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Omar Frailes großer Tag: Erster Grand-Tour-Etappensieg und fast im Giro-Bergtrikot
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17.05.2017

Omar Frailes großer Tag: Erster Grand-Tour-Etappensieg und fast im Giro-Bergtrikot

Info: GIRO D’ITALIA 2017 (2.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Bagno di Romagna, 17.05.2017 – Die Etappe mit dem Sieg von Gorka Izagirre war schon überaus unterhaltsam, aber das 11. Teilstück des Giro d’Italia hat das Ganze vier Tage später noch klar getoppt. Vier sehr lange Anstiege und 25 Ausreißer waren die Zutaten für einen äußerst interessanten Rennverlauf mit einer zwischenzeitlichen Flucht aus der Flucht von Mikel Landa und Omar Fraile und einem offenen Schlagabtausch nicht nur zwischen den Ausreißern, sondern auch den Favoriten am letzten Berg und in der Abfahrt Richtung Ziel. Großer Gewinner des Tages war am Ende Fraile, der erstmals eine Etappe bei einer Grand Tour gewann und nach Punkten mit Bergtrikot-Träger Jan Polanc gleichzog. Andrey Amador, Tanel Kangert und Dario Cataldo arbeiteten sich als ausreißer in der Gesamtwertung nach vorne.


Das Profil der 11. Etappe des Giro d‘Italia

25-köpfige Gruppe nach dem ersten Berg
Wie auf der 8. Etappe war es auch auf der 11. des 100. Giro d’Italia eigentlich von vornherein klar, dass der Sieg an einen Ausreißer gehen würde. Dafür war das mit 161 Kilometern recht kurze Teilstück mit vier sehr langen Anstiegen und der Zielankunft im Tal einfach wie geschaffen. Auf den flachen ersten 15 Kilometern nach dem Start in Florenz hatte sich noch niemand absetzen können – dafür fuhren im Anstieg zum Passo della Consuma (15,9 km à 6,1%, max. 10%) immer mehr Fahrer aus dem Feld heraus. Laurens De Plus (Quick-Step Floors) und Igor Anton erreichten schließlich die Bergwertung 15 Sekunden vor zahlreichen Verfolgern, die in der Abfahrt aufschlossen und eine Spitzengruppe mit 25 Fahrern aus 15 Mannschaften bildeten (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 13:53 Uhr). Besonders stark darin vertreten waren die Teams Cannondale-Drapac (Rolland, Carthy, Villella) und Movistar (Amador, Herrada, Rojas) mit jeweils drei Fahrern. Wieder im Tal angekommen, hatten sie zwei Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld.

Landa und Fraile lange zu zweit an der Spitze
Sofort musste mit dem Passo della Calla (16,0 km à 5,3%) der nächste Berg erklommen werden, an welchem Mikel Landa (Sky) und Omar Fraile (Dimension Data) die Flucht aus der Flucht antraten. Das spanische Paar fuhr bis zur zweiten Bergwertung der Etappe einen Vorsprung von gut zwei Minuten gegenüber den anderen Ausreißern heraus. Während der folgenden langen Abfahrt erreichte die Zweierflucht ihre höchsten Abstände zu den Verfolgern (2:50 Minuten) und dem Hauptfeld (5:25 Minuten). Am Ende der Abfahrt, die sogleich den Beginn des nächsten Anstiegs bedeutete, waren es schon wieder jeweils 20 Sekunden weniger. Auf dem Weg zum Passo del Carnaio (11,4 km à 4,5%) verringerte sich der Rückstand der 23 Verfolger wieder auf zwei und der des Feldes auf knapp fünf Minuten. Kurz darauf passierte man ein erstes Mal die Ziellinie in Bagno di Romagna, von wo aus man sich auf eine 49,7 Kilometer lange Runde begab, die über den Monte Fumaiolo (23,1 km à 3,7%) führte. An diesem Anstieg verloren Landa und Fraile immer schneller an Vorsprung und es bahnte sich ein actiongeladenes Finale an.

Trio aus den Top15 der GW unter den Ausreißern
Im Hauptfeld hatte lange Sunweb, die Mannschaft des nach seinem überlegenen Zeitfahrsieg neuen Gesamtführenden Tom Dumoulin, mit vier Helfern das Tempo kontrolliert, doch nun schalteten sich auch Trek-Segafredo und FDJ ein: Die Mannschaften des Gesamtdritten Bauke Mollema und des Vierten Thibaut Pinot reagierten damit auf die Tatsache, dass deren Platzierungen durch einige Ausreißer gefährdet waren: besonders durch Movistars Andrey Amador (9. der Gesamtwertung/4:39 Minuten Rückstand) sowie die beiden Astana-Fahrer Tanel Kangert (12./5:36) und Dario Cataldo (15./6:56). Die hatten es wiederum nicht nur auf eine Verbesserung in der Gesamtwertung abgesehen, sondern auch das Thema Etappensieg noch nicht abgehakt. Vor allem die beiden Movistar-Fahrer José Herrada und José Joaquin Rojas sorgten dafür, dass die beiden „ausgerissenen Ausreißer“ im Anstieg zum Monte Fumaiolo wieder eingeholt wurden. Bei Fraile war das 40 Kilometer vor dem Ziel der Fall. Landa wehrte sich noch ein wenig länger, wurde danach aber auch direkt durchgereicht, wohingegen sein Landsmann weiter in der großen Gruppe blieb, die 30 Kilometer vor dem Etappenende noch 17 Fahrer zählte und 2:45 Minuten Vorsprung hatte.


Das Profil des Monte Fumaiolo

Nibali und Pinot attackieren an letzter Bergwertung
Erst auf den letzten drei, vier Kilometern wurde der Monte Fumaiolo richtig steil – und dort spielten sich sowohl an der Spitze des Rennens als auch bei den Favoriten die besten Kampfszenen des Tages ab. Vorne attackierte als Erster De Plus. Kangert schloss das Loch zum Belgier, woraufhin Rui Costa (UAE Team Emirates) attackierte, bei dem sich De Plus ans Hinterrad hängte. Die beiden zogen davon und konnten nur von Pierre Rolland (Canondale-Drapac) eingeholt werden. Der Franzose wiederum verschärfte bald darauf das Tempo und nur Fraile konnte sich wieder an ihn heran kämpfen, bevor sie zu zweit fünf Sekunden vor Costa und De Plus und 16 Sekunden vor der Verfolgergruppe die Bergwertung erreichten, die 25,2 Kilometer vor dem Ziel lag. Im Feld hatte derweil Franco Pellizotti (Bahrain Merida) einen Angriff seines Teamkollegen Vincenzo Nibali vorbereitet, durch welchen aus dem Feld eine Favoritengruppe mit nur noch einem Dutzend Fahrern wurde, in der mit Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) und Geraint Thomas (Sky) der Zehnte und Elfte des Gesamtklassements fehlten. Als Nibali merkte, dass er nicht wegkommen konnte, zog er sich wieder zurück und FDJ übernahm das Kommando: Sébastien Reichenbach machte kurz Tempoarbeit, bevor Thibaut Pinot attackierte.

Fraile krönt starke Leistung mit einem Sprintsieg
Pinot überquerte die letzte Bergwertung zwei Minuten nach den Führenden und zehn Sekunden vor der Favoritengruppe um das Rosa Trikot, die ihn aber nach einer Weile in der Abfahrt wieder einfangen konnte. An der Spitze des Rennens kämpften derweil Rolland und Fraile gegen die Verfolger, von denen Costa neun Kilometer vor dem Ende zu ihnen aufschließen konnte. Nur zehn Sekunden Vorsprung nahm das Trio mit auf die letzten flachen 3500 Meter. 1,5 Kilometer vor Schluss stieß plötzlich Kangert hinzu und auf der Zielgeraden dockten acht weitere Fahrer an, die im Endspurt aber nicht mehr an dem Quartett vorbeikam. Im Sprint um den Etappensieg konnte Fraile noch die meisten Kräfte mobilisieren und siegte vor Costa, Rolland und Kangert. Zudem hat der zweifache Vuelta-Bergkönig an den Bergwertungen so viele Punkte gesammelt, dass er nun gleichauf ist mit Jan Polanc (UAE Team Emirates), der das Blaue Trikot aber vorerst noch behalten darf. 16 Fahrer um Dumoulin finishten 1:37 Minute, eine Gruppe um Kruijswijk und Thomas 2:25 Minuten nach dem Sieger. In der Gesamtwertung blieben nur die Top5 unverändert – Amador (von 9 auf 6), Kangert (von 12 auf 8) und Cataldo (von 15 auf 11) verbesserten sich deutlich.

-> Zum Resultat

Wieder weitaus ruhiger dürfte es auf der morgigen 12. Etappe zugehen. Zwar gibt es auch dort in der ersten Streckenhälfte zwei längere Steigungen, doch am Ende ist sie topfeben und gibt den Sprintern ihre vorletzte Chance auf einen Sieg bei diesem Giro.

Video der Zielankunft





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