<< älterer Bericht  | zurück zur News |  neuerer Bericht >>
Start > Mailand - Sanremo
Vincenzo Nibali zieht Poggio-Attacke durch und gewinnt Mailand-Sanremo hauchdünn vor den Sprintern
Suchen Mailand - Sanremo Forum  Mailand - Sanremo Forum  Mailand - Sanremo
17.03.2018

Vincenzo Nibali zieht Poggio-Attacke durch und gewinnt Mailand-Sanremo hauchdünn vor den Sprintern

Info: MILANO - SANREMO 2018 (1.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Sanremo, 17.03.2018 – Während vermeintliche Topfavoriten wie Peter Sagan und Michal Kwiatkowski vieles schuldig blieben, wurde Vincenzo Nibali bei der 109. Auflage von Mailand-Sanremo für seinen Mut zur Attacke belohnt. Nach einem Angriff am Poggio sieben Kilometer vor dem Ziel und einem großen Kampf auf dem flachen Schlussstück setzte sich der 33-jährige Italiener wenige Meter vor dem großen Hauptfeld durch, als dessen Schnellster Caleb Ewan nur noch Platz zwei erreichen konnte.


Das Profil von Mailand-Sanremo

Pünktlich zum Finale verzieht sich der Regen
Es war nicht der schönste Frühlingstag, an dem die 109. „Primavera“ ausgetragen wurde. Beim Start in Mailand und für den größten Teil der 294 Kilometer wurden die Fahrer vom Regen begleitet. Letztlich hatte das Wetter aber doch noch ein Erbarmen und geleitete das Rennen für die letzten eineinhalb der mehr als sieben Stunden Fahrzeit mit Sonnenschein gen Ziel in Sanremo. Welche Teams und Fahrer sich an diesem Tag am meisten ausrechneten, konnte man recht schnell erkennen, als eine Ausreißergruppe mehrere Minuten Vorsprung herausgefahren hatte. Bora-Hansgrohe war die erste Mannschaft, die sich mit der Nachführarbeit befasste. Peter Sagan wollte der erste Fahrer seit Giuseppe Saronni 1983 sein, der Mailand-Sanremo im Regenbogentrikot gewinnt. Bald stieg auch das Team Sky von Vorjahressieger Michal Kwiatkowski ein, der als Erster nach Erik Zabel 2000 und 2001 einen zweiten Sieg in Folge feiern wollte. Zu guter Letzt zeigte auch Quick-Step Floors Präsenz und untermauerte seinen Wunsch, mit dem Dreigespann Julian Alaphilippe, Philippe Gilbert und Elia Viviani den ersten Sanremo-Sieg seit Filippo Pozzato 2006 ins Team zu holen.

Bono und Maestri einmal mehr in der Gruppe
Zwischen sechs und sieben Minuten hielten Bora-Hansgrohe, Sky und Quick-Step Floors den Vorsprung einer neunköpfigen Spitzengruppe, in welcher bis auf Cofidis alle Wildcard-Mannschaften vertreten waren – Bardiani CSF mit Mirco Maestri und Lorenzo Rota sowie Israel Cycling Academy mit Guy Sagiv und Dennis van Winden sogar doppelt. Neben diesen Vieren sowie Evgeny Kobernyak (Gazprom-RusVelo), Sho Hatsuyama (Nippo-Vini Fantini-Europa Ovini), Charles Planet (Novo Nordisk) und Jacopo Mosca (Wilier Triestina-Selle Italia) war Matteo Bono (UAE Emirates) der einzige WorldTour-Fahrer unter den Ausreißern. Für Bono war es nach 2014, 2015 und 2016 sogar seine vierte Flucht bei Mailand-Sanremo und für Maestri nach 2016 und 2017 immerhin auch schon die dritte in Folge. Auf dem Passo del Turchino in der Mitte der Strecke fiel ihr Vorsprung einmal rasant auf eineinhalb Minuten, stieg wenig später aber schon wieder auf mehr als fünf Minuten an. Dieselben drei Teams, die von Beginn an das Feld angeführt hatten, reduzierten dessen Rückstand aber wieder auf fast zwei Minuten, bevor das Terrain gut 50 Kilometer vor dem Ziel merklich hügeliger wurde.

Ende der langen Flucht kurz vor der Cipressa
51,4 Kilometer, 46,3 Kilometer und 38,4 Kilometer vor dem Ziel bildeten Capo Mele (1,8 km à 3,9%), Capo Cervo (1,3 km à 5,4%) und Capo Berta (2,5 km à 4,4%) die ersten kleineren Hindernisse der zweiten Rennhälfte. Im dritten dieser Anstiege, nachdem der Vorsprung bereits unter eine Minute gefallen war, fuhr Maestri die Spitzengruppe mit einer lang anhaltenden Tempoverschärfung auseinander. Bei ihm blieben nur sein Teamkollege Rota sowie Van Winden und Bono. 30 Sekunden hinter ihnen folgte das große Feld, in dem alle Favoriten noch locker mithielten. Dafür geriet Mailand-Sanremo-Neuling Marcel Kittel (Katusha Alpecin) in den Fokus, der bereits hier einsehen musste, dass dieses Rennen für ihn zu schwer sein würde. Zwar kam der zweimalige Tirreno-Adriatico-Etappensieger später noch einmal heran, aber an der Cipressa fiel er sofort wieder zurück und musste endgültig die Segel streichen. Für die vier verbliebenen Ausreißer endete ihre Zeit im Rampenlicht nach sechseinhalb Stunden 30 Kilometer vor dem Ziel – und drei Kilometer vor dem Cipressa-Anstieg (5,65 km à 4,1%), an dem der „richtige“ Beginn des Rennens erwartet wurde.


Das Profil der letzten 27,1 Kilometer

Überhaupt keine Attacken vor dem Poggio
Angriffe gab es an der Cipressa jedoch überhaupt nicht. Die erste Hälfte des Anstiegs kontrollierte Groupama-FDJ: Ignatas Konovalovas, Matthieu Ladagnous und Jacopo Guarnieri machten das Tempo für ihren Sprinter Arnaud Démare, der selbst direkt hinter ihnen an vierter Position fuhr. Nach einer Weile übernahm das Team Sky das Kommando, konnte aber ebenfalls für keine große Selektion sorgen. Kurz vor Ende des Anstiegs schob sich Groupama-FDJ wieder nach vorne und führte das Rennen dann sicher durch die kurze Abfahrt. Auf dem folgenden, fast zehn Kilometer langen Flachstück halfen andere Teams mit guten Sprintern bei der Führungsarbeit. So kam ein großes Feld mit noch fast hundert Fahrern an den Fuß des Poggio di Sanremo (3,7 km à 3,7%), in den Marcus Burghardt (Bora-Hansgrohe) mit so großem Schwung hineinfuhr, dass er sich rasch ein paar Meter absetzte. Jean-Pierre Drucker (BMC Racing) sprintete aber schnell zu ihm nach vorne und schüttelte den deutschen Meister ab. Bis 7,2 Kilometer vor dem Ziel blieb der Luxemburger Führender – dann kam der entscheidende Moment, weil auf einen Angriff von Krists Neilands (Israel Cycling Academy) eine umgehende Reaktion von Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) erfolgte.

Nibali bringt wenige Meter Vorsprung durch
Dass Neilands nicht lange mit Nibali mithalten konnte, durfte niemanden groß wundern. Doch keiner der vermeintlichen Topfavoriten reagierte auf den Angriff des zweimaligen Il-Lombardia-Gewinners. Den Gipfel des Poggio überquerte Nibali 5,4 Kilometer vor Rennende mit einem Vorsprung von zehn Sekunden, der am Ende der Abfahrt noch immer so groß war. Schwieriger wurde es für den „Hai von Messina“, diesen auf den letzten flachen 2200 Metern zu verteidigen. Matteo Trentin (Mitchelton-Scott), der in der Abfahrt gekontert hatte, schien einmal fast aufschließen zu können, fiel aber wieder ins Feld zurück, das auf dem Schlusskilometer von drei Quick-Step-Fahrern angeführt wurde. Doch Nibali bekamen sie nicht mehr zu fassen. Einen kleinen Vorsprung brachte der Solist durch – gerade genug, um sich kurz vor der Ziellinie noch einmal umzuschauen und die letzten Meter in Jubelpose voll auszukosten. Besonders ärgerlich war dieser Ausgang für Caleb Ewan (Mitchelton-Scott), der den Sprint des Feldes vor Démare und Alexander Kristoff (UAE Emirates) gewann, aber wegen Nibali nur Zweiter wurde. Sagan kam auf den sechsten, Kwiatkowski auf den elften und Viviani als bester Quick-Step-Fahrer auf den neunzehnten Platz.

-> Zum Resultat

Video der Zielankunft






Vincenzo Nibali zieht Poggio-Attacke durch und gewinnt Mailand-Sanremo hauchdünn vor den Sprintern
Vincenzo Nibali zieht Poggio-Attacke durch und gewinnt Mailand-Sanremo hauchdünn vor den Sprintern

Zum Seitenanfang von für Vincenzo Nibali zieht Poggio-Attacke durch und gewinnt Mailand-Sanremo hauchdünn vor den Sprintern



Radsportnews auf Twitter - Radsport, Cycling, Radrennen live