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Gesink gewinnt Königsetappe der Vuelta – Favoriten liefern sich einen großen Kampf am Aubisque
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03.09.2016

Gesink gewinnt Königsetappe der Vuelta – Favoriten liefern sich einen großen Kampf am Aubisque

Info: VUELTA A ESPAÑA 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Gourette, 03.09.2016 – Nicht immer wird auf einer sogenannten „Königsetappe“ der Rennverlauf diesem Prädikat, das dem von der Strecke her schwersten Teilstück einer Grand Tour im Voraus verpasst wird, auch gerechnet. Die 14. Etappe der Vuelta a España konnte die hohen Erwartungen aber absolut erfüllen. Nicht nur die 41(!) Ausreißer sorgten für viel Spannung und einen sehenswerten Showdown am letzten der vier Berge, wo sich schlussendlich Robert Gesink vor dem neuen Bergtrikot-Träger Kenny Elissonde durchsetzte. Simon Yates attackierte schon am vorletzten Berg aus der Gruppe der Favoriten und schob sich bis auf Rang vier der Gesamtwertung vor, in der sein Teamkollege Johan Esteban Chaves jetzt Dritter ist, weil Alejandro Valverde einen schweren Einbruch erlebte. Erster und Zweiter sind weiterhin Nairo Quintana vor Chris Froome, die sich am Schlussanstieg auf den Col d’Aubisque einen erbitterten Zweikampf lieferten.


Das Profil der 14. Vuelta-Etappe

Movistar-Trio um Moreno in einer riesigen Fluchtgruppe
Das Feld rollte in Urdax-Dantxarinea noch auf spanischem Boden los, doch schon während der Neutralisation wurde die Grenze überquert, so dass die offiziellen 196 Kilometer der 14. Etappe komplett im französischen Teil der Pyrenäen ausgetragen wurden, wo durch die Anstiege Col Inharpu, Col du Soudet, Col de Marie-Blanque und Col d'Aubisque eine Summe von 5200 Höhenmetern zusammenkam. Nicht nur diese Zahl war außergewöhnlich groß, sondern auch diejenige der Beteiligten an einer Ausreißergruppe, die sich nach knapp zwanzig Kilometern bildete: es waren 41 Fahrer, die dem Feld davonfuhren (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 13:05 Uhr). Giant Alpecin war als einzige Mannschaft nicht vertreten, wohingegen LottoNL-Jumbo, Orica-BikeExchange, FDJ, Cannondale-Drapac, Direct Energie und auch Movistar jeweils drei Fahrer vorne hatten. Movistar übte in Person von Daniel Moreno, der als Gesamtzwölfter bestplatzierter Ausreißer war, auch Druck auf das Team Sky des Gesamtzweiten Chris Froome aus, das somit den ganzen Tag im Feld die Führungsarbeit verrichten musste, um neben Vuelta-Leader Nairo Quintana und dem Drittplatzierten Alejandro Valverde nicht noch einen weiteren Movistar-Fahrer zu einem ernstzunehmenden Gegner aufsteigen zu lassen.

Zwei Bergwertungen reichen Fraile nicht für das Bergtrikot
Während der Vorsprung der Gruppe bis auf sechs Minuten stieg, gewann Omar Fraile (Dimension Data) die Bergwertungen auf dem Col Inharpu und Col du Soudet. Damit war der Spanier, der im vorigen Jahr das Bergtrikot der Vuelta gewonnen hatte, zwar zwischenzeitlich Führender im Gesamtstand – doch für die Übernahme des Trikots sollte das letztlich nicht reichen. Am dritten Berg, dem Col de Marie-Blanque, fiel Fraile aus der Spitzengruppe zurück, die etwa auf halbe Größe geschrumpft war und in der folgenden Abfahrt weiter zerfiel. Kenny Elissonde (FDJ) hatte direkt an der Bergwertung angegriffen und sich erst mit Egor Silin (Katusha) und Julien Bernard (Trek-Segafredo) abgesetzt, bevor auch George Bennett (Ag2R La Mondiale), Jan Bakelants (AG2R La Mondiale) und Bart De Clercq (Lotto SoudaL) wieder aufschlossen. Mit einem Vorsprung von einer halben Minute auf gut doppelt so viele Verfolger nahmen die sechs Spitzenreiter den 16,5 Kilometer langen Schlussanstieg zum Col d'Aubisque in Angriff. Dort spielte sich der vorentscheidende Moment etwa zehn Kilometer vor dem Ziel ab, als Robert Gesink (LottoNL-Jumbo) aus der Verfolgergruppe attackierte und sich zügig seinen Weg nach vorne bahnte.

Gesink holt den Etappensieg und Elissonde das Bergtrikot
Den zu Beginn des Schlussanstieges gar auf 45 Sekunden angestiegenen Rückstand zu den Führenden machte Gesink in Windeseile wett und überholte die zurückgefallenen Bernard und De Clercq, bevor er zu den anderen Vier aufschloss. Nur kurz hielt der Niederländer inne, dann attackierte er erneut, um auch seine letzten Gegner zu eliminieren. Lange blieb er aber nicht alleine; zuerst kam Bakelants wieder an ihn heran. Zwar fiel der Belgier auf dem vorletzten Kilometer erneut zurück, dafür gab es bis zur Flamme Rouge ein Comeback des Franzosen Elissonde und des Russen Silin. Mit einem grandiosen Endspurt auf den immer noch sehr steilen letzten 300 Metern konnte der schon bei den Lagos de Covadonga starke Gesink sich den Sieg holen. Elissonde, der 2013 auf dem Angliru gewonnen hatte, und Silin verloren noch sieben bzw. neun Sekunden, Bennett wurde mit 31 Sekunden Rückstand Vierter. Zwar ist der Aubisque nicht der höchste Berg dieser Vuelta, aber der höchste der Kategorie Especial (siehe Übersicht), womit er als „Cima Alberto Fernández“ mehr Punkte abwirft als jede andere Bergwertung. Dadurch kommt Elissonde nun auf 49 Punkte – neun mehr als Fraile – und übernimmt das Bergtrikot.


Unsere Etappen-Vorschau zum Nachlesen:
Inharpu, Soudet, Marie-Blanque und Aubisque = Königsetappe!


Yates wagt einen frühen Angriff und Valverde bricht ein
Zwar konnte keiner der Favoriten mehr die stärksten Ausreißer einholen und dennoch lieferten sie sich einen spektakulären Kampf, der bereits am Col de Marie-Blanque begann. Dort war es der Gesamtsiebte Adam Yates (Orica-BikeExchange), der 40 Kilometer vor dem Ziel einen frühen Angriff wagte. Beim Start dieser Attacke half ihm sein Teamkollege Jack Haig und nach der Bergwertung traf Yates auf Simon Gerrans, Jens Keukeleire und Magnus Cort Nielsen – seine drei Teamkollegen, die zuvor schon viel Führungsarbeit in der Spitzengruppe verrichtet hatten, dem Australier aber dabei helfen konnten, in der Abfahrt und einem folgenden kleinen Flachstück einen Vorsprung von gut eineinhalb Minuten herauszufahren. Während Yates am Schlussanstieg alleine darum kämpfen musste, diese vielversprechende Position zu verteidigen, geriet mit Valverde der erste Topstar in eine ernst Krise und verlor am Col d’Aubisque recht früh den Kontakt zur Favoritengruppe. Auf den schwächelnden Teamkollegen zu warten, hatte keinen Sinn, weshalb Quintana lieber in die Offensive ging und schon nach der Hälfte des Schlussberges eine erste Attacke lancierte, die er nach einer prompten Reaktion Froomes aber schnell wieder beendete. Als sich die beiden dann belauerten, ergriffen Johan Esteban Chaves (Orica-BikeExchange), Leopold König (Sky) und Samuel Sanchez (BMC Racing) die Gelegenheit und griffen an.

Eine völlig neue Gesamtwertung hinter Quintana und Froome
Die zweite große Attacke Quintans fünf Kilometer vor Schluss schien im ersten Moment eine zu sein, mit der er den Kampf der Favoriten an diesem Tag für sich würde entscheiden könnte. Doch Froome erholte sich schnell vom ersten Schock und sprintete förmlich wieder zu Quintana hin, brachte dabei auch Alberto Contador (Tinkoff) mit. Letzterer versuchte dann auch einmal zu attackieren, als Quintana energisch konterte, war die Etappe für den Spanier jedoch gelaufen, Contador konnte ab da nicht mehr mithalten. Quintana und Froome kamen nicht mehr zur Ruhe, beharkten sich noch bis ins Ziel, das sie schlussendlich als Zwölfter und Dreizehnter 1:47 Minute nach Gesink erreichten – 20 Sekunden eher als Contador, 1:08 Minute später als Yates, der sein Solo als Etappenfünfter abgeschlossen hatte und etwa eine halbe Minute hinter Chaves und König. In der Gesamtwertung bleibt es zwar bei 54 Sekunden Differenz zwischen dem Ersten Quintana und dem Zweiten Froome, aber auf den folgenden Plätzen ging es drunter und drüber. Valverde verlor gut neun Minuten auf das Duo Quintana/Froome und stürzte auf Rang 19 ab. Seinen dritten Platz übernimmt Chaves (+2:01), den vierten dessen Teamkollege Yates (+2:17). König (+2:38) verdrängte Contador (+3:28) von der sechsten Position, Sanchez (+3:59) kletterte auf Rang sieben.

-> Zum Resultat

Das morgige zweite Pyrenäen-Teilstück ist mit 118,5 Kilometer außergewöhnlich kurz. Diese 15. Etappe führt zunächst über nicht allzu steile Anstiege der 3. und 2. Kategorie, bevor es eine Bergankunft der 1. Kategorie in Aramón Formigal gibt.





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Foto: Sabine Jacob

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