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Der Aspin ist kein Hindernis für Ausreißer Cummings, aber kostet Tour-Mitfavorit Pinot viel Zeit
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08.07.2016

Der Aspin ist kein Hindernis für Ausreißer Cummings, aber kostet Tour-Mitfavorit Pinot viel Zeit

Info: TOUR DE FRANCE 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Lac de Payolle, 08.07.2016 – Die Tour de France hat die Pyrenäen erreicht, aber nicht die Favoriten, sondern Ausreißer sorgten für das große Spektakel auf der 7. Etappe. Allen voran Stephen Cummings, der die letzten 27 Kilometer alleine zurücklegte, sich auch vom Col d’Aspin nicht aufhalten ließ und mit seinem vierten(!) Überraschungscoup dieser Saison allmählich irgendeine Art spezieller Auszeichnung für seine Erfolge verdient hätte. Zudem setzte er die Erfolgsserie des Teams Dimension Data fort, das mit Mark Cavendish schon drei der ersten sechs Etappen für sich entschieden hatte. Greg Van Avermaet verteidigte sein Gelbes Trikot auf eine besonders offensive Weise, hatte sich ebenfalls auf die Flucht begeben und vergrößerte seinen Vorsprung gegenüber den Favoriten auf mehr als sechs Minuten. Die hatten am Aspin noch nicht die Klingen gekreuzt und kamen fast alle gemeinsam im Ziel an. Eine unrühmliche Ausnahme bildete Thibaut Pinot, der einen herben Rückschlag in seinem Kampf um das Tour-Gesamtwertung erlitt.


Tines Tour Talk zur 7. Etappe: Cavendish is back

Kampf um Grün auch auf Bergetappen ein Thema
Von den drei Tagen, welche die Frankreich-Rundfahrt zum Ende dieser Woche in den Pyrenäen verbringt, war der heutige der einfachste, denn auf der 7. Etappe stand mit dem Col d’Aspin nur ein einziger großer Berg auf dem Programm, dessen Gipfel sich zudem sieben Kilometer vor dem Ziel am La de Payolle befand, was auch stark dazu beigetragen haben dürfte, dass die Topfavoriten auf den Gesamtsieg sich scheinbar einem Nichtangriffspakt verschrieben hatten. So wurden stattdessen Ausreißer zu den Protagonisten dieses Teilstücks, bei dem sich in der ersten Fluchtgruppe Mark Cavendish (Dimension Data) und Peter Sagan (Tinkoff) befunden hatten. Die beiden Punktewertungs-Kontrahenten hatten es auf den Zwischensprint abgesehen, welcher nach 137 von 162,5 Kilometern noch vor dem Aspin auf dem Programm stand. Doch weil unter anderem Etixx-Quick Step dagegen ankämpfte, dass Marcel Kittel auf seine Konkurrenten um das Grüne Trikot Boden verlieren würde, endete diese erste kleine Episode des Rennens nach 41 Kilometern. Der vormalige Bergtrikotträger Paul Voß (Bora-Argon 18) löste bald darauf die nächste Angriffswelle aus, die sich förmlich zu einem Tsunami entwickelte, der letztlich 29 Fahrer aus dem Feld heraus spülte.

In der Ausreißergruppe leuchtet das Gelbe Trikot
Gut vertreten waren in der riesigen Spitzengruppe (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 14:33 Uhr) die Deutschen mit neben Voß auch Paul Martens (LottoNL-Jumbo), Simon Geschke (Giant-Alpecin) und Tony Martin (Etixx-Quick Step), wobei von ihnen letztlich niemand eine entscheidende Rolle auf dieser Etappe spielen sollte, ebenso wenig wie der Schweizer Fabian Cancellara (Trek-Segafredo), der auch mit vorne war. Unter den Ausreißern sah man überraschend auch das Gelbe Trikot: Greg Van Avermaet (BMC Racing) erklärte dies damit, dass er es als sinnvoller erachtete, selbst in die Offensive zu gehen, als dass sich seine Mannschaft bei dem aussichtslosen Unternehmen, die unzähligen Fluchtversuche zu kontrollieren, völlig verausgabte. Die Gruppe blieb bis 43 Kilometer vor dem Ziel so groß, dann explodierte sie in Folge eines Angriffs von Antoine Duchesne (Direct Energie) und Matti Breschel (Cannondale-Drapac). Daniel Navarro (Cofidis) und Stephen Cummings (Dimension Data) schlossen rasch wieder zu den beiden auf, während sich Van Avermaet, Geschke, Martens, Alex Howes (Cannondale-Drapac), Daryl Impey (Orica-GreenEdge), Pierre-Luc Périchon (Fortuneo-Vital Concept) sowie Alexey Lutsenko und Vincenzo Nibali (beide Astana) als Verfolgergruppe formierten, die nach einer Weile ebenfalls wieder herankam.

Nibali verzweifelt am Aspin bei der Jagd nach Cummings
Aber wenige Augenblicke, bevor die acht Verfolger die vier Spitzenreiter einholten, warf Cummings all seine Kraft in die Pedale und fuhr alleine davon. Es sollte sich als der entscheidende Moment der Etappe erweisen, denn auf den letzten 27 Kilometern zog der Brite sein Solo genauso souverän durch wie nur knapp einen Monat zuvor seine nicht minder beeindrucke Alleinfahrt auf der letzten Dauphiné-Etappe. Nimmt man noch seine Etappenerfolge von Tirreno-Adriatico und Baskenland-Rundfahrt hinzu, ist der 35-Jährige in der Art und Weise, wie er Etappen fährt und Siege erringt, derzeit unbestreitbar Weltklasse – zumal ihm auch schon 2015 in Mende ein sensationeller Tour-Etappensieg geglückt war. Nibali verausgabte sich bei seiner vergeblichen Verfolgungsjagd am zwölf Kilometer langen Anstieg des Aspin so sehr, dass er vor der Bergwertung sogar noch Navarro und Impey ziehen lassen musste. Diese beiden hatten im Ziel, wo Impey den Sprint um Patz zwei gewann, 1:04 Minute Rückstand auf Cummings, Nibali folgte erst nach 1:58 Minute und Van Avermaet als letzter nicht eingeholter Ausreißer nach 2:57 Minuten. Auf die Favoriten machte der Belgier 40 Sekunden gut und vergrößerte seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf 5:50 Minuten.

Pinot fällt zurück, Reichenbach bleibt bei den Favoriten
Das Hauptfeld war mit viereinhalb Minuten Rückstand an den Fuß des Aspin gekommen und zunächst schien dieser Anstieg aus Sicht der Favoriten spannender zu werden, als es letztlich der Fall war. FDJ übernahm sofort mit mehreren Fahrern die Führungsarbeit, was sich aber nicht nur als wirkungslos hinsichtlich einer Aufholjagd gegenüber den Ausreißern zeigte, sondern sogar extrem kontraproduktiv war, da der eigene Kapitän Thibaut Pinot nach einer Weile ernsthafte Anzeichen von Schwäche offenbarte und dann sogar aus dem Kreise derer zurückfiel, mit denen er eigentlich um das Tour-Podium oder gar den Gesamtsieg kämpfen wollte. Der Schweizer Steve Morabito blieb an der Seite seines leidenden Chefs, während dessen Landsmann Sébastien Reichenbach dem Tempo im Feld der Topfahrer problemlos standhielt. Ein paar (erfolglose) Angriffe gab es am Aspin auch: Einen sehr frühen von Warren Barguil (Giant-Alpecin), dem schnell von FDJ ein Ende gesetzt wurde, später einer von Domenico Pozzovivo (AG2R La Mondiale) und Jarlinson Pantano (IAM Cycling), die aber selbst mit Hilfe von Pozzovivos Ausreißer-Teamkollegen Alexis Vuillermoz auch recht schnell wieder eingeholt wurden. Julian Alaphilippe (Etixx-Quick Step), Gesamtzweiter und Träger des Weißen Trikots, attackierte unweit der Bergwertung, wurde jedoch von Sky zurückgeholt.

Absurdes am Kilometer-Bogen: Yates trotz Sturz in Weiß
Extrem eigenartige Szenen spielten sich am Ende der Abfahrt vom Aspin ab, als der aufblasbare Bogen mit der Flamme Rouge unmittelbar vor dem ankommenden Favoritenfeld in sich zusammensackte und die Fahrer kurzzeitig stoppte. Adam Yates (Orica-BikeExchange) hatte das Pech, dass er sich bergab ein klein wenig abgesetzt hatte, so dass er just in dem Moment an dieser Stelle war, als sich der Bogen senkte, wodurch er zu Fall gebracht wurde. Erst nach mehreren Minuten konnte der Australier weiterfahren, seine verlorene Zeit wurde aber nachträglich gestrichen, weil die Drei-Kilometer-Regel zur Anwendung kam, die auch bei Bergetappen gilt, welche nicht mit einer Bergankunft enden. An der 3000-Meter-Marke hatte Yates sieben Sekunden Vorsprung aufgewiesen, durch deren Gutschrift ins Tagesergebnis er in der Gesamtwertung auf Rang zwei vorrückte und Alaphilippe als besten Nachwuchsfahrer ablöste. Pinot bekam von dieser Aufregung nicht mehr viel mit, denn er folgte erst etwa drei Minuten später, als der schlaffe Bogen schon wieder notdürftig aufgerichtet worden war. Die Führung im Bergklassement behält übrigens Thomas De Gendt (Lotto Soudal), weil Cummings trotz des Gewinns der 1. Kategorie auf dem Aspin noch drei Zähler fehlen und Van Avermaet einen Punkt zu wenig holte, um eine zweite Wertungsführung zu übernehmen.

-> Zum Resultat

Auf der morgigen 8. Etappe dürfte es für Ausreißer schwieriger werden, denn die Favoriten werden kaum über vier Pyrenäen-Anstiege hinweg bummeln. Auf dem Menü stehen Col du Tourmalet (19,0 km à 7,4%), Hourquette d'Ancizan (8,2 km à 4,9%), Col de Val Louron-Azet (10,7 km à 6,8%) und 15,5 Kilometer vor dem Ziel der Col de Peyresourde (7,1 km à 7,8%).





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