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Erfolge verschiedenster Arten für Latour, Felline, Fraile und Chaves auf finaler Bergetappe der 71. Vuelta
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10.09.2016

Erfolge verschiedenster Arten für Latour, Felline, Fraile und Chaves auf finaler Bergetappe der 71. Vuelta

Info: VUELTA A ESPAÑA 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Alto de Aitana, 10.09.2016 – Die beiden Teilstücke in den Pyrenäen vom vorangegangen Wochenende hatten die Messlatte sehr hoch gelegt, doch auch die letzte Bergetappe der Vuelta a España wurde noch einmal zu einem absoluten Highlight der Grand Tour-Saison. Der Etappensieg des jungen Franzosen Pierre Latour auf dem Alto de Aitana nach einem nervenaufreibenden Duell mit Darwin Atapuma war nur eine der vielen interessanten Geschichten dieses Renntages. Die beiden kamen aus einer Ausreißergruppe, welcher auch Fabio Felline und Kenny Elissonde angehört hatten. Der eine übernahm die Führung in der Punktewertung, während der andere vergeblich um das Bergtrikot kämpfte, das er an Omar Fraile verlor. Johan Esteban Chaves attackierte schon am vorletzten Berg aus der Favoritengruppe, womit er Alberto Contador vom dritten Rang der Gesamtwertung verdrängen konnte. Nairo Quintana ließ sich hingegen das Rote Trikot nicht mehr abnehmen, parierte souverän alle Attacken von Chris Froome, mit denen er sich am Schlussanstieg konfrontiert sah.


Das Profil der 20. Vuelta-Etappe

Fraile punktet am ersten Berg, Froome attackiert in der Abfahrt
Sehr lang (193,2 km) und extrem fordernd (4192 hm) war der letzte Tag der Spanien-Rundfahrt in den Bergen. Es dauerte auf dieser 20. Etappe geschlagene zwei Stunden, bis sich eine stabile Rennsituation herausgebildet hatte. Bis dahin gab es durch immer neue Attacken sich ständig verändernde Spitzen- und Verfolgergruppen. Ein Höhepunkt der Anfangsphase war der Kampf um die erste Bergwertung auf dem Coll de Rates. Kenny Elissonde (FDJ) wollte diesen Anstieg als Solist meistern, doch dieser Versuch ging nach hinten los. Noch vor der Bergwertung wurde er von einem Quartett um seinen Rivalen Omar Fraile (Dimension Data) überholt und der Spanier holte sich die fünf Punkte, womit er nun zwei vor dem Franzosen lag. In der Abfahrt lancierte Sky mit Michal Golas und Chris Froome eine kleine Offensive, die Nairo Quintana (Movistar) aber nicht in die Bredouille brachte. Im Gegenteil, der Leader und gleich vier seiner Teamkollegen hielten locker mit, auch Johan Esteban Chaves (Orica-BikeExchange) und Andrew Talansky (Cannondale-Drapac) waren dabei. Aus den Top5 der Gesamtwertung fehlte nur Alberto Contador, dessen Tinkoff-Mannschaft dann auch für einen baldigen Zusammenschluss mit dieser Froome-Quintana-Gruppe sorgte.

15 starke Verfolger hinter dem Ausreißerduo Sanchez/Molard
In halbwegs geordnete Bahnen kam das Rennen erst nach dem Alto de Vall de Ebo, wo nach 62 Kilometern die nächste Bergwertung abgenommen wurde. Dessen kurze Abfahrt erwies sich als richtungsweisender Abschnitt: Dort setzten sich nämlich Luis Leon Sanchez (Astana) und Rudy Molard (Cofidis) zu zweit ab – dieses Duo sollte die Etappe ab da für weit mehr als hundert Kilometer anführen. In der folgenden Steigung, die zur dritten Bergwertung auf dem Alto de Tollos führte, etablierte sich hinter Sanchez und Molard eine hochkarätig besetzte 15-köpfige Verfolgergruppe (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 14:31 Uhr), in der vier Fahrer dabei waren, die bei dieser Vuelta schon eine Etappe gewonnen hatten: Lilian Calmejane (Direct Energie), Robert Gesink (LottoNL-Jumbo), Valerio Conti (Lampre-Merida) und Mathias Frank (IAM Cycling), dessen Teamkollege Clément Chevrier auch mit dabei war. Außerdem schloss Elissonde, der das Bergtrikot noch nicht abgeschrieben hatte, kurz nach dem Alto de Vall de Ebo zu dieser Gruppe auf, die aber im Gegenzug José Joaquin Rojas (Movistar) verlor, der nach einem schweren Sturz nicht weiterfahren konnte.

Harter Kampf der Ausreißer um die Siegchance am Schlussanstieg
Nachdem sich die Aufregung der ersten beiden Rennstunden gelegt hatte, wuchsen die Abstände deutlich an. Jener zwischen dem Duo Sanchez/Molard und den Verfolgern zwischenzeitlich bis auf 2:45 Minuten und das Feld geriet sogar fast 14 Minuten in Rückstand. Zwar lag die Hauptgruppe der Favoriten zum Beginn des 21 Kilometer langen Schlussanstiegs auf den Alto de Aitana fast nur noch halb so weit zurück, ein Ausreißersieg war aber nicht mehr abzuwenden. Nach neun Kilometern an diesem letzten Berg hängte Sanchez Molard ab, konnte die extrem lange Flucht aber nicht zu einem erfolgreichen Ende bringen. Conti war danach eine Weile erster Verfolger des Führenden, der knapp fünf Kilometer vor dem Ziel dann jedoch von Darwin Atapuma (BMC Racing) überholt wurde, dem wiederum Pierre Latour (AG2R La Mondiale) und Frank auf den Fersen blieben. Als diese beiden zu dem Kolumbianer aufgeschlossen hatten, versuchten sich Atapuma und Latour mit mehreren Tempoverschärfungen gegenseitig zu übertreffen, was Frank den Rest gab. An seiner statt kam aber Fabio Felline (Trek-Segafredo) in Sichtweite der Flamme Rouge noch einmal sehr nahe an die beiden Spitzenreiter heran. Latour zog daraufhin das Tempo allerdings derart an, dass der Verfolger wieder abgehängt werden konnte; nur Atapuma wurde er immer noch nicht los.


Unsere Etappen-Vorschau zum Nachlesen:
Tag der Entscheidung am Alto de Aitana


Scheinbar geschlagener Latour triumphiert am Ende doch noch
Das Duell, in welchem der Kampf um den Etappensieg gipfelte, schien durch einen Antritt von Atapuma 500 Meter vor der Ziellinie entschieden worden zu sein – doch Latour war entgegen dem ersten Eindruck noch lange nicht geschlagen. Der 22-jährige Franzose berappelte sich schnell, fuhr das Loch zu seinem sechs Jahre älteren Gegner bis zur 300-Meter-Marke zu, nahm wieder die erste Position ein und ließ Atapuma mit einem kraftvollen Endspurt keine Chance mehr. Felline kam 17 Sekunden später an, hat mit dem dritten Platz aber auch ein Ziel erreicht: der Italiener ist – drei Punkte vor Quintana, sieben vor dessen Teamkollegen Valverde und acht vor Froome – neuer Führender der Punktewertung und hat nun beste Aussichten auf den Gewinn des Grünen Trikots. Frank (+0:40) und Gesink (+1:03) belegten als Vierter und Fünfter die letzten Plätze, für die es noch Bergpunkte gab. Elissonde war letztlich fast fünf Minuten entfernt vom fünften Platz, den er mindestens hätte erreichen müssen, um das Bergtrikot doch noch zu retten. So verliert er es mit nur einem Punkt Rückstand an Fraile, der nach 2015 schon zum zweiten Mal der Bergkönig der Spanien-Rundfahrt ist.

Froome versucht es, aber Quintana erweist sich als unangreifbar
Das grüne und das gepunktete Trikot wechselten noch den Besitzer, das rote aber nicht mehr. Zwar feuerte Froome auf den letzten gut fünf Kilometern eine Vielzahl von Attacken ab, doch bei Quintana hinterließen diese nicht die geringsten Spuren. Der Kolumbianer strahlte bis zum letzten Meter dieselbe Souveränität aus, mit der er die ganze Rundfahrt über in den Bergen aufgetreten war und konterte jeden Antritt Froomes scheinbar mühelos. Einen Froome-Angriff schon vor dem Schlussanstieg hätte das Sky überlegene Movistar-Team wohl auch im Keim erstickt. Chaves, der mit fast fünf Minuten Rückstand keine Gefahr mehr für Quintana darstellte, ließ man dagegen gewähren, als dieser knapp 50 Kilometer vor dem Ziel am Puerto de Tudons, einer Bergwertung der 2. Kategorie, in die Attacke ging. Mit Unterstützung seines Teamkollege Damien Howson, den Orica-BikeExchange in weiser Voraussicht als Ausreißer vorausgeschickt hatte, konnte Chaves bis zum Fuß des Schlussanstiegs zwei Minuten auf die restlichen Favoriten herausfahren – auch auf Alberto Contador (Tinkoff), der als Gesamtdritter nur ein Polster von 1:11 Minute auf Chaves und zum Zeitpunkt von dessen Angriff keinen Helfer mehr bei sich hatte.

Chaves stößt Contador mit seinem frühen Angriff vom Podest
Zwar hatte Contador unter den Ausreißern mit Yury Trofimov ebenfalls einen Teamkollegen, der sich zu ihm zurückfallen ließ und am Alto de Aitana längere Zeit Verfolgungsarbeit verrichtete. Doch die große Lücke zu Chaves konnte nicht mehr genügend verkleinert werden, zumal dessen Teamkollege Simon Yates die Verfolgung mehrfach störte, in dem er mit kleinen Attacken den Rhythmus durcheinanderbrachte. Chaves erreichte das Ziel als Etappenneunter mit einem Rückstand von 3:17 Minuten auf Latour und einer knappen Minute Vorsprung auf Quintana und Froome. Contador stand am Ende mit einem Verlust von 1:24 Minute gegenüber Chaves da und fiel in der Gesamtwertung um 13 Sekunden hinter den Kolumbianer zurück, der somit morgen in Madrid neben seinem Landsmann Quintana und Froome auf dem Podium stehen wird. Talansky und Yates verteidigen die Plätze fünf und sechs in der Gesamtwertung, wohingegen der vorherige Siebte Michele Scarponi (Astana) noch auf Rang elf abrutschte. Davon profitierte David De La Cruz (Etixx-Quick Step), der auch Daniel Moreno (Movistar) überholte und sich von Rang neun auf sieben verbesserte. In der Mannschaftswertung schrumpfte der Vorsprung von BMC Racing stark, aber nur um rund zehn Minuten, so dass noch 4:43 Minuten Abstand zu Movistar bleiben.

-> Zum Resultat

Änderungen in den Klassementen sind auf der morgigen 21. Etappe wohl höchstens noch in der Punktewertung möglich, wobei Felline sich als guter Sprinter das Grüne Trikot kaum noch nehmen lassen dürfte. Das letzte Teilstück führt in die spanische Hauptstadt Madrid, wo es auf einem flachen Rundkurs endet.





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