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Zweimaliger Sprintzweiter Boasson Hagen holt sich seinen Etappensieg bei der Tour als Ausreißer!
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21.07.2017

Zweimaliger Sprintzweiter Boasson Hagen holt sich seinen Etappensieg bei der Tour als Ausreißer!

Info: TOUR DE FRANCE 2017 (2.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Salon-de-Provence, 21.07.2017 – Nach Mark Cavendishs frühem Ausscheiden hatte Edvald Boasson Hagen im Team Dimension Data die Rolle des Sprintkapitäns übernommen und schon zweimal knapp einen Sieg verpasst. Vor genau zwei Wochen unterlag er Marcel Kittel nur um den beinahe schon lächerlichen Abstand von 0,0003 Sekunden und vor drei Tagen war Michael Matthews etwas schneller. Auf der 19. Etappe holte sich der Norweger nun doch noch seinen Sieg bei der 104. Tour de France – und zwar als Solist aus einer Ausreißergruppe, die auf der längsten Tour-Etappe vom Hauptfeld fahren gelassen wurde. Boasson Hagens entscheidende Attacke war eine Reaktion auf einen Angriff des Deutschen Nikias Arndt, der das Ziel als Zweiter erreichte.


Das Profil der 19. Etappe der Tour de France

Erst die dritte Gruppe wird weggelassen
Wenn auch nicht die längste Etappe nach Fahrzeit – auf der 12. Etappe nach Peyragudes waren die Besten noch gut 40 Minuten länger unterwegs –, so war die 19. Etappe von Embrun nach Salon-de-Provence die längste nach Strecke. 222,5 Kilometer mussten am drittletzten Tag der Frankreich-Rundfahrt zurückgelegt werden. Für den Kampf um eine Fluchtgruppe hatten die Streckenplaner eine schöne erste Rennstunde mit zwei Bergwertungen der 3. Kategorie bereitgestellt. Nachdem ein erster Fluchtversuch von elf Fahrern (Bakelants, Sütterlin, Van Avermaet, Bono, Bauer, McCarthy, Edet, Simon, Lammertink, De Gendt, Pasqualon) auf den ersten zehn Kilometern gescheitert war, setzten sich acht andere (Albasini, Vermote, Burghardt, Petit, Rolland, Van Baarle, Van Keirsbulck, Bouet) eine halbe Minute ab, wurden aber im Anstieg zum Col Lebraut wieder eingeholt. Erst in der folgenden Abfahrt bildete sich als Folge eines Angriffs von Lilian Calmejane (Direct Energie) und Elie Gesbert (Fortuneo-Oscar) die „richtige Gruppe“ – 20 Fahrer stark und schon mit fünf Minuten Vorsprung, als nach 43 Kilometern die Côte de Bréziers überquert wurde.

Perfekte besetzte Gruppe erhält Freifahrtschein
Eine Verfolgung der Ausreißergruppe durch die Sprinterteams blieb aus, weil diese dort alle selbst vertreten waren. Dimension Data hatte sogar seinen schnellsten Mann Edvald Boasson Hagen höchstpersönlich in der Gruppe. André Greipels Lotto Soudal war durch Thomas De Gendt und Tony Gallopin vertreten, Michael Matthews‘ Sunweb durch dessen Anfahrer Nikias Arndt, Nacer Bouhannis Cofids durch Julien Simon, John Degenkolbs Trek-Segafredo durch Bauke Mollema und Alexander Kristoffs Katusha Alpecin durch Robert Kiserlovski. Auch Quick-Step Floors setzte nach dem Ausscheiden Marcel Kittels auf einen Etappenjäger, nämlich Gianluca Brambilla. Desweiteren fanden sich in der Spitzengruppe Jan Bakelants (AG2R La Mondiale), Daniele Bennati (Movistar), Ben Swift (UAE Team Emirates), Rudy Molard (FDJ), Michael Albasini und Jens Keukeleire (beide Orica-Scott) sowie zwei Trios französischer Mannschaften: Calmejane, Sylvain Chavanel und Romain Sicard von Direct Energie und Gesbert, Romain Hardy und Pierre-Luc Périchon von Fortuneo-Oscaro. Das Team Sky kontrollierte den Rückstand des Feldes nur in einem Maße, dass der Vorsprung im Mannschaftsklassement von 15:18 Minuten gegenüber AG2R La Mondiale durch Bakelants nicht komplett aufgeholt werden konnte.

Keukeleire reduziert die Spitze auf neun Fahrer
Eine erste Chance, die Gruppe zu sprengen und einige der sprintstarken Konkurrenten abzuhängen, bot sich durch den Anstieg auf den Col du Pointu (5,8 km à 4,1%) 45 Kilometer vor dem Ziel, wo der Rückstand des Feldes fast schon zehn Minuten betrug. Sicard unternahm mehrere Tempoverschärfungen, bis er sich mit Gesbert und Kiserlovski leicht absetzen konnte, doch kurz nach der Bergwertung der 3. Kategorie wurde das Trio wieder eingeholt. Die Abfahrt verlief ohne weitere Ereignisse und es blieb noch länger ruhig, bis mit Calmejane wieder ein Direct Energie-Fahrer die Ruhe durchbrach. Sein Angriff bewirkte allerdings gar nichts – anders als die folgende Attacke von Keukeleire direkt unter dem Banner, das noch 20 Kilometer bis ins Ziel signalisierte. Die Gruppe zerfiel in neun verbliebene Anwärter auf den Sieg und elf Geschlagene, die nicht wieder herankamen. Direct Energies Chavanel und Fortuneos Gesbert hatten ihre Teamkollegen verloren und waren nun ebenso alleine wie Bakelants, Bennati, Boasson Hagen, De Gendt und Arndt; nur Keukeleire und Albasini bildeten noch ein Duo.


Tines Tour Talk zur 19. Etappe: die Franzosen bei der Tour

Arndts clevere Idee leitet die Vorentscheidung ein
Mit einer guten halben Minute Abstand zwischen den beiden Gruppen ging es auf die letzten zehn Kilometer, wo vor allem die beiden Orica-Fahrer bei Angriffen von Gesbert, Boasson Hagen und Chavanel immer wieder Lücken schlossen. Fünf Kilometer vor Schluss attackierte Albasini, an den sich Chavanel und Boasson Hagen hefteten. Als Albasini Tempo rausnahm, versuchte Boasson Hagen, mit einer sofortigen Attacke wegzukommen, es gelang ihm aber nicht. Der nächste Angriff kam von De Gendt, hinter dem Keukeleire aber kein Loch aufgehen ließ. Die vorentscheidende Szene ereignete sich dann kurz hinter der Drei-Kilometer-Marke, als Arndt in einem Kreisverkehr die andere, etwas kürzere Seite wählte als die Anderen – mit Ausnahme von Boasson Hagen, der sich an seinem Hinterrad befand. So hatten die beiden plötzlich ein paar Meter Vorsprung und als Arndt seinem Mitstreiter signalisierte, er solle ihm die Führungsarbeit abnehmen und in den Wind gehen, zog der Norweger das Tempo derart stark an, dass ihm der Deutsche nicht mehr folgen konnte. Auf dem Weg zu seinem dritten Tour-Etappensieg nach dem Sprintsieg in Lisieux und dem Solosieg in Pinerolo aus dem Jahr 2011 ließ sich der 30-Jährige dann nicht mehr aufhalten.

Boasson Hagen macht in Punktewertung zwei Plätze gut
Arndt ließ sich nicht davon entmutigen, dass Boasson Hagen ihn abgehängt hatte und brachte zumindest den zweiten Platz sicher ins Ziel – fünf Sekunden hinter dem Sieger und 17 Sekunden vor dem Rest der ersten Ausreißer-Teilgruppe, deren Sprint um Platz drei Keukeleire gewinnen konnte. Nach gut eineinhalb Minuten kamen die restlichen elf Fahrer ins Ziel, die der Flucht lange angehört hatten, und exakt 12:27 Minuten nach Boasson Hagen auch das Peloton, das sich einen sehr ruhigen Tag gegönnt hatte. AG2R La Mondiale kam bis auf 3:08 Minuten nach Sky heran, wird die Spitze der Mannschaftswertung aber wohl nicht mehr erobern können. Bauke Mollema (Trek-Segafredo) verbesserte sich als bestplatzierter Ausreißer in der Gesamtwertung von Rang 20 auf 17. Die größten Änderungen gab es aber in der Punktewertung, wo sich nicht nur De Gendt, der den Zwischensprint gewann und im Ziel Fünfter wurde, verbessern und Chris Froome (Sky) von Rang sechs verdrängen konnte. Tagessieger Boasson Hagen überholte Kristoff und Sonny Colbrelli (Bahrain Merida) und liegt als Dritter nur noch vier Zähler hinter Greipel. Das Grüne Trikot von Matthews ist und bleibt natürlich für sie alle unerreichbar.

-> Zum Resultat

Nach dem heutigen „Ruhetag“ geht es morgen auf der 20. Etappe für die Klassementfahrer um alles, denn beim 22,5 Kilometer langen Einzelzeitfahren in Marseille wird der Endstand der Gesamtwertung ausgefahren.

Video der Zielankunft






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