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0,16 Sekunden und 2:10 Minuten: Kruijswijk im Bergzeitfahren knapp hinter Foliforov, aber weit vor Nibali
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22.05.2016

0,16 Sekunden und 2:10 Minuten: Kruijswijk im Bergzeitfahren knapp hinter Foliforov, aber weit vor Nibali

Info: GIRO D’ITALIA 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Seiser Alm, 21.05.2016 – Am Tag nach der Königsetappe des Giro d’Italia hat Steven Kruijswijk nicht nur das Rosa Trikot souverän verteidigt, sondern seinen Vorsprung in der Gesamtwertung beim Bergzeitfahren auf die Alpe di Siusi noch einmal deutlich ausgebaut. Gut zwei Minuten sind es jetzt auf Johan Esteban Chaves und sogar fast drei Minuten auf Vincenzo Nibali, der schon viel auf den Niederländer verloren hatte, als ihn ein Defekt noch mehr Zeit kostete. Trotz dieses zweifellos als Erfolg zu wertenden Abschneidens hat Kruijswijk auch eine äußerst knappe Niederlage kassiert, wie sie sein Teamkollege Primoz Roglic auf der 1. Etappe erfahren hatte. Auch er war heute offiziell „zeitgleich“ mit einem anderen Fahrer, verpasste den Etappensieg aber um 16 Hundertstelsekunden. Es gewann Alexander Foliforov, den wohl niemand auf dem Zettel gehabt haben dürfte.

Gazprom dominiert den Verlauf des Bergzeitfahrens
Besonders viel Herausragendes hatte Gazprom-RusVelo bei dieser Italien-Rundfahrt noch nicht zeigen können, der siebte Platz von Ivan Savitskiy im Sprint der 12. Etappe war bislang das einzige Top10-Resultat der russischen Wildcard-Mannschaft. Für die 15. Etappe – ein 10,85 Kilometer langes Bergzeitfahren zur in den Südtiroler Dolomiten gelegenen Seiser Alm – hatte sich das Team aber viel vorgenommen und stellte drei der sechs Fahrer, die im Laufe des Rennens die Bestzeit auf Europas größter Hochalm hielten. Zunächst hatten der Chinese Cheng Ji (Giant-Alpecin) mit 33:13 Minuten und nach ihm der Franzose Blel Kadri (AG2R La Mondiale) mit 31:54 Minuten Rang eins im Ziel inne, bevor Artem Ovechkin mit 31:36 Minuten die Führung erstmals ins Gazprom-Lager holte. Dann übernahm sein genau eine Minute schnellerer Teamkollege Aleksey Rybalkin das Zepter und blieb eine ganze Weile unangefochten. Aber nur so lange, bis der 40 Minuten später gestartete Ian Boswell (Sky) mit seinen 30:04 Minuten weitere 32 Sekunden besser war. Der US-Amerikaner blieb eine knappe Stunde lang an der Spitze des Klassements stehen, bis Gazproms Wunderwaffe Alexander Foliforov zuschlug. Zwei Tage, nachdem der 24-Jährige mit Platz zwölf in Cividale del Friuli sein erstes nennenswertes Ergebnis bei diesem Giro eingefahren hatte, pulverisierte er Boswells Zeit förmlich.

Platz 14 an der Zwischenzeit, Platz 1 im Ziel für Foliforov
Foliforov hatte die Strecke in nur 28:39 Minuten absolviert, womit er Boswell um 1:25 Minute in die Schranken wies. Wie stark seine Leistung war, wurde deutlich, als sich die ersten wirklich namhaften Kletterer an seiner Vorlage die Zähne ausbissen. Bob Jungels (Etixx-Quick Step) erreichte das Ziel mit 1:04 Minute Rückstand, nachdem er an der einzigen Zwischenzeit noch 18 Sekunden vor Foliforov gelegen hatte. Dieser zusätzliche Messpunkt befand sich bei Kilometer 4,35 – bis dahin hatte man von dem eigentlich Anstieg zur Seiseralm (9,1 km à 8,3%) allerdings erst 2,6 Kilometer absolviert, davor hatte die Strecke noch einigermaßen flach begonnen. Ähnlich wie Jungels erging es vielen weiteren Fahrern, beispielsweise auch Ilnur Zakarin (Katusha), der an der Zwischenzeit sogar 30 Sekunden vor Foliforov, im Ziel aber 47 Sekunden hinter ihm lag. Genauso war es bei Alejandro Valverde (Movistar), für den sich ein Vorsprung von 27 Sekunden bei der Zwischenzeit auf den folgenden 6,5 Kilometern in einen Rückstand von 23 Sekunden verwandelte. Für die Bestzeit bei Kilometer 4,35 sorgte der letzte Starter: Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) startete an seinem ersten Tag in der Maglia Rosa 39 Sekunden schneller als Foliforov – und im Ziel waren die beiden zeitgleich. Nicht ganz zeitgleich, denn 16 Hundertstel Vorsprung bescherten Foliforov den mit Abstand größten Sieg seiner noch jungen Karriere.

Nibali verliert viel Zeit und Gesamtrang zwei an Chaves
So ärgerlich die knappe Niederlage für Kruijswijk war, der ja schon einmal am Vortag auf der Königsetappe einen zweiten Platz belegt hatte; der Vorsprung zu seinen Konkurrenten im Kampf um den Gesamtsieg dürfte ein sehr schöner Trost gewesen sein. 23 Sekunden nahm er Alejandro Valverde (Movistar) ab, der vor Firsanov und Michele Scarponi (Astana) Etappendritter wurde. Auf Platz sechs folgte Johan Esteban Chaves (Orica-GreenEdge), der 40 Sekunden einbüßte. Noch viel schlimmer traf es Vincenzo Nibali (Astana), der an der Zwischenzeit bereits eine halbe Minute auf Kruijswijk verloren hatte und noch weiter zurückfiel. Zu allem Unglück erforderte ein Schaltungsdefekt auch noch den Umstieg auf eine andere Rennmaschine, was ebenfalls zu dem Verlust beitrug, der sich schlussendlich auf 2:10 Minuten belief. Somit beträgt Nibalis Rückstand in der Gesamtwertung jetzt schon 2:51 Minuten und er musste Rang zwei an Chaves abtreten, der 2:12 Minuten hinter Kruijswijk liegt. Valverde (+3:29) behauptete sich auf Platz vier, während sein Teamkollege Andrey Amador (+5:27) von fünf auf sieben abrutschte, von Rafal Majka (Tinkoff/+4:38) und Zakarin (+4:40) überholt wurde. Jungels machte mit Tagesplatz neun eine großen Sprung von Gesamtrang zwölf auf acht; der schwache Rigoberto Uran (Cannondale) machte diesen Platztausch in die umgekehrte Richtung.

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Nach drei harten Etappen in den Bergen gibt es nun erst einmal den letzten Ruhetag des Giro, bevor es genauso so schwer weitergeht. Auf der mit 132 Kilometern sehr kurzen 16. Etappe geht es über Passo della Mendola (14,8 km à 6,5%) und knapp zehn Kilometer vor dem Ende über Fai della Paganella (10,2 km à 7,4%). Zudem gibt es auf den letzten sechs Kilometern eine bis zu 9% schwere Schlusssteigung.





0,16 Sekunden und 2:10 Minuten: Kruijswijk im Bergzeitfahren knapp hinter Foliforov, aber weit vor Nibali
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Foto: Sabine Jacob

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