat, bin ich den größten Teil meiner Jugend mit ihm zusammen gefahren, dann haben sich unsere Wege ein bisschen getrennt, dadurch, dass sich der Florian mehr auf die Straße konzentriert hat und ich mehr auf der Bahn unterwegs war…aber unser Kontakt ist nie ganz abgerissen, so das sich unser Verhältnis beim RSV Irschenberg zu einer echten Freundschaft gefestigt hat.
Deswegen war es für uns selbstverständlich das wir die Fahrt nach Grimma zusammen gemacht haben, auch wenn wir auch diesmal mal wieder nicht in einem Team fahren…aber ich glaube, man hat es gemerkt (er grinst), der Spaß bleibt bei uns nicht auf der Strecke.


L-R.com: Ihr beide fahrt zwar in unterschiedlichen Teams, aber trotzdem könnt ihr das Rennen morgen zusammen bestreiten. Wo liegt für euch konkret der Vorteil, dass ihr das Rennen nicht alleine bestreiten müsst?

FB: Natürlich ist es von großem Vorteil, wenn man die gleichen Interessen besitzt, auch wenn man in unterschiedlichen Teams fährt. Klar, in anderen Teams, die mit mehr Fahrern unterwegs sind, sind die Möglichkeiten wesentlich besser, aber auch die Fahrer, die morgen alleine unterwegs sind, werden ihre Chancen nutzen und warum sollte nicht mal einem Einzelstarter ein Sieg gelingen.

BE: Es ist bei so einem Rennen schon immer gut, wenn man einen Fahrer an der Seite hat, der in bestimmten Situationen nicht gegen einen fährt, auch mal für einen in die Bresche springt, wenn es darauf ankommt .


L-R.com: Morgen beim Rennen müsst ihr natürlich auch mit Getränken versorgt werden. Wie funktioniert das für euch als Einzelstarter?

FB: Da sind die Deutschen Meisterschaften immer eine Ausnahmesituation, normalerweise sind wir bei Rennen von unseren Teams mit Getränken und Material optimal versorgt, so dass wir bei solchen Rennen uns immer selbst versorgen müssen und so kommt es, dass sich einige Teams sich zusammenschließen, um sich zu versorgen. Wir haben dann also einen eigenen Materialwagen, um im Falle eines Defektes mit Material versorgt zu werden. Außerdem haben wir hier an der Strecke noch einen Gönner, einen Freund, der uns mit Getränken versorgt.


L-R.com: Wie beurteilt ihr die Strecke von morgen, wer sind eure Favoriten?

FB: Der Kurs morgen erinnert ein bisschen an die belgischen Frühjahrsklassiker, enge Straßen, winklige Kurven und einige giftige Steigungen, es wird ein Selektion an der Steigung in dem Waldstück geben. Ich denke, es wird morgen darauf ankommen „Position zu fahren“, um in die richtige Position am Berg zu kommen, es wird ein sehr technisches Rennen, dass über die Länge der Distanz von 200 KM entschieden wird.

BE: Es ist eine sehr schöne Runde, deren Schwierigkeit sich durch die Summe der 19 Runden ergeben wird. Es wird morgen keinen Sieger geben, der den Sieg nicht verdient hat, es kann aber durchaus eine Überraschung beim Namen des Siegers geben. Auf dem Kurs kannst du dich nicht allzu lange verstecken.


L-R.com: …und eure Ziele?

FB: Mein Ziel bei diesem Rennen ist es vor allen Dingen mich zu präsentieren, sich vielleicht mal in Spitzengruppen zu zeigen, einfach das Rennen aktiv zu fahren, das wird der Schlüssel zum Erfolg. Für einen Continental-Fahrer ist ein TOP 10 Platz sicher ein tolles Ergebnis.

BE: Auch ich möchte mich bei dem Rennen gut präsentieren, vielleicht ergibt sich die ein oder andere Situation, in der ich mit einer Spitzengruppe mitgehen kann…was am Ende dabei herauskommt, wir werden sehen.


L-R.com: Nun ist mit den Deutschen Meisterschaften die erste Hälfte der Saison gelaufen. Wie sieht euer Fazit aus?

FB: Für mich war es eine sehr emotionale und wechselhafte erste Saisonhälfte, sehr schöne Momente, sehr traurige Momente. Ich habe den Schritt gewagt in ein größeres Continental-Team, mit dem Team Voralberg, ich würde sogar sagen, das beste Continental-Team in Österreich. Es hat eine Zeit gedauert bis das Team zusammengewachsen ist, aber inzwischen sind wir eine Einheit geworden. Ich hatte tolle Erfolge mit einem 3. Platz bei einem Rennen in Paris, einigen guten Ergebnissen in anderen größeren Rennen, was fehlt ist noch der Sieg, aber der kommt noch in der 2. Saisonhälfte. Ich hatte allerdings auch sehr traurige Momente mit 4 zum Teil schweren Stürzen, wobei einer zu einem Beckenbruch führte. Dann dauert es immer wieder sehr lange, um in Form zu kommen, damit dann auch die Erfolge kommen.

BE: Ich bin mit meiner Saison bisher sehr zufrieden, obwohl ich gedacht habe, das der Wechsel von der Bahn auf die Straße für mich länger dauert, aber ich habe mich schon sehr gut an die Belastungen gewöhnt. Vor allen Dingen muss ich mich bei meinem Team Gebrüder Weiss-Oberndorfer bedanken für das Vertrauen, was sie mir entgegengebracht haben und habe das mit einigen TOP 5-10 Platzierungen auch bestätigt, was fehlt, ist wie beim Florian der Sieg…aber das wird auch noch, daran werde ich arbeiten.


L-R.com: Wenn ich mir morgen die Startliste anschaue, stelle ich doch fest, dass es nur gut 20 Fahrer sind, die finanziell auf der sicheren Seite sind, der Rest, gerade ihr als Fahrer eines Continental-Team müsst bestimmt immer wieder Anstrengungen unternehmen, Sponsoren zu finden, dass euer Hobby auch euer Beruf bleibt.

FB: Da ist der Unterschied zwischen einem Topfahrer eines Pro-Teams und einem Continental-Teams schon recht groß. Ich für meine Person arbeite im Winter in einem Sportgeschäft, was mir auch sehr viel Spaß macht, aber auch um mir den Radsport lebenswert und finanzierbar zu machen. Ich habe mich in den letzten Jahren durch gute Ergebnisse, hartes Training in ein sehr gutes Team gebracht und diesem Team gilt mein besonderer Dank, vor allen Dingen meinem Teammanager, dem Thomas Kofler, der wirklich alles unternimmt, uns perfekt zu unterstützen, uns den Rücken frei hält. Ich bin mittlerweile in einer Position die mir den Radsport sehr lebenswert macht, bin aber noch weit entfernt von den Möglichkeiten eines ProTour-Fahrers…aber der finanzielle Rahmen ist für mich immer noch zweitrangig, weil wir den Radsport aus Leidenschaft und Überzeugung machen, weil der Radsport immer noch der tollste Sport überhaupt ist…ich denke, dass ist das Stichwort:
WIR MACHEN RADSPORT AUS LEIDENSCHAFT!!!

BE: Ich für meine Person, kann dazu nur sagen, und da muss ich meine Nachwuchszeit noch dazu zählen, konnte das nur machen mit der Unterstützung meiner Eltern. Danach habe ich immer weiter versucht mich Stück für Stück auf eigene Beine zu stellen, was mir auch inzwischen sehr gut gelungen ist. Ich studiere nebenbei in einem Fernstudium, weil das die einzige Möglichkeit ist, das mit dem Radsport unter einen Hut zu bekommen. Aber das alles geht natürlich nur, weil ich ganz viele Sponsoren und Gönner habe, die mir den Radsport ermöglichen…im Winter fahre ich noch einige 6 Tage Rennen, die mich auch noch ein bisschen finanziell unabhängiger machen.


L-R.com: Danke für das Gespräch!





Florian Bissinger vom Team Vorarlberg (rechts) mit seinem Freund und früheren Teamkollegen Benjamin Edmüller von Gebrüder Weiss-Oberndorfer
Florian Bissinger vom Team Vorarlberg (rechts) mit seinem Freund und früheren Teamkollegen Benjamin Edmüller von Gebrüder Weiss-Oberndorfer

Zum Seitenanfang von für Interview mit Florian Bissinger und Benjamin Edmüller am Vorabend der Deutschen Meisterschaften in Grimma



Radsportnews auf Twitter - Radsport, Cycling, Radrennen live