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Wiederholungstäter Jan Polanc gewinnt als Ausreißer die erste Bergankunft des 100. Giro d’Italia
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09.05.2017

Wiederholungstäter Jan Polanc gewinnt als Ausreißer die erste Bergankunft des 100. Giro d’Italia

Info: GIRO D’ITALIA 2017 (2.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Etna, 09.05.2017 – Das hatten wir doch alles schon einmal! Es war der 13. Mai 2015, als Jan Polanc mit einer Fluchtgruppe loszog und am Ende als Solist in Abetone triumphierte. Zwei Jahre später wiederholte der Slowene dieses Kunststück, als Ausreißer bei der ersten Bergankunft einer Italien-Rundfahrt den Favoriten die Show zu stehlen. Diesmal wurde es zwar deutlich knapper für den 25-Jährigen, der neben den beiden Giro-Etappensiegen noch kein einziges anderes Rennen als Profi gewinnen konnte, doch er kämpfte sich 19 Sekunden vor Ilnur Zakarin und 29 Sekunden vor einer größeren Gruppen mit den restlichen Favoriten ins Ziel. Das Rosa Trikot übernahm Bob Jungels von einem eigenen Teamkollegen, was wiederum eine Parallele zum Giro 2016 darstellt.


Das Profil der 4. Etappe des Giro d‘Italia

Polanc auf den Spuren von 2015
Nach dem dreitägigen „Grande Partenza“ auf Sardinien und einem Ruhe- bzw. Reisetag wurde der 100. Giro d’Italia auf Sizilien fortgesetzt, wo am Vulkan Ätna die 4. Etappe mit einer Bergankunft enden sollte. Dass die Topfavoriten dort schon all-in gehen und sich einen erbitterten Kampf liefern würden, war angesichts des noch sehr frühen Zeitpunktes in der Rundfahrt vielleicht nicht zu erwarten, was offensichtlich auch Jan Polanc (UAE Team Emirates) erwartete und hoffte. Genau an einem solchen Tag hatte er beim Giro 2015 den bis dato einzigen Sieg seiner Profi-Laufbahn errungen. Nachdem er im letzten Jahr die Tour de France gefahren war, versuchte sich der Slowene nun erneut an einem Überraschungscoup in Italien – sofern man beim zweiten Mal überhaupt noch von einer Überraschung sprechen darf. Mit dem Russen Pavel Brutt (Gazprom-RusVelo), dem Südafrikaner Jacques Janse Van Rensburg (Dimension Data) und dem Italiener Eugenio Alafaci (Trek-Segafredo) setzte sich Polanc gleich nach dem Start in Cefalù ab, von wo aus es eine gute Stunde lang dank Rückenwind mit einem 50er Schnitt der Küste entlang ging, bevor die erste Kletterpartie begann.

Ruhige Überfahrt des ersten Berges
Ziemlich genau in der Etappenmitte – 90 Kilometer nach dem Start und 91 vor dem Ziel – befand sich eine Bergwertung auf dem Portella Femmina Morta. Bis dorthin ging es 32,8 Kilometer am Stück bergauf, insgesamt fast 1500 Höhenmeter. Zur Freude der schwächeren Bergfahrer war dieser Anstieg nicht besonders steil und wurde vom Peloton in einem gleichmäßigen Tempo absolviert. Die Führungsarbeit machte fast komplett die Mannschaft Quick-Step Floors, die darauf hoffen konnte, dass von Sprinter Fernando Gaviria getragene Rosa Trikot dank Bob Jungels in den eigenen Reihen zu halten. Erst auf den letzten Kilometern vor der Bergwertung schaltete sich auch das Team Bahrain Merida ein und sorgte dafür, dass der Vorsprung der Ausreißer bis zur Bergwertung um zwei Minuten auf 6:23 Minuten verringert wurde. Dieser Abstand änderte sich in der langen Abfahrt kaum, an deren Ende eine relativ kurze, aber steile Steigung zum ersten Zwischensprint Alafaci den Zahn zog. Schon knapp 60 Kilometer vor dem Ziel fiel er wieder zurück, 30 Kilometer später erging es Brutt, der beide Zwischensprints des Tages gewonnen hatte, ebenso.


Das Profil des Schlussanstiegs

Längerer Fluchtversuch von Rolland
Es blieben also nur noch Polanc und Janse Van Rensburg vorne, als der 17,9 Kilometer lange Schlussanstieg begann, der über weitere Strecken eine durchschnittliche Steigung von gut sieben Prozent aufwies. Das im Vorfeld etwas hektischer und dadurch auch etwas kleinerer gewordene Feld startete mit einem Rückstand von 4:20 in diese Prüfung. Vor zwei Jahren in Abetone hatte Polanc auf ähnlicher Distanz (17,3 km à 5,4%) eineinhalb von sechs Minuten durchgebracht. An den Hängen des Ätna wurde er schnell zum Solisten, da dort auch Janse Van Rensburg nicht mehr mithalten konnte. Aus dem Feld gab es eine frühe, aber nur kurze Attacke von Paolo Tiralongo (Astana), der seine zwölfte Italien-Rundfahrt bestreitet und damit so viel Giro-Erfahrung hat wie sonst kein Fahrer im diesjährigen Teilnehmerfeld (siehe Statistiken in unserer Startliste). Weitaus länger dauerte der Fluchtversuch von Pierre Rolland (Cannondale-Drapac), der sich sogar recht deutlich absetzen konnte: An der Zehn-Kilometer-Marke lag der Franzose eine halbe Minute vor dem Hauptfeld – und drei Minuten hinter Polanc. Noch rund zwei Minuten betrug dessen Vorsprung, als Rolland vier Kilometer später wieder eingeholt wurde.

Zakarin kommt Polanc noch sehr nahe
Während der Rolland-Flucht hatte es weitere Angriffe von Franco Pellizotti (Bahrain Merida) und Winner Anacona (Movistar) sowie von Igor Anton (Dimension Data) gegeben, etwas später einen von Jasper Hansen (Astana) – alles ohne nennenswerte Folgen. Den ersten großen Wow!-Moment gab es drei Kilometer vor dem Ziel, als der letztjährige Giro-Sieger Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) antrat. Wegen einer umgehenden Reaktion von Andrey Amador und Nairo Quintana (beide Movistar) stoppte der Mann mit der Rückennummer 1 seine Attacke aber schnell wieder. Anton und Hansen traten beide noch ein zweites Mal an, konnten sich jedoch abermals nicht entscheidend absetzen. Eine Tempoverschärfung von Tom Dumoulin (Sunweb) führte gut eineinhalb Kilometer vor Schluss zu einer Reaktion von Ilnur Zakarin (Katusha Alpecin), dem es daraufhin als einzigem Fahrer gelang, die Hauptgruppe der Favoriten abzuhängen. Die Flamme Rouge passierte der Russe, der am Fuß des Schlussanstiegs noch beinahe in einen Massensturz verwickelt worden war, 37 Sekunden nach Polanc. Diese Lücke wurde auf dem letzten Kilometer immer kleiner – aber der Ausreißer rettete 19 Sekunden seines Vorsprungs und sorgte damit für eine ganz besondere Geschichte.

Jungels jetzt in Rosa und Polanc in Blau
Den Etappensieg verpasste Zakarin, finishte aber wenigstens zehn Sekunden vor der letztlich 20 Fahrer umfassenden Gruppe um Nibali, Quintana und die übrigen Favoriten. Mitsamt der Zeitgutschrift ist sein 20-Sekunden-Verlust vom zweiten Giro-Tag damit fast aufgeholt. Den Sprint um Platz drei und damit ebenfalls eine Bonifikation entschied Geraint Thomas (Sky) vor Thibaut Pinot (FDJ) für sich. Jungels wurde Etappensiebter und übernimmt damit die Führung in der Gesamtwertung – sechs Sekunden vor Thomas, jeweils zehn vor den meisten anderen Favoriten, 14 vor Zakarin. Polanc fehlen 58 Sekunden zum Rosa Trikot, aber das Blaue ist auch nicht zu verachten: Als Zweiter auf dem Portella Femmina Morta (2. Kategorie) und Erster im Ziel (1. Kategorie) sammelte er 43 Punkte und verdrängte damit Daniel Teklehaimanot (Dimension Data/22 Punkte) im Bergklassement auf Rang zwei. Dem Eritreer bleibt die Führung in der Sprintwertung, wobei er dort mit dem nur noch acht Punkte zurückliegenden Brutt einen neuen Konkurrenten hat. Der Österreicher Gregor Mühlberger (Bora-Hansgrohe), der stellvertretend das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers getragen hatte, wird dies bei diesem Giro nicht noch einmal tun können, denn er verlor gut zehn Minuten auf die Besten.

-> Zum Resultat

Auf der morgigen 5. Etappe dürfen sich die Sprinter wieder auf eine Sieg-Chance freuen, denn am Ende des zu Beginn doch einigermaßen hügeligen Teilstücks gibt es fast 60 flache Kilometer.

Video der Zielankunft






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