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Unnachgiebige De Ketele/De Pauw besiegen Cavendish/Wiggins auf den letzten Runden der Sixdays London
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31.10.2016

Unnachgiebige De Ketele/De Pauw besiegen Cavendish/Wiggins auf den letzten Runden der Sixdays London

Info: Sixdays: Six Day London 2016
Autor: Felix Griep (Werfel)



London, 30.10.2016 – Was eine rauschende Party bei Bradley Wiggins' letztem Rennen auf britischem Boden werden sollte, endete für die Heimfans im Lee Valley Velodrome mit Ernüchterung. Der mit acht Medaillen erfolgreichste Olympionike in der Geschichte des Vereinigten Königreiches und sein Madison-Weltmeisterpartner Mark Cavendish mussten nach einem harten Fight in der Finaljagd den Sieg beim Londoner Sechstagerennen den Belgiern Kenny De Ketele/Moreno De Pauw überlassen, die am Sonntag mit ihrer fünften großen Attacke den Lokalmatadoren den K.o.-Schlag versetzten und ihren Erfolg vom letzten Jahr wiederholten. Weniger spannende Entscheidungen gab es bei den Sprintern und Frauen, wo Joachim Eilers und Katie Archibald die Wettbewerbe überaus klar dominierten.


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Hervorragende Ausgangsposition für Cavendish/Wiggins

Die Aussichten auf einen neuerlichen Erfolg von Mark Cavendish und Bradley Wiggins vor heimischem Publikum in London waren ausgesprochen gut. Dort, wo sie im März Madison-Weltmeister geworden waren, hatten sie in der 5. Nacht einen Rundengewinn gefeiert, mit dem sie die bis dahin führenden Vorjahressieger der Sixdays in der britischen Hauptstadt auf Platz zwei verdrängten. Nur ein kleiner Punktevorteil war Kenny De Ketele/Moreno De Pauw als Ass im Ärmel noch geblieben, doch ein Rundengewinn in der einstündigen Finaljagd vom Sonntagabend war für eine Titelverteidigung unabdingbar.
 Stand nach der 5. Nacht    
1 Cavendish/Wiggins  0 317
2 De Ketele/De Pauw -1 327
3 Scotson/Meyer     -2 269
4 Havik/Stroetinga  -2 228
5 Lampater/Kalz     -3 284
6 Torres/Mora       -3 252

Cavendish/Wiggins schlagen Scotson/Meyer im Derny-Finale

Bevor es an die Jagd ging, waren noch drei andere Wettbewerbe zu absolvieren, wobei das Derny-Finale darunter das Highlight war. An dem 60 Runden langen Rennen nahmen diejenigen acht Teams teil, die bei den Derny-Vorläufen in den ersten vier Nächten die meisten Punkte gesammelt hatten. Nachdem Cavendish und Callum Scotson jeweils die ersten 30 Runden gefahren waren, stellte Wiggins gemeinsam mit Schrittmacher Michel Vaarten in einem packenden Zweikampf mit Cameron Meyer und dessen Derny-Piloten Peter Bäuerlein den Sieg sicher. Beide Gespanne hatten im Zuge ihres Duells den Rest des Teilnehmerfeldes sogar umrundet. Diejenigen Teams, die im Derny-Finale standen, bestritten stattdessen die Longest Lap, die überlegen vom Dänen Marc Hester gewonnen wurde. In der Mannschaftsausscheidung ließen sich Cavendish/Wiggins und De Ketele/De Pauw ohne allzu große Gegenwehr schon als viertes bzw. fünftes Team eliminieren, während andere Mannschaften noch um Punkte für eine Last-Minute-Bonusrunde kämpften. Eine solche erreichten u.a. die Australier Scotson/Meyer, die damit ihre kleine Chance auf den zweiten Rang oder gar den Sieg wahrten, und auch die Leif Lampater/Marcel Kalz aus Deutschland, die Yoeri Havik/Wim Stroetinga von Gesamtrang vier verdrängten und ihrerseits noch auf das Podium schielen durften. Gewonnen wurde das Ausscheidungsfahren von Andrew Tennant/Christopher Latham, die bei der Entscheidung der letzten beiden Teams leichtes Spiel hatten, weil Pim Ligthart/Jens Mouris die letzte Ablösung verpassten und dadurch in unaufholbaren Rückstand gerieten.
 Stand vor Final-Jagd       
1 Cavendish/Wiggins  0 352
2 De Ketele/De Pauw -1 353
3 Scotson/Meyer     -1 314
4 Lampater/Kalz     -2 307
5 Havik/Stroetinga  -2 236
6 Torres/Mora       -3 288

De Ketele/De Pauw sorgen 8 Runden vor Schluss für die Entscheidung

Dass das Finale dieser Sixdays für Cavendish/Wiggins trotz der mit dem Rundenvorsprung komfortablen Ausgangsposition nicht zum Selbstläufer werden würde, bekamen sie gleich unmittelbar nach dem Start der Schlussjagd zu spüren, als De Ketele/De Pauw und Scotson/Meyer sofort attackierten und nach nicht einmal drei Minuten in der Gesamtwertung zu den Briten aufgeschlossen hatten. Die schlugen jedoch kurz darauf in Zusammenarbeit mit den restlichen Top6-Teams zurück. Nach etwa 14 und 27 Minuten erzielten De Ketele/De Pauw und Scotson/Meyer nochmals gemeinsam (und mit Teams von den hinteren Plätzen) Rundengewinne, doch beide Male konterten Cavendish/Wiggins genau in dem Moment, als die Belgier und Australier das Ende des Feldes erreichten. So konnten diese es nicht verhindern, dass die Weltmeister die Ausgangssituation der Jagd schnell wieder herstellten. Als nach einer längeren ruhigen Phase die letzten 60 Runden anbrachen, gingen De Ketele/De Pauw und Scotson/Meyer abermals in die Offensive – aber diesmal dauerte der Angriff nicht lange, weil Cavendish/Wiggins sofort reagierten und die Konkurrenten wieder einholten.

Als dann auch noch Cavendish vor Meyer zum Sieg an der ersten der fünf Punktewertungen sprintete, schien es so, als hätten die Leader alles fest im Griff. Und dennoch nahm das Rennen noch eine unerwartete Wendung. Nachdem Scotson/Meyer sich mit ein paar Metern Vorsprung die nächsten beiden Wertungen gesichert hatten, starteten 28 Runden vor dem Ende De Ketele/De Pauw ihre letzte Attacke und rasten an den Australiern vorbei. Für eine Reaktion auf diesen Angriff wollte Cavendish per Schleudergriff den tempostarken Wiggins in Aktion schicken – doch ausgerechnet dieser Wechsel schlug fehl, ihre Hände rutschten wirkungslos auseinander. Obwohl dieser Fehler am Anfang der unerwarteten Niederlage stand, war er gewiss nicht allein dafür verantwortlich. Denn De Ketele/De Pauw legten eine enorm starke Solofahrt hin und machten acht Runden vor dem Ende ihren vierten Rundengewinn der Finaljagd perfekt. Bei in jenem Moment sieben Punkten Vorsprung war der Sieg zwar noch nicht perfekt, als De Pauw dann aber den letzten Sprint gegen Cavendish gewann, war die Titelverteidigung der Belgier endgültig Tatsache. Scotson/Meyer verteidigten letztlich souverän ihren Podiumsplatz, setzten sich nochmal eine Runde weiter von Lampater/Kalz und Havik/Stroetinga ab.
 Endstand                   
1 De Ketele/De Pauw  0 391
2 Cavendish/Wiggins  0 380
3 Scotson/Meyer     -1 344
4 Lampater/Kalz     -3 321
5 Havik/Stroetinga  -3 246
6 Torres/Mora       -5 288
-> Zum vollständigen Endstand und allen Resultaten der Profis



Sprinter: Weltmeister Eilers feiert Gesamtsieg mit Keirin-Erfolg

Bei den Sprintern verlief der letzte Abend weitaus weniger dramatisch und die sechs schnellsten Männer des Velodroms hatten Spaß nicht nur an ihren Rennen, sondern auch beim Feiern mit dem Hallen-DJ – besonders Nate Koch in seinem Dinosaurier-Kostüm. Sportlich dominierten noch einmal die Deutschen: Joachim Eilers gewann trotz seiner schlechtesten Zeit seit der 1. Nacht zum sechsten Mal das 200 Meter Zeitfahren und Maximilian Levy holte sich den Sieg im Sprintfinale der drei Zeitbesten vor Eilers und dem Briten Matthew Rotherham. Im letzten Wettbewerb, dem Keirin, zeigte Koch mit einer Attacke zweieinhalb Runden vor Schluss, dass er nicht nur als Dino, sondern auch als Radsportler eine gute Figur abgibt. Dennoch endete seine Hoffnung auf den Sieg eingangs der letzten Kurve, als die Deutschen als Erste an ihm vorbeizogen. Levy bejubelte schon einige Meter vor der Ziellinie den sicheren Sieg von Eilers, der beim Ausrollen sein offizielles schwarzes Rennoutfit nach oben zog und darunter stolz sein Keirin-Regenbogentrikot enthüllte, das er bei der WM im März auf derselben Bahn in London gewonnen hatte.

Im Endstand nach sechs Nächten und insgesamt 18 Rennen steht Eilers mit 31 Rangpunkten klar an der Spitze des Sprinter-Gesamtklassements. Levy und Matthew Rotherham hatten nur in den ersten beiden Nächten mit ihm mithalten können, belegen am Ende mit 43 bzw. 53 Punkten die Plätze zwei und drei. Njisane Phillip aus Trinidad und Tobago (68), Matthew Rotherhams Bruder Thomas (85) und der US-Amerikaner Koch (98) konnten meist nur in den Keirin-Rennen ernsthaft mit den Top3 konkurrieren.
-> Zum Endstand und allen Resultaten der Sprinter



Frauen: Gesamtzweite Evans kann zum Abschluss einen Sieg feiern

Für die Frauen begann der Sonntag mit einem Punkterennen, in dem gleich sechs Fahrerinnen einen Rundengewinn erzielen konnten. Weil aus diesem Sextett Katie Archibald und Neah Evans mit 15 bzw. 14 von maximal möglichen 20 die meisten Sprintpunkte sammelten, kam es bei der achten Entscheidung des Omniums bereits zum siebten Mal zu einem Doppelsieg der beiden Britinnen. Archibald gewann im Anschluss auch souverän das Ausscheidungsfahren, und weil Evans hier nur den elften Platz belegte, war Archibald der Gesamtsieg – an dem ohnehin niemand gezweifelt hatte – nun auch rechnerisch sicher. So konnte Archibald auch locker verkraften, dass es für sie im Abschließenden Scratch-Rennen nur zum dritten Platz reichte. Den ersten holte sich Evans vor Landsfrau Elinor Barker in einem Duell zweier Fahrerinnen, denen ein Rundengewinn gelungen war, womit die Gesamtzweite bei der letzten Gelegenheit doch noch ihren erster Sieg in London einfahren konnte.

Am Ende thront die Einzelverfolgungs- und Omniums-Europameisterin Archibald mit nur 15 Rangpunkten überlegen an der Spitze des Klassements der Frauen, nachdem sie von den zehn in drei Nächten ausgetragenen Rennen acht gewinnen konnte. Evans ist mit 29 Punkten ebenso klare Zweite, wobei sie ohne den „Ausrutscher“ im Ausscheidungsfahren deutlich näher an Rang eins gelegen hätte. Den wesentlich umkämpfteren dritten Platz sicherte sich die dänische Straßen-Weltmeisterin Amalie Dideriksen (48 Punkte) vor der Slowakin Alzbeta Pavlendova (53) und der Norwegerin Anita Yvonne Stenberg (54).

-> Zum Endstand und allen Resultaten der Frauen




Eine weitere Chance auf einen Abschiedssieg hat Bradley Wiggins noch bei den Zesdaagse Vlaanderen (15.-20. November), wo er, wieder an der Seite von Mark Cavendish, in seiner Geburtsstadt Gent das letzte Rennen seiner Profi-Karriere bestreiten wird. Auch Kenny De Ketele und Moreno De Pauw werden in ihrer belgischen Heimat dabei sein.





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