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Sky-Doppelführung nach der ersten Bergankunft der Tour – Thomas holt Etappensieg und Gelb
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18.07.2018

Sky-Doppelführung nach der ersten Bergankunft der Tour – Thomas holt Etappensieg und Gelb

Info: TOUR DE FRANCE 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



La Rosière, 18.07.2018 – Business as usual am Tag der ersten Bergankunft der 105. Tour de France, wie so oft in den letzten Jahren zementierte das Team Sky seine Vormachtstellung gleich bei der ersten großen Gelegenheit. Chris Froome wusste durchaus zu beeindrucken und spielte dennoch nur die zweite Geige, da stattdessen sein Teamkollege Geraint Thomas mit einem stark herausgefahrenen Etappensieg und einer soliden Führung in der Gesamtwertung seine eigenen Ambitionen untermauerte. Alejandro Valverde und Tom Dumoulin konnten mit frühen Angriffen gegen die Sky-Übermacht nichts ausrichten, unter der besonders auch der spät eingeholt Ausreißer Mikel Nieve zu leiden hatte.


Das Profil der 11. Etappe der Tour de France

Duell ums Bergtrikot: Alaphilippe gegen Barguil
Inspiriert durch Alaphilippes Sieg in Le Grand-Bornand gab es auch auf dem zweiten alpinen Teilstück der Tour de France vom Start weg überaus viele Fahrer, die sich auf die Flucht begeben wollten. Am Zwischensprint nach 11,5 von 108,5 Kilometern, als von den total 4000 Höhenmetern dieser 11. Etappe noch kaum etwas absolviert worden war, lagen fünf Mann an der Spitze des Rennens und weitere Gruppen, eine mit fast 30 und einem mit einem Dutzend Fahrern, vor dem Hauptfeld. Ganz vorne war – natürlich – Peter Sagan (Bora-Hansgrohe) mit dabei, der es aber nur darauf abgesehen hatte, seinen Vorsprung in der Punktewertung von unaufholbar auf unaufholbarer zu vergrößern. Die lange Steigung Montée de Bisanne (12,4 km à 8,2%) sorgte dann allmählich für eine etwas geordnetere Rennsituation und spülte den Mann in Grün rasch wieder zurück ins Peloton. Etwa 20 Mann überquerten den ersten HC-Berg des Tages sechs Minuten vor dem Hauptfeld. Im Sprint um den Bergwertungssieg ließ Bergtrikotträger Julian Alaphilippe (Quick-Step Floor) dem Vorjahressieger Warren Barguil (Trek-Segafredo) keine Chance und sicherte sich mit den dort erkämpften Punkten (mindestens) einen weiteren Tag im „maillot blanc à pois rouges“.

Fortuneo-Oscaro dominiert in der Spitzengruppe
Als nächstes folgte ein weiterer HC-Anstieg zum Col du Pré (12,6 km à 7,7%), wo Barguils Teamkollegen Elie Gesbert und Amaël Moinard ein Tempo anschlugen, welches Alaphilippe nach einiger Zeit nicht mehr mitgehen konnte, so dass die Punkte von der Montée de Bisanne für ihn die einzigen blieben. Auf dem Col du Pré wie auch an der Kategorie 2 auf dem Cormet de Roselend (5,7 km à 6,5%), einer Steigung, die praktisch direkt fast ohne Abfahrt folgte, holte Barguil jeweils die Höchstpunktzahl, liegt im Bergranking aber trotzdem noch 21 Zähler hinter Alaphilippe. Nach einem Sturz des Schweizers Mathias Frank (BMC Racing) in der dann folgenden längeren Abfahrt blieben noch zwölf Ausreißer übrig, die sich kurz vor Erreichen des Tals in zwei Gruppen teilten: In Führung lagen die Fortuneo-Fahrer Barguil und Moinard sowie Mikel Nieve (Mitchelton-Scott), Damiano Caruso (BMC Racing) und Michael Valgren (Astana) – dagegen starteten Gesbert, Darwin Atapuma (UAE Emirates), Tanel Kangert (Astana), Serge Pauwels (Dimension Data), Guillaume Martin (Wanty-Groupe Gobert) und das Cofidis-Duo Jesús Herrada und Daniel Navarro mit einer halben Minute Rückstand in den Schlussanstieg.


Etappenvorschau zum Nachlesen:
Der Tag der ersten Bergankunft


Valverde und Dumoulin wagen frühe Angriffe
Den Schlussanstieg nach La Rosière (17,6 km à 5,8%) nahm das vom Team Sky angeführte Hauptfeld mit einem Rückstand von 3:20 Minuten in Angriff – doch längst waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr alle Favoriten beisammen. Bauke Mollema (Trek-Segafredo) und Rigoberto Uran (Education First-Drapac) hatten schon im Anstieg zum Col du Pré den Anschluss verloren – ebenso wie Greg Van Avermaet (BMC Racing), für den der achte Tag im Gelben Trikot erwartungsgemäß der letzte war. Aber es hatten sich auch Mitfavoriten nach vorne abgesetzt! Fünf Kilometer vor dem Gipfel des Col du Pré hatte Alejandro Valverde (Movistar) attackiert und bald schon Unterstützung durch seinen Teamkollegen Marc Soler erhalten, der bis dahin zur Spitzengruppe gehört hatte. Als sie auf dem Weg zum Cormet de Roselend zwischenzeitlich zwei Minuten herausgefahren hatten, schaltete sich Bahrain Merida ein und brachte das Feld wieder näher an die beiden Spanier heran, die am Fuße des Schlussanstiegs nur noch 50 Sekunden Vorsprung hatten. Zwischen diesen beiden und dem Feld lagen zudem Tom Dumoulin (Sunweb) und sein Teamkollege Søren Kragh Andersen, die erst kurz zuvor in der Abfahrt in die Offensive gegangen waren.

Sky mannschaftlich eine absolute Übermacht
Die beiden Sunwebs schlossen am finalen Berg rasch zu den beiden Movistars auf, wobei die jeweiligen Helfer dann nicht mehr lange helfen konnten und Dumoulin und Valverde auch nur bis etwa zehn Kilometer vor dem Ziel zusammenblieben, weil dann den Spanier seine Kräfte verließen. Etwa zur selben Zeit bekam die auf Barguil, Nieve und Caruso geschrumpfte Spitzengruppe Zuwachs durch Herrada und Navarro – doch just in diesem Moment attackierte Nieve, der von seinem Team nun freie Fahrt bekam, weil gerade der Mitchelton-Scott-Kapitän Adam Yates aus der Favoritengruppe zurückgefallen war. Diese wurde wiederum durchgängig vom Team Sky angeführt, dessen Dominanz mit zunehmender Dauer immer deutlicher wurde: Sechs Kilometer vor dem Ziel, als Nieve eineinhalb Minuten und Dumoulin eine halbe Minute vorauslag, hatten die Sky-Kapitäne Chris Froome und Geraint Thomas und ihre Domestiken Michal Kwiatkowski und Egan Bernal nur noch sieben Gegner im Schlepptau: Nairo Quintana und Mikel Landa (beide Movistar), Steven Kruijswijk und Primoz Roglic (beide LottoNL-Jumbo), Romain Bardet (AG2R La Mondiale), Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) und Daniel Martin (UAE Emirates). Und dann startete Thomas gut fünf Kilometer vor dem Ende eine Attacke, der niemand etwas entgegenzusetzen hatte.


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Thomas entreißt Nieve noch den Etappensieg
Während sich Thomas zügig absetzte, kontrollierte Froome dahinter die Konkurrenten, setzte diese sogar mit gelegentlichen Tempoverschärfungen zusätzlich unter Druck. Bardet versuchte zweimal zu attackieren, hatte aber nicht die nötige Durchschlagskraft, um wegzukommen. Mehr Explosivität entwickelte Martin, dessen gut getimter Attacke lediglich Froome folgen konnte. Auf dem letzten Kilometer schüttelte Froome dann allerdings Martin ab und holte Dumoulin ein, während sich weiter vorne ein noch größeres Drama abspielte. Mikel Nieve, der beim beim Giro d'Italia in Cervinia als Ausreißer gewonnen hatte, konnte diesen Erfolg bei der Tour nicht wiederholten – 350 Meter vor der Ziellinie zog Thomas an ihm vorbei. Der 32-jährige Brite siegte mit schlussendlich 20 Sekunden Vorsprung auf Dumoulin und Froome, 22 auf den zum Ende nochmal starken Caruso und Nieve sowie 27 auf Martin. Bardet, Nibali, Quintana und Roglic nahm Thomas 59 Sekunden ab, Kruijswijk 1:07 Minute und Landa 1:47 Minute. Valverde verlor 3:30 Minuten und Yates 4:42 Minuten. Noch viel, viel schlimmer erwischte es den Vorjahreszweiten Uran, der endgültig alle Hoffnungen auf eine gute Endplatzierung verlor und satte 26 Minuten Rückstand kassierte.

Tour-Ende für Kittel, Renshaw und Cavendish
Van Avermaet erreichte das Ziel gut 22 Minuten nach Thomas, der sein Nachfolger im Maillot Jaune ist. Das Gelbe Trikot hatte Thomas bei der Tour 2017 schon einmal vier Tage lang getragen, nachdem er das Auftaktzeitfahren für sich entschieden hatte. Nachdem er im Vorjahr auf der 9. Etappe als Gesamtzweiter ausgeschieden war, hat er jetzt vielleicht sogar die Chance auf den Gesamtsieg. Thomas führt 1:25 Minute vor seinem Teamkollegen Froome und 1:44 Minute vor Dumoulin. Die restlichen Fahrer in den Top10 – Nibali, Roglic, Krujswijk, Landa, Bardet, Quintana und Martin – haben Rückstände zwischen 2:14 und 3:16 Minuten. In der Nachwuchswertung hat Pierre Latour (AG2R La Mondiale) seinen Vorsprung gegenüber Guillaume Martin leicht auf 2:03 Minuten ausgebaut, anderseits aber auch Bernal, der heute stärkste Jungprofi, seinen Rückstand auf 7:35 Minuten reduziert. Ein großes Thema schon im Vorfeld der Etappe war das Zeitlimit, das bei normaler Berechnung tatsächlich etwa 50 Fahrer verpasst hätten! Doch auch die beschlossene Erhöhung um zwei Prozentpunkte konnte nicht alle Fahrer retten: Marcel Kittel (Katusha) und Mark Renshaw (Dimension Data) verpassten es um mehr als zehn Minuten und Mark Cavendish (Dimension Data) gar um mehr als eine halbe Stunde.

-> Zum Resultat

Kräfte sparen konnte heute niemand, was die morgige „Königsetappe“ der Alpen noch schwieriger machen wird. Die deutlich längere 12. Etappe weist drei HC-Berge auf, darunter die legendäre Ankunft in Alpe d'Huez (13,8 km à 8,1%).

Video der Zielankunft







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