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Calmejane krönt sich zum König der Ausreißer auf hart umkämpfter erster Jura-Etappe der Tour
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08.07.2017

Calmejane krönt sich zum König der Ausreißer auf hart umkämpfter erster Jura-Etappe der Tour

Info: TOUR DE FRANCE 2017 (2.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Station des Rousses, 08.07.2017 – Vor einem Jahr, da war er als „frischer“ Profi international praktisch noch unbekannt, sieglos und durfte die Tour de France nur als Zuschauer verfolgen. Seitdem hat Lilian Calmejane einen rasanten Aufstieg hingelegt, der letzten August mit seinem Etappensieg bei der Vuelta a España begann, sich in diesem Frühjahr mit drei Rundfahrterfolgen (Etoile de Bessèges, Settimana Coppi e Bartali und Circuit Sarthe) fortsetzte und heute bei der Frankreich-Rundfahrt einen neuen Höhepunkt erreichte. Der 24-jährige Franzose ging am 61. Geburtstag seines Teamchefs Jean-René Bernaudeau aus einem von Start bis Ziel extrem unruhigen Rennen mit etlichen Ausreißern als Etappensieger und neuer Träger des Bergtrikots hervor. Die Favoriten schonten sich für den nächsten, noch viel härteren Tag.


Das Profil der 8. Etappe der Tour de France

Latour und Buchmann unter 50(!) Ausreißern
Auf keiner der vorangegangenen Etappen hatten Ausreißer eine realistische Chance auf einen Erfolg, was den Rennverläufen jegliche Spannung genommen hatte. Dieser Trend wurde durch die 8. Etappe im Jura-Mittelgebirge erwartungsgemäß beendet. Die 187,5 Kilometer zwischen Dole und der Station des Rousses waren mit ihrem bergigen Profil und dem Ziel ein Stück weit hinter dem letzten Anstieg wie gemacht für Ausreißer. Erst nach mehr als eineinhalb Stunden im Höllentempo mit unzähligen Angriffen und mehreren kurzlebigen Spitzengruppen entstand eine große, sehr große, extrem große Gruppe, die sich deutlich vom Hauptfeld absetzen konnte. Sie umfasste nicht weniger als 50 Fahrer (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 14:06 Uhr) und verzeichnete schnell einen Vorsprung von drei Minuten. Das machte Pierre-Roger Latour (AG2R La Mondiale), den Träger des Weißen Trikots, virtuell auch zum Inhaber des Gelben. Neben dem Franzosen waren mit Emanuel Buchmann (Bora-Hansgrohe), Mikel Landa (Sky), Andrew Talansky (Cannondale Drapac) und Serge Pauwels (Dimension Data) vier weitere Vertreter aus den Top20 der Gesamtwertung vorne dabei.

Ständige Veränderungen in der Rennsituation
Es dauerte nicht allzu lange, bis sich von den 50 Fahrern 16 absetzten, die mit einer halben Minute Vorsprung auf die restlichen 34 und mit dreieinhalb Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld 92 Kilometer vor dem Ziel den Anstieg zur ersten Bergwertung des Tages in Angriff nahmen. An der 3. Kategorie auf dem Col de la Joux (6,1 km à 4,7%) siegte Warren Barguil (Sunweb) vor Pauwels – zu zweit hatten sie sich abgesetzt, während sich eine Minute hinter ihnen die anderen 48 Ausreißer wieder zu einer einzigen großen Gruppe vereinigt hatten. Zu Beginn der folgenden langen Abfahrt schlossen Greg Van Avermaet (BMC Racing), Diego Ulissi (UAE Team Emirates), Marcus Burghardt (Bora-Hansgrohe), Jan Bakelants (AG2R La Mondiale) und Barguils Teamkollege Michael Matthews zu dem Duo auf; auch Matteo Trentin (Quick-Step Floors) kam noch dazu. In dieser Konstellation ging es in den nächsten Anstieg zur Côte de Viry (7,6 km à 5,2%). Zwei Kilometer vor der Bergwertung der 2. Kategorie, 51 vor dem Ziel, kam es wieder zum Zusammenschluss aller noch vor dem Feld verbliebenen 47 Ausreißer, doch die nächsten Angriffe folgten natürlich sofort ...

Calmejane setzt sich am letzten Anstieg alleine ab
Olympiasieger Van Avermaet zog ein Quartett aus der großen Gruppe heraus und belegte an der Bergwertung den vierten Platz hinter dem erneut siegreichen Barguil sowie Bakelants und Pauwels. Nur kurz hinter dem Kulminationspunkt dieser Steigung holten Van Avermaets Teamkollege Nicolas Roche sowie Robert Gesink (LottoNL-Jumbo), Lilian Calmejane (Direct Energie) und Simon Clarke (Cannondale Drapac) das Spitzengrüppchen ein. Es war ein vorentscheidender Punkt im Verlauf dieser Etappe! Denn zu diesen acht Fahrern konnte in der Folge nur noch Michael Valgren (Astana) zurückkehren, dem dies gerade zu Beginn des Kategorie-1-Anstieges zur Côte de la Combe de Laisia-Les Molunes (11,7 km à 6,4%) gelang. Das Hauptfeld mit den Favoriten lag zu diesem Zeitpunkt lediglich noch 1:15 Minute zurück und hatte alle anderen Ausreißer eingeholt. Roche unternahm vorne als Erster einen Angriff. Pauwels ließ nicht von ihm abreißen, Calmejane und auch Gesink kämpften sich geduldig wieder heran. Sechs Kilometer vor der Bergwertung nahm dann Calmejane all seine Kraft und seinen Mut zusammen - und sorgte für die Vorentscheidung! Der zweite Etappensieg bei seiner zweiten Grand Tour war dem jungen Franzosen danach nicht mehr zu nehmen.


Tines Tour Talk zur 8. Etappe: Blick über den östlichen Tellerrand der Tour

Sieg trotz Krämpfen und auch noch das Bergtrikot
Die Bergwertung, zwölf Kilometer vor dem Ziel gelegen, erreichte Calmejane eine knappe halbe Minute vor Gesink und fast eine Minute vor Roche, Pauwels und Guillaume Martin (Wanty-Groupe Gobert). Brice Feillu (Fortuneo-Oscaro) strich den letzten Bergpunkt ein, kurz bevor ihn das 1:25 Minute hinter dem Führenden liegende Favoritenfeld einholte. Martin und Feillu waren die Einzigen, die am Schlussanstieg aus diesem Feld attackiert hatten. Keiner seiner wirklichen Gegner im Kampf um den Gesamtsieg wagte einen Angriff auf den Tour-Leader Chris Froome (Sky). Ein Drama zeichnete sich fünf Kilometer vor dem Ende ab, als Calmejane seine Beine vor Krämpfen schüttelte. Doch sein Vorsprung war groß genug und er bekam die körperlichen Beschwerden in den Griff, so dass er 37 Sekunden vor Gesink einen letztlich ungefährdeten Sieg einfuhr. Martin und Roche wurden knapp noch Dritter und Vierter, finishten zeitgleich mit den Favoriten 50 Sekunden hinter dem Erstplatzierten. Die Gesamtwertung blieb auf den ersten 16 Plätzen vollkommen unverändert. Calmejane spielt im Zeitklassement längst keine bedeutende Rolle mehr, aber in der Bergwertung liegt er jetzt einen Punkt vor dem bisherigen Spitzenreiter Fabio Aru (Astana).

Démare früh in Schwierigkeiten, verliert 15 Punkte
Als letzter Fahrer erreichte Juraj Sagan (Bora-Hansgrohe) das Ziel mit einem Rückstand von etwas über 40 Minuten und blieb damit gut fünf Minuten unterhalb des Zeitlimits. Dieses war aber vor allem eine große Sorge für Arnaud Démare (FDJ), der unter dem anhaltend heißen Sommerwetter leidet und schon nach 30 Kilometern in der ersten Steigung der Etappe aus dem Feld zurückgefallen war. In Begleitung seiner Teamkollegen Mickaël Delage und Ignatas Konovalovas schaffte es der vormalige Träger des Grünen Trikots letztlich mit „nur“ 37 Minuten Rückstand ins Ziel. Er verpasste jedoch die Chance, am Zwischensprint bei Kilometer 45,5 um weitere Punkte zu kämpfen. Quick-Step Floors hatte dort dafür gesorgt, dass vorübergehend alle Ausreißeraktivitäten gestoppt wurden und Marcel Kittel hinter André Greipel (Lotto Soudal) und Michael Matthews (Sunweb) 15 Punkte einfahren konnte, womit der dreimalige Etappensieger seinen Vorsprung gegenüber Démare verdoppelte und eine weiteren kleinen, aber wohl nicht unwichtigen Schritt hin zum Gewinn des Maillot Vert machte.

-> Zum Resultat

Der zweite Tag im Jura wird noch härter, denn auf der morgigen 9. Etappe gibt es nicht nur drei, sondern gleich sieben Bergwertungen, davon drei der Kategorie HC. Den letzten Gipfel auf dem Mont du Chat (8,7 km à 10,3%) erreicht man 26 Kilometer vor dem Ziel.

Video der Zielankunft






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