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Bärenstarker Van Aert feiert WM-Hattrick, für Van der Poel reicht es zu Bronze
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04.02.2018

Bärenstarker Van Aert feiert WM-Hattrick, für Van der Poel reicht es zu Bronze

Info: RADCROSS-WELTMEISTERSCHAFT 2018 IN VALKENBURG
Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)



Valkenburg, 04.02.2018 – Wout van Aert darf das Regenbogentrikot noch ein weiteres Jahr behalten. Bei den Titelkämpfen im niederländischen Valkenburg holte der 23-jährige Belgier zum dritten Mal in Folge WM-Gold, und zwar mit einer Überlegenheit, die niemand vorausgeahnt hatte. Van Aerts Dauerrivale Mathieu van der Poel – im Vorfeld als haushoher Favorit gehandelt – lieferte vor heimischem Publikum hingegen eine verblüffend schwache Leistung ab und musste am Ende froh über die Bronzemedaille sein. Silber ging, vollkommen unerwartet, an Michael Vanthourenhout und damit ebenfalls nach Belgien. Zuletzt waren Roland Liboton drei WM-Titel in Folge gelungen – über 30 Jahre ist das her.


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Kein Außenseitersieg – und dennoch eine Überraschung
Wie heißt es so schön: Meisterschaften folgen ihren eigenen Gesetzen und warten nicht selten mit Überraschungen auf. Das Rennen der Männer Elite bei der Radcross-WM am Cauberg war wieder mal ein Beispiel für diese Binsenweisheit. Wohlgemerkt, wir sprechen nicht über einen sensationellen Außenseitersieg, denn schließlich handelt es sich bei Wout van Aert um den Weltmeister der vergangenen beiden Jahre. Aber wir sprechen über den Wahnsinnsvorsprung von 2 Minuten, 13 Sekunden, den er im Ziel gegenüber dem Zweitplatzierten aufwies. Und wir sprechen über die enttäuschende Leistung von Mathieu van der Poel, der die Saison über nach Belieben dominierte, 25 (!) Siege auf internationaler Ebene einfuhr – zum Vergleich: Van Aert bringt es auf 7 Saisonsiege – und zur WM als praktisch schon als Weltmeister in spe anreiste.

Hoogerheide 2014 -> Valkenburg 2018
Aber irgendetwas lief heute gar nicht so, wie der Europameister und Weltcupgewinner sich das ausgemalt hatte. War er sich der Sache zu sicher gewesen? Hatte er in der langen, erfolgreichen Saison einfach zu viele Kräfte verpufft? Handelte es sich um eine Formschwäche, die sich vielleicht schon beim Weltcupfinale vor einer Woche angedeutet hatte? Oder kam er mit dem immensen Druck, vor eigenem Publikum natürlich Gold einfahren zu müssen, einfach nicht zurecht? In gewisser Weise erinnerte Van der Poels heutiger Auftritt an die U23-WM 2014, als er ebenfalls als (Mit-)Favorit anreiste und dann – wie heute hinter Wout van Aert und Michael Vanthourenhout! – gerade noch Bronze holte. Auch damals fanden die Titelkämpfe in den Niederlanden (in Hoogerheide) statt. Kleiner Trost für den 23-Jährigen: Im darauffolgenden Jahr wurde er Weltmeister bei der Elite.

Niels Albert behält Recht
Diesen Titel aber darf sich nun ein weiteres Jahr Wout van Aert ans Revers heften. Dreimal Gold in Folge, das schaffte zuletzt sein Landsmann Roland Liboton in den Jahren 1982 bis 1984. Der Schweizer Albert Zweifel war sogar viermal in Serie Weltmeister, der Belgier Eric de Vlaeminck gleich sechsmal, der Franzose André Dufraisse immerhin fünfmal. Es gibt also noch Ziele... Aber im Ernst: Wout van Aert war auf den Tag genau fit, hat den Winter über Kräfte für die Frühjahrsklassiker gespart, sich auf den Saisonhöhepunkt konzentriert und nebenbei hat seine Mannschaft eine Wildcard für Paris-Roubaix ergattert – super gelaufen, kann man da sagen. Und auch Van Aerts Teamleiter Niels Albert, der morgen an seinem 32. Geburtstag also doppelt Grund zum Feiern hat, kann sich auf die Schulter klopfen. Seit Wochen wiederholte er den Medien gegenüber, dass sein Schützling bei der WM großartige Chancen habe. Keiner hat's geglaubt und alle wurden nun eines Besseren belehrt.

Van der Poel ab der 2. Runde angeschlagen
Als die Elite-Männer um 15 Uhr auf die Strecke gingen, hatte das Schneegestöber, das während des Nachwuchsrennens einsetzte, wieder aufgehört. Der Parcours war sogar leicht abgetrocknet, aber immer noch extrem rutschig und erinnerte stellenweise an ein frisch gepflügtes Feld. Später kam ein Regenschauer runter und verlieh der Schlammpackung seine eigene Note. Als Wout van Aert nach einer Stunde und neun Minuten – drei Finger in die Luft haltend – über die Ziellinie rollte, fielen wieder Flocken. Dazwischen lag eine Triumphfahrt, die so niemand vorausgesagt hatte und die schon in der zweiten von 7 Runden begann. Zwar ging wie erwartet Mathieu van der Poel zuerst an die Spitze, aber Van Aert war fast von Anfang an bei ihm. In einer schlammüberfluteten Steilkurve, die noch bei jedem Rennen für spektakuläre Szenen gesorgt hatte, kollidierte Van der Poel mit der Bande und verlor das Hinterrad des Titelverteidigers. Dies war das Missgeschick, von dem er sich nicht wieder erholen sollte.

Vorne Vanthourenhout, hinten Aerts
Während Van Aert trotz eines chaotischen Radwechsels und trotz des einen oder anderen Ausrutschers seinen Vorsprung rapide vergrößerte – nach drei Runden betrug dieser schon eine Minute! – bekam es Mathieu van der Poel mit Michael Vanthourenhout zu tun. Der U23-Weltmeister von 2015, der zuletzt beim Weltcup Hoogerheide Platz drei belegt hatte, bestritt das Rennen der Saison. Da er mit den Bedingungen sichtlich besser zurechtkam und z. B. Passagen durchfahren konnte, wo Van der Poel laufen musste, hängte er den Niederländer später sogar ab. Und es kam noch dicker für vermeintlichen Titelkandidaten. Von hinten näherte sich mit Toon Aerts ein weiterer Belgier, sodass der avisierte Kampf um Gold auf einmal ein Kampf um Bronze wurde. Nun plötzlich fand Mathieu van der Poel seine Moral wieder, drehte an der Temposchraube, distanzierte Aerts und näherte sich in einem letzten Aufbäumen sogar Vanthourenhout wieder an. Dem war die Silbermedaille allerdings nicht mehr zu nehmen – 1-2-Sieg für Belgien, Bronze für die Gastgeber.

Van der Haar Fünfter, Bertolini starker Sechster
Mit Lars van der Haar finishte ein weiterer Niederländer in den Top5 – der dreifache Gewinner des Weltcups Valkenburg blieb somit im Rahmen auch der eigenen Erwartungen. Die Erwartungen übertreffen konnte wohl Gioele Bertolini: Der 22-jährige Italiener schlug sich inmitten der niederländischen und vor allem belgischen Top-Fahrer bravourös und belegte mit 4:42 Minuten Rückstand den sechsten Platz. Tim Merlier, Laurens Sweeck und Daan Soete (alle Belgien) sowie Steve Chainel aus Frankreich komplettierten die Top10. Ein Platz unter den ersten 10 war auch das Ziel des deutschen Meisters Marcel Meisen gewesen, aber nach einem katastrophalen Start konnte nicht mehr als der 14. Rang herausspringen. Der Schweizer Marcel Wildhaber wurde 16ter, auch Landsmann Lars Forster kam noch in die Top20. Österreicher waren keine am Start.

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Belgien toppt den Medaillenspiegel
Mit drei Goldmedaillen – in beiden Elite-Rennen und bei den Männern U23 – sind die Belgier die klaren Gewinner dieser WM, und das in einer Saison, die mitunter nicht gerade glanzvoll verlief. Die Briten holte zwei Goldmedaillen (Junioren, Frauen U23). Die Gastgeber gingen, was Siege angeht, leider leer aus, liegen dank dreier bronzener und zweier silberner Medaillen aber auf dem dritten Rang des Medaillenspiegels. Das restliche Edelmetall teilten Tschechien, die USA, Frankreich und – jawohl – Österreich unter sich auf.

-> Zum Medaillenspiegel



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