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Froome tankt Moral mit Sieg am Zoncolan – Yates baut Vorsprung mit weiterem starkem Auftritt aus
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19.05.2018

Froome tankt Moral mit Sieg am Zoncolan – Yates baut Vorsprung mit weiterem starkem Auftritt aus

Info: GIRO D’ITALIA 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Ovaro, 18.05.2018 – Beim 101. Giro d’Italia war Chris Froome bisher weit hinter den Erwartungen geblieben, doch am Monte Zoncolan zeigte der umstrittene Tour- und Vuelta-Gewinner, dass er auch in Italien zu Großem fähig ist. An einem der schwersten Anstiege des Profi-Radsports behauptete sich der Brite knapp vor seinem Landsmann Simon Yates, mit dem er sich eine drei Kilometer lange Verfolgungsjagd geliefert hatte. In der Gesamtwertung profitierten beide von ihrer Überlegenheit gegenüber allen anderen Konkurrenten: Yates baute den Vorsprung zu seinem ersten Verfolger von 47 Sekunden auf 1:24 Minuten aus und Froome machte einen Sprung von Rang zwölf auf fünf.


Das Profil der 14. Etappe des Giro d‘Italia

Der schwerste Schlussanstieg der Rundfahrt wartet
Bergankünfte gibt es beim 101. Giro d’Italia in Hülle und Fülle, aber keine ist so hart wie der legendäre Monte Zoncolan, der am Ende der 14. Etappe die noch 166 Fahrer erwartete, welche sich in San Vito al Tagliamento zum Start der 186 Kilometer versammelt hatten. Durch Tom Scully (Education First-Drapac) und Tim Wellens (Lotto-Fix All), der von einer Bronchitis heimgesucht wurde, erhöhte sich die Zahl der seit dem Grande Partenza in Israel ausgeschiedenen Fahrer auf die immer noch ausgesprochen niedrige Zahl von zehn. Vor dem Schlussanstieg gab es noch vier weitere Bergwertungen und es dauerte bis zum ersten dieser Hügel, bis sich eine Ausreißergruppe absetzen konnte. Nach gut 40 Kilometern fuhren am Monte di Ragogna Valerio Conti (UAE Emirates), Mads Pedersen (Trek-Segafredo), Francesco Gavazzi (Androni Giocattoli Sidermec) und Enrico Barbin (Bardiani CSF) davon, in der Abfahrt schlossen zudem Jacopo Mosca (Wilier Triestina-Selle Italia), Matteo Montaguti (Ag2r La Mondiale) und Laurent Didier (Trek-Segafredo) auf. Viel ausrichten konnte diese Gruppe allerdings nicht, in den diversen Sonderwertungen war ein Sprung an die Spitze für keinen dieser Fahrer möglich.

Früher Zoncolan-Sieger Anton hat einen kleinen Auftritt
Der Vorsprung der sieben Ausreißer erreichte sein Maximum von 6:20 Minuten gut 50 Kilometer vor dem Ziel. Es folgten zwei Anstiege, die sowohl dem Vorsprung als auch der Größe der Fluchtgruppe nicht gut taten. Am Passo Duron (4,4 km à 9,6%) fielen Pedersen und Mosca zurück und am Sella Valcalda (7,6 km à 5,6%) verblieben ganz vorne nur noch Conti und Barbin. Mit einer halben Minute Vorsprung auf Montaguti und Didier sowie einer Minute auf das Hauptfeld begann 10,1 Kilometer vor dem Etappenende für sie dann der im Schnitt 11,9% steile Monte Zoncolan, der nach 2007, 2010, 2011 und 2014 zum fünften Mal die Giro-Teilnehmer quälte. Einer der früheren Sieger, der vor sieben Jahren erfolgreiche Igor Anton (Dimension Data), wusste sehr wohl, dass er auf diesem „Monsterberg“ nicht noch einmal triumphieren würde, fuhr mit einem frühen Angriff aber trotzdem für kurze Zeit ins Rampenlicht. Der Spanier holte nach einer Weile den Führenden Conti ein und gemeinsam blieben sie bis 6,5 Kilometer vor dem Ziel an der Spitze des Rennens.


Das Profil des Monte Zoncolan

Das Duo Poels/Froome dominiert am Schlussanstieg
Nach etwa drei Kilometern am Monte Zoncolan hatten sich die beiden Sky-Fahrer Wout Poels und Chris Froome vor das schnell schrumpfende Hauptfeld gespannt und wirkten zum ersten Mal bei diesem Giro so stark wie man dieses Team sonst von zahlreichen anderen Rundfahrten kennt. Ihr Tempodiktat forderte recht früh einige prominente Opfer wie den italienischen Meister Fabio Aru (UAE Emirates) und den Träger des Nachwuchstrikots Richard Carapaz (Movistar). Nach der Hälfte des Anstiegs hatten Poels und Froome lediglich noch sechs Fahrer im Schlepptau: Die Top4 der Gesamtwertung Simon Yates (Mitchelton-Scott), Tom Dumoulin (Sunweb), Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) und Domenico Pozzovivo (Bahrain Merida) sowie Miguel Angel Lopez (Astana) und Pinots Schweizer Teamkollegen Sébastien Reichenbach. Diese Konstellation hielt bis Kilometer 4,3 vor dem Ziel an – und dann attackierte Froome. Pozzovivo und Yates reagierten schnell und schienen erst mitgehen zu können, mussten den Angreifer dann aber doch ziehen lassen, während Lopez von hinten zu ihnen aufschloss. Dahinter fuhr Dumoulin mit Pinot am Hinterrad unbeirrt sein eigenes Tempo; die Helfer Poels und Reichenbach konnte ihre Kapitäne nun nicht mehr unterstützen.

Froome hält sich mit viel Mühe Verfolger Yates vom Leib
Drei Kilometer vor dem Ende schüttelte Yates seine Begleiter Pozzovivo und Lopez mit einer Tempoverschärfung ab und setzte die Jagd auf Froome alleine fort. Der Abstand zwischen den beiden Briten blieb zunächst weiter konstant bei etwa zehn bis zwölf Sekunden, bis er dann doch ganz langsam kleiner wurde. Yates sorgte bis zum Schluss für große Spannung, doch Froome verteidigte letztlich einen Vorsprung von sechs Sekunden und feierte – nach bislang sieben Etappensiegen bei der Tour und fünf bei der Vuelta – den ersten Giro-Etappensieg seiner Karriere. Pozzovivo und Lopez folgten mit 23 und 25 Sekunden Rückstand, Dumoulin und Pinot mit 37 und 42. Sie waren die letzten Fahrer, die weniger als eine Minute nach dem Sieger das Ziel erreichten. Nach 1:07 Minute bzw. 1:19 Minute folgten die Helfer Poels und Reichenbach, die sich von niemandem mehr hatten überholen lassen und mit den Plätzen sieben und acht hervorragende Ergebnisse erzielten. Komplettiert wurden die Top10 des Tages durch Pello Bilbao (Astana/+1:35) und Michael Woods (Education First-Drapac/+1:43); Elfter wurde der Österreicher Patrick Konrad (Bora-Hansgrohe/+1:48).

Die Gewinner und Verlierer der Zoncolan-Etappe
Auch wenn es mit einem dritten Sieg im Laufe dieses Giro nicht ganz klappen wollte – Simon Yates bewies am Zoncolan einmal mehr, dass er ein absolut würdiger Träger des Rosa Trikots ist. Seinen Vorsprung gegenüber dem Zweitplatzierten Dumoulin vergrößerte er von 47 Sekunden auf 1:24 Minute. Der Giro-Gewinner des Vorjahres darf mit seiner Performance dennoch ebenfalls zufrieden sein, und kann mit seiner Zeitfahrstärke als Trumpfkarte weiter auf die Titelverteidigung hoffen. Zwar hat sich auch für Pozzovivo (+1:37) der Rückstand auf Platz eins vergrößert, aber er konnte immerhin Pinot (+1:46) von Rang drei verdrängen. Froome machte einen riesigen Satz vom zwölften auf den fünften Platz, liegt aber immer noch mehr als drei Minuten hinter Yates und rund eineinhalb Minuten vom Podium entfernt. Einen ersten Rückschlag erlebte der bisher so konstante Richard Carapaz (Movistar), der exakt zwei Minuten hinter Froome nur 13. geworden war. Er rutschte gesamt von Position fünf auf sieben ab und musste das Weiße Trikot an den nun 14 Sekunden besseren Lopez abgeben. Einen Führungswechsel gab es auch in der Mannschaftswertung: Mitchelton-Scott wurde durch das Team Sky abgelöst.

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Die 15. Etappe ist eine weitere schwere Bergetappe, die dennoch einen ganz anderen Charakter aufweist. Mit zwei Bergen der 2. Kategorie auf den letzten 40 Kilometern und einer ebenfalls ansteigenden Zielankunft könnte sie Ausreißern sehr entgegenkommen.

Video der Zielankunft






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