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Sturz-Drama: Kruijswijk verliert das Rosa Trikot an Chaves, Nibali findet in Risoul zu alter Stärke zurück
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27.05.2016

Sturz-Drama: Kruijswijk verliert das Rosa Trikot an Chaves, Nibali findet in Risoul zu alter Stärke zurück

Info: GIRO D’ITALIA 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Risoul, 27.05.2016 – Wird es am Ende wirklich ein Sturz gewesen sein, der den 99. Giro d’Italia entschieden hat? Als Johan Esteban Chaves auf der vorletzten Bergetappe der Rundfahrt am Colle dell’Agnello attackierte, präsentierte sich Steven Kruijswijk einmal mehr als unangreifbarer Leader, zeigte überhaupt keine Schwäche. Doch zu Beginn der Abfahrt von der Cima Coppi stürzte der Niederländer und verlor daraufhin das Rosa Trikot an seinen kolumbianischen Kontrahenten. Der Tag dieser 19. Etappe markierte zugleich die Rückkehr Vincenzo Nibalis zu der Form, die ihm schon Gesamtsiege bei allen drei Grand Tours ermöglich hat. Der Italiener gewann die Bergankunft in Risoul und mischt im Kampf um Rosa nun ebenfalls wieder mit, liegt sogar vor Kruijswijk und nur 44 Sekunden hinter dem neuen Leader Chaves.

Scarponi als erster Ausreißer an der Cima Coppi
Nur während 106,4 ihrer 162 Kilometer führte die 19. Etappe der Italien-Rundfahrt durch Italien – so weit war der Weg vom Startort Pinerolo bis auf den 2744 Meter hohen Colle dell’Agnello, der in diesem Jahr die Cima Coppi markierte, den höchsten Punkt des gesamten Giro. Erst nach rund 70 Kilometern, die mit sehr hoher Geschwindigkeit zurückgelegt worden waren, entstand eine Ausreißergruppe, die in ihrer ursprünglichen Konfiguration 28 Fahrer umfasste (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 14:34 Uhr). Dazu gehörten fünf Fahrer aus den Top20 der Gesamtwertung, von denen Hubert Dupont (AG2R La Mondiale) als 14. der Bestplatzierte war, und Bergtrikot-Träger Damiano Cunego (Nippo-Vini Fantini), der zwar als einer Ersten wieder zurückfiel, aber das Blaue Leibchen dennoch behielt. Zehn Kilometer vor dem Gipfel des Colle dell’Agnello attackierten die Katusha-Teamkollegen Viacheslav Kuznetsov und Egor Silin aus der Gruppe, woraufhin Silin sich kurzzeitig mit Diego Ulissi (Lampre-Merida) absetzte, ehe Michele Scarponi (Astana) an ihnen vorbeidüste. Der Italiener erreichte die Bergwertung mit fast eineinhalb Minuten Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Mikel Nieve (Sky), durfte aber nicht nach dem Etappensieg streben, weil sich bei den Favoriten eine Situation entwickelte, die seine Dienste als Helfer für Vincenzo Nibali nötig machen sollte.

Im Anstieg souveräner Kruijswijk stürzt in der Abfahrt
Orica-GreenEdge hatte im steilen Bereich des Colle dell’Agnello das Hauptfeld förmlich explodieren lassen und als seine Teamkollegen ihr Pulver verschossen hatten, blies Johan Esteban Chaves umgehend selbst zur Attacke. Giro-Leader Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) zeigte sich völlig unbeeindruckt und blieb am Kolumbianer dran, was sonst nur Alejandro Valverde (Movistar) schaffte. Für kurze Zeit waren die Top3 der Gesamtwertung unter sich, bevor die restlichen Klassementfahrer wieder aufschlossen. Chaves hielt sich nicht lange zurück, bis er erneut angriff. Diesmal hielten neben Kruijswijk noch Nibali und Rafal Majka (Tinkoff) mit, wobei Letztgenannter nicht lange dabeiblieb. Das Trio aus Chaves, Kruijswik und Nibali erreichte die Cima Coppi fünf Minuten nach Scarponi und bereits eine Minute vor Valverde, der seinen Podiumsplatz an Nibali zu verlieren drohte. Noch viel dramatischer wurde das Renngeschehen, als sich gleich zu Beginn der mehr als 40 Kilometer langen Abfahrt Kruijswijk in einer Kurve versteuerte und stürzte. Der Niederländer knallte bei nebligen Verhältnissen in die zu Eis gewordenen Schneemassen, die sich am Straßenrand des Passes auftürmten, wobei sein Rad beschädigt wurde. Die provisorische Reparatur kostet ihn einige Zeit, ebenso wie Radwechsel, der erst einige Zeit später erfolgen konnte. Dadurch hatte sich Kruijswijk einen Rückstand von rund zwei Minuten gegenüber Chaves und Nibali eingehandelt.

Kruijswijks Konkurrenten haben hilfreiche Teamkollegen
Weil nun schon zwei der drei Fahrer, die in der Gesamtwertung vor Nibali lagen, zurückgefallen waren, musste Scarponi auf seinen Kapitän warten, um ihm Hilfe zu leisten. Auch Chaves bekam mit Ruben Plaza einen Teamkollegen zu seiner Unterstützung, der mit den Ausreißern vorausgefahren war. Die Führung im Rennen übernahm 30 Kilometer vor dem Ende Maxime Monfort (Lotto Soudal), der dann eine halbe Minute eher in den 12,9 Kilometer langen Schlussanstieg nach Risoul hineinfuhr als die Chaves-Nibali-Gruppe, welche sich im weiteren Verlauf der Abfahrt noch zahlreiche andere Ausreißer einverleibt hatte: zunächst Stefan Denifl, Marcel Wyss (beide IAM Cycling), Georg Preidler (Giant-Alpecin), Stefano Pirazzi (Bardiani-CSF) und Ian Boswell (Sky), später dann auch Dupont, Ulissi, André Cardoso (Cannondale) sowie Mikel Nieve und Nicolas Roche (beide Sky). Valverde, der seinen Teamkollegen José Herrada, die Tinkoff-Fahrer Majka und Jesus Hernandez sowie Rigoberto Uran (Cannondale) als Begleiter hatte, folgte immer noch eine Minute hinter dieser Gruppe. Kruijswijk lag weiter etwa zwei Minuten zurück, hatte das Rosa Trikot damit aber noch nicht verloren, denn er hatte vor der Etappe einen Vorsprung von drei Minuten auf Chaves. Im Gegensatz zu allen Konkurrenten musste er aber ohne Beistand von Teamkollegen auskommen.

Nibali krönt seinen stärksten Tag bei diesem Giro mit dem Sieg
Am Schlussanstieg nach Risoul, der wie die gesamte Abfahrt vom Colle dell’Agnello auf französischem Gebiet lag, wurde Monfort schnell eingeholt und Nibali lancierte recht früh eine erste Attacke, welcher zunächst nur Chaves und Nieve folgen konnte, bevor auch Ulissi noch einmal zu ihnen stieß. Nieve und Ulissi hofften, bis zum Schluss mithalten zu können, um möglicherweise den Etappensieg abzustauben, doch diese Träume verpufften, als Nibali 5,5 Kilometer vor dem Ziel nochmals antrat und alleine von dannen zog. Selbst Chaves war nun geschlagen von dem italienischen Meister, der bei den letzten Bergetappen nur ein Schatten seiner selbst war, nun aber wieder zu altem Glanz zurückfand. Sein sechster Giro-Etappensieg war Nibali nicht mehr zu nehmen, er nahm Nieve, der Zweiter wurde, Chaves und Ulissi sogar noch mehr als 50 Sekunden ab. 2:14 Minuten nach dem Sieger folgten Majka, Valverde und Uran, rund eine halbe Minute später der Österreicher Preidler und nach diesem noch einige andere Fahrer. Für Kruijswijk tickte die Uhr … Der Mann, dessen Kletterkünste seit der Übernahme des Leadertrikots Ihresgleichen gesucht hatten, war sichtlich angeschlagen, einerseits natürlich körperlich, aber vermutlich auch mental. Der Rückstand des Etappen-16. belief sich schlussendlich auf 4:54 Minuten. Das war zu viel.

Kruijswijk fällt hinter Chaves und Nibali auf Gesamtrang drei zurück
Bei der Vuelta a España 2015 hatte Chaves bereits sechs Tage im Leadertrikot verbracht, allerdings waren damals zwei Etappensiege in der ersten Woche der Rundfahrt dafür verantwortlich und am Ende hatte er mit der Gesamtwertung nichts mehr zu tun. Nun führt er zwei Tage vor Schluss den Giro d’Italia an, dem auf seiner letzten Bergetappe im besten Fall ein Vierkampf um den Gesamtsieg winkt. Nibali hat sich auf Rang zwei vorgeschoben und liegt nur 44 Sekunden zurück. Auch Kruijswijk mit 1:02 Minute und Valverde mit 1:48 Minute darf man noch nicht abschreiben. Der Fünfplatzierte Majka dürfte mit 3:59 Minuten Rückstand dagegen wohl aus dem Rennen sein. Diese Position belegte vor der Etappe noch Ilnur Zakarin (Katusha), der bei einem Sturz in der Abfahrt vom Colle dell’Agnello weniger glimpflich davonkam als Kruijswijk. Der Russe musste nach einem harten Aufprall mit der Ambulanz abtransportiert werden, hat sich aber bis auf den Verdacht eines Schlüsselbeinbruchs keine schweren Verletzungen zugezogen. Als Zweiter an der Cima Coppi und im Ziel schob sich Nieve mit nunmehr 98 Punkten auch im Gesamtstand der Bergwertung auf den zweiten Rang vor. Mit 134 Punkten bleibt Cunego aber zumindest für heute noch unerreicht. In der Mannschaftswertung bleibt Astana glasklar vorne.

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Auf den 134 Kilometern der morgigen 20. Etappe kann sich in der Gesamtwertung vieles wieder ändern. Vom Start aus geht es direkt auf den Col de Vars (18,2 km à 6,0%), dem dann Col de la Bonette (22,2 km à 6,7%) und Colle della Lombarda (19,8 km à 7,5%) folgen. Am Ende gibt es in Sant'Anna di Vinadio (2,3 km à 8,1%) sogar noch eine kurze Bergankunft.





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