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Quintana gewinnt Blockhaus-Ankunft 24 Sekunden vor Pinot und Dumoulin – Albtraum für das Team Sky
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14.05.2017

Quintana gewinnt Blockhaus-Ankunft 24 Sekunden vor Pinot und Dumoulin – Albtraum für das Team Sky

Info: GIRO D’ITALIA 2017 (2.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Blockhaus, 14.05.2017 – Am Etna hatten sich die Favoriten noch zurückgehalten, doch bei der zweiten Bergankunft des 100. Giro d’Italia am Blockhaus wurden die Karten endlich auf den Tisch gelegt. Der im Vorfeld der Italien-Rundfahrt als Topfavorit gehandelte Nairo Quintana bestätigte die Erwartungen und holte sich den Etappensieg und das Rosa Trikot. Thibaut Pinot und Vincenzo Mibali waren die Letzten, die seinen Attacken Tribut zollen mussten, aber auch Tom Dumoulin und Bauke Mollema boten starke Vorstellungen. Zum Debakel wurde die Etappe für das Team Sky, deren Klassementfahrer Geraint Thomas und Mikel Landa nach einem Sturz am Fuße des Schlussanstiegs viele Minuten Rückstand kassierten.


Das Profil der 9. Etappe des Giro d‘Italia

Gruppe um Sanchez, Fraile und Rolland
Luis Leon Sanchez (Astana), der Drittplatzierte der 8. Etappe des Giro d’Italia, wollte einen Tag nach seiner anstrengenden Flucht gleich wieder auf die Jagd nach einem Etappensieg gehen. Doch das 9. Teilstück der Italien-Rundfahrt war dafür einfach nicht geschaffen. Zwar setzte sich der Spanier kurz nach dem Start in Montenero di Bisaccia gemeinsam mit Matteo Montaguti (AG2R La Mondiale), Jan Tratnik (CCC Sprandi Polkowice), Alexey Tsatevich (Gazprom-RusVelo), Iljo Keisse (Quick-Step Floors), Omar Fraile (Dimension Data), Mads Pedersen (Trek-Segafredo), Marco Marcato (UAE Team Emirates) und Matteo Busato (Wilier Triestina-Selle Italia) bis zu vier Minuten vom Feld ab und später stießen – nach fast einer Stunde Verfolgungsjagd – noch Pierre Rolland (Cannondale-Drapac), Tomasz Marczynski (Lotto Soudal) und Sacha Modolo (UAE Team Emirates) dazu. Doch das Dutzend Ausreißer hatte nicht den Hauch einer Chance gegen die Verfolgungsarbeit der Movistar-Mannschaft, die bereits 22 Kilometer vor dem Ziel die letzten Flüchtigen wieder einholte; in einer etwa zehn Kilometer langen Steigung, die dem eigentlichen Schlussanstieg zum Blockhaus (13,6 km à 8,4%) vorgelagert war.

Movistar zeigt mannschaftliche Dominanz
Die Ausreißer hatten für Movistar gar nicht die oberste Priorität; deren Einholung hatte man als logische Folge der eigenen Ambitionen vorausgesetzt. Es ging dem Team des Giro-Topfavoriten Nairo Quintana vielmehr darum, dessen Gegnern – oder zu diesem noch recht frühen Zeitpunkt vor allem ihren Helfern – die Kräfte zu rauben. Die Tempoarbeit zeigte die gewünschte Wirkung und alle Kontrahenten Quintanas verloren spätestens in der ersten Hälfte des Schlussanstiegs ihre letzten Teamkollegen, während Quintana noch auf die starke Hilfe von Andrey Amador und Winner Anacona zählen konnte. Sieben Kilometer vor dem Ende waren dann mit Thibaut Pinot (FDJ), Vincenzo Nibali (Bahrain Merida), Tom Dumoulin (Sunweb), Bauke Mollema (Trek-Segafredo), Domenico Pozzovivo (AG2R La Mondiale) und Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) sogar nur noch sechs andere Fahrer bei dem Movistar-Trio verblieben. Bob Jungels (Quick-Step Floors) hatte – durchaus erwartungsgemäß – bereits zwei Kilometer zuvor den Anschluss verloren und musste seine Träume von einer weiteren Zeit im Rosa Trikot begraben. Es war dann Kilometer 6,8 vor dem Ziel, bei dem Quintana selbst in die Offensive ging und die in ihn gesetzten Erwartungen voll erfüllte.


Das Profil des Etappenfinals

Quintana nach vier Angriffen ohne Gegner
Auf den Angriff des Giro-Siegers von 2014 reagierte umgehend der Champion der Italien-Rundfahrten von 2013 und 2016, Nibali, der an seinem Hinterrad Pinot mitbrachte. Als sie wieder zu ihm aufschlossen, testete Pinot gleich einmal die Reflexe Quintanas, der den Vorstoß des Franzosen aber umgehend konterte. In Abständen von jeweils gut einem halben Kilometer ließ Quintana weitere Attacken folgen. Zweimal war Nibali erneut in der Lage, das Loch zuzufahren. Nach Quintanas viertem Antritt, der 4,7 Kilometer vor dem Ziel erfolgte, konnte Nibali die Lücke jedoch nicht mehr schließen und auch als Pinot die Nachführarbeit übernahm, stieg der Rückstand zu Quintana bis auf 15 Sekunden an. Dann verließen Nibali die Kräfte und er wurde rasch von Dumoulin und Mollema überholt, die mit ihrem gleichmäßigen Tempo bald darauf zu Pinot aufschlossen. Der Rückstand dieses neuen Trios stieg jedoch weiter auf eine halbe Minute, woraufhin Pinot die Schlagzahl erhöhte und die beiden wieder abschüttelte. Nur Dumoulin kam noch einmal zurück und finishte gemeinsam mit Pinot, der den Sprint um Platz zwei gewann, 24 Sekunden nach dem an diesem Tag unschlagbaren Quintana.

Unfall betrifft Kelderman, Thomas und Yates
Mollema und Nibali erreichten das Ziel jeweils alleine als Vierter und Fünfter, 41 Sekunden respektive genau eine Minute nach Quintana, kurz danach folgte Pozzovivo (+1:18). Mehr als zwei Minuten vergingen bis zur Ankunft von Tanel Kangert (Astana) und Ilnur Zakarin (Katusha), bevor 2:28 Minuten nach dem Sieger Pinots Schweizer Teamkollege Sébastien Reichenbach den starken neunten Platz verbuchte. Mit weniger als drei Minuten Verlust kamen sonst nur noch Davide Formolo (Cannondale-Drapac), Amador und Kruijsiwjk davon. Jungels wurde mit 3:30 Minuten Verlust 15., doch einige Andere hatte es noch viel schlimmer getroffen: Einem kurz vor Beginn des Schlussanstiegs am Straßenrand stehenden Polizei-Motorrad hatten drei seiner Teamkollegen noch ausweichen können, bevor Wilco Kelderman (Sunweb) durch das überraschende Hindernis zu Fall gebracht wurde und in der Folge auch die Sky-Kapitäne Geraint Thomas und Mikel Landa stürzten (siehe Video unten). Kelderman konnte die Etappe daraufhin nicht beenden und Thomas verlor als bester Sky-Fahrer über fünf Minuten. Fast genauso viel Zeit büßte Adam Yates (Orica-Scott) ein, der ebenfalls in diesen Vorfall involviert war.

Quintana im Rosa Trikot, Formolo in Weiß
Ob die gestürzten es mit Nairo Quintana hätten aufnehmen können, werden wir nie wissen, aber wahrscheinlich hätten auch sie dem bärenstarken Kolumbianer heute nicht das Wasser reichen können. In der Gesamtwertung hat er jetzt vor Pinot (+0:28), Dumoulin (+0:30), Mollema (+0:51) und Nibali (+1:10) die Führung inne und somit ein kleines Polster für die bevorstehende Zeitfahretappe. Im Bergklassement belegen Quintana und Pinot mit 35 und 27 Punkten jetzt die Plätze zwei und drei, an der Spitze steht mit 44 Zählern weiterhin Jan Polanc (UAE Team Emirates). Etappenplatz zehn und Gesamtrang acht stehen für Formolo zu Buche, der neuer Führender der Nachwuchswertung ist. In diesem Klassement hat der nur 45 Sekunden zurückliegende Jungels noch gute Aussichten, bei diesem Giro noch einmal ein Sondertrikot zu erobern, nachdem er Rosa fünf Tage lang getragen hat. Yates, der in der Gesamtwertung bereits ein Defizit von 4:49 Minuten aufweist, liegt hinter Formolo nur 2:04 Minuten zurück und ist im Kampf um Weiß ebenfalls noch zu beachten. Eine ausführliche Analyse zu den Ständen aller Wertungen gibt es auf LiVE-Radsport am morgigen Ruhetag!

-> Zum Resultat

Der morgige zweite Ruhetag des Giro bietet die Gelegenheit, sich von den Blockhaus-Strapazen zu erholen. Am Dienstag müssen die Klassementfahrer dann wieder auf den Punkt fit sein, denn auf der 10. Etappe steht das 39,8 Kilometer lange erste Einzelzeitfahren an.


Video des Sturzes
Video von Quintanas erster Attacke
Video von Quintanas letzter Attacke
Video der Zielankunft





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