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Wie in den Alpen: Bergtrikotträger Alaphilippe gewinnt das erste Teilstück in den Pyrenäen
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24.07.2018

Wie in den Alpen: Bergtrikotträger Alaphilippe gewinnt das erste Teilstück in den Pyrenäen

Info: TOUR DE FRANCE 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Bagnères-de-Luchon, 24.07.2018 – Am Tag vor dem absoluten Highlight der 105. Tour de France, der 65 km kurzen Etappe Nummer 17, haben sich die Favoriten auf dem ersten Pyrenäen-Teilstück nicht aus der Reserve locken lassen und abermals Ausreißern das Rennen überlassen. Die Gunst der Stunde nutzte der schon genau eine Woche zuvor auf der ersten Alpen-Etappe siegreiche Julian Alaphilippe, der nicht nur seinen Vorsprung im Bergklassement festigte, sondern auch noch seinen zweiten Etappensieg feierte. Neben einer großen Portion Stärke und fahrerischer Klasse gehörte diesmal allerdings auch ein wenig Glück dazu, denn ihm spielte ein Sturz von Adam Yates in die Karten.


Das Profil der 16. Etappe der Tour de France

Neutralisation nach Protest von Landwirten
Das Tempo nach dem Ruhetag war enorm: 48,7 Kilometer in der ersten, 46,7 in der zweiten und 43,1 in der dritten Rennstunde – und das auf einer „Pyrenäen-Etappe“! Tatsächlich war das Profil des 16. Teilstücks der Frankreich-Rundfahrt aber lange wenig anspruchsvoll, erst im letzten Drittel der 218 Kilometer ging es über drei Berge der Kategorien 2 und 1. In den ersten beiden Stunden gab es eine Vielzahl fehlgeschlagener Fluchtversuche, zwischenzeitlich einmal einen kurzen Regenschauer – und eine Protestaktion von lokalen Landwirten! Diese hatten 30 Kilometer nach dem Start die Straße mit Heuballen blockiert. Die Polizei setzte, während sie die Straße freiräumte, gegen die Demonstranten auch Tränengas ein, das offenbar noch in der Luft hing, als kurz darauf das Peloton an dieser Stelle durchrollte. Die Folge: gereizte, tränende Augen bei vielen Fahrern und eine Neutralisierung des Rennens, das für etwa zehn Minuten komplett stillstand. Bis zur Bildung der „richtigen“ Gruppe dauerte es letztlich ziemlich genau 100 Kilometer. Der beste und der zweitbeste Nachwuchsfahrer, Pierre Latour (AG2R La Mondiale) und Guillaume Martin (Wanty-Groupe Gobert), waren dabei, mit Greg Van Avermaet und Damiano Caruso (beide BMC Racing) noch zwei weitere Vertreter aus den Top20 der Gesamtwertung, die beiden Bergtrikot-Rivalen Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors) und Warren Barguil (Fortuneo-Samsic) und ... noch 41 Fahrer mehr!

Alle 47 Ausreißer im Überblick
- Clarke (Education First-Drapac)
- Dillier + Frank + Latour (AG2R La Mondiale)
- Geschke + Kragh Andersen + Theuns (Sunweb)
- Barguil + Bouet + Hardy + Moinard + Pichon (Fortuneo-Samsic)
- G.Izagirre + I.Izagirre + Pozzovivo (Bahrain Merida)
- Yates + Hayman (Mitchelton-Scott)
- Amador + Bennati + Soler (Movistar)
- Caruso + Van Avermaet + Van Garderen (BMC Racing)
- Durasek (UAE Emirates)
- Alaphilippe + Gilbert (Quick-Step Floors)
- Burghardt + Mühlberger (Bora-Hansgrohe)
- Cort Nielsen + Valgren (Astana)
- Boasson Hagen + Slagter + Vermote (Dimension Data)
- Politt (Katusha Alpecin)
- Molard (Groupama-FDJ)
- Gesink (LottoNL-Jumbo)
- Vanendert (Lotto Soudal)
- Boudat (Direct Energie)
- Mollema + Bernard + De Kort + Stuyven (Trek-Segafredo)
- Laporte + Edet + Navarro (Cofidis)
- Martin + Minnaard (Wanty-Groupe Gobert)


Etappenvorschau zum Nachlesen:
Eine sehr lange Fahrt bis in die Pyrenäen


Spitzengruppe schrumpft von 47 auf 17 Fahrer
Den ersten Pyrenäen-Anstieg auf den Col de Portet-d’Aspet (5,4 km à 7,1%), der 68 Kilometer vor dem Ziel begann, überstand die Ausreißergruppe noch fast vollzählig, nur wenige Fahrer fielen bereits dort zurück. Philippe Gilbert (Quick-Step Floors) hatte sich alleine nach vorne abgesetzt und bis zur Bergwertung fast eine Minute Vorsprung herausgefahren, ehe er in der Abfahrt in einer Kurve stürzte und über ein kleines Mäuerchen in einen zum Glück nicht sehr tiefen Graben fiel. Das Solo des Belgiers war damit zwar vorbei, er konnte die Etappe aber mit viel Rückstand beenden und erhielt als „Trostpflaster“ die Auszeichnung zum kämpferischsten Fahrer. An der Bergwertung hatte Alaphilippe den Sprint um Platz zwei gegen Barguil gewonnen. Im rasch folgenden Anstieg zum Col de Menté (6,9 km à 8,1%) wollte Barguil daher auf eine andere Weise versuchen, Punkte aufzuholen, und attackierte gemeinsam mit Caruso und Robert Gesink (LottoNL-Jumbo). Allerdings fiel der letztjährige Gewinner des Bergtrikots nach kurzer Zeit schon wieder zurück, wohingegen Alaphilippe gemeinsam mit einigen weiteren Fahrern kurz vor der Bergwertung die beiden Führenden einholte und sich die Maximalpunktzahl sichern konnte. In der Abfahrt und dem folgenden Flachstück rollten dann insgesamt wieder 17 Fahrer zusammen.

Die 17-köpfige Spitzengruppe
- Frank + Latour (AG2R La Mondiale)
- Barguil (Fortuneo-Samsic)
- G.Izagirre + Pozzovivo (Bahrain Merida)
- Yates (Mitchelton-Scott)
- Amador + Soler (Movistar)
- Caruso (BMC Racing)
- Alaphilippe (Quick-Step Floors)
- Mühlberger (Bora-Hansgrohe)
- Valgren (Astana)
- Molard (Groupama-FDJ)
- Gesink (LottoNL-Jumbo)
- Vanendert (Lotto Soudal)
- Mollema (Trek-Segafredo)
- Martin (Wanty-Groupe Gobert)

Alaphilippe distanziert Barguil relativ deutlich
Die Entscheidung musste am letzten Anstieg des Tages fallen, dem Col du Portillon (8,3 km à 7,1%) – und sie fiel definitiv zwischen den 17 Fahrern der ersten Gruppe. Das Hauptfeld hatte sich bis zu zwölf Minuten Rückstand gegönnt und holte davon am Ende auch nur wenig auf. Michael Valgren attackierte an diesem Berg als Erster, hielt aber nicht lange durch, so dass ein dritter Astana-Sieg in Serie nach den Etappenerfolgen von Omar Fraile und Magnus Cort Nielsen am vorigen Wochenende schnell vom Tisch war. Viel mehr Substanz steckte hinter dem nächsten Angriff von Gesink und Domenico Pozzovivo (Bahrain Merida), die nach einer Weile Gesellschaft durch Bauke Mollema (Trek-Segafredo) bekamen. Kurz darauf schlossen Adam Yates (Mitchelton-Scott), Marc Soler (Movistar) und Pozzovivos Teamkollege Gorka Izagirre ebenfalls nach vorne auf – und schließlich auch noch Alaphilippe, während Barguil am Fuß des Anstiegs gleich als Erster abgehängt worden war. Zwar setzte sich drei Kilometer vor dem Gipfel dann Yates aus dieser Gruppe ab, doch Alaphilippe konnte als Zweiter an der finalen Bergwertung nochmals stark punkten und baute den Vorsprung gegenüber Barguil deutlich von 22 auf 49 Punkte aus. Mit 18 Sekunden Rückstand auf Yates ging es für den Mann im Bergtrikot in die zehn Kilometer lange Abfahrt zum Ziel.


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Yates verliert Siegchance durch einen Sturz
Die Entscheidung um den Etappensieg fiel letztlich genau 6,7 Kilometer vor dem Ziel, als Yates in einer Kurve wegrutschte. Es war ein deutlich weniger spektakulärer Sturz als jener von Gilbert und der Brite stand sehr schnell wieder auf, doch das Malheur hatte ihn so viel Zeit gekostet, dass der schnelle und sichere Abfahrer Alaphilippe an ihm vorbeigezogen war. Der Franzose ließ nichts mehr anbrennen und erreichte das Ziel in Bagnères-de-Luchon schlussendlich mit 15 Sekunden Vorsprung auf seine ersten Verfolger. Zweiter wurde Gorka Izagirre – bei Alaphilippes erstem Sieg war es sein Bruder Ion gewesen – vor Yates, Mollema und Pozzovivo. Gesink folgte nach 37 Sekunden und Valgren gemeinsam mit dem Österreicher Gregor Mühlberger (Bora-Hansgrohe) nach 56 Sekunden. Die Favoriten um das Gelbe Trikot beendeten die Etappe erst nach der Ankunft von 20 Ausreißern mit 8:52 Minuten Rückstand auf den Sieger; dennoch blieben zumindest die Top12 der Gesamtwertung unverändert. Latour, der als Tageszehnter seinem Kontrahenten Martin zwei Sekunden abnahm und jetzt 2:29 Minuten vor ihm liegt, verbesserte sich von Rang 14 auf 13, Martin kletterte von 17 auf 15, Caruso von 18 auf 16, Mollema von 24 auf 18 und Pozzovivo von 25 auf 20. Klarheit herrscht jetzt übrigens in der Punktewertung: das Grüne Trikot ist Peter Sagan (Bora-Hansgrohe) nach dieser Etappe rechnerisch nicht mehr zu nehmen!

Bahrain Merida überholt das Movistar Team
Was die Topfahrer der Gesamtwertung am Col du Portillon gezeigt hatten, war nicht besonders berauschend gewesen. Eher verzweifelt wirkten der Angriff des Neuntplatzierten Jakob Fuglsang (Astana) mit seinem Teamkollegen Jesper Hansen und der direkte Konter des (zu jenem Zeitpunkt noch) Dreizehnten Ilnur Zakarin (Katusha Alpecin), der sich ebenfalls durch seinen Teamkollege Ian Boswell unterstützen ließ. Weil das Team Sky, bei dem sich der Auschluss von Gianni Moscon nicht bemerkbar machte, da noch zu fünft war, kamen sie aber nicht weg. Ansonsten zeigte einzig der Gesamtsechste Mikel Landa (Movistar) ein wenig Offensivgeist, doch seine Attacken kurz vor und kurz nach der Bergwertung verpufften ebenfalls, denn die Sky-Kapitäne Geraint Thomas und Chris Froome hatten mit Michael Kwiatkowski und Egan Bernal noch immer zwei Helfer, die das Rennen für sie zusammenhielten. Während sich an der Spitze der Gesamtwertung daher nichts änderte, kam es in der Mannschaftswertung zu einem Umsturz: Movistar hatte zwar mit Soler und Andrey Amador, die 9. und 15. wurden, zwei Ausreißer vor der Favoritengruppe ins Ziel gebracht, Bahrain Merida mit den Izagirre-Brüdern und Pozzovivo aber sogar drei. Damit rückte das Team, das seit dem Ausscheiden Vincenzo Nibalis in der Einzelwertung keine Rolle mehr spielt, auf Rang eins vor und liegt nun 1:08 Minute vor Movistar.

-> Zum Resultat

Alles andere als ein Feuerwerk von Start bis Ziel wäre auf der morgigen 17. Etappe eine Enttäuschung, nachdem die Favoriten auf den letzten Bergetappen eher Magerkost serviert hatten. Montée de Peyragudes (14,9 km à 6,7%), Col de Val Louron-Azet (7,4 km à 8,3%) und der Schlussanstieg zum Col du Portet (16,0 km à 8,7%) bieten auf den lediglich 65 Kilometern jedenfalls viel Potenzial für ein großes Spektakel.

Video der Zielankunft







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