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Dumoulin überaus souverän auf der 18. Giro-Etappe – Landa zieht auch gegen Van Garderen den Kürzeren
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25.05.2017

Dumoulin überaus souverän auf der 18. Giro-Etappe – Landa zieht auch gegen Van Garderen den Kürzeren

Info: GIRO D’ITALIA 2017 (2.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Canazei, 25.05.2017 – Zwei Tage nachdem ihm Verdauungsprobleme beinahe das Rosa Trikot gekostet hätten, hat sich Tom Dumoulin auf der zweiten „Köngisetappe“ des Giro d’Italia in hervorragender Verfassung präsentiert, frühe Angriffe seiner größten Gegner Nairo Quintana und Vincenzo Nibali bravourös überstanden und beiden am Schlussanstieg keine Chance gelassen, ihn abzuhängen. Während sich die Top3 der Gesamtwertung am Ende gegenseitig neutralisierten, konnten andere Fahrer, allen voran Thibaut Pinot, etwas Zeit gutmachen. Den Etappensieg machten aber zwei Ausreißer unter sich aus und zum zweiten Mal in drei Tagen ging Mikel Landa als Zweiter leer aus, während Tejay Van Garderen seinen ersten Grand-Tour-Etappensieg feiern konnte.


Das Profil der 18. Etappe des Giro d‘Italia

19 Ausreißer auf kurzer, intensiver Bergetappe
Nach zwei extrem langen (222 und 219 Kilometer) und vor zwei weiteren sehr langen (191 und 190 Kilometer) Tagen standen auf der 18. Etappe des Giro d’Italia lediglich 137 Kilometer auf dem Programm, die es mit fünf Bergwertungen und 3499 Höhenmetern aber in sich hatten! Die ersten 14 Kilometer vom Startort Moena in den gestrigen Zielort Canazei waren nur minimal ansteigend und dienten einem Quartett dazu, sich eine Minute Vorsprung auf das Hauptfeld zu verschaffen, wohingegen eine 32-köpfige Verfolgergruppe wieder eingeholt wurde, als der erste richtige Anstieg zum Passo Pordoi (11,9 km à 6,7%) begann. Mit Diego Rosa (Sky), Natnael Berhane (Dimension Data) und Joseph Rosskopf (BMC Racing) erreichten drei aus der ersten Fluchtgruppe den Gipfel immer noch als Führende; nur Manuele Boaro (Bahrain Merida) war zurückgefallen. Zwei Verfolgergruppen und das Hauptfeld folgten an der Bergwertung der 1. Kategorie innerhalb weniger als einer Minute, bevor sich in der Abfahrt alle Ausreißer zusammenschlossen und eine Spitzengruppe mit 19 Fahrern bildeten (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 14:20 Uhr).

Sky wieder mit 3 Fahrern auf Jagd nach einem Sieg
Zwei Teams hatten jeweils drei Fahrer in der Spitzengruppe: Zum einen Cannondale-Drapac mit Joe Dombrowski, Davide Villella und am Tag nach seinem erlösenden Etappensieg in Canazei auch Pierre Rolland, zum anderen das noch immer auf einen Tageserfolg wartende Team Sky mit Rosa, Philipp Deignan und Mikel Landa. Dario Cataldo (Astana) und Jan Hirt (CCC Sprandi Polkowcie) hofften sicher nicht nur auf einen Etappensieg, sondern auch auf eine Verbesserung ihrer Platzierungen in der Gesamtwertung, wo sie 15. und 16. waren. Der 14. Andrey Amador (Movistar) war mit seinem Teamkollegen Winner Anacona auch dabei – diese beiden aber freilich nicht in eigener Mission. Am zweiten großen Anstieg zum Passo Valparola (12,3 km à 6,4%) gab es keine großen Änderungen in der Rennsituation. Die Ausreißer hatten ihren Vorsprung zwischenzeitlich auf fast drei Minuten ausgebaut, bevor Bahrain Merida und Orica-Scott tätig wurden und das Feld bis zur Kategorie-2-Bergwertung wieder um eine Minute näherbrachten. Dadurch schrumpfte das Feld auf etwa 30 Fahrer und Tom Dumoulin (Sunbweb) hatte mit Laurens ten Dam nur noch einen einzigen Helfer.


Das Profil des Anstiegs zum Passo Gardena

Movistars Großangriff am Grödnerjoch misslingt
Am dritten Anstieg zum ebenfalls in die 2. Kategorie eingeordneten Passo Gardena/Grödnerjoch (9,3 km à 6,4%) begann Movistar Ernst zu machen und den Giro-Leader zu testen. Eine Tempoverschärfung der vier(!) Teamkollegen, die Nairo Quintana noch an seiner Seite hatte, ließ einige Fahrer zurückfallen, darunter neben Ten Dam auch den Träger des Weißen Trikots Bob Jungels (Quick-Step Floors). Drei Kilometer vor der Bergwertung folgte der erwartbare Angriff Quintanas, auf den zunächst niemand reagierte. Als der Kolumbianer dann gut 20 Sekunden Vorsprung herausgefahren hatte und sich aus der Ausreißergruppe seine Teamkollegen Anacona und Amador zu ihm zurückfallen ließen, wurde Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) die Situation zu brenzlig: er attackiert ebenfalls und dockte kurz darauf am Movistar-Trio an. Sollte das der Moment sein, in welchem Dumoulin einbricht und das Rosa Trikot verliert? Mitnichten! Der Niederländer geriet nicht in Panik ob des Angriffs seiner beiden stärksten Gegner, zog sein Tempo durch und führte eine größere Gruppe punktgenau an der Bergwertung wieder an Quintana und Nibali heran. Neben Jungels war Jan Polanc (UAE Team Emirates) der Einzige aus den Top der Gesamtwertung, der nicht mehr im Kreise der Favoriten war.

Landa und Van Garderen Führende vor Schlussanstieg
In der Abfahrt vom Passo Gardena hängte sich Quintana beim Gesamtelften Adam Yates (Orica-Scott) und dessen Teamkollegen Ruben Plaza an, die ein enormes Tempo vorlegten. Dumoulin konnte aber auch dieses Loch wieder schließen, womit sich eine Gruppe von 16 Fahrern um das Rosa Trikot formierte (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 16:07 Uhr). Die Ausreißergruppe hatte sich am Passo Gardena auf sieben Fahrer verkleinert: Sky (Landa, Rosa) und Cannondale-Drapac (Dombrowski, Villella) waren noch doppelt an der Spitze des Rennens vertreten; bei den Anderen handelte es sich um Hirt, Berhane und Tejay Van Garderen (BMC Racing). Rosa fiel im Anstieg der 3. Kategorie zum Passo di Pinei (4,2 km à 6,3%), durch den die Abfahrt kurz unterbrochen wurde, allerdings zurück. 15 Kilometer vor dem Ziel setzten sich Landa und Van Garderen gemeinsam ab und erreichten den Beginn der letzten Steigung circa 15 Sekunden vor den restlichen Ausreißern und eine knappe Minute vor der Favoritengruppe. Es ging jetzt zur letzten Bergwertung nach Pontives (9,3 km à 6,8%) hinauf und nach dieser 1. Kategorie noch vier Kilometer weiter ansteigend bis ins Ziel nach Ortisei.


Das Profil des Anstiegs nach Pontives

Dumoulin, Quintana und Nibali neutralisieren sich
Der Vorsprung von Landa und Van Garderen stieg nicht nur gegenüber ihren vorherigen Begleitern, sondern auch im Bezug auf die Favoriten, bei denen bis drei Kilometer vor der Bergwertung gar nichts passierte. Dann unternahm Anacona einen Vorstoß, der als Vorbereitung für einen Angriff Quintanas diente. Der nahm kurz die Hilfe des Teamkollegen in Anspruch, bevor er alleine weiterfuhr. Dass aus diesem Angriff nichts wurde, war letztlich das Verdienst des Schweizers Sébastien Reichenbach (FDJ), der für seinen Kapitän Thibaut Pinot die Nachführarbeit in die Hand nahm. Einen Kilometer vor der Bergwertung wollte Nibali es noch einmal versuchen, aber diesmal war Dumoulin wachsam und ließ die Aktion des Italieners im Keim ersticken. Plötzlich überraschte Dumoulin seine Gegner mit einer eigenen Attacke und kurz darauf einem zweiten Antritt. Dass die Top3 der Gesamtwertung sehr mit sich beschäftigt waren, nutzten Domenico Pozzovivo (AG2R la Mondiale) und Pinot für einen Angriff. Die Nummern sechs und vier des Klassements konnten sich rasch absetzen, während sich Dumoulin, Quintana und Nibali nur gegenseitig anschauten. Der Gesamtfünfte Ilnur Zakarin (Katusha) sah sich gezwungen, selbst die Verfolgung der beiden Angreifer aufzunehmen.

Pinot nähert sich dem Podium, Yates jetzt in Weiß
Weiter vorne auf der Straße hatte Landa einmal fast den Kontakt zu Van Garderen verloren, biss sich aber wieder heran und zu zweit passierten sie die Bergwertung 40 Sekunden vor den ersten Favoriten, von denen sie auch nicht mehr eingeholt wurden. Van Garderen gewann das Sprintduell der beiden letzten Ausreißer – Landa war wie auf der 16. Etappe gegen Nibali unterlegen und wird sich nur schwer damit trösten lassen, dass er seinen Vorsprung im Bergklassement so massiv vergrößert hat, dass ihm das Blaue Trikot kaum noch zu nehmen sein sollte. Pinot und Pozzovivo finishten mit acht Sekunden Rückstand, direkt nach ihnen folgte der eingeholte Hirt. 24 Sekunden Rückstand kassierte Zakarin, 34 wurden es für Steven Kruijswjik (LottoNL-Jumbo) und Bauke Mollema (Trek-Segafredo). 1:06 Minute Rückstand hatten Dumoulin, Quintana und Nibali, die in der Gesamtwertung mit unveränderten Abständen Erster, Zweiter (+0:31) und Dritter (+1:12) bleiben. Der Viertplatzierte Pinot hat sich dem Podium bis auf 24 Sekunden angenähert. Jungels beendete die Etappe als 19. mit fast vier Minuten Rückstand – Yates nahm ihm 2:43 Minuten ab und ist mit 28 Sekunden Vorsprung neuer Führender der Nachwuchswertung.

-> Zum Resultat

Die morgige 19. Etappe bringt in Piancavallo die letzte Bergankunft des 100. Giro d'Italia (15,4 km à 7,3%). Der Kampf der Favoriten dürfte sich wohl auf diesen Schlussanstieg beschränken, da die 60 Kilometer davor ohne nennenswerte Schwierigkeiten verlaufen.

Video der Zielankunft
Video von Quintanas Angriff am Passo Gardena





Dumoulin überaus souverän auf der 18. Giro-Etappe – Landa zieht auch gegen Van Garderen den Kürzeren
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