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Geburtstagskind Jolien d´Hoore bejubelt bei Ronde van Drenthe ihren ersten Weltcupsieg
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14.03.2015

Geburtstagskind Jolien d´Hoore bejubelt bei Ronde van Drenthe ihren ersten Weltcupsieg

Info: Ranglisten Frauen-Weltcup 2015
Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)



Drenthe, 14.03.2015 - Jolien d'Hoore (Wiggle-Honda) hat sich bei der Boels Rental Ronde van Drenthe ein wunderbares Geburtstagsgeschenk gemacht. Die seit heute 25-jährige Belgierin gewann erstmals einen Straßen-Weltcup, und zwar gleich das Auftaktrennen, welches über 138,3 Kilometer rund um Hoogeveen führte. Im Sprint einer größeren Spitzengruppe setzte d'Hoore sich vor den Niederländerinnen Amy Pieters (Liv-Plantur) und Ellen van Dijk (Boels-Dolmans) durch. Vor einer knapp einer Woche hatte d'Hoore, die amtierende Landesmeisterin auf der Straße und im Omnium, bereits den Omloop van het Hageland für sich entschieden.

Klassikerfeeling zum Weltcup-Auftakt
"Das Warten hat ein Ende" betitelte die UCI vor wenigen Tagen ihre Vorschau auf den Weltcup-Auftakt des Jahres 2015. Dieser fand heute, wie seit 2012 üblich, in der niederländischen Provinz Drenthe statt und konfrontierte die Teilnehmerinnen mit einem abwechslungsreichen Parcours, der die wesentlichen Klassikerelemente in sich vereint: Streckenweise flach und kopfsteingepflastert wie Paris-Roubaix, stellenweise aber auch hügelig wie ein Ardennenrennen, was im Wesentlichen dem VAM-Berg, dem eigentlichen Star der Ronde van Drenthe, geschuldet war. Dabei handelt es sich um einen abgedeckten, grasbewachsenen Abfallberg auf dem Geländer der VAM ("Vuil Afvoer Maatschappij" = Müllabfuhrgesellschaft), welcher sich immerhin 380 Meter über Normalnull erhebt. Dreimal mussten die Fahrerinnen ihn überqueren, das erste Mal bereits nach 10 Kilometern. Wie nicht anders zu erwarten war, wies aber erst die letzte Passage alle Anzeichen einer Vorentscheidung auf. 16 Fahrerinnen spalteten sich vom Hauptfeld ab, von denen nun fast jede versuchte, möglichst viele Konkurrentinnen loszuwerden.

Erste Siegerin aus Belgien vor drei Niederländerinnen
Aus dem Feuerwerk der Attacken ging eine vierköpfige Gruppe hervor, die aus Chantal Blaak (Boels-Dolmans), der Siegerin von Le Samyn, Tiffany Cromwell (Velocio-SRAM), Roxane Kneteman (Rabo-Liv Women Cycling Team) und Elisa Longo Borghini (Wiggle-Honda), der Drittplatzierten der Strade Bianche, bestand. Letztlich kam aber keine von den gerade Genannten unter die Top5, und zwar weil sie aus ihrem Vorteil nichts zu machen wussten. Im Zielort Hoogeveen schlief das Tempo ein - die schon abgehängte Konkurrenz flog wieder heran, darunter Scratch-Weltmeisterin Kirsten Wild (Hitec Products), die aufgrund eines Defekts relativ früh zurückgefallen war. Es lief also doch auf den Sprint einer größeren Gruppe heraus. Dabei wurde Jolien d'Hoore von Chloe Hosking, die am Ende Fünfte wurde, gut in Position gebracht und sicherte sich nicht nur ihren zweiten Saisonerfolg, sondern den bislang größten ihrer Karriere. Der ersten belgischen Drenthe-Siegerin geschlagen geben mussten sich Amy Pieters (Liv-Plantur), Ellen van Dijk (Boels-Dolmans) und Lucinda Brand (Rabo-Liv). Elizabeth Armitstead (Boels-Dolmans) und Emma Johansson (Orica-AIS), die Gewinnerinnen von 2014 und 2009 belegten diesmal die Plätze sieben und acht. Die Italienerinnen Marta Tagliaferro (Alé Cipollini) und Barbara Guarischi (Velocio) komplettierten die Top10. Die Deusche Romy Kasper (Boels) finishte zwischen Wild und Annemiek van Vleuten (Bigla Pro) als Zwölfte. Marianne Vos, die mit drei Siegen Rekordhalterin bei der Ronde van Drenthe ist, verzichtete auf einen Start. Offenbar ist die Oberschenkelverletzung der Weltranglistenersten noch nicht ganz verheilt.

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Nur drei Klassements
Für ihren Sieg erhält Jolien d'Hoore 120 Weltcup-Punkte und das weiße Trikot der Weltcup-Führenden, welches - wie die UCI vor wenigen Tagen meldete - weiterhin von dem italienischen Traditionsunternehmen Santini gefertigt wird. In der Mannschaftwertung liegt Wiggle-Honda vorne, beste Nachwuchsfahrerin (U23) ist fürs Erste Rossella Ratto (INPA-Sottoli-Giusfredi) auf Rang 17. Ein Klassement für die beste Sprinterin und für die beste Bergfahrerin gibt es, anders als 2014, nicht.

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D'Hoore redet Klartext zum Thema Magersucht im Radsport
Jolien d'Hoore hat eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Als sie 2012 erstmals belgische Meisterin auf der Straße wurde, fragten sich viele noch: "Jolien wer?" - und das obwohl sie 2008 Junioren-Weltmeisterin war und in den Nachwuchsklassen auf der Bahn viele Medaillen bei internationalen Wettbewerben holte. Im Track-Radsport blieb sie auch weiterhin sehr aktiv und erfolgreich, zugleich aber machte sie auf der Straße immer wieder auf sich aufmerksam. 2013 gewann sie Dwars door de Westhoek, 2014 - wieder im Meistertrikot - zwei Etappen der BeNe Ladies Tour, vor einer Woche den Omloop van hat Hageland und heute, an ihrem 25. Geburtstag, dann sogar ein Weltcuprennen. Dass d'Hoore auch eine aufmerksame, engagierte Sportlerin ist, bewies sie kürzlih in einem Interview mit "Het Nieuwsblad", in dem sie auf die Gefahr von Esstörungen im (Frauen-)Peloton aufmerksam machte. "Als Sprinterin muss ich zwar auf mein Gewicht achten, aber wenn ich ein, zwei Kilos zu viel draufhabe, dann ist das kein Drama. Leider sehen das nicht alle meine Kolleginnen so. Tatsächlich macht sich ein neues Übel bemerkbar. Sein Name ist: Anorexie [Fachbezeichnung für Magersucht]. Allein dieses Wort lässt mich erschaudern." Um der krankhaften Gewichtsreduktion gerade bei Bergspezialistinnen Einhalt zu gebieten, fordert d'Hoore medizinische Kontrollen: "Wäre es nicht gut vorzubeugen, indem man die körperbezogenen Daten der Fahrer zusätzlich zu den traditionellen Doping-Kontrollen aufzeichnet? Ich denke an wöchentliche oder monatliche Gewichtschecks, Messungen von Körperfett und -wasser. Es wäre ein kleiner Aufwand für die Behörden, aber für die Fahrerinnen wäre es eine Erlösung. Ich hoffe, dass die Radsport-Bürokratie schnell reagiert, denn es passiert sonst ein Unglück."

Der Weltcup besteht diesmal aus zehn Wettkämpfen, hinzugekommen ist die Philadelphia International Cycling Classic. Die zweite Station ist aber eine ganz traditionelle: die Trofeo Alfredo Binda am 29. März.





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