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Maximilian Schachmann triumphiert als Ausreißer bei Giro-Bergankunft – Yates zeigt erstmals Schwäche
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24.05.2018

Maximilian Schachmann triumphiert als Ausreißer bei Giro-Bergankunft – Yates zeigt erstmals Schwäche

Info: GIRO D’ITALIA 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Pratonevoso, 24.05.2018 – Am vorigen Wochenende kämpfte Maximilian Schachmann am Zoncolan und auf der Folgetappe nach Sappada mit Atemwegsproblemen, fiel in der Gesamtwertung von Rang 17 auf 27 zurück. Doch auf der 18. Etappe zeigte sich der 24-Jährige bestens erholt und sorgte bei der Bergankunft in Pratonevoso für den ersten deutschen Etappensieg beim 101. Giro d’Italia, kletterte zudem wieder auf Rang 20 hoch. Die Favoriten hatten einer Ausreißergruppe den Kampf um den Tagessieg überlassen, kreuzten am Ende aber ebenfalls noch die Klingen. Während Miguel Angel Lopez seinen Vorsprung in der Nachwuchswertung mehr als verdoppeln konnte, halbierte sich der Vorsprung des Gesamtführenden Simon Yates auf seinen Hauptkonkurrenten Tom Dumoulin.


Das Profil der 18. Etappe des Giro d‘Italia

Riesiger Vorsprung für die Ausreißergruppe
Zwischen der enorm kräftezehrenden Etappe des Vortags, die mit einem Stundenmittel von 46,5 km/h absolviert worden war, und der Königsetappe über den Colle delle Finestre lag ein mit 196 Kilometern sehr langes Teilstück, das jedoch erst mit dem Schlussanstieg nach Pratonevoso (13,9 km à 6,9%) interessant werden sollte. Die Mühe, bis dorthin Ausreißer unter Kontrolle zu halten, wollte sich keine Mannschaft machen und so gab es eine Freifahrtschein für ein Dutzend glückliche Fahrer, die den Sprung in die Spitzengruppe des Tages schafften. Am Anfang waren es nur zehn gewesen: Davide Ballerini und Mattia Cattaneo (Androni Giocattoli Sidermec), Giuseppe Fonzi und Alex Turrin (Wilier Triestina-Selle Italia), Ruben Plaza (Israel Cycling Academy), Viacheslav Kuznetsov (Katusha Alpecin), Jos van Emden (Team LottoNL-Jumbo), Boy van Poppel (Trek-Segafredo), Marco Marcato (UAE Emirates) und Christoph Pfingsten (Bora-Hansgrohe). Bei Kilometer 22 schafften zwei Nachzügler noch den Anschluss: Michael Mørkøv und Maximilian Schachmann (beide Quick-Step Floors). Erst dann stieg der Vorsprung in bisher bei diesem Giro noch nie dagewesene Dimensionen: den Schlussanstieg nahmen sie mit einer Viertelstunde Vorsprung in Angriff!

Schachmann am Ende eindeutig der Stärkste
An der 20-Kilometer-Marke setzte Van Poppel sich etwas überraschend aus der Gruppe ab, doch kurz nach Beginn des Schlussanstiegs wurde er von den Anderen eingeholt und durchgereicht. Auch Fonzi fiel schnell zurück und sie beide wurden als einzige Ausreißer später noch von den Favoriten überholt. Nach knapp der Hälfte des Berges waren dann gar nur noch vier Fahrer vorne: der Spanier Plaza, der Italiener Cattaneo sowie die beiden Deutschen Schachmann und Pfingsten. Pfingsten und Plaza verloren bald darauf den Kontakt zu Schachmann und Cattaneo, blieben aber nicht weit hinter ihnen und hatten mehrfach fast wieder aufschließen können, ehe die Lücke durch eine Tempoverschärfung der Führenden doch wieder größer wurde. Während Pfingsten daran irgendwann zerbrach, konnte Plaza an der Flamme Rouge tatsächlich wieder aufschließen, so dass es einen Dreikampf um den Sieg gab. Diesen entschied Schachmann dann aber mit einem starken Antritt 700 Meter vor dem Ziel souverän für sich, nahm Plaza noch 10 und Cattaneo 16 Sekunden ab – nach dem Ausreißercoup in Katalonien sein zweiter Prof-Sieg und ein noch größerer Erfolg als die fünf Tage im Weißen Trikot zu Beginn des Giro. Pfingsten traf 1:10 Minute nach seinem Landsmann als Vierter ein.


Das Profil des Schlussanstiegs

Lopez setzt ein Zeichen im Kampf um Weiß
Aus dem Hauptfeld gab es etwa sechs Kilometer vor dem Ziel durch Pello Bilbao (Astana) die erste Attacke. Wout Poels (Sky) und Ben O’Connor (Dimension Data) schlossen sich dem Achten der Gesamtwertung an, wobei aus diesem Trio bald schon nur noch Poels verblieb, der noch sehr lange vorausfuhr. Richtig ernst wurde es dann vier Kilometer vor Schluss – als die ersten Ausreißer gerade das Ziel erreicht hatten – mit einer Attacke von Richard Carapaz (Movistar), der in der Nachwuchswertung nur 30 Sekunden hinter Miguel Angel Lopez (Astana) lag. Und genau dieser Lopez konterte mit einer Urgewalt, zog vorbei an seinem Konkurrenten und war auf und davon. Der Kolumbianer holte bald auch Poels ein, den er nach kurzer Zeit ebenfalls abschüttelte. Noch viel Wichtigeres ereignete sich auf dem vorletzten Kilometer: Der Gesamtzweite Tom Dumoulin (Sunweb) attackierte, wurde aber den Träger des Rosa Trikots Simon Yates (Mitchelton-Scott) und den Gesamtdritten Domenico Pozzovivo (AG2R La Mondiale) nicht los. Als einige andere Fahrer wieder an die Top3 des Giro herankamen, griff umgehend Chris Froome (Sky) an. Während Pozzovivo und Dumoulin dem Vorstoß des Briten problemlos folgen konnte, kam ausgerechnet Yates nun nicht mehr hinterher.

Abstand zwischen Yates und Dumoulin halbiert
Lopez, der von all dem, was hinter ihm passierte, nichts mitbekam, erreichte das Ziel als erster Nicht-Ausreißer 10:48 Minuten nach Etappensieger Schachmann. Pozzovivo, Dumoulin und Froome, die auf dem letzten Kilometer noch Hilfe von Poels bekommen hatten, folgten nur 15 Sekunden später. Weitere 20 Sekunden dahinter befanden sich der Österreicher Patrick Konrad (Bora-Hansgrohe), der sich von Gesamtrang elf auf zehn verbesserte, Bilbao und Carapaz. Die nächste Gruppe mit Yates, seinem Helfer Mikel Nieve und Davide Formolo (Bora-Hansgrohe) verlor 43 Sekunden auf Lopez – 28 auf die Dumoulin-Gruppe. Der Giro-Spitzenreiter verlor also fast eine halbe Minute auf seine drei Verfolger: Dumoulin liegt damit nur noch 28 Sekunden zurück, Pozzovivo 2:43 Minuten und Froome 3:22 Minuten. Thibaut Pinot (Groupama-FDJ), der gemeinsam mit Teamkollege Sébastien Reichenbach noch knapp hinter der Yates-Gruppe gefinisht hatte, bleibt Fünfter. Lopez machte eine Position gut, ist nun Sechster und – was ihm vielleicht noch wichtiger ist – konnte seinen Vorsprung gegenüber Nachwuchs-Kontrahent Carapaz von 30 Sekunden auf 1:05 Minute ausbauen. Und in noch einer anderen Sonderwertung hat sich der Abstand zwischen Platz eins und zwei stark vergrößert: Ballerini gewann unterwegs beide Zwischensprints und führt im Sprintklassement jetzt 21 Punkte vor seinem Teamkollegen Frapporti.

-> Zum Resultat

Die 19. Etappe dürfte wohl die härteste dieser Italien-Rundfahrt sein. Nachdem es zu Beginn fast 50 km nur bergauf geht, folgt der legendäre Anstieg zum Colle delle Finestre. Danach bleiben noch immer mehr als 70 km mit einem weiteren langen Anstieg nach Sestriere und der Bergankunft in Bardonecchia.

Video der Zielankunft






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