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Wild beendet ihre Heim-WM mit drei Goldmedaillen – Kluge/Reinhardt holen Madison-Sieg für Deutschland
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04.03.2018

Wild beendet ihre Heim-WM mit drei Goldmedaillen – Kluge/Reinhardt holen Madison-Sieg für Deutschland

Info: BAHNRADSPORT-WELTMEISTERSCHAFT 2018 IN APELDOORN
Autor: Felix Griep (Werfel)



Apeldoorn, 04.03.2018 – Fünfmal Gold, fünfmal Silber und zweimal Bronze. Dies ist die abschließende Bilanz der Niederlande bei der Bahnradsport-Weltmeisterschaft in Apeldoorn, womit sich die Gastgeber überlegen Platz eins im Medaillenspiegel sicherten. Einen riesigen Anteil an dieser beeindruckenden Ausbeute hatte Kirsten Wild, die zum Abschluss im Punkterennen ihre dritte goldene und insgesamt vierte Medaille holte. Zudem konnte Jeffrey Hoogland nach seiner Enttäuschung im Sprint das 1000 Meter Zeitfahren gewinnen. Obwohl Kristina Vogel im durch die Belgierin Nicky Degrendele gewonnen Keirin überraschend leer ausging, gab es durch das Madison-Paar Roger Kluge/Theo Reinhardt doch auch noch einmal Gold für Deutschland.


Bahn-WM 2018: Übersicht | Medaillenspiegel | Zeitplan


Punkterennen Frauen

Wild Valente Duehring

Wild fährt souverän ihre vierte Medaille bei dieser WM ein
  Kirsten Wild gehörte bei ihrer Heim-WM zu den fleißigsten, aber auch erfolgreichsten Fahrerinnen. Am Mittwoch holte sie
Gold im Scratch, am Freitag Gold im Omnium und am Samstag Silber im Madison. Am Sonntag stand für die 35-Jährige mit dem Punkterennen der vierte Einsätze innerhalb von fünf Tagen auf dem Programm. Spuren von Erschöpfung? Fehlanzeige! Vielmehr übernahm Wild mit Siegen an der dritten und vierten von insgesamt zehn Sprintwertungen schon früh die Führung und ließ sich diese zu keinem Zeitpunkt mehr entreißen.
  Den gefährlichsten Moment für Wild gab es zu Beginn der zweiten Rennhälfte, als die bis dahin unauffällige Elinor Barker als Solistin eine halbe Runde Vorsprung herausfuhr. Weiter kam die Vorjahressiegerin aus Großbritannien jedoch nicht und fiel schließlich wieder ins Feld zurück. Im Sammeln von Sprintpunkten konnte Jennifer Valente aus den USA noch am ehesten mit Wild mithalten, doch nach aufeinanderfolgenden Siegen an den Wertungen Nummern sieben bis neun hatte Wild den Sieg schon zehn Runden vor Schluss sicher – und damit nach den EM-Titeln von 2013 und 2016 ihr erstes WM-Gold im Punkterennen.
  Zwar holte Valente an der Schlusswertung noch einmal sechs Zähler, blieb aber noch ebenso viele hinter der Siegerin. 13 Punkte betrug wiederum Valentes Vorsprung gegenüber der Drittplatzierten Jasmin Duehring aus Kanada, die Glück hatte, dass die Russin Gulnaz Badykova an der letzten Wertung nur Dritte und nicht Erste oder Zweite wurde und damit einen Punkt hinter ihr blieb. Auf den Plätzen fünf und sieben fanden sich die Deutsche Charlotte Becker und die Schweizerin Andrea Waldis wieder.

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1000 Meter Zeitfahren Männer

Hoogland Glaetzer Bos

Hoogland siegt im Finale nach Raketenstart doch nur kapp
  Für den Niederländer Jeffrey Hoogland hatte die Weltmeisterschaft in Apeldoorn mit dem
Gewinn der Goldmedaille im Teamsprint hervorragend begonnen, doch wenige Tage später erlebte er mit dem frühzeitigen Ausscheiden im Sprint auch einen absoluten Tiefpunkt. Umso bedeutungsvoller war für den 24-Jährigen das Zeitfahren am letzten WM-Tag, zu dem er als amtierender Europameister antrat.
  In der Qualifikation erreichte Hoogland sofort Position eins und war mit 59,517 Sekunden einer von drei Fahrern, die Zeiten unter einer Minute fuhren. Der Australier Matthew Glaetzer (59,733) und sein eigener Landsmann Theo Bos (59,798) waren seine stärksten Gegner. Dagegen verpasste François Pervis – Weltmeister der Jahre 2013, 2014, 2015 und 2017 – als Zehnter überraschend den Einzug ins Finale. Nach 750 Metern hatte der Franzose noch die viertschnellste Zeit gehabt, bevor er auf der letzten Runde total einbrach. Joachim Eilers, der Weltmeister von 2016, war krankheitsbedingt gar nicht erst angetreten, womit Eric Engler der einzige deutsche Starter war, der aber in der Qualifikation und im Finale als jeweiliger Fünfter ein gutes Ergebnis erzielen konnte.
  Im Finale legte Bos mit 59,955 Sekunden wieder eine starke Zeit vor, die von Glaetzer aber sogleich mit 59,745 Sekunden unterboten wurde. Anschließend legte Hoogland einen unglaublich schnellen Start hin und lag im direkten Vergleich mit dem frischgebackenen Sprint-Weltmeister nach der ersten Runde 1,6(!) Sekunden vorn. Nach der zweiten Runde waren es sogar fast 2 Sekunden und nach der dritten immer noch 1,7. Doch dann gingen Hoogland die Körner aus und er verlor auf den letzten 250 Metern massiv Zeit gegenüber Glaetzer – aber es blieben dem Niederländer im Ziel noch 0,286 Sekunden Vorsprung und damit seine zweite Goldmedaille.

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Keirin Frauen

Degrendele Lee Krupeckaite

Vogel verzweifelt im Finale, das Degrendele klar für sich entscheidet
  Als dreifache Goldmedaillengewinnerin hätte man vor der Weltmeisterschaft wohl eher Kristina Vogel als Kirsten Wild erwartet, und für die Deutsche war am letzten WM-Tag der „Sprint-Hattrick“ auch in greifbarer Nähe – ein seltenes Kunststück, das ihr
bei der WM 2014 in Cali schon einmal gelungen war und das sie diese Saison auch bei ihren Weltcup-Starts in Pruszków, Manchester und Milton vollbracht hatte. Mit Gold vom Teamsprint und Sprint in der Tasche lief für Vogel auch im Keirin zunächst alles nach Plan.
  In der 1. und auch in der 2. Runde setzte Vogel sich jeweils als klare Siegerin ihrer Läufe durch und zog erwartungsgemäß ins Finale ein. Dort wies ihr das Los die Startposition fünf zu, was sich als fatal erweisen sollte. Als das Derny drei Runden vor Schluss das Rennen freigab, ging Vogel zwar sofort in die Offensive und vergrößerte ihre Anstrengungen auf der vorletzten Runde noch einmal – doch es war einfach kein Vorbeikommen an den Fahrerinnen vor ihr, die so stark dagegenhielten, dass die Keirin-Weltmeisterin von 2014, 2016 und 2017 am Ende mit der Entscheidung rein gar nichts zu tun hatte und als Sechste und Letzte die Ziellinie überquerte.
  Dass eine bessere Startposion auch nicht automatisch zu einer Medaille führt, mussten dagegen die Niederländerinnen Laurine van Riessen und Shanne Braspenninckx erfahren, die als Erste und Dritte losgefahren waren, letztlich als Vierte und Sechste aber beide das Podium verpassten. Der Sieg ging stattdessen an die Vorjahresdritte Nicky Degrendele aus Belgien, die auf souveräne Weise Wai Sze Lee aus Hongkong und die Litauerin Simona Krupeckaite auf die Plätze zwei und drei verwies.

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Madison Männer

Kluge/Reinhardt Torres/Mora Meyer/Scotson

Rundengewinne für Österreich, Australien, Deutschland und Spanien
  Den Abschluss der Bahn-Weltmeisterschaft bildete wie gehabt das Madison-Rennen der Männer, das auch tatsächlich wieder einer der sportlichen Höhepunkt wurde. Nach 50 von 200 Runden und den ersten fünf von insgesamt zwanzig Sprintwertungen gestaltete sich die Situation noch sehr ausgeglichen: Die Vorjahressieger Benjamin Thomas/Morgan Kneisky aus Frankreich lagen mit acht Punkten an der Spitze, aber sechs Teams folgten mit jeweils maximal drei Punkten Rückstand. Doch dann begaben sich die Österreicher Andreas Graf/Andreas Müller auf eine Reise, die nach einem Drittel des Rennens mit dem ersten Rundengewinn endete.
  Darauf verging ein wenig Zeit, bis die Australier Cameron Meyer/Callum Scotson, die bis dahin nicht einen einzigen Punkt geholt hatten, in den Angriff übergingen. Nach zwei gewonnen Wertungen und dem vollendeten Rundengewinn hatten sie 87 Runden vor dem Ende nach Punkten zu Graf/Müller aufgeschlossen. Der nächsten Angriff folgte diesmal umgehend und wurde von den Deutschen Roger Kluge/Theo Reinhardt gefahren, die auf ihrem Weg zum Rundengewinn ebenfalls zwei Wertungssiege verzeichneten. Lange Zeit dicht hinter ihnen waren die Spanier Albert Torres/Sebastian Mora gefahren, die kurz darauf ebenfalls einen Rundengewinn perfekt machten – es sollte der letzte dieses Rennens sein, was aber keineswegs daran lang das es niemand mehr versucht hätte.

Kluge/Reinhardt beeindrucken in der Schlussphase durch Sprintstärke
  Tatsächlich gingen Meyer/Scotson nach den Rundengewinnen von Deutschland und Spanien sofort wieder in die Offensive, zogen zusammen mit den Belgiern Kenny De Ketele/Moreno De Pauw und den Dänen Niklas Larsen/Casper Von Folsach davon. Ein Angriff, von dem durchaus große Gefahr ausging, die von Kluge/Reinhardt jedoch mit einer starken Reaktion gebannt wurde. Das BDR-Duo jagte dem Trio alleine nach und schloss 45 Runden vor dem Ende zu ihm auf. Wenig später kam auch der Rest des Feldes wieder heran und der Zwischenstand versprach noch viel Spannung: Deutschland (40 Punkte) führte nur knapp vor Spanien (37), Australien (36) und Österreich (30).
  Doch dann drehten Kluge/Reinhardt noch einmal richtig auf und holten an den folgenden drei Wertungen 13 von 15 möglichen Punkten. Plötzlich hatten sie 14 Punkte Vorsprung gegenüber den Spaniern und standen damit bereits vor der finalen Wertung als Sieger fest. Eine Madison-Medaille hatten beide in der Vergangenheit zwar schon gewonnen – Kluge 2008 Silber mit Olaf Pollack, Reinhardt 2013 Bronze mit Henning Bommel –, aber durch den Gewinn von Gold gingen sie als erst zweites deutsches Weltmeister-Paar nach den im Jahr 2000 siegreichen Eric Weispfennig/Stefan Steinweg in die Geschichtsbücher ein.
  53 Punkte befanden sich schlussendlich auf dem Konto von Kluge/Reinhardt und 45 auf jenem von Torres/Mora, die mit Platz zwei an der Schlusswertung den Gewinn der Silbermedaille unter Dach und Fach brachten. Bronze ging an Meyer/Scotson (37 Punkte), die fast noch von Oliver Wood/Mark Stewart (36) abgefangen worden wären. Platz drei an der Schlusswertung hatte den Briten, die auch ohne 20-Punkte-Bonus für einen Rundengewinn konkurrenzfähig waren, knapp nicht gereicht, um noch aufs Podium zu kommen. Graf/Müller (32) beendeten das Rennen auf dem fünften Platz.

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Medaillenspiegel

Eine mit zwölf Medaillen rundum gelungene Heim-WM für die Niederlande
  Dreimal Silber, einmal Bronze und kein Gold – das war die niederländische Bilanz sowohl 2017 in Hongkong als auch 2016 in London. Den letzten WM-Titel, aber nur einen einzigen, hatte es 2015 in Saint-Quentin-en-Yvelines durch Kirsten Wild im Scratch gegeben. Für mehr als ein Oranje-Gold muss man in den Geschichtsbüchern schon zehn Jahre zurückblättern, als es in Manchester durch Marianne Vos im Punkterennen, Ellen van Dijk im Scratch und Teun Mulder im 1000 Meter Zeitfahren drei Siege gegeben hatte. Durch diese historische Einordnung wird die niederländische Bilanz von je fünf Gold- und Silber- sowie zwei Bronzemedaillen noch viel eindrücklicher. Mit insgesamt zwölf Medaillen hat das Gastgeberland doppelt so viele wie die nächstbesten Nationen errungen.
  Auf Platz zwei des Medaillenspiegels folgt mit vier goldenen und zwei bronzenen Medaillen Deutschland, das auch angesichts einiger guter Leistungen, die nicht für Medaillen reichten, ein positives WM-Fazit ziehen kann. Vor allem die rasante Entwicklung der jungen Pauline Grabosch, die zum Teamsprint-Gold beitrug und Bronze im Sprint holte, ist noch einmal ausdrücklich hervorzuheben. Hingegen blieben die Schweiz und Österreich wie schon vor einem Jahr in Hongkong ohne Edelmetall
  Herausragend ist die Ausbeute in Form von zwei vollständigen Medaillensätze des kleinen australischen Teams, das in Apeldoorn aus gerade einmal vier Mitgliedern bestand, die jedoch alle Medaillen holten. Für Matthew Glaetzer (Gold im Sprint, Silber im Zeitfahren), Cameron Meyer (Gold im Punkterennen, Bronze im Madison), Callum Scotson (Bronze im Scratch und Madison) und Stephanie Morton (Silber im Sprint) hat es sich definitiv gelohnt, trotz der für Australien bedeutsamen Commonwealth Games im April die WM nicht auszulassen.

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