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Ein neuer Mann in Rosa: Brambilla beerbt kriselnden Dumoulin nach dem Schotteranstieg zur Alpe di Poti
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14.05.2016

Ein neuer Mann in Rosa: Brambilla beerbt kriselnden Dumoulin nach dem Schotteranstieg zur Alpe di Poti

Info: GIRO D’ITALIA 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Arezzo, 14.05.2016 – Anfang März hatte sich Gianluca Brambilla bei Strade Bianche ins Rampenlicht gefahren, prägte das Rennen auf den Schotterstraßen der Toskana als Ausreißer maßgeblich mit und kam als Dritter auf das Podium. Diese Leistung übertraf der 28-jährige Italiener nun beim Giro d’Italia am Anstieg zur Alpe di Poti, wo er sich – ebenfalls auf einer nichtbefestigten Straße – 25 Kilometer vor dem Ziel von zwölf anderen Ausreißern absetzte, woraufhin er nicht nur den Etappensieg holte, sondern auch die Führung in der Gesamtwertung von Tom Dumoulin übernahm, der an diesem Berg von den Topfavoriten um den besonders kampfeslustigen Alejandro Valverde abgehängt wurde. Dennoch bleibt dem Niederländer durchaus die Möglichkeit, im morgigen Einzelzeitfahren sofort zurückzuschlagen.

Dumoulin schon zu Etappenbeginn vorübergehend abgehängt
Das einzige nennenswerte Hindernis im Profil der 8. Etappe der Italien-Rundfahrt, eine Bergwertung der 2. Kategorie, befand sich 18,4 Kilometer vor dem Ziel, und dennoch kam es gleich zu Beginn der 186 Kilometer langen Strecke zu nervenaufreiben Kämpfen zwischen den Favoriten. Bei in dieser Rennphase noch regnerischen Bedingungen zersplitterte das Feld, so wie man es auf der Etappe vom Vortag bereits einmal erlebt hatte. Diesmal war die Situation aber zusätzlich brisant, da sich der Träger des Rosa Trikots vorübergehend im Hintertreffen befand. Zwar kam Tom Dumoulin (Giant-Alpecin) wieder an die übrigen Klassementfahrer heran und am Ende der ersten Rennstunde, in welcher gut 48 Kilometer zurückgelegt worden waren, beruhigte sich die Lage wieder – doch war es im Nachhinein betrachtet vielleicht ein erstes Anzeichen, dass es nicht der Tag des Niederländers werden würde. Als das wiedervereinigte Peloton ein wenig in den Erholungsmodus schaltete, konnten 13 Fahrer (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 13:07 Uhr), die eine Weile nur mit kleinem Vorsprung darum gekämpft hatten, ihre Gruppe an der Spitze des Rennens zu etablieren, nun endlich davonziehen. Maximal fünfeinhalb Minuten nahmen sie in der Folge dem Feld ab, das bei der ersten Passage der Ziellinie in Arezzo aber wieder auf 3:50 Minuten herangekommen war.

Brambilla und Valverde genießen den Schotterweg zur Alpe di Poti
Eine 31,6 Kilometer lange Runde war nach der ersten Zielpassage noch zu absolvieren. Kurz nach deren Beginn führte sie schon einen 8,6 Kilometer langen Anstieg zur Alpe di Poti hinauf, der nur im ersten Viertel über eine asphaltierte Straße führte. Danach ging es bis zum Gipfel dieses Kategorie-2-Berges über einen Schotterweg, wodurch man sich unweigerlich an das Rennen Strade Bianche oder an die Finestre-Etappe vom letzten Jahr erinnert fühlte. Vor allem Gianluca Brambilla (Etixx-Quick Step) und Alejandro Valverde (Movistar) wirbelten mächtig Staub auf. Brambilla war unter den Ausreißern der Beste in der Gesamtwertung und träumte bei nur knapp zwei Minuten Rückstand auf Dumoulin nicht nur vom Tagessieg. Nachdem im unteren Teil des Anstiegs zunächst Matteo Montaguti (AG2R La Mondiale) und Giacomo Berlato (Nippo-Vini Fantini) angegriffen hatten, waren auch diese beiden nicht mehr in der Lage zu folgen, als Brambilla Fahrt aufnahm. Derweil attackierte aus dem Hauptfeld Valverde just in dem Moment, als man den Asphalt verließ. Vincenzo Nibali (Astana), Johan Esteban Chaves (Orica-GreenEdge), Ilnu Zakarin (Katusha), Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo), Rafal Majka (Tinkoff) und Rigoberto Uran (Cannondale) konnten den Kontakt zum Spanier halten – aber Dumoulin geriet in eine Krise.

Dumoulin verliert im Anstieg mehr als eine Minute auf die Konkurrenz
An der Bergwertung auf der Alpe di Poti hatte Dumoulin rund 1:20 Minute auf die Valverde-Gruppe verloren, zu welcher noch Domenico Pozzovivo (AG2R La Mondiale), Mikel Landa (Sky) und Sergey Firsanov (Gazprom-RusVelo) aufgeschlossen hatten, sowie Andrey Amador (Movistar), der Valverde als Tempobolzer diente. Auf Brambilla hatten sie gut zwei Minuten Rückstand. Dumoulin hatte den Aufstieg alleine zu Ende bringen müssen, bevor er in der Abfahrt Unterstützung durch seinen Teamkollegen Nikias Arndt bekam, der zu den Ausreißern gehört hatte. Doch der Deutsche konnten seinen Teamkollegen nicht mehr retten, weil in der vorausfahrenden Favoritengruppe vor allem Valverde und Nibali bergab ein hohes Tempo anschlugen. An Brambilla kamen aber auch sie nicht mehr heran, es konnten sich sogar fünf der 13 Ausreißer vor einer Einholung retten. Brambillas härtester Gegner war bis zum Schluss Montaguti, der von der Bergwertung aus lange etwa 25 Sekunden Rückstand aufwies, auf der ein Kilometer langen Schlusssteigung zum Ziel dann aber nicht mehr Vollgas gab und so letztlich mit einem Rückstand von 1:06 Minute Etappenzweiter wurde. Eine knappe halbe Minute später folgten Moreno Moser (Cannondale), Jaco Venter (Dimension Data) und Alessandro De Marchi (BMC Racing).

Etappensieger Brambilla 23 Sekunden vor Zakarin auch neuer Leader
1:41 Minute nach Brambilla kam dann die von Valverde, Kruijswijk, Landa, Chaves und Zakarin angeführte Favoritengruppe. Majka, Nibali, Uran, Amador, Firsanov und Pozzovivo kassierten noch einmal drei Sekunden mehr. 2:51 Minuten vergingen bis zur Ankunft des geschlagenen Dumoulin, der seinen sechsten Tag in der Maglia Rosa als 38. beendete. Im Vergleich der Anwärter auf den Giro-Gewinn ist nun Zakarin in der Pole Position, liegt 10 Sekunden vor Kruijswijk, 13 vor Valverde, 22 vor Nibali … Allerdings ist der Russe nur Zweiter der Gesamtwertung, denn 23 Sekunden vor ihm liegt Brambilla, der Anfang der Saison auf Mallorca mit der Trofeo Pollença-Andratx sein erstes Rennen seit sechs Jahren gewonnen hatte, nun aber mit diesem Doppelschlag beim Giro aber zweifellos den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere erreicht hat. Brambillas Teamkollege Bob Jungels bleibt Erster der Nachwuchswertung, auch wenn er aus den Top10 der Gesamtwertung herausfiel, zudem ist Etixx-Quick Step nun führend in der Mannschaftswertung. Die Trikots für Punkte- und Bergwertung bleiben bei den Lotto Soudal-Fahrern André Greipel und Tim Wellens. Dumoulin ist nun nur noch Elfter der Gesamtwertung, könnte aber durchaus noch einmal die Spitzenposition angreifen …

-> Zum Resultat

Denn die morgige 9. Etappe ist wie gemacht für Dumoulin, handelt es sich doch um ein Einzelzeitfahren auf sehr hügeligem Terrain. Mit 40,5 Kilometern ist es deutlich länger als jenes, das er auf der 1. Etappe für sich entschieden hatte, womit natürlich auch deutlich größere Abstände erwartete werden dürfen.





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