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6. deutscher Sieg: IAM-Fahrer Roger Kluge „stiehlt“ den Sprintern mit spätem Angriff die 17. Giro-Etappe
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25.05.2016

6. deutscher Sieg: IAM-Fahrer Roger Kluge „stiehlt“ den Sprintern mit spätem Angriff die 17. Giro-Etappe

Info: GIRO D’ITALIA 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Cassano d'Adda, 25.05.2016 – Ein Sprint ohne Marcel Kittel und André Greipel, welche die Siege bei allen bisherigen fünf Massenankünften des 99. Giro d’Italia unter sich aufgeteilt hatten, mittlerweile aber längst schon wieder nach Hause gereist sind. Es klang wie ein Traum für all die anderen schnellen Leute wie Giacomo Nizzolo, die in den ersten beiden Wochen der Italien-Rundfahrt stets leer ausgegangen waren. Doch es war wieder ein Deutscher, der dem Italiener und der übrigen Konkurrenz einen Strich durch die Rechnung machte: Roger Kluge attackierte auf dem letzten Kilometer und holte mit diesem späten Angriff den ersten Etappensieg bei einer Grand Tour für IAM Cycling – und das nur zwei Tage, nachdem das Aus des Teams zum Ende der Saison verkündet worden war.

Eigentlich perfekte Voraussetzungen für die Sprinter
Ziemlich genau in der Mitte der 196 Kilometer langen Strecke von Molveno nach Cassano d'Adda befand sich der Passo Sant'Eusebio, doch nicht alles, was „Passo“ heißt, führt automatisch zu einem Kampf zwischen den Kletterern. Denn dieser Anstieg zur einzigen Bergwertung des Tages, war nur einer der 4. Kategorie, wies auf 7,3 Kilometern durchschnittlich lediglich 3,5% Steigung auf. Eine solche Hürde nahmen selbst die größten Berg-Allergiker ohne Probleme. Der Rest der 17. Etappe war so flach wie es sich die Sprinter nur wünschen konnten. Und auch die Anzahl von nur drei Ausreißern kam den Mannschaften, welche sich in der Verantwortung für die die Verfolgungsarbeit sahen – vor allem Trek-Segafredo, aber auch Lampre-Merida und Dimension Data –, sehr entgegen. Es waren Daniel Oss (BMC Racing), Pavel Brutt (Tinkoff) und Eugert Zhupa (Wilier Triestina-Southeast), die fast direkt nach dem Start ausrissen und ihren Vorsprung bis auf fast sechs Minuten schraubten, bevor das Peloton ihnen allmählich wieder Sekunde um Sekunde abnahm. Viel Zeit verloren die Ausreißer jeweils durch die Zwischensprints, an denen auch aus dem Feld um Punkte gekämpft wurde.

Pozzato wittert die Chancen auf einen Überraschungssieg
Es war aber auch einer dieser Zwischensprints, der die Erfolgsaussichten der Flucht plötzlich gewissermaßen verdoppelte. Denn als das Hauptfeld nach der zweiten Sprintwertung, die 33,4 Kilometer vor dem Ziel ausgefahren wurde, kurz den Fuß vom Gaspedal nahm, nutzten das Ignatas Konovalovas (FDJ), Lars Ytting Bak (Lotto Soudal) und Maxim Belkov (Katusha) für einen Angriff. Nur zehn Kilometer später hatten sie zu Oss, Brutt und Zhupa aufgeschlossen. Zu sechst zogen sie noch einmal etwas weiter vom Hauptfeld weg, erhöhten ihren Vorsprung von 20 auf 30 Sekunden. Dann wurde das Loch allerdings wieder kleiner, bis es 1500 Meter vor dem Etappenende schließlich zur Einholung der Gruppe kam. Genau auf diesen Moment hatte Filippo Pozzato (Wilier Triestina-Southeast) gewartet. Der Italiener attackierte und fuhr an das Hinterrad von Bak heran, der sich noch einige Meter vor dem Feld gehalten hatte. An der Flamme Rouge verließ Pozzato dann den Windschatten des Dänen und schien auf einem guten Weg zu seinem zweiten Giro-Etappensieg – den ersten hatte er im Jahr 2010 geholt. Es fehlte ein starker Sprintzug wie Etixx-Quick Step ihn auf den Etappen in den Niederlanden hatte oder einer wie von Lotto Soudal, der Greipel zu drei Siegen führte, um den Angreifer sofort wieder unschädlich zu machen.

Kluge sorgt für den ersten Grand Tour-Erfolg von IAM Cycling
Roger Kluge (IAM Cycling) erkannte diese Situation und nahm die Jagd selbst in die Hand. 600 Meter vor dem Ziel löste er sich in der letzten Kurve von der Spitze des Feldes, kam daraufhin schnell an Pozzato heran, der sein Pulver wohl etwas zu früh verschossen hatte, zog vorbei und realisierte den größten Erfolg seiner eigenen Karriere und den bedeutendsten Sieg von IAM Cycling, das bisher noch keine Etappe bei einer Grand Tour gewonnen hatte. Kluge konnte sogar schon 50 Meter vor der Linie aufhören zu treten und seinen Sieg bejubeln – die Sprinter kamen nicht mehr an den 30-jährigen Eisenhüttenstädter heran. Es fehlte sogar nicht viel zu einem deutschen Doppelsieg, denn Nikias Arndt (Giant-Alpecin) wurde erst auf den letzten Metern von Giacomo Nizzolo (Trek-Segafredo) noch auf Platz drei verdrängt. Der Italiener hatte solch große Hoffnungen in diesen Tag gesetzt, doch anstatt seines ersten Giro-Etappensieges reichte es zum neunten Mal in vier Jahren nur zu einem zweiten Platz. Enttäuschung dürfte mehrheitlich auch bei den nachfolgenden Fahrern geherrscht haben; so wie beim Viertplatzierten Sacha Modolo (Lampre-Merida), dem Sechsten Alexander Porsev (Katusha) oder auch dem Zwölften Kristian Sbaragli (Dimension Data), die gedacht hatten, die deutsche Dominanz auf den Flachetappen wäre nach dem Ausstieg von Kittel und Greipel vorbei.

Weiterhin siegloser Nizzolo baut seinen Punkte-Vorsprung aus
Für Nizzolo bleibt als kleiner Trost, dass er dem erneuten Gewinn des Roten Trikots wieder ein gutes Stück nähergekommen ist. Denn sein Hauptkonkurrent Diego Ulissi (Lampre-Merida) kam im Ziel nicht in die Punkteränge. An den Zwischensprints hatten sich diese beiden sowie Matteo Trentin (Etixx-Quick Step), der die Etappe als Fünfter beendete, einen Dreikampf geliefert, den Nizzolo beide Male für sich entschied. Er kommt nun auf gesamt 185 Punkte – 48 mehr als Ulissi und 78 mehr als Trentin. Zwischen diesen beiden liegt mit 62 Punkten Rückstand noch Oss, der wie auf der 5. und 12. Etappe als Ausreißer beide Zwischensprints gewann. Damit liegt er nun in der Sprintwertung deutlich vor Maarten Tjallingii (LottoNL-Jumbo), hat auch in der „Classifica Combattività“, in die sowohl Zwischensprints als auch Ergebnisse von Bergwertungen und Etappenankünften einfließen, die Führung übernommen und weist in der Ausreißerwertung mittlerweile einen riesigen Vorsprung auf. In der Gesamtwertung passierte erwartungsgemäß nichts Nennenswertes, Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) und seine Konkurrenten sind erst morgen wieder gefordert.

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Die morgige 18. Etappe stellt den Kletterern mit dem Anstieg nach Pramartino (4,7 km à 10,5%) wieder eine sehr schwierige Aufgabe. Diese einzige Bergwertung des Tages wird nur 19,5 Kilometer vor dem Ende des mit 240 Kilometer längsten Teilstücks der Italien-Rundfahrt erreicht und dürfte somit von vorentscheidendem Charakter im Hinblick auf den Etappensieg sein.





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