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Viviani bezwungen: Sam Bennett triumphiert im dritten Massensprint des Giro d’Italia
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11.05.2018

Viviani bezwungen: Sam Bennett triumphiert im dritten Massensprint des Giro d’Italia

Info: GIRO D’ITALIA 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Praia a Mare, 11.05.2018 – Die Massensprints des 101. Giro d’Italia drohten angesichts der Dominanz von Quick-Step Floors und Elia Viviani in Israel zu einer One-Man-Show zu werden, doch auf der 7. Etappe zeigte sich, dass der Italiener keineswegs unbezwingbar ist. Es war der Ire Sam Bennett, der den großen Favoriten bezwingen konnte und seinen ersten Grand-Tour-Etappensieg feiern durfte, nachdem er bei diesem Giro schon zweimal Dritter und im vorigen Jahr dreimal Dritter und einmal Zweiter geworden war. Viviani bleibt trotz der Niederlage ein mit 78 Punkten immer noch enorm großer Vorsprung in der Punktewertung.


Das Profil der 7. Etappe des Giro d‘Italia

Tony Martin darf nicht ausreißen
Zwischen der ersten Bergankunft des Giro d’Italia gestern am Ätna und den nächsten beiden am bevorstehenden Wochenende zeigten die Streckenplaner ein Herz für Fahrer, denen das Klettern keine große Freude bereitet, und schoben ein deutlich leichteres Teilstück ein, dessen höchster Punkt sich gerade einmal mickrige 146 Meter über dem Meeresspiegel befand. Am ehesten hätte auf dieser 7. Etappe von Pizzo nach Praia a Mare – der ersten auf dem italienischen Festland – wohl der Wind einen Massensprint verhindern können, doch er blieb still und spielte überhaupt keine Rolle. Vielleicht hätte ein Tony Martin (Katusha Alpecin) den Spielverderber geben können, doch diese Gefahr wendeten Quick-Step Floors und Wilier Triestina-Selle Italia – die beiden Mannschaften, die an diesem Tag am meisten arbeiteten – frühzeitig ab. Der dreimalige Zeitfahrweltmeister war unmittelbar nach dem Start einem Angriff von Markel Irizar (Trek-Segafredo) gefolgt. Ihre Gruppe, zu der sich auch noch Davide Ballerini und Fausto Masnada (beide Androni Giocattoli Sidermec) gesellt hatten, wurde konsequent verfolgt und nach nur sieben Kilometern schon wieder eingeholt.

Wilier Triestina glaubt an Mareczko
Gleich nach der Einholung attackierten Ballerini und Irizar erneut und hatten wahrscheinlich Glück, dass es sich bei dem Fahrer im Katusha-Trikot, der ihnen nachsetzte, diesmal nicht um Martin, sondern um Maxim Belkov handelte. Gegen dieses Trio hatte niemand etwas einzuwenden, so dass sein Vorsprung rasch bis auf viereinhalb Minuten anwuchs. Weiterhin waren es vor allem Quick-Step Floors und Wilier Triestina-Selle Italia, die das Tempo im Feld kontrollierten. Während die einen auf einen dritten Sprintsieg von Elia Viviani hofften, glaubten die anderen offenbar fest daran, dass Jakub Mareczko ihn würde schlagen können. Wohl nur ein solcher Erfolg hätte die Wildcard-Mannschaft über den Verlust von Edoardo Zardini hinwegtrösten können. Der beste Kletterer des Teams war am Vortag Teil der großen Ausreißergruppe, stürzte aber am Fuß des Schlussanstiegs und quälte sich – in der letzten Gruppe umgeben von allen seinen Teamkollegen – mit einem Schlüsselbeinbruch ins Ziel, der für ihn das Giro-Aus bedeutete. Die Arbeit seiner Kameraden zeige Wirkung: noch bevor die Hälfte der 159 Kilometer absolviert war, hatte sich der Rückstand des Feldes auf weniger als zwei Minuten verringert.


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Einziger Hügel zu leicht für Attacken
An den beiden Zwischensprints 62,8 und 25,7 Kilometer vor dem Ziel lag das Feld auch jeweils knapp zwei Minuten hinter den Ausreißern. Die erste Wertung gewann Ballerini vor Belkov, die zweite Belkov vor Ballerini. Im Sprintklassement hat Androni durch Marco Frapporti (41 Punkte) und Ballerini (26) nun eine Doppelführung inne. Vierter wurde an beiden Zwischensprints Elia Viviani, der ohne große Gegenwehr weitere Zähler zur Festigung seiner Führung in der Punktewertung sammeln durfte. Der schwierigste Teil der Strecke folgte zwischen 18,8 und 14,9 Kilometern vor dem Ende: eine 3,9 Kilometer lange Steigung mit durchschnittlich 3,6%. Das reichte, dass die Ausreißer zügig ihre letzte Minute Vorsprung verloren und Belkov sowie Irizar kurz vor und Ballerini etwas später kurz nach der Kuppe eingeholt wurden. Am Ende der Steigung und in der anschließenden Abfahrt gab es zwar einige Angriffe, unter anderem von den Katusha-Fahrern Alex Dowsett und Mads Würtz Schmidt, aber niemand konnte sich länger als ein paar hundert Meter an der Spitze halten. Es kam zum unvermeidbaren Massensprint, in dem Viviani nach seinen Siegen auf den Etappen 2 und 3 selbstverständlich die Favoritenrolle zufiel.

2. Giro-Etappensieg für Bora-Hansgrohe
Quick-Step Floors hielt sich aber lange aus den Positionskämpfen heraus – erst drei Kilometer vor Schluss begannen zwei Teamkollegen, den Mann im Maglia Ciclamino allmählich nach vorne zu bringen. Auch auf der 1900 Meter langen Zielgerade war es zunächst lange das Team LottoNL-Jumbo von Danny van Poppel, welches das Feld anführte. 250 Meter vor dem Ziel trat Sacha Modolo (Education First-Drapac) an und nur 100 Meter später zog Viviani aus seinem Windschatten hervor. Damit schien die Entscheidung schon fast gefallen, doch Sam Bennett, der in den ersten Massensprints jeweils Dritter geworden war, zog noch an ihm vorbei und feierte seinen ersten Saison- und Grand-Tour-Erfolg. Für die deutsche Mannschaft Bora-Hansgrohe war es nach dem Pöstlberger-Coup von 2017 der zweite Giro-Etappensieg. Viviani wurde als Zweiter gefolgt von Niccolò Bonifazio (Bahrain Merida), Modolo, Van Poppel und Mareczko, dessen Wilier-Team im Finale komplett unsichtbar geblieben war. In der Gesamtwertung blieben die Top10 unverändert, aber Carlos Betancur (Movistar) fiel von Rang 11 auf 15 zurück. Der Kolumbianer hatte ganz am Ende des Feldes eine zu große Lücke zu seinem Vordermann gelassen und war deshalb der erste Fahrer, der mit Zeitverlust (23 Sekunden) gewertet wurde.

-> Zum Resultat

Auf der 8. Etappe werden die Sprinter wieder leiden müssen, denn das 209 Kilometer lange Teilstück endet mit einer Bergankunft in Montevergine di Mercogliano (17,1 km à 5,0%, max. 10%).

Video der Zielankunft






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