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Adventskalender am 8. Dezember: Interview mit Fabian Lienhard – Der Sportliebhaber hat seinen Traumjob gefunden
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08.12.2017

Adventskalender am 8. Dezember: Interview mit Fabian Lienhard – Der Sportliebhaber hat seinen Traumjob gefunden

Autor: Christine Kroth (Cofitine)



  08.12.  
Vor drei Wochen, an einem ziemlich grauen und kalten Samstag im November, traf ich mich mit dem jungen Schweizer Radprofi Fabian Lienhard in einem Café in Klingnau, unweit der deutschen Grenze, zum Interview. Er ist hier in der Gegend zu Hause und hatte zu dieser Zeit Urlaub. Trotzdem hat er sich an diesem frühen Samstagnachmittag Zeit für uns genommen.
Wir sprachen über seinen Werdegang, der Situation im Radsport im Allgemeinen und im Speziellen über die Situation in der Schweiz, und auch über persönliches.
Mit diesem Interview möchten wir den 24jährigen Allrounder auch etwas näher vorstellen.



Der LiVE-Radsport.com Adventskalender 2017
Bis Weihnachten präsentieren wir euch täglich einen besonderen Beitrag, um in der an Radrennen ärmeren Adventszeit keine Langeweile aufkommen zu lassen.


Interview mit Fabian Lienhard:
Teil 1Teil 2Teil 3



Eine Trainingsgruppe mit Silvan Dillier

Fabian erzählt mir, dass er in der vergangenen Saison zwar für ein Continental-Team gefahren sei, doch wie ein Profi eines höherklassigeren Teams trainiert habe. In der Regel sah ein Trainingstag so aus, dass er nach dem Frühstück gegen 10 Uhr mit dem Training auf der Straße begonnen habe. Manchmal sei er bis zu sechs Stunden auf dem Rad gesessen. Danach folgte meinst eine Mahlzeit, Massage und dann noch schinden im Kraftraum, überwiegend Übungen zur Rumpfstabilistation.
Geholfen hat ihm, dass er eine sehr gute Trainingsgruppe hat. In dieser Gegend leben einige Radprofis mit denen er auch gut befreundet ist. Silvan Dillier, Patrick Müller, der Deutsche Nico Denz und auch der MTB-Profi Timon Rüegg zählen zu dieser Gruppe, die oft gemeinsam unterwegs ist. Mit Rüegg und Müller ist er gut befreundet.


Lienhard und Trainingspartner Dillier
Gerade von Silvan Dillier konnte er sich viele Tipps holen. Er sei einer, der extrem hart trainiere und als Profi in der WorldTour ein deutlich höheres Leistungsvermögen hat. Mit ihm zu trainieren, habe ihn weitergebracht.

Er trainiert deshalb auch am liebsten daheim. Ab und zu aber auch im Zürcher Oberland oder auch auf der anderen Seite der Grenze, im nahegelegenen Schwarzwald, wo auch schon mal der Feldberg in Angriff genommen wird.
Dass er keine Lust habe zu trainieren, komme praktisch nie vor. Was aber auch daran liegen mag, dass er eine so gute Trainingsgruppe hat, wie er selbst sagt. Wenn man mit Kollegen trainieren kann, ist es deutlich einfacher.

Fahrerische Qualitäten und Lieblingsrennen

Seine Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit drückt sich auch dadurch aus, dass er am liebsten Rennen in seiner Heimat bestreitet. Die Frage nach seinem Lieblingsrennen beantwortet Fabian mit dem GP des Kantons Aargau, der hier in der Gegend und nur wenige Kilometer von unserem Treffpunkt entfernt ausgetragen wird und den er in diesem Jahr als 11. beendet hat.
Das Rennen liegt ihm sehr, er sieht seine Stärken eben in solchen Rennen, Klassiker-Kurse wie er sagt. Rennen mit kurzen, steilen Anstiegen. Aus dem Cross-Bereich habe er die Fähigkeiten für solche technischen Anstiege mitgenommen. Außerdem könne er sich im Feld gut bewegen.
Bei BMC war er Helfer, eine Rolle, die im liegt. Hier sieht er seine Stärken in einem Team, als Helfer oder als Anfahrer für Sprinter.
Eine Schwäche nennt er zwar nicht, betont aber, dass er im Sprint selbst noch an sich arbeiten müsse. Dann, so glaubt er, könne er auch da irgendwann Rennen gewinnen.

Auf die Frage, welche Rennen er gerne mal bestreiten möchte, die er noch nie gefahren ist, nennt Fabian an erster Stelle die Tour de Suisse. Aber auch die Flandern-Rundfahrt. Aus seiner Zeit in Belgien kennt der die Rennen dort und sie haben ihm sehr gut gefallen, auch wegen der besonderen Stimmung bei diesen Rennen.
Besonders gerne fährt er auch Rennen in Frankreich und Belgien weil das Parcours sind, die ihm gut liegen. Das Rennen in China (Tour of Hainan) fand er cool, er lacht und meint, dort müsse er jetzt aber nicht jedes Wochenende fahren.
Und um zu trainieren sei es da, wo er lebt, perfekt.
Auf die Frage, bei welchem Wetter er sich am wohlsten fühle, kann er spontan keine Antwort geben. Die Wetterverhältnisse machen ihm generell nichts aus, da er aus dem Cross-Bereich kommt, wo man bei verschiedensten Wetterverhältnissen unterwegs ist. Er fühlt sich auch bei kaltem, nassen Wetter wohl, Regen mache ihm nichts aus. Und er verweist darauf, dass er erst kürzlich bei einem Rennen, der Tour de Vendée, bei dem „Weltuntergangsstimmung“ herrschte, wie er es selbst bezeichnet, Dritter geworden ist.

Kein Manager und nur wenig Social Media

Fabian hat keinen Manager der ihn betreut. Zwar hätten einige von ihnen angefragt und wollten ihn unter Vertrag nehmen. Doch die Struktur passe nicht zu ihm und er fühle sich nicht wohl, wenn ein Manager bis zu 30 Fahrer berate und betreue.
Er hat mit dem ehemaligen deutschen Radprofi Andreas Klöden aber einen Berater, mit dem er sich gut versteht und der ihn sehr unterstützt. Er habe aber keinen Vertrag mit ihm. Klöden hat für ihn mit sehr vielen Teams gesprochen bezüglich eines Vertrages für die kommende Saison.
Außerdem werde er von Nationaltrainer Danilo Hondo gut betreut und gefördert. Dass Klöden und Hondo gut befreundet sind, ist dabei jedoch nur eine Randnotiz.

Auch privat beschäftigt sich Fabian Lienhard mit Sport. Er liest sehr gerne, doch das habe meist auch mit Sport zu tun. Besonders gerne liest er Biographien von Sportlern. So lenkt er sich auch nach einem anstrengenden Renntag ab. Zudem ist er sehr am sportlichen und allgemeinen Tagesgeschehen interessiert und informiert sich auch über das Geschehen in seiner Heimat.
Wichtig ist ihm auch der Kontakt zu seinem persönlichen Umfeld, zu Familie und Freunden. In den Sozialen Medien ist er aktuell nur bei Instagram vertreten. Er denkt zwar, dass er sich bei Facebook evtl. besser präsentieren könne, doch er sei nicht der Typ, der im Internet viel über sich preisgeben möchte. Vor allem möchte er nicht, wie manch anderer es tut, sein Privatleben in den Sozialen Netzwerken veröffentlichen.
Er selbst schaut zwar gerne in den Accounts anderer Fahrer rein, folgt auch vielen, schaut sich an was sie posten. Doch ihm selbst liegt das nicht so. Vielmehr schätzt er den persönlichen Kontakt. Er gehe lieber mal mit einem Sponsor Kaffee trinken oder schreibt auch mal eine Karte. Er bezeichnet sich in dieser Hinsicht selbst als altmodisch.
Um Kontakt mit Fans und Sponsoren zu halten kann er sich im nächsten Jahr vorstellen, einen Fantag zu veranstalten.

Freude an Wintersport und Radcross

Im Leben von Fabian Lienhard dreht sich fast alles um den Sport. Er ist allgemein sehr sportinteressiert, besonderes Interesse hat er an Eishockey und Wintersport, hier insbesondere an Skirennen. Er selbst fährt auch Alpin-Ski, aber nicht mehr so viel wie früher, auch wegen des Verletzungsrisikos. Außerdem betreibt er im Winter Langlauf.
Fabian selbst bezeichnet sich als großen Radsportfan. Er schaut sich regelmäßig die Cross-Rennen, vor allem die in Belgien, an. Außerdem ist er auch als Helfer in seinem Heimatverein aktiv. Er hilft auch schon mal mit, den Parcours für das Radquer aufzubauen.
Auch bei der Frage nach Vorbildern nennt er Sportler. Viele seien ihm sportlich und menschlich Vorbilder. Es gebe einige Sportler, die nicht mehr aktiv sind, Namen nennt er nicht, von denen er sich das ein oder andere abschauen könne.
Unter den aktiven Sportlern nennt er den Italiener Matteo Trentin, der wie er aus dem Cross-Bereich kommt, wegen seines Fahrstils. Und besonders erwähnt der Grégory Rast. Er ist ein großes sportliches Vorbild für ihn, wegen seiner Erfahrung und auch wegen seines Umgangs mit jungen Fahrern.
Er ist weniger Fan von den großen Namen und Stars im Radsport sondern eher von denen die nicht ganz so bekannt sind aber denen der Umgang mit jungen Fahrern wichtig ist.

Radsport – ein Traumjob


Schweizer Meisterschaften 2017
Für Fabian ist der Beruf als Radprofi schon eine Art Traumjob, nachdem er zunächst eine Ausbildung gemacht hat. Da liegt natürlich die Frage nahe, wie sein Umfeld damit umgeht, dass er soviel unterwegs ist. Doch da er aus einer Radsportfamilie kommt, ist man in der Heimat schon fast daran gewöhnt. Vor allem seine Mutter, die das schon aus der aktiven Zeit von Fabians Vater her kennt. Auch sein Freundeskreis nimmt das locker, zumal viele seiner Freunde Radsportler sind und manche, die heute nicht mehr aktiv sind, doch früher mit ihm zusammen Radsport betrieben haben.
Der Kontakt zu Familie und Freunden ist ihm sehr wichtig, doch der Beruf des Radprofis bringt auch mit sich, dass man eben nicht jedes Wochenende weggehen kann und man so den ein oder anderen Freund aus Schulzeit und Ausbildung aus den Augen verliert. Gerade auf Kollegen, die nicht so sehr an Sport interessiert sind, treffe dies zu. Doch die meisten Freunde verstehen seine Situation und gerade zu Zeiten, in denen er keine Rennen fährt, versucht er sich mit ihnen zu treffen und Zeit mit ihnen zu verbringen.
Aber gerade der gute Kontakt zu seinem privaten Umfeld hilft ihm wenn es mal nicht so gut läuft.





Fabian Lienhard beim Interview mit LiVE-Radsport.ch im November 2017
Fabian Lienhard beim Interview mit LiVE-Radsport.ch im November 2017

Fabian Lienhard zusammen mit seinem Trainingspartner Silvan Dillier bei den Schweizer Meisterschaften 2017
Fabian Lienhard zusammen mit seinem Trainingspartner Silvan Dillier bei den Schweizer Meisterschaften 2017

Fabian Lienhard bei den Schweizer Meisterschaften 2017
Fabian Lienhard bei den Schweizer Meisterschaften 2017

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