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Freitag der 13. beim Giro: Greipel holt an Kittels Unglückstag seinen 2. Etappensieg und das Rote Trikot
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13.05.2016

Freitag der 13. beim Giro: Greipel holt an Kittels Unglückstag seinen 2. Etappensieg und das Rote Trikot

Info: GIRO D’ITALIA 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Foligno, 13.05.2016 – Die Sprints bei der 99. Italien-Rundfahrt bleiben weiterhin fest in deutscher Hand. Zwar stiegen die Hoffnungen der Konkurrenten aus anderen Nationen, als Marcel Kittel im Finale durch einen Defekt zurückgeworfen wurde, doch dann war da ja immer noch André Greipel, der auf dem kurvigen letzten Kilometer einen kühlen Kopf bewahrte und die richtigen Lücken fand, um am Ende einen klaren Tempoüberschuss in seinen zweiten Sieg bei diesem Giro umzumünzen. Greipel übernahm durch das Pech seines Landsmann auch das Rote Trikot. Es war der zweite Coup dieser Art für Lotto Soudal, weil überdies Tim Wellens Damiano Cunego das Bergtrikot abluchste. Keinerlei Gefahr bestand dagegen für das Rosa Trikot von Tom Dumoulin, der auch nichts anbrennen ließ, als es in der ersten Etappenhälfte zu einer Dreiteilung des Pelotons gekommen war.

Unglücklich agierender Cunego verliert das Bergtrikot an Wellens
Ganz ähnlich der 5. Etappe zwei Tage zuvor war das 7. Teilstück des Giro d’Italia sehr lang und hatte eine frühe Bergwertung zu bieten. Nach nur 20 der 211 Kilometer, die zwischen Sulmona und Foligno insgesamt zurückzulegen waren, gab es eine 2. Kategorie, an der Damiano Cunego (Nippo-Vini Fantini) gerne seine gestern stark geschrumpfte Führung im Bergklassement wieder ausgebaut hätte. Doch es kam ganz anders. Zunächst einmal sammelten Stefan Küng (BMC Racing), Jay McCarthy (Tinkoff) und Patrick Gretsch (AG2R La Mondiale) als Ausreißer die dicksten Punkewerte ein, was Cunego im Nachhinein sogar noch zu Gute kam, weil er im Zweikampf gegen Tim Wellens (Lotto Soudal) um den vierten Platz den Kürzeren zog. Zwei Punkte mehr für den auf der Etappe vom Vortag siegreichen Belgier ließen ihn mit einem Zähler Vorsprung an Cunego vorbeiziehen. Cunego versuchte einige Stunden später an der zweiten Bergwertung des Tages, welche sich 40 Kilometer vor dem Ziel befand, das Blatt noch einmal zu wenden. Doch dort konnte er mit einem Solo-Angriff wieder nicht an eine Spitzengruppe herankommen, womit er leer ausging. Die Küng-McCarthy-Gretsch-Gruppe war schon kurz nach der ersten Bergwertung Geschichte, als das Rennen einen unerwartet aufregenden Verlauf nahm.

Eine mehr als einstündige Jagd zwischen verschiedenen Feldern
Das hohe Tempo im Anstieg zur ersten Bergwertung in Le Svolte di Popoli (9,0 km à 5,5%) hatte dazu geführt, dass das Feld zerrissen wurde und weil die vordersten Grüppchen nach dem Ende der Steigung nicht langsamer wurden, erfolgte eine Teilung, die eine gute Stunde lang alle Beteiligten in Atem hielt. Ganz vorne befanden sich circa 40 Fahrer, darunter Leader Tom Dumoulin (Giant-Alpecin) und alle anderen großen Favoriten für die Gesamtwertung. Dahinter folgten 50 weitere Fahrer und danach die größte Gruppe dieser Rennphase, in der sich vor allem die Sprinter befanden. Als sich nach 45 Kilometern das zweite und das dritte Feld vereinigten, betrug der Rückstand auf das erste Feld mehr als zwei Minuten. Erst 30 Kilometer später kam es wieder zu einem großen Zusammenschluss. Kurz zuvor hatte aus dem ersten Feld erneut der Schweizer Küng attackiert und eine neue Fluchtgruppe auf den Weg gebracht. Diesmal bekam er mit Axel Domont (AG2R La Mondiale), Giulio Ciccone (Bardiani-CSF), Ilia Koshevoy (Lampre-Merida), Daniel Martínez (Wilier Triestina-Southeast) und dem Österreicher Stefan Denifl (IAM Cycling) sogar fünf Begleiter. Ihren höchsten Vorsprung erreichten die Ausreißer schließlich einhundert Kilometer vor dem Ziel: es waren nur vier Minuten.

Der letzte Anstieg kann Kittel nicht eliminieren, ein Defekt schon
Nur noch etwa eineinhalb Minuten waren davon übrig, als der Anstieg zum Valico della Somma (6,7 km à 4,9%) begann, wo sich die zweite Bergwertung befand. Küng und Co. erreichten die 4. Kategorie 40 Sekunden vor Cunego, der vergeblich um sein Bergtrikot gefightet hatte, und 1:05 Minute vor dem Hauptfeld, in dem Lotto Soudal und FDJ an einem gemeinsamen Projekt arbeiteten, das sich scheinbar realisieren ließ. Sie hatten Marcel Kittel (Etixx-Quick Step) abgeschüttelt, der die Bergwertung rund 30 Sekunden nach der Spitze des Feldes erreichte. Doch diese Eliminierung des Topfavoriten für den erwarteten Massensprint war nicht endgültig, etwas mehr als zwanzig Kilometer vor dem Ziel schloss der Gewinner der Etappen 2 und 3 wieder auf. In der Zwischenzeit hatte sich die Ausreißersituation stark verändert, weil Küng in der Abfahrt nach der Bergwertung davongezogen war. Als Solist hielt er bis sieben Kilometer vor dem Ende durch, ehe mit seiner Einholung endgültig wieder „gruppo compatto“ galt. Dabei blieb es aber nicht lange, denn Marcel Kittel war von den gegnerischen Teams heute zwar nicht zu distanzieren, aber gegen den Zufall hatte er keine Chance. Fünf Kilometer vor dem Ende fiel er durch einen Defekt zurück.

3. Lotto Soudal-Sieg in Folge, der 4. für Deutschland bei diesem Giro
Die Ankunft in Foligno, wo vor zwei Jahren Nacer Bouhanni gewonnen hatte, war topfeben, aber sehr winklig. Allein fünf Kurven gab es auf dem letzten Kilometer, was die Sprintvorbereitung für alle schwierig gestaltete. Jürgen Roelandts (Lotto Soudal) schaffte es, seinen Teamkollegen André Greipel recht lange an der Spitze zu halten. Zumindest so lange, bis an der 500-Meter-Marke zwei Orica-GreenEdge-Fahrer nach vorne stürmten und somit Caleb Ewan 200 Meter vor dem Ende als Erster durch die finale Kurve bog. Greipel war einige Positionen zurückgefallen, fand dann aber wieder den Weg nach vorne, sprintete in die richtigen Löcher hinein und am Ende als klarer Sieger über den Zielstrich. Es war der 19. Etappensieg bei der 12. Grand Tour seiner Karriere – bei denen er mit Ausnahme der ersten beiden immer mindestens einmal erfolgreich war. Bei diesem Giro gelang ihm nun schon der zweite Tageserfolg, nach welchem er jetzt mit 119 Punkten 13 Zähler vor Kittel die Punktewertung anführt. Arnaud Démare (FDJ) hätte das Rote Trikot auch übernehmen können, wenn er mindestens Zweiter geworden wäre, doch der Franzose kam in dem heiklen Finale nur auf den 13. Platz. Giacomo Nizzolo (Trek-Segafredo) und Sacha Modolo (Lampre-Merida) wurden Zweiter und Dritter, Ewan, der sehr forsch zu Werke gegangen war, Vierter.

-> Zum Resultat

Ein ganz besonderes Higlight des Giro 2016 ist die morgige 8. Etappe bzw. der Anstieg zur Alpe di Poti (8,6 km à 6,5%, max. 14%), der in ihrem Finale erklommen werden muss. Der Weg zu der 18,4 Kilometer vor dem Ziel gelegenen Bergwertung der 2. Kategorie führt nämlich über Schotterstraßen. Nach der Abfahrt und einem kurzen Flachstück steigt der letzte Kilometer zum Ziel dann wieder an.





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