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Tag der Tonys bei der Tour: Martin mit sensationellem Sieg in den Vogesen, Gallopin bekommt Gelb „geschenkt“
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13.07.2014

Tag der Tonys bei der Tour: Martin mit sensationellem Sieg in den Vogesen, Gallopin bekommt Gelb „geschenkt“

Info: TOUR DE FRANCE 2014
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Mulhouse, 13.07.2014 – Für sechs deutsche Siege hatten Marcel Kittel (Giant-Shimano), André Greipel (Lotto Belisol) und Tony Martin (Omega Pharma-Quick Step) vor einem Jahr bei der Tour de France gesorgt; eine Marke, die sie gut und gerne noch einmal übertreffen könnten. Kittel und Greipel, die in der ersten Rennwoche zusammen schon wieder vier Siege einfuhren, spielten heute auf der 9. Etappe keine Rolle, dafür markierte Zeitfahr-Weltmeister Martin in den Vogesen sein Revier mit einer eindrücklichen Flucht. Erst zusammen mit einem Partner, auf den letzten 59 Kilometer dann alleine, und immer im Kampf gegen eine gut zwanzigköpfige Verfolgergruppe, die nicht den Hauch einer Chance gegen den „Panzerwagen“ hatte. Zu dieser Gruppe gehörte Tony Gallopin (Lotto Belisol), der von glücklichen Umständen profitierte und morgen als Franzose am Nationalfeiertag das Gelbe Trikot tragen darf.

De Marchi und Martin reißen nach 15 Kilometern gemeinsam aus
170 Kilometer von Gérardmer nach Mulhouse – mitten durch das Herz der Vogesen, bis hinauf zum Grand Ballon, dem höchsten Gipfel des Mittelgebirges in Ostfrankreich. Die 9. Etappe der Tour de France führte bei mäßigen Wettbedingungen über sechs Anstiege, die nicht an Alpen oder Pyrenäen heranreichten, aber sich zu einer anspruchsvollen Strecke zusammenfügten. Anders als gestern und morgen stand jedoch keine Bergankunft bevor, weshalb fest davon auszugehen war, dass ein Ausreißer den Tagessieg erringen könnte. Gleich nach dem Start am Col de la Schlucht (Kat. 2) setzten sich zahlreiche Fahrer in Szene, doch eine erste große Gruppe wurde nach der Bergwertung bereits wieder eingeholt. Zu dieser hatte Alessandro De Marchi (Cannondale) gehört, der sich vom Scheitern des ersten Versuchs nicht unterkriegen ließ und sofort wieder attackierte. Tony Martin (Omega Pharma-Quick Step) reagierte umgehend und war schnell dran am Italiener. Niemand konnte ahnen, dass die Etappe damit praktisch schon entschieden war. Zumal sich kurz darauf eine riesige Verfolgergruppe mit 28 Fahrern bildete, in der ein Europcar-Quintett zugegen war, von dem nur Pierre Rolland und Cyril Gautier geschützte Rollen hatten, während Alexandre Pichot, Perrig Quéméneur und Kévin Réza als Zugpferde Jagd auf die beiden Führenden machten.

Martin nicht aufzuhalten – weder von der Gruppe noch De Marchi
Doch Martin wusste, dass seine Chancen auf den Etappensieg definitiv nicht steigen würden, sollte er den einfachen Weg wählen und sich in die Gruppe zurückfallen lassen. Gemeinsam mit De Marchi, dessen Anteil an der Führungsarbeit mit zunehmender Renndauer allerdings immer kleiner wurde, baute er stattdessen den Vorsprung kontinuierlich aus: 30 Sekunden auf dem Col du Wettstein (Kat. 3), eine Minute auf der Côte des Cinq Châteaux (Kat. 3), fast zwei auf der Côte de Gueberschwihr (Kat. 2) – von Berg zu Berg wurde der Abstand größer. Auch die schwerste Prüfung meisterte Martin souverän: den gut zehn Kilometer langen Anstieg nach Le Markstein, den ersten Kategorie-1-Berg dieser Tour, der sich bis zum Grand Ballon verlängerte, wo die sechste und letzte Bergwertung (Kat. 3) abgenommen wurde. Dort oben, auf dem mit 1336 Metern höchsten Punkt der Strecke, war Martin schon alleine und nicht mehr aufzuhalten. 16 Kilometer vor dem Gipfel, 59 vor dem Ziel, hatte er De Marchi mit einer Tempoverschärfung stehenlassen und vergrößerte den Abstand zur Verfolgergruppe auf drei Minuten. Die lange Abfahrt ins Tal und das abschließende Flachstück nach Mulhouse konnten den Solisten auch nicht mehr stoppen, der das Ziel vollkommen ungefährdet mit 2:45 Minuten Vorsprung erreichte.

Keine Gegenwehr: Astana überlässt Gallopin das Gelbe Trikot
Die Europcar-Armada war machtlos gegen die Power des „Panzerwagens“ – ein Spitzname für Tony Martin, der heute wieder einmal wie die Faust aufs Auge zu seiner unaufhaltbaren Fahrweise passte. Die Tempoarbeit reichte aber aus, dass die Verfolgergruppe das Feld weit abhängte, wovon vor allem Tony Gallopin (Lotto Belisol) profitierte. Der war nämlich vorher schon Elfter der Gesamtwertung mit nur 3:27 Minuten Rückstand auf Vincenzo Nibali, was den Italiener aber gar nicht juckte. Seine Astana-Mannschaft führte das Hauptfeld mit einer auffälligen Ruhe und Sorglosigkeit über diese Etappe, erweckte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, als hätte man irgendein Interesse daran, das Maillot Jaune zu verteidigen. Fünf Minuten Rückstand standen schlussendlich auf die Gruppe um Gallopin zu Buche, der auf unfassbar leichte Weise mit relativ geringem eigenen Einsatz die Führung der Frankreich-Rundfahrt übernahm. Er ist der erste Franzose in Gelb seit 2011 und hat einen Vorsprung von 1:34 Minute auf Nibali. Gesamtdritter ist ein weiterer Ausreißer, der Portugiese Tiago Machado vom deutschen Rennstall NetApp-Endura. Auch Rolland machte durch den großen Zeitgewinn einen Sprung in die Top10. In der Mannschaftswertung rückten Belkin und AG2R La Mondiale bis auf weniger als eine Minute an Astana heran.

Martin nach Jens Voigt als zweiter Deutscher im Bergtrikot
20 Fahrer gehörten bei der Zielankunft noch zur Verfolgergruppe hinter Martin, auch der zurückgefallene De Marchi, dessen Ziel die Eroberung des Bergtrikots war. Dieses hatte er beim Critérium du Dauphiné gewonnen und nach eigener Aussagen Gefallen daran gefunden. Solange sie zusammenfuhren, ließ Martin ihm an den Bergwertungen immer den Vortritt. Doch mit seinem Solo über Le Markstein und Grand Ballon wendete der Deutsche, der selbstverständlich zum kämpferischsten Fahrer auserkoren wurde, das Blatt noch zu seinen Gunsten. Martin bringt es auf 18 Punkte, während der gestrige Etappensieger Blel Kadri (AG2R La Mondiale) bei 17 Punkten bleibt und De Marchi es auch nur auf diese Anzahl bringt. Joaquin Rodriguez (Katusha) und Nicolas Edet (Cofidis) stritten sich mit großem Einsatz um die verbliebenen Punkte hinter Martin und De Marchi, was größere Ambitionen dieser beiden Fahrer im Hinblick auf das Gepunktete Trikot vermuten lässt. Den Sprint der Verfolger um den zweiten Platz gewann im Übrigen Fabian Cancellara (Trek Factory Racing) vor Greg van Avermaet (BMC Racing Team) und Tom Dumoulin (Giant-Shimano). Mit dem Zeitlimit geriet niemand in Konflikt, das Gruppetto erreichte über acht Minuten vor Ablauf der Karenzzeit das Ziel – und das obwohl die ersten Fahrer um Marcel Kittel (Giant-Shimano) und Arnaud Démare (FDJ.fr) schon am ersten Anstieg zurückgefallen waren.

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Dass Tony Gallopin heute das Gelbe Trikot übernahm, ist für die Franzosen umso schöner, da morgen ihr Nationalfeiertag ansteht. Die 10. Etappe wird noch herausfordernder mit sieben Bergwertungen, davon vier der 1. Kategorie. Bei der Bergankunft in La Planche des Belles Filles (5,9 km à 8,5%) dürfte es Gallopin kaum möglich sein, sich auf dem ersten Platz zu halten.





Tony Martin hat am Ende seiner langen Flucht noch Kraft zum Jubeln (Foto: Veranstalter/letour.fr)
Tony Martin hat am Ende seiner langen Flucht noch Kraft zum Jubeln (Foto: Veranstalter/letour.fr)

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