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Kerschbaumer bezwingt Schurter in Andorra – Dahle (45) holt 30. Weltcup-Sieg
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15.07.2018

Kerschbaumer bezwingt Schurter in Andorra – Dahle (45) holt 30. Weltcup-Sieg

Info: MTB: WELTCUP VALLNORD 2018
Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)



Vallnord, 15.07.2018 - Mit 45 Jahren hat Gunn Rita Dahle-Flesjaa heute im Skigebiet Vallnord, Andorra ihren 30. Cross-Country-Weltcupsieg gefeiert und damit sowohl, was die Anzahl der Siege wie was das Alter zum Zeitpunkt des Siegs angeht, einen neuen Rekord aufgestellt. Die norwegische Meisterin setzte sich mit 25 Sekunden Vorsprung auf Weltmeisterin Jolanda Neff durch, welche gleichwohl die Weltcup-Führung ausbauen konnte, da Annika Langvad einen schlechten Tag erwischte. Bei den Männern realisierte der Südtiroler Gerhard Kerschbaumer eben jene Sensation, die er im Val di Sole vor einer Woche noch knapp verpasst hatte. Er zwang Olympiasieger Nino Schurter in die Knie und triumphierte mit 1:13 Minuten Vorsprung.

Verzichte auf Short Rack Race zahlt sich aus
Knochentrocken, steinig, wurzlig und dadurch technisch anspruchsvoll, so konnte man den XCO-Parcours im Skigebiet Vallnord mitten in den Pyrenäen beschreiben. Wie geschaffen also für Weltmeisterin Jolanda Neff (Kross Racing Team), die erst einmal einen Traumstart hinlegte und sich leicht absetzen konnte. Im Verlauf der ersten von sechs Runden - es gab nicht wie sonst eine Start Loop - stellten mehrere Fahrerinnen den Anschluss her. Als ärgste Konkurrentin für Neff am heutigen Tag erwies sich Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (Merida), die auf das Short Track Race am vergangenen Freitag verzichtet hatte und daher vielleicht etwas frischer war als andere. In der dritten Runde setzte die Schweizerin sich ab, Dahle-Flesjaa saß ihr aber weiterhin im Nacken. In der vierten Runde war sie wieder dran, ging als Führende in die vorletzte Runde und baute ihren Vorsprung stetig aus. Eine halbe Minute trennten sie bei der letzten Zielpassage von Neff, die es, genau wie im Val di Sole, nun auf einmal auch mit Emily Batty (Trek Factory Racing XC) zu tun bekam.

Brandau nach fantastischer Aufholjagd Zehnte
Die kanadische Meisterin hatte auf der 2. Runde einen Kettenabwurf zu beklagen und musste Maja Wloszczowska (Kross Racing) sowie Anne Tauber (CST Sandd American Eagle), die unmittelbaren Verfolgerinnen von Dahle-Flesjaa und Neff, erst einmal wieder einholen. Am Ende setzte sie sich von den beiden ab und kam wie gesagt auch Neff bedrohlich nahe, aber anders als vor einer Woche brachte die ihren zweiten Platz ins Ziel. Dort reichte die Kraft gerade noch aus, um Dahle zu umarmen, dann sackte die Weltmeisterin in sich zusammen. Batty wurde mit 47 Sekunden Rückstand Dritte, Tauber stach Wloszczowska, die Siegerin von Val di Sole, im Kampf um Platz vier aus. Beste Deutsche war Elisabeth Brandau, die wieder einmal eine ihrer mittlerweile berühmten Aufholjagden hinlegte und Zehnte wurde.

Alters- und Siegesrekord gebrochen
Annika Langvad (Specialized Racing) erwischte einen schlechten Tag oder kam vielleicht mit der dünnen Luft in 1900 Metern Höhe einfach nicht zurecht. Jedenfalls wurde die Dänin nur Achte, wodurch sich Jolanda Neffs Vorsprung im Gesamtweltcup auf 117 Punkte erhöht hat. Alessandra Keller (Thömus-RN), die nach ihrem Sieg dem Short Track Race zwischenzeitlich Gesamtdritte gewesen war, konnte heute ebenfalls nicht überzeugen und fiel auf den sechsten Gesamtrang.
Für Dahle-Flesjaa, 45 Jahre und fünf Monate alt und Mutter eines neunjährigen Sohnes, war es der 30. Weltcup-Sieg ihrer Karriere. Sie brach damit zwei eigene Rekorde. 2015 hatte sie als bislang älteste Fahrerin einen Weltcup (Lenzerheide) gewonnen und zugleich Juli Furtados Marke von 28 Siegen überboten.

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8 Runden in der dünnen Höhenluft
Den Männern brummte die Jury ganze acht Runden auf, was ein recht langes Rennen (Siegerzeit 1:32) zur Folge hatte. Ähnlich wie seine Landsmännin Jolanda Neff packte Nino Schurter (Scott-SRAM MTB Racing) einen Blitzstart aus. Aber auch er blieb nicht alleine, ganz im Gegenteil. Mit Gerhard Kerschbaumer (Torpado-Gabogas) holte ihn bereits auf der 1. Runde genau der Mann ein, welcher den Weltmeister schon im Val di Sole stark unter Druck gesetzt hatte. Hinter dem Spitzenduo etablierte sich genau wie bei den Frauen eine Dreiergruppe, bestehend aus dem Franzosen Jordan Sarrou (KMC-Ekoi-SR Suntour), dem Niederländer Mathieu van der Poel (Corendon-Circus) und dem Brasilianer Henrique Avancini (Cannondale Factory Racing XC), der am Freitag im Short Track Race triumphiert hatte.

Historischer Sieg und Durchbruch für Kerschbaumer
Ab der vierten Runde erhöhte Kerschbaumer vorne immer wieder das Tempo und in der sechsten Runde zeigte Schurter plötzlich etwas, das man von ihm gar nicht kennt: Schwäche. Der 26-jährige Italiener kam immer weiter vom Weltmeister weg, zunächst waren es 15 Sekunden, dann 30, im Ziel dann weit über eine Minute. Vermutlich gab Schurter am Ende auch nicht mehr alles, denn von hinten wurde er nicht bedrängt und Platz zwei reichte ihm locker, um die Weltcup-Gesamtführung zu untermauern. Kerschbaumer, der im Val di Sole Zweiter und vorgestern im Short Track Dritter gewesen war, feierte den ersten Weltcup-Sieg eines Italieners seit 13 Jahren. 9 Jahre nach seinem WM-Titel bei den Junioren und 5 Jahre nach der Goldmedaille bei der U23-WM war es auch so etwas wie ein Durchbruch für den Südtiroler, der bei der Elite zuvor nie an die früheren Leistungen anknüpfen konnte.

Manuel Fumic Pechvogel des Tages
Mathieu van der Poel, der Avancini und Sarrou in der 5. Runde stehengelassen hatte, wurde mit 2:06 Minuten Rückstand Dritter. Platz vier ging an den Brasilianer, der Sarrou kurz vor dem Ziel mit einem Angriff überraschte. Mit Luca Braidot (Centro Sportivo Carabinieri) kam ein weiterer Italiener unter die Top6, gefolgt von Europameister Florian Vogel (Focus XC), der seine Nominierung für die Heim-WM in Lenzerheide allerdings zuvor schon in der Tasche gehabt hatte. Einen Deutschen suchte man unter den ersten Finishern vergebens; Landesmeister Manuel Fumic (Cannondale) hatte großes Pech und musste mit einem totalen Schaltwerksdefekt bereits in der Anfangsphase aufgeben. In der Weltcup-Gesamtwertung liegt Schurter jetzt 325 Punkte vor Van der Poel und 544 Punkte vor Avancini.

-> Zum Resultat Männer Elite





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