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Tagebuch Heinrich Berger: Etappensieg bei der Tour of Szeklerland
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24.07.2010

Tagebuch Heinrich Berger: Etappensieg bei der Tour of Szeklerland

Info: Alle Tagebuch-Einträge von Heinrich Berger | Tour of Szeklerland (2.2)
Autor: Heinrich Berger



23.07.2010 - Schon in seinem zweiten Eintrag kann unser neuer Tagebuch-Autor Heinrich Berger über einen Sieg berichten. Bei der Tour of Szeklerland gewann er die 2. Etappe, die mit einem spektakulären Sturz auf der Zielgeraden endete, dem Heinrich gottseidank entging. Ein anderer bekannter Deutscher war bereits vorher gestürzt und verletzte sich schwer.



Heute melde ich mich zum zweiten Mal aus Rumänien von der Szekerland Rundfahrt. Aber ich beginne mit einem kurzen Nachtrag zu gestern. Am Morgen hatten wir ziemlich viel Stress, weil unser Teamchef die Zeit für den Transfer zum Etappenstart ein wenig knapp kalkuliert hatte. Es war eine sehr spannende Autofahrt die ich mir auch gerne erspart hätte. Aber was soll's, ist ja alles nochmal glatt gegangen.

Im Gegensatz dazu verlief der heutige Morgen sehr entspannt, wir waren gut in der Zeit und so verliefen die letzten Vorbereitungen recht entspannt.
Wie auch der größte Teil des Rennens. Es war mir im Vorhinein klar, dass sich heute in der Gesamtwertung kaum viel bewegen würde dafür war der Kurs einfach zu "leicht".
Doch von vorn.

Schwerer Sturz von Sven Krauss
Wie auch gestern schon starteten wir in der unmittelbaren Nähe zur ersten Bergwertung, was wiederum hieß ... ohne großes Einrollen gleich in die Wand ... wie ich es hasse ...
Als wir oben waren, hatte sich das Feld bereits in seine Einzelteile zerlegt. Ich befand mich in der dritten kleinen Gruppe die mit ca, einer Minute Rückstand über die Kuppe fuhr. Etwas weiter vorne befand sich einer von zehn Deutschen in diesem Feld, der ex-Gerolsteiner Profi Sven Krauss.
Ich bin meist ganz froh, mal wieder Deutsch sprechen zu können. Meine Englisch-Kenntnisse sind zwar ganz passabel aber damit kommt man hier leider kaum weiter.
Und man redet halt, wenn es die Rennsituation zulässt, gerne mal miteinander. Ich kannte ihn vorher nur mit Namen bzw. von hinten, da Sven sehr starke Rundstreckenrennen im Ruhrpott fährt und ich da sein Hinterrad eher selten halten kann.

Als nun das Feld nach ca. 5 km Abfahrt wieder zusammen rollt, bemerke ich recht schnell, dass Sven nicht mehr da ist und da ich die Rennsituation gut im Blick hatte, wusste ich auch, dass wir alle wieder zusammen gerollt waren und es keine Ausreißer gab. Einige Kilometer später ist Sven ziemlich böse gestürzt, als er versucht hat, in der Abfahrt das Loch zum Vordermann zuzufahren. Er ist dabei wohl zu schnell gewesen und die Böschung runter geflogen und hat sich dabei den Unterarm gebrochen! So schnell kann das gehen ...
An dieser Stelle gute Besserung Sven!
Doch weiter im Text ...

Vielversprechendes Etappenfinale
Bis zum Anstieg zur letzten Bergwertung war das Feld quasi komplett beisammen.
Das änderte sich schnell. Als ich über den Zielstrich zur Bergwertung fahre, sind vor mir ca. 15 Mann und an meinem Hinterrad nochmal ca. 15 Fahrer.
Wir stürzten uns also in die regennasse und sehr gefährliche Abfahrt. Da ist dann zum Glück nichts Nennenswertes passiert. Natürlich gab es auch hier wieder sehr brenzlige Situationen, aber zum Glück nicht mehr!
Die letzten 25 km legte ich also mit den verbliebenen 40
Mann zurück, die sich über den Berg retten konnten.
Und da 40 bekanntlich wesentlich weniger sind als 120 und ich den ganzen Tag nicht ein einziges Mal die Nase im Wind hatte, stiegen meine Chancen auf einen sehr wertvollen Etappensieg gewaltig an.

Die letzten 3 km der Strecke waren von sehr hohem Tempo, sehr schlechten Straßenverhältnissen und wiederum vielen Defekten und Stürzen geprägt. Aus all dem konnte ich mich zum Glück raushalten.
Im Spurt an sich hatte ich viel Platz und mir vorher eine gute Position erarbeitet. An der 300 Meter Marke war ich 5ter und kam mit Schwung von hinten. 150 Meter vor dem Ziel bin ich Dritter und bereits seit einigen Sekunden voll am Anschlag und voll im Wind. Ich denke mir: Jetzt nur noch durchziehen, dann fährst du heute aufs Podium.
Aber es sollte wieder ganz anders kommen und das 100 Meter vor Schluss!

Sturz entgangen und Sieg geholt
Ich bin nun also direkt neben dem Hinterrad des einen Tusnad-Fahrers (ein sehr starker Sprinter) und was soll ich sagen, auf einmal aus mir noch unerfindlichen Gründen kracht es neben mir. Der Fahrer von Tusnad und sein Hintermann legen sich bei ca. 60 km/h vor ungefähr 2000 Zuschauern schön mit der Breitseite auf die Straße (Fresse).
Während ich daneben mit einem 200er Puls um mein Leben kämpfe, bekomme ich den Arm des Tusnad-Fahrers unter mein Vorderrad und bretter voll drüber! Da sich die beiden neben mir gerade komplett zerlegt haben, kurbel ich natürlich weiter und gewinne mit Abstand die zweite Etappe!
Ich hoffe sehr, dass es von dieser Zieleinfahrt gute Fotos gibt, das muss echt wahnsinnig aussehen vom Rand!

Naja, des einen Freud ist des anderen Leid, also an dieser Stelle allen, die heute gestürzt sind, und das sind einige ... Denen natürlich gute Besserung und lasst den Kopf nicht hängen, denn wie sagte schon mein alter weiser Trainer: Was dich nicht umbringt macht dich hart!

In diesem Sinne gehabt euch wohl
Sport frei
Heinrich

PS: Ich freu mich gerade tierisch aufs Essen :-))





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