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Sprint-Weltmeisterin Vogel stellt Rekord von Meares ein – überlegene Siege von Meyer, Ganna und Wild
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03.03.2018

Sprint-Weltmeisterin Vogel stellt Rekord von Meares ein – überlegene Siege von Meyer, Ganna und Wild

Info: BAHNRADSPORT-WELTMEISTERSCHAFT 2018 IN APELDOORN
Autor: Felix Griep (Werfel)



Apeldoorn, 02.03.2018 – Favoriten und Favoritinnen, die den Erwartungen vollauf gerecht wurden, prägten am Freitag den dritten Abend bei der Bahnradsport-Weltmeisterschaft in Apeldoorn. Cameron Meyer dominierte und gewann zum bereits fünften Mal das Punkterennen, Filippo Ganna entschied zum zweiten Mal die Einzelverfolgung für sich und Kirsten Wild holte im Omnium ihre zweite Goldmedaille vor heimischem Publikum. Und natürlich triumphierte auch einmal mehr Kristina Vogel, die mit ihrem vierten Titelgewinn im Sprint ihr insgesamt 11. WM-Gold errang. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille gelang dem deutschen Nachwuchstalent Pauline Grabosch ein unverhoffter Coup.


Bahn-WM 2018: Übersicht | Medaillenspiegel | Zeitplan


Punkterennen Männer

Meyer Van Schip Stewart

Ungefährdeter 5. Sieg von Meyer, später Silber-Coup von van Schip
  In Australien gelten in diesem Jahr die Commonwealth Games als das absolute sportliche Highlight, weshalb fast alle Bahnspezialisten aus Down Under der Weltmeisterschaft in den Niederlanden ferngeblieben sind. Eine der wenigen Ausnahmen bildete Cameron Meyer, der seinen WM-Titel im Punkterennen, das er nicht nur 2017, sondern auch schon 2009, 2010 und 2012 gewonnen hatte, verteidigen wollte. Ein Vorhaben, das ihm mit zwei solo herausgefahrenen Rundengewinnen und einer starken Ausbeute an den Sprintwertungen gelang.
  Die ersten Rundengewinne waren auf das Konto eines Quartetts um den Niederländer Jan-Willem van Schip gegangen, Meyers Reaktion ließ jedoch nicht lange auf sich warten – während der langen Solofahrt zu seinem ersten Rundengewinn nahm er die Maximalpunktzahl an drei Sprintwertungen mit und lag daher zur Halbzeit des Rennens, nach 80 von 160 Runden, an der Spitze. Bald darauf zogen insgesamt sechs weitere Teams nach, wonach Meyer zwar weiter führte, aber die Zahl potenziell gefährlicher Konkurrenten wieder sehr hoch war. 22 Runden vor dem Ende gelang es King Lok Cheung aus Hongkong, Kenny De Ketele aus Belgien und dem Briten Mark Stewart, als Erste einen zweiten Rundengewinn herauszufahren, womit Meyer für einen Moment entthront worden war. Doch noch bevor dieses Trio den Rundengewinn tatsächlich vollendet hatte, war Meyer bereits in die Offensive gegangen.
  Mit dem Sieg an der drittletzten Wertung schob sich Meyer schon wieder auf Position eins des Klassements und machte nur fünf Runden später mit seinem zweiten Rundengewinn den Sieg mit total 70 Punkten frühzeitig perfekt. Van Schip, der bei nur einem Rundengewinn geblieben war, stockte sein Konto durch den Gewinn des doppelwertigen Zielsprints noch auf 52 Zähler auf und holte sich im letzten Moment die Silbermedaille. Stewart (49 Punkte) rutschte dadurch auf den Bronzerang zurück und Cheung (48) vom Podium herunter; auch De Ketele (46) ging leer aus. Mit ebenfalls zwei Rundengewinnen erreichte der Österreicher Andreas Graf (42) einen guten sechsten Platz.

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Einzelverfolgung Männer

Ganna Oliveira Evtushenko

Wie bei der letzten EM: Oliveira nur in der Quali schneller als Ganna
  In der Einzelverfolgung etabliert sich der junge Filippo Ganna immer mehr als stärkster Fahrer der Gegenwart und löst in Italien Erinnerungen an die Zeit zwischen 1948 und 1966 aus, als Guido Messina fünfmal und Leandro Faggin viermal Gold in dieser Disziplin geholt hatte. Als Weltmeister von 2016 und Vize-Weltmeister von 2017 trat der 21-Jährige in Abwesenheit des australischen Vorjahressiegers Jordan Kerby als klarer Favorit an.
  Zwar bewies Ganna in der Qualifikation mit einer Zeit von 4:13,622 Minuten, die einen neuen italienischen Rekord darstellte, seine hervorragende Form, doch der Portugiese Ivo Oliveira war mit 4:12,365 Minuten noch einmal ein gutes Stück schneller – es kam zur Neuauflage des
EM-Finales von Berlin, welches Ganna vorigen Oktober trotz Quali-Platz zwei gewonnen hatte. Und so kam es auch diesmal. Oliveira startete im Kampf um Gold zwar besser und lag lange in Führung, doch nach 3000 Metern war Ganna erstmals vorne. Während Oliveira am Ende mit 4:15,428 Minuten über drei Sekunden langsamer war als in der Qualifikation, konnte Ganna seine Bestmarke sogar noch einmal minimal auf 4:13,607 Minuten verbessern.
  Die Bronzemedaille erbeutete der Russe Alexander Evtushenko, der im kleinen Finale in 4:13:786 Minuten gute zwei Sekunden schneller war als der Brite Charlie Tanfield. Ohne den WM-Zweiten von 2016 und letztjährigen EM-Dritten Domenic Weinstein, der nach einer von Verletzungen und Krankheiten durchkreuzten Vorbereitung nicht zur WM fahren konnte, waren die deutschen Chancen auf Edelmetall in der Verfolgung von vornherein minimal. Dennoch schlugen sich Felix Groß und Kersten Thiele mehr als achtbar, fuhren mit 4:15,303 respektive 4:17,281 Minuten jeweils persönliche Bestzeiten und landeten in der Qualifikation auf den Plätzen fünf und sechs.

-> Zum Resultat Einzelverfolgung Männer



Omnium Frauen

Wild Dideriksen Buchanan

Wilds achte Omnium-Medaille ist ihre erste in der Farbe Gold
  Große Erwartungen hatten die niederländischen Fans an das Omnium der Frauen, zu dem nämlich die bereits
zwei Tage zuvor im Scratch siegreiche Kirsten Wild antrat, die nach drei WM- (Bronze 2011 und 2015, Silber 2017) und vier EM-Medaillen (Bronze 2011, Silber 2013, 2016 und 2017) bereit schien für ihren ersten Titelgewinn im Vielseitigkeits-Wettkampf. Und die 35-Jährige enttäuschte nicht: Sie siegte in der ersten Disziplin, dem Scratch, und der dritten, dem Ausscheidungsfahren, belegte dazwischen in den Temporunden Platz fünf. Dieses Rennen entschied die Britin Elinor Barker vor der Deutschen Gudrun Stock für sich. Im Zwischenstand lag Wild zwölf Zähler vor der Italienern Elisa Balsamo und jeweils 16 Punkte vor Barker und Jennifer Valente aus den USA.
  Im Punkterennen ließ Wild nichts mehr anbrennen, behielt die gefährlichen Gegnerinnen stets im Auge und brachte die Führung überaus souverän ins Ziel. Balsamo, Barker und Valente hingegen blieben letztlich allesamt ohne Medaille. Stattdessen sprangen Amalie Dideriksen mit einem und Rushlee Buchanan mit zwei Rundengewinnen noch auf die Podiumsränge zwei und drei. Wild brachte es am Ende auf 121 Punkte, Dideriksen auf 112 und Buchanan auf 106. Balsamo (105), Valente (101) und Barker (97), die wie Wild keinen einzigen Rundengewinn herausfahren konnten, gingen daher leer aus.
  Überschattet wurde das Omnium von gleich drei Massenstürzen im Scratch, Ausscheidungsfahren und Punkterennen. Für Xiaojuan Diao aus Hongkong, Xiaofei Wang aus China und Allison Beveridge aus Großbritannien hatten die Stürze jeweils ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Wettbewerb zur Folge.

-> Zum Resultat Omnium Frauen



Sprint Frauen

Vogel Morton Grabosch

Vogel holt ihr 11. WM-Gold und Grabosch die Bronzemedaille
  Nur noch vier Fahrerinnen waren am Freitagabend im Rennen um die Medaillen im Sprint der Frauen, nachdem bereits
tags zuvor Qualifikation bis Viertelfinale ausgetragen worden waren. Besonders große Aufmerksamkeit zog das deutsche Duell zwischen Kristina Vogel und Pauline Grabosch auf sich, welches dann aber doch deutlich aufzeigte, dass die Rollenverteilung von „Meisterin“ und „Schülerin“ noch fest zementiert ist. Die sieben Jahre Alters- und vor allem Erfahrungsunterschied machten sich bemerkbar und Vogel konnte beide Läufe überlegen für sich entscheiden.
  Im Finale traf Vogel wie 2017 in Hongkong auf die Qualifikations-Siegerin Stephanie Morton. Auch die Australierin hatte ihr Halbfinale gegen Wai Sze Lee aus Hongkong souverän gewonnen. Im ersten Final-Lauf behielt Vogel klar die Oberhand, doch im zweiten Durchgang konnte Morton die Favoritin aus der vorderen Position heraus bezwingen und ausgleichen. Ein zweites Mal ließ Vogel sich allerdings nicht überrumpeln und machte den Entscheidungslauf wieder zu einer eindeutigen Angelegenheit. Es war ihr viertes Sprint-Gold nach 2014 und 2015 sowie 2017, und total ihr elfter WM-Titel. Damit hat Vogel zur bisherigen alleinigen Rekordhalterin Anna Meares aufgeschlossen, die ihre Karriere 2016 beendet hat. Die Gesamtzahl von 27 WM-Medaillen (11/10/6) der Australierin liegt aber auch für Vogel (9/1/4) immer noch in weitere Ferne.
  Von der klaren Halbfinal-Niederlage gegen ihre Landsfrau, Teamsprint- und Trainingskollegin Vogel ließ die 20-jährige Grabosch sich nicht entmutigen und stellte im Duell um Bronze wieder ihr Können unter Beweis. Mit zwei klaren Siegen gegen Lee holte sie ihre erste Einzel-Medaille bei Elite-Weltmeisterschaften. Als Juniorin hatte Grabosch 2015 in Astana Gold im 500 Meter Zeitfahren sowie im Teamsprint und 2016 in Aigle erneut Gold über die 500 Meter und überdies im Sprint gewonnen.

-> Zum Resultat Sprint Frauen



Sprint Männer

Levy reißt Qualifikations-Sieger Hoogland aus seinen Goldträumen
  Am Freitag sprinteten nicht nur die Frauen um ihre Medaillen, sondern auch die Männer um den Einzug ins Viertelfinale, mit dem es für sie am Samstag weitergeht. Das Qualifikations-Ergebnis löste in den Reihen der niederländischen Gastgeber eine Euphorie aus, die jedoch nicht sehr lange anhielt. Jeffrey Hoogland hatte mit 9,674 Sekunden die Bestzeit abgeliefert und schien in der Lage, nach dem EM-Titel von 2015 einen noch größeren Triumph ins Auge fassen zu können. Doch im Achtelfinale, seinem ersten K.o.-Duell, schied Hoogland überraschend aus.
  Der Deutsche Maximilian Levy, der in der Qualifikation lediglich 17. geworden war und sich daraufhin erst einmal im Sechzehntelfinale gegen den Russen Pavel Yakushevskiy hatte durchsetzen müssen, schmiss Hoogland aus dem Wettbewerb. Im Viertelfinale trifft Levy nun auf den Briten Ryan Owens, den Quali-Achten. Für die Niederlande kam es derweil noch schlimmer, denn auch Harrie Lavreysen, der die Qualifikation als Vierter abgeschlossen hatte, verlor sein Achtelfinale gegen den Neuseeländer Edward Dawkins.
  Der Sieger aus dem nun bevorstehenden Duell zwischen Dawkins und dem Briten Jack Carlin wird im Halbfinale auf Levy oder Owens treffen. In den weiteren Viertelfinal-Paarungen trifft der Australier Matthew Glaetzer (2. in der Qualifikation) auf den Titelverteidiger Denis Dmitriev (7.) aus Russland und der französische Europameister Sébastien Vigier (3.) auf den Polen Mateusz Rudyk (6.).

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