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Contador verabschiedet sich mit großem Auftritt am Angliru – Froome meistert die letzte Hürde souverän
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09.09.2017

Contador verabschiedet sich mit großem Auftritt am Angliru – Froome meistert die letzte Hürde souverän

Info: VUELTA A ESPAÑA 2017 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Alto de L'Angliru, 09.09.2017 – Was für ein glorreicher Abschluss einer unvergleichlichen Karriere! Da wartete ganz Spanien drei Wochen lang immer unruhiger auf den ersten Heimerfolg bei der 72. Vuelta a España und dann war es ausgerechnet Alberto Contador, der an seinem vorletzten Renntag vor dem Karriereenden am Angliru eine Show wie zu seinen besten Zeit bot und sich mit einem Sieg auf Spaniens berühmtesten Berg von der große Bühne des Radsports verabschiedete. Nicht weniger beeindruckend war die Leistung von Chris Froome, dessen geschichtsträchtiges Tour-Vuelta-Double nur noch Formsache ist. Während Ilnur Zakarin noch auf das Vuelta-Podium stürmte, gab es auch zahlreiche Verlierer auf der letzten Bergetappe, zu denen Wilco Kelderman, Miguel Angel Lopez, Fabio Aru und der nach einem Sturz ausgeschiedene David De La Cruz zu zählen waren.

Trek-Segafredo lässt die Ausreißer nicht weit weg
Nur 117,5 Kilometer lang war die 20. Etappe am vorletzten Tag der Spanien-Rundfahrt, doch verlangte sie den Fahrern mit 3500 Höhenmetern noch einmal alles ab. Die ersten 440 Höhenmeter gab es gleich auf den ersten 12,7 Kilometern nach dem Start in Corvera de Asturias – ein nicht mit einer Bergwertung versehener Anstieg, an dem sich die Ausreißergruppe des Tages bildete, die in der folgenden Abfahrt ihren Vorsprung auf eine Minute ausbauen konnte. Zu ihr gehörten die Zwillingsbrüder Adam und Simon Yates (Orica-Scott), Julian Alaphilippe und Enric Mas (Quick-Step Floors), Nelson Oliveira und Marc Soler (Movistar), Rui Costa und Jan Polanc (UAE Team Emirates), Luis Mas und Jaime Roson (Caja Rural-Seguros RGA), Nicolas Roche (BMC Racing), Søren Kragh Andersen (Sunweb), Romain Bardet (AG2R La Mondiale), Tomasz Marczynski (Lotto Soudal), Tobias Ludvigsson (FDJ), Igor Anton (Dimension Data) sowie die beiden Österreicher Patrick Konrad (Bora-Hansgrohe) und Stefan Denifl (Aqua Blue Sport). Damit war aber nicht – wie an so vielen Tagen bei dieser Rundfahrt – schon eine Vorentscheidung gefallen. Alberto Contadors Mannschaft Trek-Segafredo sorgte mit etwas Unterstützung des Teams Astana dafür, dass der Rückstand des Feldes in der Folge kaum weiter anstieg. 1:25 Minute betrug er zu Beginn des ersten richtigen Berges.


Das Profil der 20. Vuelta-Etappe

Astana-Duo wird eine nasse Abfahrt zum Verhängnis
Der Alto de la Cobertoria (8,1 km à 8,6%) war der erste von drei extrem schweren Anstiegen auf den letzten knapp 50 Kilometern der Etappe. Nach einer frühen Attacke von Enric Mas zersplitterte die Spitzengruppe, fügte sich bis zur Bergwertung aber größtenteils wieder komplett zusammen. 11 der 18 Ausreißer kamen gemeinsam oben an, nur Alaphilippe, Roche, Oliveira, Costa, Ludvigsson, Anton und Luis Mas blieben abgehängt. Das Hauptfeld kam mit praktisch unverändertem Rückstand auf dem Gipfel an. Bergauf hatte die berühmt-berüchtigte Ruhe vor dem Sturm geherrscht, den Bahrain Merida in der folgenden Abfahrt entfachte. An einem Tag, an dem sich Regen und Sonne mehrfach abwechselten, waren die Streckenabschnitte, die auf nassen Straßen bergab führten, besonders kritisch. Mit Ilnur Zakarin (Katusha Alpecin), David De La Cruz (Quick Step Floors), Miguel Angel Lopez und Fabio Aru (beide Astana) fehlten im Tal plötzlich vier Fahrer aus dem Kreise der Top11 der Gesamtwertung im der Hauptgruppe um das Rote Trikot. Während sich Zakarin und De La Cruz im nächsten Anstieg auf den Alto del Cordal (5,7 km à 8,6%) mühsam wieder heran kämpfen konnten, kam das Astana-Duo nicht mehr zurück. Am Ende der Etappe fiel Lopez von Gesamtrang sechs auf acht und Aru von acht auf dreizehn zurück.

Contador attackiert mit Pantano in der zweiten Abfahrt
Den Scheitelpunkt des Alto del Cordal erreichte Marc Soler als Erster, nachdem er sich im Anstieg von den restlichen Ausreißern abgesetzt hatte. Die Yates-Brüder, Bardet, Andersen und Marczynski folgten aber lediglich mit zehn Sekunden Rückstand. Die noch etwa 20 Fahrer große Gruppe um Vuelta-Leader Chris Froome (Sky) wies 40 Sekunden Rückstand auf. In der Abfahrt prägten dann mehrere Stürze das Geschehen. Als Ersten traf es den Führenden Soler, der aber weiterfahren konnte – im Gegensatz zum Elften der Gesamtwertung De La Cruz, der sich nach seinem Sturz nicht wieder aufs Rad schwingen konnte. Der Gesamtzweite Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) kam dagegen mit dem Schrecken davon und fand schnell wieder zurück in den Kreis der Topfahrer. Contador bekam von all dem wohl gar nichts mit, denn er hatte gemeinsam mit seinem Teamkollegen Jarlinson Pantano, der schon fast den gesamten vorherigen Anstieg Tempoarbeit geleistet hatte, in der Abfahrt angegriffen und die restlichen Favoriten zurückgelassen. Am Fuße des Schlussanstiegs auf den Alto de L'Angliru (12,5 km à 9,8%) lagen sie bereits eine halbe Minute vor Froome und Co. und nur noch etwas mehr als eine Minute hinter Marczynski, der nach Solers Sturz die alleinige Führung geerbt hatte und von seinen dritten(!) Etappensieg bei dieser Vuelta träumen durfte.


Das Profil des Alto de L'Angliru

Sky-Duo Froome/Poels weist spät alle Gegner in die Schranken
Ein, zwei Kilometer konnte Pantano seinen Kapitän am Angliru noch unterstützen, dann musste sich Contador alleine weiter durch die einzelnen Ausreißer nach vorne arbeiten. Enric Mas, Bardet, Simon Yates und Soler hängten sich beim dreifachen Vuelta-Gesamtsieger an, der 7,6 Kilometer vor dem Ziel dann auch Marczynski einholte. Bald konnte nur noch Soler mit Contador Schritt halten – zumindest bis 5,5 Kilometer vor Schluss. An dieser Stelle betrug Contadors Vorsprung gegenüber der Gruppe um Froome, in welcher bis auf die schon weit vor dem Angliru zurückgefallenen Lopez und Aru noch alle Top10-Fahrer vertreten waren, 45 Sekunden. Wenig später stieg der Abstand vorübergehend auf mehr als eine Minute und der Zehntplatziere Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) attackierte, während in der Favoritengruppe vor allem Franco Pellizotti für Nibali die Führungsarbeit übernahm. Froome hatte mit Wout Poels ebenfalls einen starken Helfer an seiner Seite. Seine defensive Strategie gab das Sky-Duo erst zwei Kilometer vor dem Ende der Steigung auf und schüttelte ganz locker – sofern man dies bei bis zu 23,5% sagen kann – alle Gegner ab. Nicht nur, dass niemand ihnen folgen konnte, Froome und Poels kamen sogar Contador gefährlich nahe, der sich mit noch einer halben Minute Vorsprung über den Kulminationspunkt des Anstiegs retten konnte, welcher sich 800 Meter vor der Ziellinie befand.

Contador lässt sich nicht aufhalten, Zakarin stürmt noch aufs Podium
Der Abstand zwischen dem Führenden und den beiden Verfolgern sank noch weiter, aber am Ende konnten sie sich im Ziel alle freuen. Contador ließ sich nicht mehr einholen und gewann zum sechsten Mal in seiner Karriere eine Vuelta-Etappe und nach 2008 zum zweiten Mal auf dem Angliru. Das Sky-Duo finishte mit 17 Sekunden Rückstand und machte damit praktisch Froomes zweiten Grand Tour-Gesamtsieg in Folge nach der Tour de France perfekt. Zakarin sprintete trotz der durch die Aufholjagd am Alto del Cordal verlorenen Kräfte noch auf den beachtlichen vierten Platz, 35 Sekunden hinter Contador. Nach 51 Sekunden folgten Pellizotti und Nibali sowie Kruisjwijk. Kelderman kam mit 1:11 Minute Rückstand auf den achten Platz; knapp vor Bardet, der von allen Mitgliedern der frühen Ausreißergruppe das beste Ergebnis erzielte. Der Zeitverlust am Angliru gegenüber Zakarin bedeutete für Kelderman zugleich den Verlust seines Podiumsplatzes in der Gesamtwertung. Hinter Froome und Nibali (+2:15) belegt nun der Russe (+2:51) den dritten Platz. Kelderman (+3:15) wurde überdies auch noch von Contador (+3:11) überholt. Davide Villellas (Cannondale Drapac) Gewinn des Bergtrikots geriet nicht mehr in Gefahr, wobei der Italiener wie 26 andere Fahrer Glück hatte, dass das Zeitlimit, welches 25:23 Minuten betragen hätte, ausgesetzt wurde. Andernfalls wäre bspw. auch Matteo Trentin (Quick-Step Floors) ausgeschieden, dem noch eine theoretische Chance auf den Gewinn des Grünen Trikots bleibt.

-> Zum Resultat

Um die Punktewertung zu gewinnen, müsste Trentin die 21. und letzte Etappe der Vuelta gewinnen und zusätzlich am Zwischensprint punkten, was für den Italiener, der in den zurückliegenden drei Wochen schon zwei Massensprints für sich entschieden hat, auf dem flachen Rundkurs in Madrid sicher nicht unmöglich ist.

Video der Zielankunft






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