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Wiggins/Cavendish revanchieren sich in Gent bei De Ketele/De Pauw für die Niederlage von London
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20.11.2016

Wiggins/Cavendish revanchieren sich in Gent bei De Ketele/De Pauw für die Niederlage von London

Info: Sixdays: Zesdaagse Vlaanderen-Gent 2016
Autor: Felix Griep (Werfel)



Gent, 20.11.2016 – Vor drei Wochen in London hatten Bradley Wiggins und Mark Cavendish noch das Nachsehen, weil Kenny De Ketele und Moreno De Pauw kurz vor Schluss ein entscheidender Rundengewinn gelungen war. Beim Sechstagerennen in Gent drehten die Briten den Spieß um und realisierten ihrerseits fünf Runden vor dem Ende der Final-Jagd einen Rundengewinn, der sie trotz der lediglich dritthöchsten Punktausbeute auf Rang eins des Endstandes hievte und die Belgier als geschlagene Zweite zurückließ. Bei den U23-Fahrern glich die Final-Jagd vielmehr einer Triumphfahrt der überlegenen Jules Hesters/Gerben Thijssen, deren härteste Gegner wegen Sturzverletzungen nicht mehr antreten konnten.


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Eine ähnliche Ausgangslage wie in London

Die Ausgangssituation für den letzten Tag der Sixdays Gent wies erstaunliche Parallelen zu jener der Sixdays London auf. Schon wieder lagen nach fünf Nächten Bradley Wiggins/Mark Cavendish an der Spitze des Klassements, wobei die eine Runde zurückliegenden Kenny De Ketele/Moreno De Pauw aber mehr Punkte auf ihrem Konto hatten. Selbiges galt in Gent nun allerdings auch für Elia Viviani/Iljo Keisse und anders als in London waren die Verfolger diesmal einer weiteren Bonusrunde sehr nahe, während Wiggins/Cavendish bis zur nächsten Hundertmarke einen deutlich weiteren Weg zurückzulegen hatten. 42 Zähler fehlten den Briten – maximal 95 ließ das umfangreiche Rennprogramm vor der finalen Jagd noch zu.
 Stand nach der 5. Nacht    
1 Wiggins/Cavendish  0 358
2 De Ketele/De Pauw -1 385
3 Viviani/Keisse    -1 370

De Ketele/De Pauw und Viviani/Keisse punkten viel – Wiggins/Cavendish kaum

Viviani/Keisse und De Ketele/De Pauw sammelten gleich in den beiden Punkterennen als Dritte und Erste respektive zweimalige Zweite einige Punkte und machten anschließend als Erste und Zweite in der Mannschaftsausscheidung – Viviani gewann den letzten Sprint gegen De Pauw – ihre jeweils vierte Bonusrunde klar. Auch im 500 Meter Zeitfahren belegten diese beiden Teams die ersten Plätze. Der Sieg ging wie gewohnt an De Ketele/De Pauw, die in jeder Nacht und als einziges Team überhaupt unter dem alten Rekord aus dem Jahr 2009 (27,03 Sekunden) blieben, mit diesmal 26,91 Sekunden ihre eigene Bestmarke aus der 2. Nacht (26,65) aber nicht knacken konnten. Viviani gewann dann auch noch den Supersprint und Keisse den Derny-Lauf mit Fahrern aller Topteams, bevor sie sich im Zeitfahren über die 166 Meter kurze Bahnrunde De Ketele/De Pauw nur um eine Hundertstelsekunde geschlagen geben mussten. Das belgische Paar hatte sich gegenüber dem italienisch-belgisch Gespann damit einen Vorsprung von fünf Zählern bewahrt.

58 Punkte holten De Ketele/De Pauw in den Rennen vor der Final-Jagd, Viviani/Keisse sogar 68. Wiggins/Cavendish fiel das Punktesammeln an diesem Sonntagnachmittag dagegen deutlich schwerer. Als Zehnte und Dritte in den Punkterennen, Fünfte in der Mannschaftsausscheidung, Sechste im Scratch, das von Oliver Wood/Mark Stewart gewonnen wurde, und Vierte im 500 Meter Zeitfahren kratzten sie gerade einmal 21 Punkte zusammen – lediglich die Hälfte dessen, was sie vor der Final-Jagd zum Erreichen der 400-Punkte-Marke holen mussten. Cavendish hätte dann im Supersprint zwingend mindestens den zweiten Platz belegen müssen, doch er wurde nur Fünfter, womit die Bonusrunde definitiv nicht mehr zu erreichen war. So war es letztlich auch nicht mehr von Belang, dass im Derny-Rennen und im Rundenzeitfahren nur dritte Plätze heraussprangen – statt als Führende starten sie nur von Rang drei des Klassements in die alles entscheidende einstündige Jagd, wo sie nur triumphieren konnten, wenn ihnen ein Rundengewinn mehr gelingen würde als den Gegnern.
 Stand vor Final-Jagd       
1 De Ketele/De Pauw  0 443
2 Viviani/Keisse     0 438
3 Wiggins/Cavendish  0 390

Wiggins/Cavendish schaffen den entscheidenden 10. Rundengewinn

Anders als beispielsweise zuletzt in London, wo man sich auf der 250 Meter langen Bahn die Kräfte für seine Angriffe besser einteilen muss und sich die Favoriten selbst in Final-Jagden auch mal längere „Verschnaufpausen“ gönnen, wurde beim Finale dieser 76. Sixdays in Gent nach einer kurzen Einrollphase auf der mit 166 Metern um ein Drittel kürzeren Bahn ohne Unterlass attackiert. Als die letzten 50 Runden eingeläutet wurden, hatten die um den Gesamtsieg kämpfenden Teams schon jeweils neun(!) Rundengewinne erzielt. Meist hatten Wiggins/Cavendish, die sich unter Zugzwang befanden, vorgelegt, doch De Ketele/De Pauw und Viviani/Keisse konterten jeweils schnell. Als die Top3 nach einer knappen halben Stunde gerade gemeinsam ihren fünften Rundengewinn eingefahren hatten, zogen Wiggins/Cavendish einmal sofort durch und schafften in kürzester Zeit die „Doublette“ – doch auch dieser Vorteil blieb nur von kurzer Dauer. Als die Schlussphase begann, hielten sich Wiggins/Cavendish dann erstmals längere Zeit zurück und ließen die Anderen um Punkte sprinten.

Die erste Wertung gewann Viviani haarscharf vor De Ketele, der wiederum bei der zweiten ganz knapp gegen Keisse die Oberhand behielt, bevor beim dritten Sprint wieder Viviani die Nase vorn hatte. Kurz darauf – 18 Runden vor dem Ende – starteten Wiggins/Cavendish ihre siegbringende Attacke. De Ketele/De Pauw und Viviani/Keisse war anzumerken, dass die Sprints Energie gekostet hatten, die nun fehlte, um diesen Angriff abzuwehren. Fünf Runden vor Schluss war der zehnte Rundengewinn und damit der Sieg für die Briten schließlich perfekt. Ob es tatsächlich Wiggins' letzter Arbeitstag als Radprofi war, bleibt indes ungewiss: Im Siegerinterview direkt nach Rennende ließ sich der 36-Jährige in seiner Geburtsstadt kein konkretes Bekenntnis zu dieser Frage entlocken. Die London-Sieger De Ketele/De Pauw belegen trotz der deutlich höheren Punktzahl am Ende nur Rang zwei. Keisse schaffte es wie bei jeder seiner Teilnahmen in Gent seit dem Jahr 2004 auf das Podest, nach sechs Siegen und vier zweiten Plätzen wurde er nun allerdings erstmals überhaupt Dritter in der Stadt, wo auch er geboren wurde.
 Endstand                   
1 Wiggins/Cavendish  0 410
2 De Ketele/De Pauw -1 475
3 Viviani/Keisse    -1 468
-> Zum vollständigen Endstand und allen Resultaten der Profis



U23: Einzige Gegner von Hesters/Thijssen müssen aufgeben

Aus dem Finale des Nachwuchs-Wettbewerbes war leider die Luft raus, als bekannt wurde, dass die Gesamtzweiten Lorenzo Blomme/Bryan Boussaer nicht zur 240 Runden langen Final-Jagd antreten würden, weil Boussaer sich bei einem Sturz am Samstag verletzt hatte. Die beiden Belgier lagen zwar wie alle anderen Teams punktemäßig weit hinter den Führenden Jules Hesters/Gerben Thijssen zurück, hatten sich aber noch in der Nullrunde mit ihren Landsmännern befunden. Jene vier Mannschaften, welche eine Runde Rückstand aufwiesen, konnte keine Spannung mehr erzeugen. Daran änderte sich auch nichts, als Hesters/Thijssen zum zweiten Mal bei diesen Sixdays stürzten. Sie rappelten sich schnell wieder auf und gewannen, nachdem sie schon die zweite Austragung eines 500 Meter Zeitfahrens für sich entschieden hatten, auch noch die letzte Jagd. Nachdem sich zunächst die in der Gesamtwertung zwei bzw. vier Runden zurückgelegenen Matthew Bostock/Joe Holt und James Baeyens/Mathias Lefeber vom Feld abgesetzt hatten, schlossen Hesters/Thijssen nach einer Weile zu ihnen auf und zogen schlussendlich nochmals eine Runde davon, ohne dass ihnen jemand folgen konnte. Die Plätze zwei und drei im Endstand belegen mit jeweils zwei Runden Rückstand das britisch-belgische Paar Oliver Moors/Matthias Van Beethoven und die Franzosen Nicolas Boudat/Louis Pijourlet.

-> Zum Endstand und allen Resultaten der U23



Ein weiteres Sechstagerennen steht im Jahr 2016 jetzt noch bevor. Nach zwei Wochen ohne große internationale Bahnradsport-Events findet das Six Day Amsterdam (6.-12. Dezember) statt, das derselben neuen Rennserie angehört wie die Veranstaltung von London. Die beim letzten Sechstagerennen in der niederländischen Hauptstadt 2014 siegreichen Fahrer treten diesmal getrennt an: Niki Terpstra mit Raymond Kreder und Yoeri Havik mit Wim Stroetinga. Zu ihren Gegnern wird u.a. auch das Duo De Ketele/De Pauw gehören, wohingegen Wiggins, Cavendish, Viviani und Keisse fehlen werden.





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