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Keirin-Gold für Vogel und 3 weitere deutsche EM-Medaillen am Samstag – Britin Archibald holt ihren 10. Titel
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22.10.2017

Keirin-Gold für Vogel und 3 weitere deutsche EM-Medaillen am Samstag – Britin Archibald holt ihren 10. Titel

Info: BAHNRADSPORT-EUROPAMEISTERSCHAFT 2017 IN BERLIN
Autor: Felix Griep (Werfel)



Berlin, 21.10.2017 – Der Samstag wurde zum Höhepunkt der Gastgeber bei der Bahn-Europameisterschaft: gleich vier Medaillen in den üblichen Bahn-Disziplinen gab es für den Bund Deutscher Radfahrer. Nach dritten Plätzen von Maximilian Beyer im Punkterennen und Domenic Weinstein in der Einzelverfolgung sowie Joachim Eilers‘ zweitem Platz im 1000 Meter Zeitfahren setzte Kristina Vogel mit einem unangefochtenen Sieg im Keirin das i-Tüpfelchen auf einen stimmungsvollen Abend im Berliner Velodrom. Als Nachschlag gab es dann noch einen weiteren deutschen Sieg im Steher-Rennen. Am vorletzten EM-Tag standen aber auch die Dänin Trine Schmidt und die Britin Katie Archibald wieder im Rampenlicht, die jeweils ihren zweiten Titelgewinn bei dieser EM feierten – für Archibald war es in ihrer Karriere sogar bereits der zehnte!

Punkterennen Männer:
Beyer gewinnt spannenden Kampf um Bronze bei Banaszeks „Start-Ziel-Sieg“

Ein sehr unterhaltsamer und für die heimischen Fans erfreulicher Samstagabend im Velodrom von Berlin begann mit dem Punkterennen der Männer, an dessen Ende der Pole Alan Banaszek mit vier Punkten Vorsprung auf den Dänen Niklas Larsen als Sieger feststand. Doch dieser geringe Abstand verschleiert, wie überlegen der bald 20-Jährige (er hat am 30. Oktober Geburtstag) seinen Sieg herausgefahren hat. Nachdem Banaszek die ersten beiden der 16 Sprintwertungen gewonnen hatte, war er nie mehr von der Spitze zu verdrängen. Als 48 Runden vor dem Ende des insgesamt 160 Runden langen Rennens ein Quartett den ersten Rundengewinn verbuchte, war er natürlich auch dabei – ebenso wie Larsen, der Grieche Christos Volikakis und der Deutsche Maximilian Beyer. Zwölf Runden vor Schluss zogen der Österreicher Andreas Müller, der Ungar Krisztian Lovassy und der Russe Denis Nekrasov nach. Banaszeks Titelgewinn war kurz darauf nach der vorletzten Sprintwertung praktisch perfekt, da Larsen als Zweitplatzierter nun 14 Punkte zurücklag. Trotz des Gewinns der Zielwertung konnte er ihn nicht mehr einholen, sicherte sich aber damit endgültig die Silbermedaille. Bis zum Schluss völlig offen war dagegen der Kampf um Bronze: Beyer, Volikakis und Lovassy waren nach der vorletzten Wertung alle punktgleich und Müller lag nur drei Zähler zurück. Müller holte dann zwar noch vier Punkte – aber Beyer gar deren sechs, womit er WM-Dritte von 2015 die erste Ausdauer-Medaille für Deutschland bei dieser EM holte.

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Zum Resultat Punkterennen Männer

Scratch Frauen:
Trine Schmidt wie im Punkterennen mit einer äußerst starken Vorstellung

Das 40 Runden lange Scratch-Rennen der Frauen begann recht unspektakulär, was aber daran lag, dass bei sehr hohem Grundtempo lange Zeit alle Angriffsverusche zum Scheitern verurteilt waren. Erst nach 23 Runden gelang es mit Tetyana Klimchenko (Ukraine), Lydia Gurley (Irland) und Evgenia Augustinas (Russland) einem Trio, sich vom Hauptfeld abzusetzen. Als Trine Schmidt das große Potenzial dieser Flucht erkannte, nahm die Dänin auf eigene Faust die Verfolgung auf und schaffte zehn Runden vor dem Ende den Anschluss – fünf Runden später machte die nun zum Quartett gewordene Gruppe den vorentscheidenden Rundengewinn perfekt. Mit der Aufholjagd hatte Schmidt am Tag nach
ihrem überlegenen Sieg im Punkterennen noch längst nicht alle Körner verschossen und ließ auf der finalen Runde ihren drei verbliebenen Kontrahentinnen im Sprint um die Goldmedaille nicht den Hauch einer Chance. EM-Titel Nummer zwei also für die 29-Jährige, die – wie bereits gestern berichtet – erstmals seit neun Jahren wieder Bahnrennen bestreitet. Klimchenko holte sich die Silber- und Augustinas die Bronzemedaille, womit Gurley leer ausging. Unter den restlichen Fahrerinnen war die Schweizerin Aline Seitz die Schnellste und holte sich Platz fünf; die deutsche Starterin Romy Kasper hatte dagegen nach einem Sturz aufgeben müssen.

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1000 Meter Zeitfahren Männer:
Hoogland mit 33 Tausendsteln Vorsprung – wieder (nur) Silber für Eilers

Keine großen Überraschungen gab es in der Qualifikation des Zeitfahrens der Männer über die Kilometer-Distanz: Titelverteidiger Quentin Lafargue sorgte für die Bestzeit von 1:00,560 Minute und sein Vorgänger Jeffrey Hoogland belegte mit 0,258 Sekunden Rückstand Platz zwei. 0,662 Sekunden betrug der Rückstand des Dritten Joachim Eilers, der zwar
2016 schon einmal Weltmeister, aber noch nie Europameister war. Neben Eilers gab es mit Eric Engler noch einen weitere deutschen Teilnehmer, der als Quali-Fünfter im Finale, für das die acht besten Fahrer zugelassen waren, eine erste Richtzeit ablieferte, an welcher der Quali-Vierte Robin Wagner (Tschechien) knapp scheiterte. Eilers war im deutschen Fernduell zunächst auch langsamer und hatte nach 500 Metern eine halbe Sekunde Rückstand, übernahm nach einer viel stärkeren zweiten Rennhälfte aber mit fast sieben Zehnteln Vorsprung klar die Führung. Hoogland legte anschließend einen noch rasanteren Start als Engler hin und hatte zwischenzeitlich sogar bis zu 1,6 Sekunden Vorsprung auf Eilers. Auf den letzten 400 Metern verlor der Niederländer dann allerdings dramatisch an Boden und konnte am Ende doch einen minimalen Vorsprung von 0,033 Sekunden ins Ziel retten. Der Quali-Sieger startete als Letzter: Lafargue begann seinen Finallauf in ähnlichem Tempo wie Eilers und lag zur Hälfte 1,6 Sekunden hinter Hoogland. Danach holte der Franzose zwar stark auf, es blieben aber letztlich 0,206 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit und damit nur Rang drei hinter Hoogland, der in Berlin schon Bronze (Teamsprint) und Silber (Sprint) gewonnen hatte, und Eilers, der sich wie 2014 und 2015 mit EM-Silber zufrieden geben musste.

-> Zum Resultat 1000 Meter Zeitfahren Männer

Einzelverfolgung Männer:
Ex-Weltmeister Ganna holt ersten EM-Titel und Weinstein die Bronzemedaille

Nach den Podiumsplatzierungen von Beyer und Eilers war Domenic Weinstein der nächste Deutsche mit Chancen auf eine Medaille. Im Gegensatz zur
WM 2016 und EM 2015, als er jeweils Silber holte, verpasste der 23-Jährige allerdings den Final-Einzug, schaffte es als Viertschnellster der Qualifikation nur ins „kleine Finale. Dort bekam er es mit Alexander Evtushenko zu tun, der Weinsteins Quali-Zeit um eine Sekunde unterboten hatte. Im Rennen um Bronze hatte der Russe dann ebenfalls lange Zeit die Nase vorn und lag nach zwei von vier Kilometern vier Zehntel vor seinem Gegner. In der zweiten Hälfte änderten sich jedoch die Kräfteverhältnisse und Weinstein konnte nach 10,5 von 16 Runden die Führung übernehmen und Evtushenko letztendlich um zwei Sekunden auf Rang vier verdrängen. Einen ähnlichen Verlauf nahm das Finale zwischen dem Portugiesen Ivo Oliveira, der die Qualifikation in 4:14,570 Minuten gewonnen hatte, und dem Italiener Filippo Ganna, der 4:14,914 Minuten gefahren hatte. Oliveira startete famos und hatte nach 500 Metern eineinhalb Sekunden Vorsprung. Doch der Profi-Debütant hatte sich das Rennen nicht so gut eingeteilt wie der – obwohl sie beide Jahrgang 1996 sind – wesentlich erfahrenere Ganna. Der Weltmeister von 2016 und WM-Zweite von 2017 machte auf jeder weiteren Runde Zeit gegenüber seinem Kontrahenten gut und war am Ende mit drei Sekunden überaus deutlich der Schnellere.

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Omnium Frauen:
10. EM-Gold: Archibald verweist Wild bei Titelverteidigung wieder auf Rang zwei

Die letzten beiden großen Omnium-Events der Frauen –
EM 2016 und WM 2017 – hatte Katie Archibald gewonnen und dabei jeweils Kirsten Wild auf den zweiten Platz verwiesen. In Berlin trafen die beiden Rivalinnen nun erneut aufeinander, nachdem Archibald bereits die Einzelverfolgung und Wild das Ausscheidungsfahren gewonnen hatte. Mit einem fünften Platz im Scratch und anschließenden Siegen bei Temporunden und Ausscheidungsfahren eroberte Archibald sich mit 112 Punkten die Führung, doch Wild lag nach drei von vier Disziplinen gerade einmal acht Punkte hinter ihr auf Platz zwei. Im entscheidenden Punkterennen war die Niederländerin dann jedoch viel zu zögerlich und zeigte nicht einmal den Ansatz eines Versuches, einen Rundengewinn einzufahren, der 20 Bonuspunkte wert gewesen wäre. Archibald kontrollierte das Geschehen sehr abgeklärt, nachdem sie Duelle mit Wild an der ersten und dritten Sprintwertung gewonnen und ihren Vorsprung somit schnell auf zwölf Punkte vergrößert hatte. Am Ende waren es sieben Punkte Vorsprung, die Archibald ihren zweiten Titel in Berlin und das zehnte EM-Gold insgesamt einbrachten. In der EM-Historie hat sie damit die bisherige alleinige Rekordhalterin, ihre britische Landsfrau Laura Kenny (geb. Trott), eingeholt. Die Bronzemedaille ging in einem viel offeneren Dreikampf an die Britin Elisa Balsamo (102 Punkte), die sich knapp gegen die Schweizerin Andrea Waldis (101) und die Russin Alexandra Goncharova (98) durchsetzen konnte. Vor der letzten Sprintwertung hatte Waldis noch Rang drei inne, doch die Schweiz bleibt in Berlin weiterhin ohne Medaille. Eine starke Leistung bot auch die Deutsche Gudrun Stock, die trotz eines Sturzes im Punkterennen, von dem auch Ana Usabiaga (Spanien), Katarzyna Pawlowska (Polen) und Saartje Vandenbroucke (Belgien) betroffen waren, noch gute Sechste wurde.

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Keirin Frauen:
Weltmeisterin Vogel lässt den EM-Sieg geradezu spielerisch leicht aussehen

Nach der gemeinsamen
Silbermedaille im Teamsprint am ersten Tag der EM begaben sich die deutschen Sprint-Spezialistinnen getrennt auf die Jagd nach weiteren Medaillen. Miriam Welte hatte mit ihrem Sieg im 500 Meter Zeitfahren am Freitag bereits einen großen Erfolg gefeiert – im Keirin wollte am Samstag Kristina Vogel nachziehen. Ohne jegliche Probleme und jeweils als klare Siegerin überstand die dreifache Weltmeisterin (2014, 2016, 2017) und Europameisterin von 2014 die ersten beiden Runden, die ihr den Finaleinzug sicherten. Dabei hatte sie Glück, dass sie im Halbfinale Stürzen von Nicky Degrendele (Belgien), Shanne Braspennincx (Niederlande) und Tania Calvo (Spanien) entging. Im Finale zeigte die 26-Jährige dann einmal mehr ihre ganz Klasse. In guter Position auf der Innenseite der Bahn wehrte sie auf der vorletzten Runden einen Angriff der Russin Anastasiia Voinova ab und legte auf der Schlussrunde ein dermaßen hohes Tempo vor, dass die Gegnerinnen nur staunen konnten. Simona Krupeckaite hielt sich mühevoll im Windschatten der zweiten deutschen Europameisterin von Berlin und sicherte sich damit Platz zwei vor der Ukrainerin Liubov Basova. Einen guten Eindruck hinterließ erneut auch die deutsche Nachwuchshoffung Pauline Grabosch, die bereits einen Einsatz in der Teamsprint-Quali geleistet und Silber über die 500 Meter geholt hatte. Nach dem Gewinn ihres Erstrundenlaufs verpasste Grabosch zwar in der 2. Runde als Fünftplatzierte den Sprung ins Finale, entschied dann aber in geradezu vogel’scher Überlegenheit das Rennen um Platz sieben für sich.

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Steher:
Gold und Bronze für die deutschen Gespanne Schiewer/Gessler und Schäfer/Bäuerlein

Nach sechs „regulären“ Wettbewerben endete das EM-Programm am Samstag mit dem Steher-Rennen, das im vorigen Jahr erstmals in den Rahmen der Bahn-Europameisterschaft aufgenommen worden war, weil sich kein separater Ausrichter für das Event gefunden hatte. Eine knappe Stunde lang ratterten sechs Motorräder und Fahrräder über die Berliner Bahn, bis nach 200 Runden ein weiterer deutscher Sieg gefeiert werden konnte: Der Vorjahreszweite Franz Schiewer und sein Schrittmacher Gerhard Gessler holten sich den Titel, während ihre 2016 siegreichen Landsleute Stefan Schäfer und Peter Bäuerlein nur den dritten Platz erreichten. Silber ging an die Niederländer Reinier Honig und Jos Pronk.

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Keirin-Gold für Vogel und 3 weitere deutsche EM-Medaillen am Samstag – Britin Archibald holt ihren 10. Titel
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