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Vierter deutscher Sieg bei der 101. Tour de France: Greipel nutzt seine Chance im Sprint ohne Kittel
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10.07.2014

Vierter deutscher Sieg bei der 101. Tour de France: Greipel nutzt seine Chance im Sprint ohne Kittel

Info: TOUR DE FRANCE 2014
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Reims, 10.07.2014 – Ein Massensprint und Marcel Kittel (Giant-Shimano) hat ihn nicht gewonnen. Wie konnte sowas nur passieren? Man habe im hektischen Finale die Kontrolle verloren, lautete die Begründung der Mannschaft, weshalb Kittel schon zwei Kilometer vor dem Ziel der 6. Etappe um die Chance auf einen vierten Erfolg gebracht worden war. Eine vielleicht einmalige Gelegenheit für all die anderen Sprinter, welche André Greipel (Lotto Belisol) nutzen konnte. Der deutsche Meister gewann seine sechste Etappe bei der Frankreich-Rundfahrt innerhalb von vier Jahren. Für etwas Action auf der sonst recht eintönigen Etappe sorgte Omega Pharma-Quick Step, das Thibaut Pinot (FDJ.fr), einen von Michal Kwiatkowskis Konkurrenten um das Weiße Trikot, auf der Windkante abhängte.

Eine neue Rote Laterne und eine Flucht mit Maté
Die zahlreichen Stürze der Kopfsteinpflaster-Etappe forderten erfreulich wenige Opfer. Zwar hatte mit Chris Froome (Sky) ausgerechnet der Titelverteidiger der Tour de France das Ziel nicht erreicht, er war aber auch der Einzige, der nicht finishte. Das unvergessliche Teilstück führte über Nacht doch noch zu einem zweiten Ausfall, Ariel Maximiliano Richeze (Lampre-Merida) trat nicht mehr an. Der Argentinier reichte die „Rote Laterne“ des Gesamtwertungs-Letzten an Ji Cheng (Giant-Shimano) weiter, der trotz seiner Platzierung aber wieder einmal sehr wertvoll für seine Mannschaft war. Der erste Tour-Chinese machte erneut viel Führungsarbeit, weil Giant-Shimano sich auf der flachen 6. Etappe natürlich um die Ausreißer zu kümmern hatte. Es handelte sich um ein Quartett, das direkt nach dem scharfen Start von Luis Angel Maté (Cofidis) ins Leben gerufen wurde. Jenem Spanier, dessen Flucht mit Thomas Voeckler zwei Tage zuvor wegen einem Defekt sehr früh endete. Dafür entschädigte sich Maté so gut es ging, gewann zwei Bergwertungen der 4. Kategorie und schlug sich im Überlebenskampf am Ende des Tages besser als seine Mitausreißer Jérôme Pineau (IAM Cycling), Thomas Leezer (Belkin) und Arnaud Gérard (Bretagne-Séché Environnement), weshalb er sich als kämpferischster Fahrer ehren lassen durfte.

Regen und Wind sorgen für Stürze und Kanten
Maximal gut vier Minuten Vorsprung bekam die Vierergruppe zu Beginn der 194 Kilometer zwischen Arras und Reims. Das Wetter war nicht viel besser als am Vortag, dunkle Wolken hingen über dem Nordosten Frankreichs und oft regnete es leicht. Stürze waren bei diesem Wetter auch heute nicht zu vermeiden, was diesmal gleich drei Fahrern das Tour-Aus bescherte. Xabier Zandio (Sky) und Egor Silin (Katusha) schieden ebenso aus wie Jesus Hernandez (Tinkoff-Saxo), einer der wichtigsten Helfer von Alberto Contador. Nicht nur die Nässe, auch der Wind wurde noch zu einem wichtigen Faktor. Peter Sagan (Cannondale) und der kurz zuvor gestürzte Arnaud Démare (Cofidis) erfuhren, wie schnell bei diesen Bedingungen etwas passieren konnte. Als Omega Pharma-Quick Step gut 60 Kilometer vor dem Ziel für Trubel sorgte, fanden sich der Träger des Grünen Trikots und der französische Meister in einer abgehängten Gruppe wieder. Der zwischenzeitliche Rückstand von 40 Sekunden konnte aber schnell wieder aufgeholt werden. Der Rückstand des Feldes auf die Ausreißer hatte sich durch diese Aktion des OPQS-Teams auf eine halbe Minute reduziert, man ließ sie danach aber noch lange an der kurzen Leine zappeln. Erst zwölf Kilometer vor Schluss fing man Maté als Letzten ein.

Windkante brockt Pinot eine Minute Rückstand ein
Das Thema Windkante kam im Finale noch einmal auf die Tagesordnung, als Omega Pharma-Quick Step wieder aufdrehte – und das Feld halbierte. Démare gehörte wieder zu den Zurückgefallenen, aber aus Omega-Sicht war Thibaut Pinot (FDJ.fr) ein viel interessanterer Mann. Der Franzose erreichte schlussendlich das Ziel unter anderem in Begleitung von Pierre Rolland (Europcar) und Sébastien Reichenbach (IAM Cycling) in einer Gruppe mit 59 Sekunden Rückstand. Ein erfreulicher Zeitgewinn für Michal Kwiatkowski auf einen seiner mutmaßlich größten Konkurrenten im Kampf um den Sieg in der Nachwuchswertung. 2:34 Minuten Vorsprung auf Pinot hat der Pole nun, der das Weiße Trikot stellvertretend für Sagan trägt und es zum Ende der Etappe noch einmal groß präsentierte. Auf der gut einen Kilometer langen Zielgeraden in Reims attackierte Kwiatkowski. Ein Versuch, der aussichtsreich anmutete, weil keine Mannschaft einen richtigen Zug hatte aufbauen können. Doch das Team des schon am ersten Tag ausgeschiedenen Mark Cavendish bleibt ohne ihren Topsprinter weiterhin sieglos. Kwiatkowskis Kraft reichte nicht, um sich gegen die heranstürmenden Sprinter zu behaupten und Mark Renshaw spurtete nur zu Platz vier, auch wenn das für den Australier an sich kein miserables Ergebnis ist.

Der „deutsche Joker“ sticht: Greipel siegt in Kittel-Manier
Es war für lange Zeit die letzte Etappe, bei der man ohne Zweifel mit einem Massensprint rechnen konnte. Erst auf dem 15. Teilstück in zehn Tagen wird dies wieder der Fall sein. Gerade deshalb war es eine vielleicht einmalige Chance für alle bisher sieglosen Sprinter, als Marcel Kittel (Giant-Shimano) zwei Kilometer vor dem Ziel nur noch ausrollte. Es war kein Defekt, wie zuerst vermutet. „Im Finale verloren wir die Kontrolle und konnten unseren Sprintzug nicht in die richtige Position bringen.“ Der Versuch, wieder an die Spitze zu kommen, kostete zu viel Energie, fuhr Kittel fort, der trotz drei Siegen in der Tasche seine Enttäuschung nicht verstecken wollte. Deutsche Radsportfans durften sich trotzdem freuen, denn so überlegen wie Kittel bisher war, präsentierte sich heute André Greipel (Lotto Belisol). Souverän vor Alexander Kristoff (Katusha), Samuel Dumoulin (AG2R La Mondiale), Renshaw und Sagan sprintete der 31-Jährige als Erster über die Ziellinie. Sagans Vorsprung in der Punktewertung beträgt nunmehr 80 Punkte auf Bryan Coquard (Europcar), der sich am Zwischensprint eine Auszeit gegönnt hatte und die Etappe als Achter abschloss, und 82 auf Kittel. Führender der Gesamtwertung, in der Pinot von Rang 15 auf 21 abrutschte, und Träger des Gelben Trikots bleibt Vincenzo Nibali (Astana).

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Bevor die Tour de France am Wochenende in die Vogesen kommt, steht noch ein Abschnitt bevor, der zwar größtenteils flach ist. Aber auf den letzten 20 Kilometern der 7. Etappe gibt es zwei Bergwertungen, Côte de Maron (3,2 km à 5,0%) und Côte de Boufflers (1,3 km à 7,9%), welche die Sprinter vor eine nicht unlösbare, aber zumindest sehr schwere Herausforderung stellen werden.





André Greipel lässt den anderen Sprintern auf der 6. Etappe der Tour de France keine Chance (Foto: Veranstalter/letour.fr)
André Greipel lässt den anderen Sprintern auf der 6. Etappe der Tour de France keine Chance (Foto: Veranstalter/letour.fr)

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