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Tour-Bilanz am 1. Ruhetag: Froome, Kittel, Yates unschlagbar, Spannung nur noch in der Bergwertung?
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10.07.2017

Tour-Bilanz am 1. Ruhetag: Froome, Kittel, Yates unschlagbar, Spannung nur noch in der Bergwertung?

Info: TOUR DE FRANCE 2017 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



10.07.2017 – Nach neun Renntagen am Stück mit einem Zeitfahren, drei Bergetappen und fünf Sprints legt die 104. Tour de France heute ihren ersten Ruhetag ein. In den diversen Klassementen im Kampf um die Sondertrikots zeichnet sich bereits ein recht deutliches Bild ab, auch weil leider bereits eine Vielzahl hochkarätiger Fahrer das Rennen aus unterschiedlichsten Gründen verlassen musste. Chris Froome scheint auf gutem Weg zu seinem vierten Gesamtsieg, Marcel Kittel hat keinen gleichwertigen Gegner mehr im Rennen um Grün und Simon Yates führt die Nachwuchswertung mit fast drei Minuten Vorsprung an. Bei der Jagd nach dem Bergtrikot hat Warren Barguil stark vorgelegt, kann sich auf seiner bisherigen Ausbeute aber keineswegs ausruhen.


Alle Wertungen und Punktelisten:
Reglement Tour de France 2017


Führungsverläufe




Gesamtwertung

Nur drei Fahrer weniger als eine Minute hinter Froome
Seit dem ersten Tag der Tour ist das Maillot Jaune im Besitz des Teams Sky: vier Tage lang trug es Geraint Thomas, der gestern nach einem Sturz ausschied, seit der 5. Etappe sehen wir den dreifachen Gesamtsieger Chris Froome wieder in Gelb. Es gibt bereits nur noch drei Fahrer, die weniger als eine Minute hinter dem Briten liegen: den Italiener Fabio Aru, der die bisher einzige Bergankunft in La Planche des Belles Filles eindrucksvoll gewonnen hat, den Franzosen Romain Bardet, der auf der gestrigen Jura-Etappe in der Abfahrt vom Mont du Chat einmal mehr die ihn auszeichnende Angriffsfreude unter Beweis stellte, und der Kolumbianer Rigoberto Uran, der im Vorfeld nicht zu den ganz großen Favoriten gezählt worden war. Der bisher sehr beständige Daniel Martin hätte auch zu diesem Kreis gezählt, wäre er gestern nicht durch Richie Portes Sturz unverschuldet zu Fall gekommen. Der Ire bleibt in Lauerstellung und ein Kandidat für das Podium.

Porte und Valverde DNF, Quintana und Contador schwach
Froomes vermeintlich größter Rivale Porte hat sich bei seinem Sturz in der Abfahrt vom Mont du Chat einen Schlüsselbein- und Beckenbruch zugezogen, was für ihn das sofortige Tour-Aus bedeutete. Gefährlich für Froome hätte auch die Movistar-Doppelspitze sein können, doch mittlerweile scheint es, als spiele das spanische Team dieses Jahr überhaupt keine Rolle im Kampf um den Gesamtsieg. Dies liegt selbstverständlich zum großen Teil am frühen Ausfall Alejandro Valverdes, der im Zeitfahren auf der 1. Etappe gestürzt und ausgeschieden war. Sein Teamkollege Nairo Quintana scheint mit der Belastung des Giro-Tour-Doubles bisher nicht klarzukommen. Schon auf der 5. Etappe in La Planche des Belles Filles hatte dem Kolumbianer die Frische gefehlt, um im Bergsprint mit den Besten mithalten zu können. Gestern am Mont du Chat enttäuschte er abermals, verlor mehr als eine Minute auf die Spitzengruppe und liegt gesamt jetzt schon mehr als zwei Minuten hinter Froome. Noch schwächer ist Alberto Contador unterwegs, der gar schon über fünf Minuten verloren hat.

Astana-Doppelspitze größte Gefahr für den Mann in Gelb?
Einen Mann mit der nachgewiesenen Klasse eines Quintana darf man natürlich nicht zu früh abschreiben, auf den noch bevorstehenden schweren Pyrenäen- und Alpen-Etappen kann er sich von seinem derzeitigen achten Platz durchaus noch nach vorne verbessern. Froomes härtester Gegner ist im Moment aber eindeutig Aru, der zudem mit Jakob Fuglsang einen starken Teamkollegen hat, der zwar in diesen Tagen nicht mehr ganz die Über-Form der Dauphiné ausstrahlt, aber immerhin starker Gesamtfünfter ist. Am Mont du Chat ging der Plan von Astana noch nicht auf, Froome mit Attacken beider Fahrer ins „Kreuzverhör“ zu nehmen – aber man kann sicher davon ausgehen, dass sie es auf den nächsten Bergetappen wieder versuchen werden.

Stand der Gesamtwertung nach Etappe 9
1 Chris Froome (GBr) Team Sky 38:26:28
2 Fabio Aru (Ita) Astana Pro Team 0:00:18
3 Romain Bardet (Fra) Ag2r La Mondiale 0:00:51
4 Rigoberto Uran (Col) Cannondale - Drapac Pro Cycling Team 0:00:55
5 Jakob Fuglsang (Den) Astana Pro Team 0:01:37
6 Daniel Martin (Irl) Quick Step Floors 0:01:44
7 Simon Yates (GBr) Orica - Scott 0:02:02
8 Nairo Alexander Quintana Rojas (Col) Movistar Team 0:02:13
9 Mikel Landa Meana (Esp) Team Sky 0:03:06
10 George Bennett (NZl) Team LottoNL - Jumbo 0:03:53
11 Louis Meintjes (RSA) UAE Team Emirates 0:05:00
12 Alberto Contador Velasco (Esp) Trek - Segafredo 0:05:15
13 Pierre-Roger Latour (Fra) Ag2r La Mondiale 0:05:30
14 Mikel Nieve Iturralde (Esp) Team Sky 0:06:18
15 Sergio Luis Henao Montoya (Col) Team Sky 0:06:55
16 Damiano Caruso (Ita) BMC Racing Team 0:06:58
17 Alexis Vuillermoz (Fra) Ag2r La Mondiale 0:07:56
18 Emanuel Buchmann (GER) Bora - Hansgrohe 0:08:46
19 Carlos Betancur (Col) Movistar Team 0:10:34
20 Brice Feillu (Fra) Fortuneo - Oscaro 0:11:43
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Vorschau auf die zweite Tour-Woche:
Zwei Etappen in den Pyrenäen und eine im Zentralmassiv


Punktewertung

Spannender Dreikampf verlor zwei seiner Protagonisten
Der Kampf um das Grüne Trikot schien nach Jahren der Dominanz von Peter Sagan dank eines sich in Topform befindenden Marcel Kittel große Spannung zu versprechen. Doch dann wurde der Weltmeister nach der 4. Etappe aus dem Rennen genommen, als er einen Sturz ausgelöst hatte, der mit Mark Cavendish einen weiteren starken Sprinter eliminiert hatte. Mit Arnaud Démare, der an jenem Tag gewann und 24 Stunden zuvor bei der von Sagan gewonnen Hügelankunft als Sechster unter Beweis gestellt hatte, dass er in Situationen punkten kann, in denen sich Kittel nicht mehr an der Spitze des Rennens befindet, schien ein neuer Widersacher für den Deutschen gefunden worden zu sein, der die Spannung aufrechterhalten würde. Blöd nur, dass der französische Meister mit der Hitzewelle offenbar nicht zurechtkam und nach zwei Leidenstagen im Jura aus dem Zeitlimit flog. Kann jetzt noch irgendjemand Kittel das Grüne Trikot streitig machen?

Kann Matthews in den Bergen die Lücke zu Kittel schließen?
Sein Landsmann André Greipel, der in den bisherigen Massensprints, von denen Kittel drei gewonnen hat, dreimal Dritter und einmal Neunter war, liegt bereits 82 Punkte zurück. Um diesen riesigen Rückstand aufzuholen, müsste Greipel wohl schon auf mindestens einen Aussetzer von Kittel hoffen, so dass der bei einer Sprintankunft komplett leer ausgeht. Noch vor Greipel auf Rang zwei der Punktewertung liegt Michael Matthews, der auf der gestrigen Jura-Etappe als Ausreißer am Zwischensprint 20 Punkte einsammelte und seinen Rückstand zum Führenden auf 52 Punkte verringerte. In den Massensprints erreichte der Australier mit Platz drei auf der 7. Etappe bisher erst ein richtiges Topresultat, hinzu kommen zwei siebte und ein neunter Platz. Aber bei der Hügelankunft auf der 3. Etappe war er starker Zweiter und könnte in der zweiten Tour-Woche bei einer ähnlichen Ankunft in Rodez auf der 14. Etappe weiter Boden gutmachen. „Schwer erreichbare“ Zwischensprints hinter längeren Anstiegen, so wie gestern, gibt es noch auf den Etappen 15, 16 und 17. Diese müsste Matthews wohl auch ins Auge fassen, um Kittel angreifen zu können.

Stand der Punktewertung nach Etappe 9
1 Marcel Kittel (GER) Quick Step Floors 212 Punkte
2 Michael Matthews (Aus) Team Sunweb 160
3 André Greipel (GER) Lotto - Soudal 130
4 Alexander Kristoff (Nor) Team Katusha - Alpecin 113
5 Sonny Colbrelli (Ita) Bahrain - Merida 73
6 Edvald Boasson Hagen (Nor) Team Dimension Data 66
7 Daniel Martin (Irl) Quick Step Floors 58
8 Fabio Aru (Ita) Astana Pro Team 56
9 Chris Froome (GBr) Team Sky 56
10 Nacer Bouhanni (Fra) Cofidis Solutions Crédits 54
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Bergwertung

Barguils solider Vorsprung nur eine Momentaufnahme
Auf den beiden Bergetappen im Jura war am Wochenende Warren Barguil der umtriebigste Fahrer und beste Punktesammler. Sieben Zähler sammelte er schon auf der 8. Etappe, als er die ersten beiden Bergwertungen gewonnen hatte, doch groß abgeräumt hat er einen Tag später auf Etappe 9 an den drei Bergwertungen der Kategorie HC, von denen er zwei gewann, nachdem er an der ersten hinter dem Slowenen Primoz Roglic und seinem französischen Landsmann Alexis Vuillermoz Dritter geworden war. Roglic und Vuillermoz sind mit 30 bzw. 33 Punkten Rückstand auch Barguils erste Verfolger, wohingegen die Anwärter auf den Gesamtsieg bislang noch keine große Ausbeute verzeichnen. Leader Chris Froome liegt 44 Punkte hinter Barguil, der etwas bessere Daniel Martin 37 Punkte.

Noch drei Bergetappen mit über 50 möglichen Punkten!
Der aktuelle Stand des Bergklassements ist aber längst noch nicht so aussagekräftig wie das bspw. in der Punktewertung der Fall ist. So sind in der zweiten Tour-Woche in den Pyrenäen auf den Etappen 12 und 13 allein wieder bis zu 51 bzw. 30 Punkte zu holen. In der Schluss-Woche in den Alpen auf den Etappen 17 und 18 sind maximal 55 bzw. 52 Punkte möglich. So sind die bisherigen 60 Punkte von Barguil zwar eine starker Anfang im Kampf um das Gepunktete Trikot, er wird aber auf mindestens noch einer, besser sogar zwei weiteren Bergetappen ähnlich aggressiv zu Werke gehen müssen, um seine Führung bis zum Ende der Rundfahrt zu behaupten.

Stand der Bergwertung nach Etappe 9
1 Warren Barguil (Fra) Team Sunweb 60 Punkte
2 Primož Roglic (Slo) Team LottoNL - Jumbo 30
3 Alexis Vuillermoz (Fra) Ag2r La Mondiale 27
4 Daniel Martin (Irl) Quick Step Floors 23
5 Bauke Mollema (Ned) Trek - Segafredo 18
6 Thibaut Pinot (Fra) FDJ 17
7 Chris Froome (GBr) Team Sky 16
8 Tiesj Benoot (Bel) Lotto - Soudal 15
9 Fabio Aru (Ita) Astana Pro Team 14
10 Jakob Fuglsang (Den) Astana Pro Team 12
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Nachwuchswertung

Simon Yates auf den Spuren seines Zwillingsbruders Adam
Bis zur 8. Etappe war der Kampf um das Weiße Trikot mit vier Fahrern innerhalb einer Minute noch sehr offen, doch auf der 9. Etappe hat sich Simon Yates wohl endgültig als Favorit auf den Titel des besten Nachwuchsfahrers herauskristallisiert. Der Brite schickt sich also an, die Nachfolge seines im Vorjahr siegreichen Zwillingsbruders Adam Yates anzutreten. Zudem liegt er in der Gesamtwertung als Siebter auch nur drei Plätze hinter Adams Endergebnis von 2016. Der im Vorjahr vom einen Yates um 2:16 Minuten geschlagene Louis Meintjes liegt jetzt schon 2:58 Minuten hinter dem anderen. Den größten Teil dieses Rückstandes (2:17 Minuten) kassierte er auf der gestrigen 9. Etappe.

Kann Buchmann in einer Fluchtgruppe wieder Zeit aufholen?
Nur 30 Sekunden hinter Mentjes folgt Pierre-Roger Latour, der im Gegensatz zum Südafrikaner aber nicht die eigenen Ambitionen uneingeschränkt verfolgen dürfen wird. Er wird als Teamkollege des Gesamtdritten Romain Bardet in erster Linie seinen französischen Landsmann beim Kampf um das Podium unterstützen müssen. Hingegen wurde der Deutsche Emanuel Buchmann gestern zum klaren Kapitän des Bora-Rennstalls, weil sein polnischer Teamkollege Rafal Majka nach einem Sturz über eine halbe Stunde verlor und dessen Weiterfahren angesichts einiger Verletzungen äußerst fraglich ist. Doch Buchmann erwischt selbst nicht seinen besten Tag, erreichte das Ziel erst gut sieben Minuten nach der Spitzengruppe um Etappensieger Uran und verlor somit auf einen Schlag rund sechs Minuten gegenüber Yates. Ein Vorteil von Buchmann könnte sein, dass bei seinem Rückstand von 8:46 Minuten auf den Gesamtführenden Froome die Chance gestiegen ist, auf den nächsten Bergetappen in Ausreißergruppe gelassen zu werden, und er vielleicht auf diese Art wieder Zeit gutmachen könnte.

Stand der Nachwuchswertung nach Etappe 9
1 Simon Yates (GBr) Orica - Scott 38:28:30
2 Louis Meintjes (RSA) UAE Team Emirates 0:02:58
3 Pierre-Roger Latour (Fra) Ag2r La Mondiale 0:03:28
4 Emanuel Buchmann (GER) Bora - Hansgrohe 0:06:44
5 Guillaume Martin (Fra) Wanty - Groupe Gobert 0:13:21
6 Tiesj Benoot (Bel) Lotto - Soudal 0:16:42
7 Lilian Calmejane (Fra) Direct Energie 0:32:49
8 Michael Valgren Andersen (Den) Astana Pro Team 0:41:53
9 Alexey Lutsenko (Kaz) Astana Pro Team 0:47:42
10 Jay McCarthy (Aus) Bora - Hansgrohe 0:52:17
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Mannschaftswertung

Team Sky dominiert auch ohne Thomas das Geschehen
Mit dem sturzbedingten Ausfall von Geraint Thomas, der sich auf der 9. Etappe einen Schlüsselbeinbruch zugezogen hat, hat das Team Sky zwar seinen zweitstärksten Fahrer verloren, die Teamkollegen von Chris Froome stellen aber immer noch absolute Extraklasse dar. Mikel Landa, Mikel Nieve und Sergio Henao belegen in der Gesamtwertung die Plätze 9, 14 und 15! Mit dieser unvergleichlichen Qualität in der Kaderbreite hat Sky fast alle anderen Mannschaften schon weit distanziert. So hat bspw. das Team Movistar praktisch keine Chance mehr auf einen dritten Sieg in Folge im Mannschaftsklassement, zumal es mit Alejandro Valverde ja auch schon einen seiner Topfahrer verloren hat.

AG2R mit Chancen, den Erfolg von 2014 zu wiederholen?
Konkurrenz für Sky stellt wohl nur noch AG2R La Mondiale nach. Die französische Equipe hatte die Mannschaftswertung schon einmal 2014 gewonnen, in jenem Jahr, als Jean-Christophe Péraud und Romain Bardet im Gesamtklassement Zweiter und Sechster waren. Diesmal sind es neben dem aktuellen Drittplatzierten Bardet vor allem Pierre-Roger Latour und Alexis Vuillermoz, der 13. und 17. der Gesamtwertung, die dazu beigetragen haben, dass AG2R bislang nur gut sieben Minuten auf Sky verloren hat. Während Froomes Team sich wahrscheinlich voll und ganz auf den Gewinn des Gelben Trikots konzentrieren wird, könnte AG2R durch Ausreißversuche wie gestern von Jan Bakelants und Vuillermoz Zeit gutmachen.

Stand der Mannschaftswertung nach Etappe 9
1 Team Sky 115:25:25
2 Ag2r La Mondiale 0:07:12
3 Astana Pro Team 0:26:17
4 Trek - Segafredo 0:27:26
5 Movistar Team 0:38:14
6 Cannondale - Drapac Pro Cycling Team 0:42:13
7 Orica - Scott 0:45:57
8 BMC Racing Team 0:51:39
9 Team LottoNL - Jumbo 1:05:31
10 Fortuneo - Oscaro 1:07:25
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