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„Massensprint“ in Alpe d’Huez: Thomas gelingt im Gelben Trikot zweiter Tour-Etappensieg in Folge
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19.07.2018

„Massensprint“ in Alpe d’Huez: Thomas gelingt im Gelben Trikot zweiter Tour-Etappensieg in Folge

Info: TOUR DE FRANCE 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Alpe d‘Huez, 19.07.2018 – Steven Kruijswjik ließ die Niederländer an „ihrem“ Berg vom ersten Sieg seit 1989 träumen, Romain Bardet die Franzosen vom vierten in Folge eines heimischen Fahrers. Doch am Ende triumphierte in Alpe d’Huez ein Brite vom Team Sky. Es schlug aber immer noch nicht die Stunde des Chris Froome, denn im Sprint der fünf stärksten Fahrer war sein Teamkollege Geraint Thomas der Schnellste und feierte nach seinem Erfolg von La Rosière den zweiten Etappensieg in Folge.


Das Profil der 12. Etappe der Tour de France

Gaviria, Groenewegen und Greipel steigen aus
Bis zu drei Massensprints könnte es bei dieser Tour de France noch geben, doch dem Rennen gehen immer mehr die Sprintspezialisten aus. Nachdem auf der gestrigen Etappe nach La Rosière Marcel Kittel (Katusha Alpecin) und Mark Cavendish (Dimension Data) das Zeitlimit verpasst hatten, gaben im Verlauf der 12. Etappe, die bei unverändert großer Hitze auf 175,5 Kilometern drei Berge der HC-Kategorie bereithielt, auch noch die zweifachen Etappensieger Fernando Gaviria (Quick-Step Floors) und Dylan Groenewegen (LottoNL-Jumbo) sowie die beiden Deutschen André Greipel (Lotto Soudal) und der potenzielle Kittel-Ersatz Rick Zabel (Katusha Alpecin) das Rennen auf. Das ganze Dilemma wird bei einem Blick auf die Punktewertung deutlich. Die führt Peter Sagan (Bora-Hansgrohe) jetzt 210(!) Punkte vor seinem ersten Verfolger Alexander Kristoff (UAE Emirates) an; auf den nächsten Plätzen folgen Arnaud Démare (Groupama-FDJ), John Degenkolb (Trek-Segafredo) und Andrea Pasqualon (Wanty-Groupe Gobert). Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Ausfälle heute von 14 auf 23 Fahrer – Katusha Alpecin und Lotto Soudal sind jeweils nur noch mit vier Fahrern im Rennen. Endgültig vorbei ist die 105. Tour auch für den Vorjahreszweiten Rigoberto Uran (Education First), der den Sturzverletzungen von Etappe 9 Tribut zollen musste.


Etappenvorschau zum Nachlesen:
Alpe d’Huez als krönender Abschluss der Alpen


Alaphilippe verteidigt das Bergtrikot weiter
Nach einem höchst rasanten Start auf den leicht abschüssigen ersten 28 Kilometern bremste der Col de la Madeleine (25,3 km à 6,2%) das Renntempo deutlich und ermöglichte es Ausreißern, sich vom Feld abzusetzen. Es waren 26 Fahrer, die den Gipfel des ersten Berges 2:45 Minuten vor dem Hauptfeld erreichten, was Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) ganz knapp zum virtuellen Gesamtführenden machte. Neben dem Sechsten der Gesamtwertung gehörten auch der Elfte Alejandro Valverde (Movistar), der Dreizehnte Ilnur Zakarin (Katusha Alpecin) und der Vierzehnte Mikel Nieve (Mitchelton-Scott) zur Spitzengruppe – ebenso wie die Top3 des Bergklassements: Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors) sprintete vor Warren Barguil (Fortuneo-Samsic) und Serge Pauwels (Dimension Data) locker zum Sieg an der ersten HC-Wertung und behielt am Ende des Tages mit 14 respektive 21 Punkten Vorsprung auf die beiden Konkurrenten das gepunktete Trikot.

Alle 26 Ausreißer im Überblick
- Daniel Martinez + Pierre Rolland (Education First-Drapac)
- Pierre Latour (AG2R La Mondiale)
- Laurens ten Dam (Sunweb)
- Warren Barguil + Maxime Bouet + Amaël Moinard (Fortuneo-Samsic)
- Gorka Izagirre (Bahrain Merida)
- Mikel Nieve (Mitchelton-Scott)
- Andrey Amador + Alejandro Valverde (Movistar)
- Tejay Van Garderen (BMC Racing)
- Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors)
- Rafal Majka + Gregor Mühlberger (Bora-Hansgrohe)
- Jesper Hansen (Astana)
- Serge Pauwels (Dimension Data)
- Ilnur Zakarin (Katusha Alpecin)
- David Gaudu (Groupama-FDJ)
- Steven Kruijswijk + Robert Gesink (LottoNL-Jumbo)
- Romain Sicard (Direct Energie)
- Nicolas Edet + Daniel Navarro + Anthony Perez (Cofidis)
- Marco Minnaard (Wanty-Groupe Gobert)

Kruijswijks großes Solo am Col de la Croix de Fer
Nachdem Alaphilippe und der Österreicher Gregor Mühlberger (Bora-Hansgrohe), die sich in der Abfahrt etwas abgesetzt hatten, im Tal in der Verpflegungszone wieder eingeholt worden waren, attackierte dort Pierre Rolland (Education First-Drapac), der anschließend als Solist den Kategorie-2-Anstieg Lacets de Montvernier (3,4 km à 8,2%) erklomm. Bald darauf am Col de la Croix de Fer (29,0 km à 5,2%) schlossen aber wieder einige Fahrer zu dem Franzosen auf, darunter sein Teamkollege Daniel Martinez. Kruijswijk, Valverde, Zakarin und Nieve waren auch wieder nach vorne gekommen, die beiden Erstgenannten sogar gemeinsam mit ihren Teamkollegen Robert Gesink bzw. Andrey Amador. Gorka Izagirre (Bahrain Merida), Rafal Majka (Bora-Hansgrohe) und Barguil als einziger weiterer Franzose füllten die neue Spitzengruppe auf 11 Fahrer auf. Doch 73 Kilometer vor dem Ziel – beinahe 20 vor der Bergwertung – war es damit schon wieder vorbei, weil Kruijswijk alleine davonfuhr. Der Niederländer baute den Vorsprung gegenüber dem Hauptfeld auf mehr als sechs Minuten aus, und verlor auch keine Zeit, als auf den letzten Kilometern mit AG2R La Mondiale und Movistar hinten zwei Mannschaften das Tempo erhöhten. Kruijswijks erste Verfolger – Barguil, Nieve und Majka – lagen an der Bergwertung bereits über drei Minuten zurück.


Das Profil von Alpe d'Huez

Jüngling Bernal als Edelhelfer am Schlussanstieg
Während alle übrigen Ausreißer nach der Abfahrt auf einem etwas längeren Flachstück eingeholt wurden, erreichte der Niederländer Kruijswijk den Schlussanstieg auf den „Berg der Holländer“ noch gut vier Minuten vor dem Hauptfeld, dass alle weiteren Vertreter aus den Top15 der Gesamtwertung beinhaltete und insgesamt noch 31 Fahrer umfasste. An der legendären Steigung nach Alpe d'Huez (13,8 km à 8,1%) wurden es natürlich schnell deutlich weniger. Auch beim Team Sky mussten mit Jonathan Castroviejo und Michal Kwiatkowski zwei Helfer bald schon den Dienst quittieren – aber da gab es ja noch Egan Bernal. Der jüngste Starter dieser Tour führte die Favoritengruppe bis fünf Kilometer vor dem Ziel an. Zunächst fuhr er das Feld auf zehn Mann runter – neben seinen Kapitänen Geraint Thomas und Chris Froome waren nur noch Tom Dumoulin (Sunweb), Vincenzo Nibali (Bahrain Merida), Primoz Roglic (LottoNL-Jumbo), Romain Bardet (AG2R La Mondiale), Jakob Fuglsang (Astana) sowie Mikel Landa und Nairo Quintana (beide Movistar) dabei – und dann ließ er mit seiner Nachführarbeit auch noch erste Attacken von Nibali und Quintana verpuffen. Erst knapp acht Kilometer vor dem Ziel konnte sich mit Bardet, der einen Angriff Landas konterte, erstmals einer der Favoriten deutlicher von den anderen absetzen und ungefähr 15 Sekunden Vorsprung herausfahren.


Cofis Cycling Cosmos – Tour Spezial: Mythos L’Alpe d’Huez

Dumoulin kontert Froome, aber unterliegt Thomas
Als Bernals Kräfte aufgebraucht waren, übernahm Thomas die Führungsarbeit und schien damit die immer wieder propagierte Botschaft, dass trotz seines Gelben Trikots weiterhin Froome unumstrittener Leader der Sky-Mannschaft ist, zu untermauern. Vier Kilometer vor Schluss, als Quintana schon zurückgefallen war, attackierte tatsächlich Froome und schloss zügig zu Bardet auf, den er dann abhängte, bevor er 3,5 Kilometer vor dem Ziel auch an Kruijswijk vorbeizog. Ein Solosieg des Gewinners des Giro d’Italia wurde aber durch den Zweitplatzierten der Italien-Rundfahrt vereitelt: Dumoulin fuhr das Loch zum Briten zu und brachte Thomas und Bardet auch wieder mit nach vorne. Zwischen drei und zwei Kilometer vor dem Ziel gab es dann nochmals zwei Attacken von Bardet und eine durch Dumoulin, das Quartett blieb aber trotzdem zusammen und wurde sogar noch durch Landa verstärkt, der an der Flamme Rouge wieder Kontakt herstellte. Als der Spanier kurz darauf antrat, hielt Thomas die Lücke zu dem Angreifer klein, der bald wieder nachließ. So kam es zu einem ungewöhnlichen Szenario: fünf Fahrer sprinteten in Alpe d’Huez um den Sieg! Der deutlich Schnellste war am Ende Thomas, der den nachfolgenden Dumoulin, Bardet, Froome und Landa sogar noch ein paar Sekunden abnahm, zuzüglich Zeitgutschriften.

Thomas bleibt in Gelb und Bernal schielt auf Weiß
An der Spitze waren die Abstände in Alpe d’Huez sehr klein, selbst die ersten Verfolger der Top5, Roglic und Nibali, hatten nur 13 Sekunden Rückstand. Wer weiß, was Nibali hätte ausrichten können, wäre er nicht vier Kilometer vor dem Ziel, als Froome gerade attackiert hatte, von einem Begleitmotorrad zu Fall gebracht worden. Fuglsang und Quintana folgten ebenso wie Kruijsijwk, der letztlich Etappenzehnter wurde, mit weniger als einer Minute Rückstand. Für Bernal und Daniel Martin (UAE Emirates) wurden dann schon etwas mehr als 1:40 Minute gestoppt, für den 13. Bob Jungels (Quick-Step Floors) gar über drei und für die nächsten Finisher schon circa viereinhalb Minuten. In der Gesamtwertung blieben die ersten vier Plätze hinter Thomas unverändert, aber die Rückstände von Froome (+1:39), Dumoulin (+1:50), Nibali (+2:37) und Roglic (+2:46) haben sich weiter erhöht. Bardet (+3:07) tauschte seinen vorherigen achten Platz gegen den sechsten von Kruijswijk (+3:43), während Landa (+3:13) ebenso Siebter bleibt wie Quintana (+4:13) Neunter und Daniel Martin (+5:11) Zehnter. In der Nachwuchswertung kommt derweil Bernal (+4:41) dem Führenden Pierre Latour (AG2R La Mondiale) und dem Zweitplatzierten Guillaume Martin (Wanty-Groupe Gobert/+1:58) immer näher.

-> Zum Resultat

Nach drei Tagen in den Alpen wird vielen Fahrern die größtenteils flache 13. Etappe sehr gelegen kommen, um sich etwas zu erholen. Dass es in Valence zu einem Massensprint kommen wird, ist hinsichtlich der vielen ausgeschiedenen Sprinter aber wohl alles andere als garantiert.

Video der Zielankunft






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