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2. Tour-Etappensieg in Folge für Groenewegen – Greipel und Gaviria mit zu viel Kopfeinsatz
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14.07.2018

2. Tour-Etappensieg in Folge für Groenewegen – Greipel und Gaviria mit zu viel Kopfeinsatz

Info: TOUR DE FRANCE 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Amiens, 14.07.2018 – Wirklich französisch geprägt war der Radsport am heutigen Nationalfeiertag nur beim Downhill-Weltcup in Andorra. Bei der Tour de France spielten Fahrer aus anderen Ländern die Hauptrollen. Der Niederländer Dylan Groenewegen bewies, dass sein gestriger Erfolg kein Zufallsprodukt war und feierte auf der 8. Etappe seinen zweiten Sieg in Folge. Der Deutsche André Greipel und der Kolumbianer Fernando Gaviria, die Zweiter und Dritter geworden waren, wurden von der Jury nachträglich ans Ende des Feldes relegiert, während die Stimmung im Team Katusha Alpecin um den letztjährigen fünffachen Etappensieger Marcel Kittel auf einem Tiefpunkt angelangt zu sein scheint.


Das Profil der 8. Etappe der Tour de France

Eine Flachetappe am Nationalfeiertag
Es war französischer Nationalfeiertag, doch wirkliche Chancen, sich in Szene zu setzen, bekamen die heimischen Fahrer auf der 8. Etappe der Tour de France nicht. Der „14 juillet“ war in den letzten Jahren stets den Kletterern vorbehalten gewesen, nicht nur 2017, als auf einer knackigen Pyrenäen-Etappe mit drei Bergen und Abfahrten Warren Barguil seiner Nation den ersten Sieg eines Franzosen an diesem speziellen Datum seit zwölf Jahren bescherte. Zuvor hatte es viermal in Folge Bergankünfte gegeben, 2013 und 2016 am Mont Ventoux, 2014 in La Planche des Belles Filles und 2015 in La Pierre-Saint-Martin. Für die letzte Sprintentscheidung an einem 14. Juli muss man bis ins Jahr 2012 zurückgehen, als André Greipel vor Peter Sagan und Edvald Boasson Hagen siegte und Sébastien Hinault als bester Franzose Vierter wurde. Weitere drei Jahre davor, 2009, hatte es einen Massensprint mit dem Sieger Mark Cavendish gegeben, in welchem Lloyd Mondory als Sechster für das beste französische Resultat gesorgt hatte. Für wenigstens ein gutes Ergebnis durften die französischen Fans heute am ehesten noch auf Arnaud Démare (Groupama-FDJ) und Christophe Laporte (Cofidis) hoffen, die in den bisherigen Massensprints einmal Dritter und einmal Vierter (Démare) bzw. zweimal Fünfter (Laporte) geworden waren.


Etappenvorschau zum Nachlesen:
Ein Sprint am französischen Nationalfeiertag


Greipel und Gaviria für Kopfstöße bestraft
Am Ende wurde Démare in Amiens dann tatsächlich der bestplatzierte Franzose. Direkt vor Thomas Boudat (Direct Energie) überquerte er die Ziellinie als siebter Fahrer – und wurde letztlich als Fünfter gewertet. Den Sprint entschied, und daran gab es nichts zu rütteln, der bereits auf der vorherigen Etappe erfolgreiche Dylan Groenewegen (LottoNL-Jumbo) für sich, der mit der höchsten Endgeschwindigkeit auf den letzten hundert Metern von vierter Position an die Spitze spurtete und André Greipel (Lotto Soudal) sowie Fernando Gaviria (Quick-Step Floors) gut eine Radlänge hinter sich ließ. Peter Sagan (Bora-Hansgrohe), der seinen Endspurt sehr früh 300 Meter vor der Ziellinie eröffnet hatte, wurde noch auf Platz vier durchgereicht. Doch dann schritt die Jury ein! Greipel und Gaviria wurden für Kopfstöße auf dem letzten Kilometer ans Ende des Feldes versetzt: Der Deutsche hatte kurz nach der Flamme Rouge seinen Landsmann Nikias Arndt (Sunweb) weggedrängt (siehe Video unten bei 0:10) und Gaviria 250 Meter vor Schluss versucht, sich gegen Greipel unerlaubt Platz zu verschaffen (siehe Video unten bei 0:47). Sagan rückte also von Platz vier auf zwei vor und zieht in der Punktewertung noch weiter davon – aus 31 Punkten Vorsprung auf Gaviria wurden 63. Außerdem verlor Quick-Step Floors den Sieg in der Mannschaftswertung der Etappe an Wanty-Groupe Gobert.

Massensturz kostet Daniel Martin viel Zeit
Von der Zurücksetzung Greipels und Gavirias profitierte auch John Degenkolb (Trek-Segafredo), der als bester Deutscher Etappendritter wurde. Arndt sprintete als Siebter erstmals bei dieser Tour in die Top10. Für Marcel Kittel (Katusha Alpecin) sprang derweil nur ein wieder mal enttäuschender 15. Platz heraus, wobei es um den 30-Jährigen noch ganz andere Schlagzeilen gab. Katusha-Sportdirektor Dimitri Konyshev warf seinem Starfahrer in der Sportzeitung „l’Equipe“ Egoismus vor und untermauerte diesen Vorwurf mit einer Anekdote vom Tag des Mannschaftszeitfahrens: Kittel habe „während der Teambesprechung mit seinem Handy herumgespielt. Das hat mir zu verstehen gegeben, dass ich ihn nicht interessiere.“ Und was wurde eigentlich aus Laporte? Der zweite Franzose, der zum erweiterten Kreis der Topsprinter zu zählen ist, wurde 18 Kilometer vor dem Ziel aus seinen Nationalfeiertags-Träumen gerissen, als ein Massensturz nicht nur ihn, sondern beispielsweise auch Rick Zabel und Timo Roosen, die wichtigsten Anfahrer von Kittel und Groenewegen, vom Hauptfeld trennte. Betroffen war ebenfalls der Etappensieger von Mûr-de-Bretagne und letztjährige Tour-Sechste Daniel Martin (UAE Emirates), der sich einen Zeitverlust von 1:16 Minute einhandelte. Greg Van Avermaet (BMC Racing), kam ohne Zwischenfälle ins Ziel und geht morgen in seinen sechsten Tag im Gelben Trikot.


Cofis Cycling Cosmos – Tour Spezial: die Franzosen bei der Tour

Grellier war auffälligster Franzose des Tages
Für die lustigste Szene des Tages hatte der ehemalige deutsche Meister Marcus Burghardt (Bora-Hansgrohe) gesorgt, der auf den ersten fünf Kilometern 40 Sekunden Vorsprung auf das Peloton herausfuhr, dann allerdings anhielt, am Straßenrand wartete und seinen verdutzten Kollegen fröhlich zuwinkte, als diese an ihm vorbeifuhren (siehe zweites Video unten). Erst nach 22 der 181 Kilometer begann eine richtige Flucht, an der mit Fabien Grellier (Direct Energie) wenigstens ein Franzose beteiligt war. Seine Begleiter kamen aus den Niederlanden: Marco Minnaard (Wanty-Groupe Gobert) und für kurze Zeit Laurens ten Dam (Sunweb), der sich bald wieder zurückfallen ließ, obwohl der Vorsprung der Gruppe rasch auf gut sechs Minuten angewachsen war. Grellier setzte sich gegen Minnaard am Zwischensprint in einem Fotofinish durch und wurde letztlich vier Kilometer später eingeholt als sein Mitstreiter, so dass er sich die Auszeichnung zum kämpferischsten Fahrer der Etappe verdiente. Sechs Kilometer vor dem Ziel war es zur Einholung des 23-Jährigen gekommen. Philippe Gilbert (Quick-Step Floors) versuchte dann noch in einer schwierigen Kurvenkombination direkt hinter der Drei-Kilometer-Marke wegzukommen, aber Dimension Data und Lotto Soudal holten den Angreifer wieder zurück und stellten die Entscheidung im Massensprint sicher.

-> Zum Resultat

Mit dem nächsten Massensprint darf erst wieder auf der 13. Etappe gerechnet werden. Bevor es aber nächste Woche in die Alpen geht, steht erst noch die mit Spannung erwartete 9. Etappe an, die morgen über 15 Kopfsteinpflaster-Sektoren führt.

Video der Zielankunft


Burghardt applaudiert dem Feld






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