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Astana-Wochenende bei der Tour: Nach Fraile feiert auch Magnus Cort Nielsen einen Etappensieg
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22.07.2018

Astana-Wochenende bei der Tour: Nach Fraile feiert auch Magnus Cort Nielsen einen Etappensieg

Info: TOUR DE FRANCE 2018 (2.UWT)
Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)



Carcassonne, 22.07.2018 – Dank Magnus Cort Nielsen hat Astana bei der Tour de France den zweiten Etappensieg in Folge eingefahren. Der 25-jährige Däne setzte sich nach 181,5 km von Millau nach Carcassonne im Sprint vor dem Spanier Jon Izaguirre (Bahrain-Merida) und dem Niederländer Bauke Mollema (Trek-Segafredo) durch. Alle drei hatten vorher zu einer sehr großen Ausreißergruppe gehört, die den Rennverlauf prägte. In Sachen Gesamtklassement brachte Teilstück Nr. 15 keine Veränderungen.


Das Profil der 15. Etappe der Tour de France

Daniel Martins Angriff zum Scheitern verurteilt
Ein weiterer Tag im Zentralmassiv und ein Ruhetag trennten die Teilnehmer heute Morgen noch von den Pyrenäen, wo sich die Tour de France entscheiden wird, die kürzeste Etappe seit Jahrzehnten ansteht und es womöglich zu neuen Dramen um abgehängte Fahrer kommt. Insofern ist es verständlich, dass das 15. Teilstück nicht für einen Großkampf um das Gesamtklassement genutzt wurde. Die spannendsten Ereignisse in Bezug darauf waren ein Beinahe-Sturz von Romain Bardet (Ag2r-La Mondiale) in der Abfahrt vom Pic de Nore und ein Angriff des Gesamtzehnten Daniel Martin (UAE Emirates). Der Ire, der gestern durch Defekt Zeit verloren hatte und fast 7 Minuten hinter Geraint Thomas zurücklag, griff am letzten und schwersten Anstieg des Tages an. Team Sky konnte sich die Aktion gelassen ansehen, denn als Solist war Martin dem böigen Wind in Gipfelnähe schutzlos ausgesetzt. Mit Mühe und Not gelang es ihm, 1 Minute gutzufahren, aber auf der Abfahrt wurde er wieder vom Feld geschluckt, übrigens zeitgleich mit Peter Sagan (Bora-Hansgrohe), der es auch heute in die Fluchtgruppe des Tages geschafft hatte.

Nach der ersten Bergwertung kehrt keine Ruhe ein
Eben diese mit 29 Fahrern erneut sehr große Fluchtgruppe war für die Action auf dem Weg nach Carcassonne zuständig. In Millau traten 151 Fahrer an; es gab also keine weitere Aufgabe. Im Schatten der berühmten, riesigen Autobahnbrücke wurden die 181,5 Kilometer in Angriff genommen. Schon nach 9 Kilometern stand an der Côte de Luzençon (3,1 km à 5,9%) die erste Bergwertung (Kat.3) auf dem Plan, sodass man sofort ein hohes Tempo anschlug. Bergtrikotträger Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors) sicherte sich 2 Punkte – es sollten aber die einzigen für ihn an diesem Tag bleiben. Anschließend versuchten Warren Barguil (Fortuneo-Samsic) und Adam Yates (Mitchelton-Scott) zum wiederholten Mal wegzukommen und tatsächlich konnten sie sich zusammen mit dem Österreicher Gregor Mühlberger (Bora-Hansgrohe) einen Moment lang absetzen. Es kehrte jedoch keine Ruhe ein, da es einerseits zu weiteren Angriffen aus dem Feld kam und andererseits Quick-Step entschlossen nachführte.


Etappenvorschau zum Nachlesen:
Ein weiterer interessanter Ausreißertag


Ausreißergruppe mit grünem, ohne gepunktetes Trikot
So begann das Spiel nach 36 Kilometern wieder von vorne mit einem geschlossenen Feld, wenn man mal von den bereits vor der Bergwertung abgehängten Fahrern absah. Zu diesen gehörten Arnaud Démare (Groupama-FDJ), Teamkollege Ramon Sinkeldam und Guillaume Van Keirsbulck (Wanty-Groupe Gobert). Sie sollten den Anschluss erst einige Zeit später wiederherstellen. Aufgrund der zahllosen Attacken zog das Peloton sich weit in die Länge, bis irgendwann – es waren schon 45 Kilometer zurückgelegt – die Mannschaft Sky abriegelte. Zwar konnte sie mit der entstandenen Ausreißergruppe, die gleich drei Movistar-Fahrer enthielt, nicht ganz zufrieden sein, aber das ständige Nachjagen war auch kräftezehrend. In der Gruppe befanden sich u. a. der ehemalige Träger des Gelben Trikots, Greg van Avermaet (BMC), Punktetrikotinhaber Peter Sagan, der Deutsche Nikias Arnst (Sunweb), Flandern-Rundfahrt-Gewinner Niki Terpstra (Quick-Step), Amstel-Gold-Race-Sieger Michael Valgren Andersen (Astana) sowie viele weitere interessante Namen – aber kein Alaphilippe.

Alle 29 Ausreißer im Überblick
- Daniel Martinez (Education First-Drapac)
- Silvan Dillier (AG2R La Mondiale)
- Nikias Arndt (Sunweb)
- Amaël Moinard + Florian Vachon (Fortuneo-Samsic)
- Sonny Colbrelli + Ion Izagirre + Domenico Pozzovivo (Bahrain Merida)
- Damien Howson + Daryl Impey (Mitchelton-Scott)
- Daniele Bennati + Imanol Erviti + Marc Soler (Movistar)
- Greg Van Avermaet (BMC Racing)
- Niki Terpstra (Quick-Step Floors)
- Peter Sagan + Rafal Majka + Pawel Poljanski (Bora-Hansgrohe)
- Magnus Cort Nielsen + Michael Valgren Andersen (Astana)
- Serge Pauwels (Dimension Data)
- Arthur Vichot (Groupama-FDJ)
- Lilian Calmejane + Fabien Grellier + Romain Sicard (Direct Energie)
- Bauke Mollema + Julien Bernard + Toms Skujins (Trek-Segafredo)
- Jesús Herrada (Cofidis)

Direct Energie zeigt sich wieder sehr aktiv
Pfeilschnell stieg der Vorsprung der Spitzenreiter in die Höhe, derweil man schon die zweite Bergwertung ins Auge fasste, den mit Kategorie 2 bewerteten Col de Sié (10,2 km à 4,9%). Lilian Calmejane kam hier oben, nach 64,5 km, als Erster durch, denn er hatte sich einige Kilometer vorher aus der Gruppe abgesetzt. Seine ehemaligen Begleiter wiesen auf dem Scheitelpunkt 1:16 Minuten Rückstand auf, das Peloton 6:22 Minuten. Calmejane, dessen Aktion wohl nicht im Sinne der Teamleitung war, ließ sich kurz vor der 100-km-Marke wieder einholen. Ab 84 km vor dem Ziel kam es zu neuen Versuchen, die Gruppe zu sprengen. Van Avermaet, Fabien Grellier und Toms Skujins kam ein Stück weg und als man sie wieder gestellt hatte, probierte Grellier es erneut. Julien Bernard konnte aufschließen und nach 121,5 Kilometern passierten sie gemeinsam den Zwischensprint. Sagan holte sich an der Spitze der Verfolger die dritthöchste Punktezahl, nämlich 15 Zähler. Der Rückstand des von Sky, Sunweb und LottoNL-Jumbo kontrollierten Feldes betrug zu diesem Zeitpunkt gute 11 Minuten und damit war das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Später sollten 14 Minuten angezeigt werden.

Rafal Majka setzt sich an die Spitze
Unmittelbar nach dem Zwischensprint begann der Pic de Nore, der erstmals vom Tour-Tross befahren wurde. Diese Kategorie-1-Bergwertung erstreckte sich über 12,3 Kilometer und wies im Schnitt 6,3 % Steigung auf. Als der Vorsprung von Grellier und Bernard auf ihre ehemaligen Begleiter immer größer wurde, zog Serge Pauwels das Tempo an und andere gute Bergfahrer, die kein Lust hatten, zusammen mit den endschnellen Fahrern zum Ziel zu kommen, stieg mit ein. Peter Sagan musste nun abreißen lassen und so bekam sein Teamkollege Rafal Majka die Freiheit, es auf eigene Faust zu probieren. Innerhalb kürzester Zeit überholte er den zurückgefallenen Grellier und ließ auch Bernard hinter sich. Der zweifache Bergtrikotgewinner erreichte den Gipfel 30 Sekunden vor einem Verfolgerduo, das aus Bauke Mollema und Magnus Cort Nielsen bestand.


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Ein Trio macht den Etappensieg unter sich aus
Es folgte nun eine extrem lange, technisch schwierige Abfahrt, in deren Verlauf die Gruppe der Majka-Verfolger anwuchs und nun auch Calmejane, Ion Izagirre Insausti, Domenico Pozzovivo, Valgren Andersen sowie Skujins umfasste. 15 km vor dem Ziel kamen sie an den früheren polnischen Meister heran, welcher dennoch zum aktivsten Fahrer der Etappe gekürt wurde. Auf den verbleibenden, größtenteils flachen Kilometern bis Carcassonne herrschte starker Seitenwind. An der 8000-Meter-Marke ergriff Pozzovivo, der sich sicherlich auf keinen Sprint einlassen konnte, die Flucht nach vorne, aber Cort Nielsen bereinigte die Situation. Mollema startete den nächsten Versuch und erneut war der Däne sowie Izaguirre mit dabei. Calmejane weigerte sich nachzufahren, Majka konnte nicht mehr und die anderen hatten kein Interesse daran, dem Trio nachzusetzen, sodass die Lücke aufging. 1,4 km vor dem Ziel wagte Izaguirre einen Angriff, den Cort Nielsen unterband. So kamen sie zu dritt in den Zielbereich, wo vor der Ziellinie noch zwei Kurven zu überstehen waren.

Cort Nielsen jubelt zum dritten Mal bei einer GT
Cort Nielsen fuhr vorne, blickte sich aber immer wieder um und merkte es daher sofort, als Izaguirre an der 250-m-Marke zuckte. Der 25-jährige Däne trat an und sicherte sich souverän seinen ersten Tour-de-France-Etappensieg, den zweiten für Astana an diesem Wochenende, denn gestern konnte Omar Fraile die 14. Etappe für sich entscheiden. Im Jahr 2016 hatte Cort Nielsen, damals noch bei Orica-BikeExchange, bereits zwei Teilstücke bei der Vuelta gewonnen. Hinter Izaguirre und dem chancenlosen Mollema (+0:02) erreichten sein Teamkollege Valgren Andersen, Skujins, Pozzovivo, Calmejane und Majka mit ungefähr einer halben Minute Rückstand das Ziel. Arndt, Bernard, Van Avermaet, Terpstra, Bennati, Grellier, Poljanski, Moinard, Impey und Sicard trafen als Nächste ein. Ein Sturz von Damien Howson in Zielnähe riss u. a. Serge Pauwels mit sich. Mit über 13 Minuten Rückstand trudelte das von Sky angeführte Peloton in Carcassonne ein, wo man die mittelalterliche Stadtmaueranlage zu Ehren der Tour gelb dekoriert hatte. Geraint Thomas verteidigte das ebenso gefärbte Trikot, Pierre Latour (Ag2r-La Mondiale) blieb Nachwuchsbester, Sagan fehlen noch 9 Zähler, um rechnerisch das Maillot Vert sicherzuhaben, und Alaphilippe behauptete das Bergtrikot. Allerdings ist der Etappensieger vom vergangenen Dienstag, der genauso wie Démare am Pic de Nore aus dem Feld zurückfiel, mit seinen 22 Punkten Vorsprung noch längst nicht durch.

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Video der Zielankunft






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