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Alles schon entschieden? – Ein Blick auf die Gesamtstände fünf Tage vor dem Ende der 103. Tour de France
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19.07.2016

Alles schon entschieden? – Ein Blick auf die Gesamtstände fünf Tage vor dem Ende der 103. Tour de France

Info: TOUR DE FRANCE 2016
Autor: Felix Griep (Werfel)



Bern, 19.07.2016 – Fünf Etappen stehen bei der 103. Tour de France noch auf dem Programm: vier Tage in den Alpen inklusive eines Zeitfahrens sowie der traditionelle Abschluss auf den Champs-Élysées. Die Entscheidungen um die Wertungssiege scheinen derweil schon ziemlich sicher: Chris Froome verteidigt bislang absolut souverän sein Gelbes Trikot, Peter Sagan lässt den Sprintspezialisten keine Chance im Kampf um Grün, Rafal Majka hat sich zum Topfavoriten auf das Bergtrikot entwickelt, Adam Yates dominiert die Nachwuchskategorie und Movistar hat einige Minuten Vorsprung in der Mannschaftswertung. LiVE-Radsport lässt am zweiten Ruhetag einen Blick über die Klassemente schweifen und schaut, welche Konkurrenten die Führenden vielleicht doch noch fürchten müssen.



Führender der Gesamtwertung: Chris Froome

Es läuft alles ziemlich perfekt nach Plan für Chris Froome, der das Gelbe Trikot souverän verteidigt, seit er es auf der 8. Etappe in Bagnères-de-Luchon nach seinem überraschenden Angriff in der Abfahrt vom Col de Peyresourde erobert hatte. Am Mont Ventoux und im Zeitfahren tags darauf baute er seinen Vorsprung so weit aus, dass er jetzt bereits 3 Minuten vor seinem vermeintlich härtesten Konkurrenten Nairo Quintana liegt, auch zum Überraschungszweiten Bauke Mollema sind es schon fast zwei Minuten. Mit seinem starken Team im Rücken hat Froome bei der Tour 2016 bisher noch keine einzige brenzlige Situation erlebt. Wer soll ihn noch schlagen können?

Gesamtwertung
1 Christopher Froome (GBr) Team Sky 72:40:38
2 Bauke Mollema (Ned) Trek - Segafredo 0:01:47
3 Adam Yates (GBr) Orica - BikeExchange 0:02:45
4 Nairo Alexander Quintana Rojas (Col) Movistar Team 0:02:59
5 Alejandro Valverde Belmonte (Esp) Movistar Team 0:03:17
6 Romain Bardet (Fra) Ag2r La Mondiale 0:04:04
7 Richie Porte (Aus) BMC Racing Team 0:04:27
8 Tejay Van Garderen (USA) BMC Racing Team 0:04:47
9 Daniel Martin (Irl) Etixx - Quick Step 0:05:03
10 Fabio Aru (Ita) Astana Pro Team 0:05:16
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Bauke Mollema? In den letzten drei Jahren stand der Niederländer in Paris immer unter den Top10, Platz 6 war sein bislang bestes Endresultat. Damals, 2013, lag Mollema nach der 16. Etappe sogar ebenfalls auf dem 2. Rang der Gesamtwertung, wobei der Abstand zu Leader Froome bereits mehr als 4 Minuten betrug. Nach einem Zeitfahren und drei weiteren Bergetappen war sein Rückstand am Ende fast dreimal so groß und er verpasste das Podium um mehr als 6 Minuten. Drei Sommer danach, im Alter von nun 29 Jahren, muss er vor allem erst einmal beweisen, dass er stabil genug ist, um einen erneuten Einbruch in der letzten Tour-Woche zu vermeiden. Seine Leistung zuletzt am Mont Ventoux war aber so stark, dass die Konkurrenz nachhaltig beeindruckt sein dürfte.

Adam Yates? Noch mehr als bei Mollema stellt sich bei dem erst 23-jährigen Australier die Frage, ob er seinen Höhenflug bis zum Ende der Tour fortsetzen kann. Bisher präsentierte sich Yates, der bei seiner ersten Teilnahme im vorigen Jahr noch nicht vorne im Gesamtklassement mitmischte und lediglich 50. wurde, erstaunlich konstant, hatte noch keinen einzigen schwachen Tag in den Bergen, der bei einem Fahrer in seinem jungen Alter nicht überraschend käme. Zudem zeigte er sich auch schon angriffslustig in der Abfahrt vom Col d'Aspin und steckte seinen vom zusammenfallenden Kilometerbogen verursachten Sturz von ebenjener Etappe offenbar auch problemlos weg.

Quintana und Valverde? Mollema und Yates übertreffen alle ihn sie gesetzten Erwartungen und sind daher nicht die Fahrer, an die man als Erstes denkt, wenn man Angreifer auf das Gelbe Trikot sucht. Das Movistar-Duo Nairo Quintana und Alejandro Valverde steht dagegen bei den letzten drei Alpenetappen in der Pflicht, muss aber wohl zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen, denn ihre aktuellen Rückstände von rund 3 Minuten dürften sich durch das Bergzeitfahren eher noch vergrößern. Mut kann ihnen die Tatsache machen, dass Quintana 2013 und 2015, als er jeweils Gesamtzweiter hinter Froome wurde, diesem in der letzten Tour-Woche immer Zeit abnahm. Vor einem Jahr hängte Quintana den Mann in Gelb bei den Bergankünften in La Toussuire und Alpe d'Huez ab und verkürzte seinen Rückstand noch von 3:10 auf 1:12.

Porte und Van Garderen? Neben Movistar ist BMC Racing das einzige Team mit zwei Fahrern in den Top10 der Gesamtwertung. Während in dem spanischen Team an Quintanas Kapitänsstatus kein Zweifel besteht, ist die Rollenverteilung zwischen Richie Porte und Tejay Van Garderen nicht so deutlich. Obwohl sie nur 20 Sekunden auseinander liegen, war jedoch Porte bei den letzten Bergetappen (Andorra, Ventoux, Jura) stets der klar Stärkere der beiden. Fraglich aber, ob sich der zweimalige Tour-Fünfte Van Garderen voll und ganz in den Dienst seines neuen Teamkollegen stellen würde, der in seinen Jahren als Helfer im Sky-Rennstall nie über Rang 19 der Gesamtwertung hinausgekommen war.

Wer sonst noch? Daniel Martin und Fabio Aru, die derzeit die Plätze neun und zehn belegen, werden kaum noch gut fünf Minuten gegenüber Froome aufholen können, selbst die Chancen auf das das Podium sind schon als ziemlich schlecht einzuschätzen. Mit Romain Bardet muss man dagegen immer rechnen, auch wenn er als Sechstplatzierter auch schon vier Minuten Rückstand aufweist. Der Franzose ist nicht nur bergauf zu beachten, hat er sich doch in der Vergangenheit mehrfach als furchtloser Abfahrer erwiesen. Mit seinem offensiven Fahrstil könnte er sich unter Umständen als wertvoller Verbündeter für Movistar oder BMC bei Angriffen gegen Froome erweisen.



Führender der Punktewertung: Peter Sagan

In unserer Analyse vom ersten Ruhetag hatten wir Mark Cavendish und Marcel Kittel noch gute Chancen im Kampf gegen Peter Sagan in Aussicht gestellt, doch mittlerweile ist dem Weltmeister der fünfte Gewinn des Grünen Trikots in Serie eigentlich schon sicher. Mit seinem zweiten Platz in Revel und dem Sieg in Montpellier direkt nach dem ersten Ruhetag hat sich Sagan einen gewaltigen Vorsprung verschafft, der gestern durch seinen Erfolg in Bern noch gewaltiger wurde.

Punktewertung
1 Peter Sagan (Svk) Tinkoff 405 Punkte
2 Mark Cavendish (GBr) Dimension Data 291
3 Marcel Kittel (GER) Etixx - Quick Step 228
4 Bryan Coquard (Fra) Direct Energie 156
5 Alexander Kristoff (Nor) Team Katusha 152
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Zumindest eine klitzekleine theoretische Chance bleibt Mark Cavendish noch. Dass er im Zeitfahren und am Ende der Bergetappen punkten wird, darf ausgeschlossen werden, so könnte er mit einem Sieg in Paris noch 50 Punkte und mit vier Zwischensprints 80 weitere Zähler holen. damit wäre sein Rückstand von 114 Punkten im Gegensatz zu dem von Marcel Kittel (177 Punkte) noch aufzuholen, wobei Sagan dafür so gut wie gar nicht mehr punkten dürften. Ein äußerst unwahrscheinliches Szenario, realistisch betrachtet kann nur noch ein Sturz oder eine plötzliche Krankheit mit der Folge eines Ausstiegs Sagan den erneuten Triumph in der Punktewertung kosten.



Führender der Bergwertung: Rafal Majka

Auch nicht schlecht stehen Rafal Majkas Chancen auf einen zweiten Gewinn des Bergtrikots nach 2014, wenngleich er dafür noch mehr wird kämpfen müssen als Sagan für das Grüne. 50 Punkte allein sammelte der Pole bei seiner Flucht durch den Jura, liegt insgesamt schon 37 Punkte vor seinem ersten Verfolger Thomas De Gendt, der es auf jener 15. Etappe nicht in die Ausreißergruppe geschafft hatte. Doch es sind insgesamt noch bis zu 175 Punkte zu holen (siehe unser Ausblick auf den Kampf um das Bergtrikot).

Bergwertung
1 Rafal Majka (Pol) Tinkoff 127 Punkte
2 Thomas De Gendt (Bel) Lotto - Soudal 90
3 Daniel Navarro Garcia (Esp) Cofidis Solutions Crédits 69
4 Serge Pauwels (Bel) Dimension Data 62
5 Tom Dumoulin (Ned) Team Giant - Alpecin 58
6 Rui Alberto Faria Da Costa (Por) Lampre - Merida 50
7 Stef Clement (Ned) IAM Cycling 37
8 Ilnur Zakarin (Rus) Team Katusha 28
9 Diego Rosa (Ita) Astana Pro Team 27
10 Winner Anacona Gomez (Col) Movistar Team 26
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175 Punkte inklusive Bergankünften – ohne die beiden Finals in Finhaut-Emosson und Saint-Gervais Mont Blanc sind es immerhin noch 105 mögliche Punkte. Die 19. und 20. Etappe bieten sich für Fahrer wie Daniel Navarro, Serge Pauwels, Tom Dumoulin oder eben auch De Gendt für einen Angriff gegen Majka am ehesten an. Sollte es der Träger des Bergtrikots aber auch nur bei einem dieser Teilstücke in eine Gruppe schaffen, dürfte das wohl ausreichen, um genügend Punkte zu sammeln, damit er sich nicht mehr einholen lässt.

Anders als 2015, als Chris Froome neben der Gesamt- auch die Bergwertung für sich entschieden hatte, spielen die Topfahrer der Gesamtwertung diesmal keine Rolle hinsichtlich des Gepunkteten Trikot. Froome ist mit bisher lediglich 22 Zählern der Beste von ihnen. Sollte er die letzten beiden Bergankünfte gewinnen, kämen zwar satte 70 Punkte hinzu, es würden ihm aber immer noch 35 fehlen, um den derzeitigen Stand Majkas zu erreichen. Unwahrscheinlich, dass der Tour-Leader auch noch mehrere andere Bergwertungen gewinnen wird, kann er doch angesichts des großen Zeitvorsprungs zu seinen Konkurrenten beruhigt mit einer defensiveren Taktik in die Alpen gehen.



Führender der Nachwuchswertung: Adam Yates

Während der Podiumsplatz in der Gesamtwertung für Adam Yates noch längst nicht sicher ist, sieht die Situation für ihn in der Nachwuchswertung schon deutlich klarer aus. Er kann sich glücklich schätzen, dass Nairo Quintana und Romain Bardet hier nicht mehr zu seinen Konkurrenten zählen, die beide 2015 letztmalig um das Weiße Trikot kämpfen durften, nun aber zu alt dafür sind.

Nachwuchswertung
1 Adam Yates (GBr) Orica - BikeExchange 72:43:23
2 Louis Meintjes (RSA) Lampre - Merida 0:03:03
3 Warren Barguil (Fra) Team Giant - Alpecin 0:16:30
4 Emanuel Buchmann (GER) Bora - Argon 18 0:25:53
5 Wilco Kelderman (Ned) Team LottoNL - Jumbo 0:45:38
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Wenn Yates sein bisheriges Leistungsniveau auch nur annähernd beibehält, dürfte für ihn nichts mehr anbrennen. Da der Brite aber erstmals eine Grand Tour auf einem solch hohen Level bestreitet, sind Konditionsprobleme in den letzten Tagen nicht auszuschließen. Sein Verfolger Louis Meintjes, der derzeit auf Rang zwölf der Gesamtwertung liegt, hat bei der Vuelta a España 2015 mit Rang zehn zumindest schon einmal bewiesen, dass er drei Wochen stabil bleiben kann. Trotz drei Minuten Rückstand ist daher nicht auszuschließen, dass der ein halbes Jahr ältere Südafrikaner Yates noch abfangen könnte.



Führender der Mannschaftswertung: Movistar

Das starke Duo Nairo Quintana und Alejandro Valverde hat Movistar schon 2015 den Sieg in der Mannschaftswertung beschert, damals mit einem mehr als überzeugendem Vorsprung von letztlich 57 Minuten auf Sky. Zum Erfolgsrezept des spanischen Team gehört nicht nur die Doppelspitze, die in der Gesamtwertung mit um das Podium kämpft, sondern auch die Taktk, auf bergigen Etappen Helfer in Ausreißergruppen zu platzieren. Oft sind die zwar dafür gedacht, im späteren Rennverlauf ihre Kapitäne zu unterstützen, fahren gelegentlich aber auch für das Teamklassement wertvolle Zeitgewinne heraus wie bspw. Winner Anacona in Andorra und Gorka Izagirre in Revel.

Mannschaftswertung
1 Movistar Team 218:03:31
2 Team Sky 0:06:29
3 BMC Racing Team 0:09:01
4 Astana Pro Team 0:39:38
5 Ag2r La Mondiale 0:41:55
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Auch BMC Racing, das zweite Team mit zwei Fahrern in den Top10 des Gesamtklassements, hat dank der Stärke von Richie Porte und Tejay Van Garderen noch Chancen auf den Gewinn der Mannschaftswertung. Um den derzeitigen Rückstand von neun Minuten aufzuholen, müssen aber möglichst andere Teammitglieder als Ausreißer ebenfalls etwas dazu beitragen. Dies gelang ihnen z.B. sehr gut mit zwei Fahrern in der Gruppe der 10. Etappe oder durch Greg Van Avermaets Sieg auf dem 5. Teilstück. Bei den anstehenden Alpenetappen ist BMC im Vergleich zu Movistar ab Position 3 des Kaders aber wohl eher schwächer aufgestellt.

Ausreißversuche von Sky-Fahrern wird man definitiv nicht sehen, da das Team zu einhundert Prozent für Froome arbeitet. Das macht es aber so gut, dass Froome eigentlich immer noch mindestens zwei Helfer bei sich hat, wenn die Duos Quintana/Valverde und Porte/Van Garderen und alle anderen Gegner schon längst von sämtlichen Teamkollegen isoliert wurden. Auf diese Art bleibt die Truppe des Gesamtführenden auch ein heißer Anwärter auf den Gewinn der Mannschaftswertung, der bei Movistar und BMC auf der internen Prioritätenliste aber wahrscheinlich eine deutlich höhere Position einnehmen dürfte.





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