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Zwei niederländische Heimsiege und Gold-Comeback von Welte/Vogel an Tag 1 der Bahn-WM in Apeldoorn
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01.03.2018

Zwei niederländische Heimsiege und Gold-Comeback von Welte/Vogel an Tag 1 der Bahn-WM in Apeldoorn

Info: BAHNRADSPORT-WELTMEISTERSCHAFT 2018 IN APELDOORN
Autor: Felix Griep (Werfel)



Apeldoorn, 28.02.2018 – Was für ein Auftakt der Gastgeber bei der WM in Apeldoorn: Am Mittwochabend errangen die Niederlande im Omnisport-Velodrom zwei Goldmedaillen – so viele wie zuletzt vor zehn Jahren bei einer Bahn-Weltmeisterschaft! Kirsten Wild eröffnete die Oranje-Festspiele mit einem clever und stark herausgefahrenen Sieg im Scratch, bevor auch die Teamsprinter um Jeffrey Hoogland unangefochten zu Gold stürmten. Lediglich im Teamsprint der Frauen reichte es für die Niederlande nur zu Silber, weil Miriam Welte/Kristina Vogel schlicht und einfach eine Klasse besser waren. Sie sorgten für das erste deutsche Teamsprint-Gold an einem Großanlass seit vier Jahren.


Bahn-WM 2018: Übersicht | Medaillenspiegel | Zeitplan


Scratch Frauen

Wild D‘Hoore Dideriksen

Kirsten Wilds zweiter Scratch-Titel sorgt für perfekten WM-Auftakt
  Nach Qualifikations-Läufen in Mannschaftsverfolgung und Teamsprint stellte das Scratch-Rennen der Frauen die erste Entscheidung bei der Weltmeisterschaft in Apeldoorn dar. In jener Disziplin hatte es
bei der WM 2011, die ebenfalls in dieser niederländische Stadt stattgefunden hatte, durch Marianne Vos die damals einzige Goldmedaille gegeben. Diesmal war es Kristen Wild, die im orangefarbenen Trikot nach einer Medaille jagte und am Ende Gold gewann.
  Zum ersten Mal trat die 35-jährige Bahn-Veteranin nach 20 von 40 Runden in Erscheinung, als sie einem Angriff der Dänin Amalie Dideriksen nachsetzte. Doch dieser Vorstoß ging schnell wieder vorbei und es war letztlich ein Angriff von Lydia Gurley, mit dem sich die Vorentscheidung anbahnte. Zur Irin schloss erst die Österreicherin Verena Eberhardt auf, bevor nach einer Weile die Spitze des Feldes das Duo einholte. Bevor sich das Feld wieder gänzlich zusammenschieben konnte, nutzte Wild die Situation und riss mit einem gut getimten Angriff fünf Runden vor Schluss ein Loch auf, das rasch gut 50 Meter betrug.
  Nun konnte niemand mehr die Wiederholung von Wilds bis dahin einzigem WM-Titel 2015 in Saint-Quentin-en-Yvelines verhindern. Im Sprint um Platz zwei setzte sich die Belgierin Jolien D’hoore, die Vorjahresdritte, vor Dideriksen durch. Vorjahressiegerin Rachele Barbieri aus Italien blieb recht unauffällig und wurde lediglich Neunte. Für Eberhardt, die Schweizerin Aline Seitz und die Deutsche Tatjana Paller gab es die Plätze elf, zwölf und siebzehn.

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Teamsprint Frauen

Deutschland Niederlande Russland

Welte/Vogel zurück auf dem Thron – Ende der russischen Dominanz
  Im Teamsprint gehört Deutschland schon lange konstant zur Weltspitze und ist immer für eine Medaille gut, doch der letzte Titelgewinn bei einer WM, EM oder Olympia – egal ob durch Männer oder Frauen – lag beinahe schon eine kleine Ewigkeit zurück; selbst bei der
Heim-Europameisterschaft in Berlin im Oktober vorigen Jahres hatte es nur zu zweimal Silber gereicht. Der letzte große Sieg war 2014 Miriam Welte und Kristina Vogel gelungen, die damals ihren dritten WM-Titel in Serie gefeiert hatten. Und genau sie beendeten nun auch die Durststrecke.
  Wie schon bei der letzten EM durfte Vogel sich in der Qualifikation noch ausruhen und an ihrer Stelle kam das 20-jährige Nachwuchstalent Pauline Grabosch zum Einsatz. Ein Wechsel, welcher der Qualität des deutschen Gespanns nicht schadete, denn die Qualifikation wurde in 32,640 Sekunden souverän gewonnen. Neben Welte/Grabosch blieb nur das russische Paar Dario Shmeleva/Anastasiia Voinova unter der 33-Sekunden-Marke (32,739), China und die Niederlande lagen als nächstbeste Teams deutlich über eine halbe Sekunde zurück. In der 1. Runde hatten Welte und Vogel dann keine Mühe, ihr Duell gegen das in der Quali achtplatzierte Polen zu gewinnen und mit der erneut schnellsten Zeit (32,652 Sekunden) ins Finale einzuziehen. Final-Gegner der deutschen wurden aber nicht etwa die Russinnen. Zwar gewannen auch Shmeleva/Voinova souverän ihr K.o.-Duell gegen Neuseeland, doch waren sie mit 32,987 Sekunden diesmal langsamer als die Niederlande, die in der Qualifikation nur ihr „B-Team“ Laurine van Riessen/Hetty van de Wouw eingesetzt hatten und jetzt mit Kyra Lamberink/Shanne Braspennincx eine Zeit von 32,958 Sekunden erreichten.
  Eine herbe Enttäuschung für Shmeleva/Voinova, die nach zuletzt zwei WM- und drei EM-Titeln in Serie diesmal nur um Bronze fahren durften und sich diese Medaille im Duell mit den Chinesinnen Chaorui Song/Tianshi Zhong sicherten. Im Rennen um Gold ließen Welte/Vogel keine Spannung zu, verwiesen Lamberink/Braspennincx vor deren Heimpublikum mit einer Zeit von 32,605 Sekunden und einer halben Sekunde Vorsprung auf Platz zwei und feierten ihren vierten gemeinsamen WM-Titel. Für Vogel war es insgesamt sogar schon der zehnte – nur noch einer fehlt ihr zum Rekord von Anna Meares!

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Teamsprint Männer

Niederlande Großbritannien Frankreich

Erster WM-Titel im Teamsprint überhaupt für die Niederlande
  Den Achtungserfolg der niederländischen Teamsprint-Frauen konnte ihre männlichen Kollegen, die sich im Verlauf der letzten Jahre an die Weltspitze herangearbeitet hatten, sogar noch toppen. Nach dem überraschenden
EM-Sieg von 2015 hatte es für sie bei den letzten beiden Weltmeisterschaften schon die Silbermedaille gegeben. Nur an den Neuseeländern hatten sie sich jeweils die Zähne ausgebissen. Doch die endgültige Machtverschiebung deutete sich in Apeldoorn bereits in der Qualifikation an.
  Während Nils van 't Hoenderdaal, Harrie Lavreysen und Jeffrey Hoogland die Bestzeit fuhren (42,869 Sekunden), landeten die Titelverteidiger Ethan Mitchell, Sam Webster und Edward Dawkins nur auf Platz fünf (43,736 Sekunden). Nach Teamsprint-Regeln bedeutete dies, dass Neuseeland in der 1. Runde gegen das viertplatzierte Großbritannien um den Einzug in die Medaillen-Läufe antreten musste. Ein Zweikampf, welchen die bei insgesamt drei der letzten vier Weltmeisterschaften siegreichen Neuseeländer deutlich verloren, so dass sie erstmals seit 2011 wieder ohne Medaille blieben.
  Weitaus dramatischer verpassten die Deutschen Stefan Bötticher, Maximilian Levy und Joachim Eilers den Einzug in die letzte Runde. Nach dem starken dritten Platz in der Qualifikation (43,452 Sekunden) mit Robert Förstemann an Stelle Böttichers mussten sie sich den Russen Alexander Sharapov, Pavel Yakushevskiy und Aleksandr Dubchenko um nur 0,037 Sekunden geschlagen geben. Der Abstand zwischen Levy und Eilers, der Deutschland in der Qualifikation noch durch eine überragende letzte Runde von Rang sechs auf drei gehievt hatte, war auf der vorletzten Runde zu groß, so dass der Schlussfahrer den Windschatten nicht ausreichend nutzen und am Ende nicht sein volles Potenzial entfalten konnte.
  Bei den Niederländern traten keinerlei solche Probleme auf. Auch als in der 1. Runde Matthijs Buchli Hoogerland ersetzte, war keine Mannschaft schneller als jene der Gastgeber. Im Finale zeigten Van 't Hoenderdaal, Harrie Lavreysen und Hoogland dann ihre beste Leistung, waren mit 42,727 Sekunden eine halbe Sekunde schneller als die Briten Jack Carlin, Ryan Owens und Jason Kenny. Die Franzosen François Pervis, Sébastien Vigier und Quentin Lafargue sicherten sich in einer knapperen Entscheidung gegen Russland die Bronzemedaille.

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Mannschaftsverfolgung Frauen

USA und Großbritannien an der Spitze, Deutsche Quali-Sechste
  In der Mannschaftsverfolgung geht es erst am Donnerstag, dem zweiten WM-Tag, um die Medaillen, doch auch am Mittwoch waren die Viererteams in Apeldoorn schon im Einsatz. Die Frauen bestritten zunächst nur ihren Qualifikationslauf, dessen Ergebnis die USA vom dritten Titelgewinn in Folge träumen lässt. Jennifer Valente, Kelly Catlin, Chloe Dygert und Kimberly Geist fuhren in 4:18,836 Minuten die Bestzeit. Allerdings haben sie mit den Olympiasiegerinnen aus Großbritannien ausgesprochen starke Konkurrenz. Katie Archibald, Elinor Barker, Laura Kenny und Emily Nelson waren nur 0,341 Sekunden langsamer, während Italien auf Platz drei schon fast drei Sekunden Rückstand aufwies.
 Das deutsche Team mit Gudrun Stock, Charlotte Becker, Franziska Brauße und Lisa Brennauer hat sein Minimalziel, den Einzug in die 1. Runde, souverän gemeistert, erreichte Quali-Platz sechs unter den insgesamt 13 Mannschaften. Bei einer Zeit von 4:26,746 ist nicht auszuschließen, dass mit einer weiteren Steigerung sogar der deutsche Rekord von 4:25,355 Minuten von der letztjährigen EM in Berlin noch fallen könnte.

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Mannschaftsverfolgung Männer

Großbritannien und Dänemark im großen, Deutschland im kleinen Finale
  Anders als bei den Frauen wurde in Mannschaftsverfolgung der Männer nicht nur die Qualifikation, sondern auch schon die 1. Runde ausgetragen, so dass die Final-Teilnehmer bereits feststehen. Dabei handelt es sich einerseits um die Briten Edward Clancy, Kian Emady, Ethan Hayter und Charlie Tanfield, die in der Qualifikation in 3:55,714 Minuten die Bestzeit gefahren hatten. Um Gold kämpfen sie gegen die Dänen Niklas Larsen, Julius Johansen, Frederik Madsen und Casper von Folsach, die nach ihrem dritten Quali-Platz in der engsten Entscheidung der 1. Runde durch eine Steigerung von 3:56,740 auf 3:54,496 Minuten Italien niederrangen.
  Italien wiederum wird Deutschlands Gegner im Kampf um die Bronzemedaille. Auch ohne den nach Knieproblemen und einer Viruserkrankung abwesenden Domenic Weinstein konnten Maximilian Beyer, Felix Groß, Theo Reinhardt und Kersten Thiele sowohl in der Qualifikation (3:57,447) als auch in der 1. Runde (3:58,047), wo gegen das überlegene Großbritannien der Einzug ins Gold-Final außer Reichweite war, mit der jeweils viertbesten Zeit überzeugen. Die Schweizer Claudio Imhof, Cyrille Thièry, Frank Pasche und Valère Thiébaud fuhren in der Qualifikation (3:59,543) auf Platz sieben und mit einer fast identischen Zeit in der 1. Runde (3:59,648) auf Platz sechs.
  Erwähnenswert ist die Nicht-Teilnahme Australiens, das in der Mannschaftsverfolgung der Männer nicht nur Titelverteidiger war, sondern sechs der letzten acht WM-Titel geholt hatte. Australien ist in Apeldoorn beinahe komplett abwesend, weil die Nation sich ganz auf die nur alle vier Jahre stattfindenden Commonwealth Games ausgerichtet hat, die im April im australischen Gold Coast ausgetragen werden.

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