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Adventskalender am 5. Dezember: Generationenwechsel im deutschen Straßenradsport in der Saison 2018
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05.12.2018

Adventskalender am 5. Dezember: Generationenwechsel im deutschen Straßenradsport in der Saison 2018

Info: Bildergalerie
Autor: Felix Griep (Werfel)
Fotos: Christine Kroth (Cofitine)



  05.12.  
57 Siege gingen 2018 auf das Konto deutscher Straßenradfahrer – 10 mehr als 2017 und auch mehr als in den drei Jahren davor. Dabei fuhren sich vor allem einige jüngere Fahrer ins Rampenlicht, die auch in den nächsten Jahren den deutschen Radsport prägen könnten. Viele „alte“ Helden, die in der jüngeren Vergangenheit die nationalen Topstars waren, scheinen sich dagegen eher auf dem absteigenden Ast zu befinden. Heute lassen wir die Saison dieser und aller weiteren deutschen WorldTour-Profis Revue passieren.


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Bis Weihnachten präsentieren wir euch täglich einen besonderen Beitrag, um in der an Radrennen ärmeren Adventszeit keine Langeweile aufkommen zu lassen.


Die „neue“ Generation

In Deutschland ist eine neue Generation junger Talente zu Fahrern herangewachsen, die sich als Profis etabliert haben und durch herausragende Leistungen und Siege glänzen können. Fünf von ihnen haben sich 2018 mit ihren Ergebnissen besonders in den Fokus gerückt.

Pascal Ackermann (Bora-Hansgrohe/24 Jahre)
Mit neun Siegen war Pascal Ackermann nicht nur der erfolgreichste deutsche Fahrer dieses Jahres – auch die Qualität seiner Erfolge und seine Konstanz über die ganze Saison hinweg waren bemerkenswert. Nach einigen Ausrufezeichen im Frühjahr (u.a. zweite Plätze bei Driedaagse Brugge-De Panne und Scheldeprijs) feierte er am Schlusstag der Tour de Romandie seinen ersten Profi-Sieg, dem schon bei der Dauphiné der nächste folgte. Am 1. Juli schlug er dann bei der DM in Einhausen alle anderen deutschen Topsprinter und feierte später im Meistertrikot noch vier weitere Siege bei WorldTour-Rennen (RideLondon, zwei Etappen Tour de Pologne, eine Etappe Tour of Guangxi). Das Jahr 2019 dürfte für Ackermann wahrscheinlich die erste Teilnahme an einer Grand Tour mit sich bringen, wo er dann beweisen kann, dass er wirklich ein legitimer Nachfolger von deutschen Sprintstars wie Kittel und Greipel ist.

Maximilian Schachmann (Quick-Step Floors/24 Jahre)
Die Auszeichnung „Deutschlands Radsportler des Jahres“ erhielt aber nicht Ackermann, der bei der Fanabstimmung auf Rang drei landete (20,2%) – hinter John Degenkolb (24,3%) und dem knappen Sieger Maximilian Schachmann (26,3%). In seinem zweiten und letzten Jahr als Quick-Step-Profi (2019 wechselt er zu Bora-Hansgrohe) konnte Schachmann die sich im bietenden Gelegenheiten zu großen Erfolgen nutzen. Eine Flucht mit dem Spanier Diego Rubio auf einer Etappe der Katalonien-Rundfahrt bescherte ihm seinen ersten Sieg und als bei der Giro-Bergankunft in Pratonevoso die Favoriten eine große Ausreißergruppe gewähren ließen, war er der stärkste Kletterer und feierte gar einen Grand-Tour-Etappensieg. Am stärksten war Schachmann aber wohl in der zweiten Saisonhälfte, die ihm den vierte Gesamtrang bei der Binck Bank und Rang drei bei der Deutschland Tour einbrachte, wo er in Trier sogar einen Etappensieg feiern konnte.

Nils Politt (Katusha Alpecin/24 Jahre)
Die Deutschland Tour war auch ein absolutes Highlight der Saison für Nils Politt, der auf der letzten Etappe in Stuttgart endlich seinen ersten Profi-Sieg erreichte und den Gesamtsieg als Zweitplatzierter nur um wenige Sekunden verpasste. Knapp sechs Monate zuvor hatte ihm bei Paris-Nizza noch Jérôme Cousin einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da hatte er es als Ausreißer probiert, ebenso wie auf der 7. Etappe der Tour of Britain, wo am Ende nur Ian Stannard stärker war. Politt ist aber ein so vielseitiger Fahrer, dass er nicht nur bei der D-Tour mit herausragenden Klassikerspezialisten konkurrieren konnte, sondern auch einen achtbaren siebten Platz bei Paris-Roubaix erreichte. Sprintqualitäten ruhen ebenfalls in ihm, was zum Saisonabschluss Platz drei beim Münsterland Giro zeigte, wo er u.a. André Greipel und Pascal Ackermann hinter sich ließ.

Nico Denz (AG2R La Mondiale/24 Jahre)
Zu den Deutschen, die 2018 ihren ersten Profi-Sieg feierten, gehört neben Ackermann, Schachmann und Politt auch Nico Denz, der in der Summe zwar weniger herausragende Resultate vorweisen kann als die anderen Genannten, aber mit seinem Nut zu Ausreißversuchen vielleicht so etwas wie ein „kleiner Jens Voigt“ werden könnte. Ins Rampenlicht fuhr Denz auf der 10. Etappe des Giro d'Italia, als er im Finale bei strömendem Regen in einer Abfahrt attackierte und zum Führenden Matej Mohoric aufschloss, dem er sich letztlich aber im Sprintduell geschlagen geben musste. Seine Stunde schlug dann aber im letzten Saisonrennen bei der Tour de Vendée, wo er sich mit Angriffslust und Sprintstärke den Sieg holte. Im EM-Straßenrennen beeindruckte Denz ebenfalls als bester Deutscher, wenngleich ihm ein Sturz kurz vor dem Ziel die Chance auf eine Medaille raubte.

Emanuel Buchmann (Bora-Hansgrohe/26 Jahre)
Es war wieder einmal ein siegloses Jahr für Emanuel Buchmann, der in vier Profi-Jahren mit der Deutschen Meisterschaft 2015 überhaupt lediglich einen einzigen Sieg vorweisen kann. In seiner Rolle als Deutschlands derzeit bester Rundfahrer zählen für ihn jedoch vor allem Endergebnisse in Gesamtwertungen – und die waren 2018 erneut konstant stark. Abu Dhabi Tour (10.), Baskenland-Rundfahrt (4.), Tour de Romandie (9.), Dauphiné (6.) und Tour de Pologne (7.) und damit jede WorldTour-Rundfahrt, an der er vor seinem Saison-Höhepunkt teilnahm, beendete er in den Top10. Der Höhepunkt, das war in diesem Jahr die Vuelta a España, bei der er mit Gesamtrang zwölf das bisher beste Grand-Tour-Endresultat seiner Karriere verbuchte – eine Bestätigung seines 15. Platzes von der Tour de France 2017. Trotz allem blieb Buchmann 2018 erneut den Nachweis schuldig, als Rundfahrer in die absolute Spitze vorstoßen zu können.

Die „alte“ Generation

In einem Adventskalender-Beitrag von 2014 hatten wir uns dem Quartett Greipel, Kittel, Martin, Degenkolb gewidmet. Diese vier Fahrer hatten innerhalb von vier Jahren zusammen 190 Siege eingefahren und gerade einen neuen deutschen Etappen-Rekord bei der Tour de France aufgestellt. Doch so stark wie einst ist keiner mehr von ihnen.

Marcel Kittel (Katusha Alpecin/30 Jahre)
Die Problem eines Buchmann, nur „gut“, aber nicht „sehr gut“ gewesen zu sein, hätte Marcel Kittel 2018 gerne gehabt. Für den Topstar unter den deutschen Sprintern war es ein wahres Seuchenjahr. Die Probleme in der Abstimmung mit seinem neuen Sprintzug nach dem Wechsel von Quick-Step zu Katusha hielten die gesamte Saison über an, aber auch Kittel selbst zeigte sich in deutlich schlechterer Form als früher und schien auch gesundheitlich nicht immer in Topverfassung. So reichte es für den mit 14 Siegen erfolgreichsten Fahrer der Saison 2017 in diesem Jahr gerade einmal zu zwei Etappenerfolgen bei Tirreno-Adriatico. Seinen Tiefpunkt erlebte Kittel bei der Tour de France, wo er auf der 11. Etappe das Zeitlimit verpasste; zuvor hatte er in den Massensprints lediglich einen dritten und einen fünften Platz erzielt und öffentliche Kritik von Katusha-Sportdirektor Dimitri Konyshev erhalten. Dennoch bleibt Kittel dem in der Schweiz lizenzierten Rennstall auch im kommenden Jahr treu und hofft auf eine Rückkehr in die Erfolgsspur.

André Greipel (Lotto Soudal/36 Jahre)
Mit acht Siegen liest sich die Erfolgsbilanz von André Greipel wesentlich besser: bei Tour Down Under, 4 Jours de Dunkerque, Belgium Tour und Tour of Britain war er jeweils zweimal siegreich. Dennoch war das Jahr 2018 auch für ihn nicht vollends zufriedenstellend. Nach einer zehn Jahre anhaltenden Serie blieb er nämlich erstmals wieder ohne Erfolg bei einer Grand Tour. Die Tour de France endete für ihn nach je einem dritten und vierten Etappenplatz mit dem Ausstieg auf der 12. Etappe. Die Zeit, in der in den Massensprints bei den allergrößten Rennen zu den Topfavoriten zählt, scheint wohl abgelaufen zu sein. Ans Aufhören denkt Greipel gleichwohl noch lange nicht; zwar hat seine lange Zeit im Lotto-Rennstall ihr Ende gefunden, doch Greipel hat beim französischen Professional Team Arkéa Samsic (früher Fortuneo) einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnet.

Tony Martin (Katusha Alpecin/33 Jahre)
Die Zeit der großen Erfolge scheint auch für Tony Martin (Foto aus 2014) vorbei zu sein, auch wenn der letzte seiner vier WM-Titel im Zeitfahren nur zwei Jahre zurückliegt. Doch seitdem hat Martin, abgesehen von zwei Titeln bei den nationalen Meisterschaften, wo ihm weiterhin niemand das Wasser reichen kann, nur noch einen einzigen Sieg geholt: am 2. Februar 2017(!) als Ausreißer bei der Volta Valenciana. Im langen Zeitfahren des Giro d'Italia hätte er dieses Durstrecke fast beenden können, doch der 14 Sekunden schnellere Rohan Dennis verwies ihn auf Platz zwei. Abgesehen davon war der sechste Platz im Zeitfahren der Volta ao Algarve Martins bestes Resultat 2018. Zur neuen Saison schließt er sich dem Team Jumbo an, bei dem er im Sprintzug des Niederländers Dylan Groenewegen eine wichtige Rolle spielen kann, wobei er sicherlich auch noch den Hunger nach eigenen Erfolgen in sich spürt.

John Degenkolb (Trek-Segafredo/29 Jahre)
Im Gegensatz zu Kittel, Greipel und Martin kann John Degenkolb mit der Saison 2018 eigentlich sehr zufrieden sein – allein wegen des für ihn auch emotional äußerst wertvollen Sieges auf der Roubaix-Etappe der Tour de France. Fast hätte er dabei sogar das deutsche Meistertrikot getragen, im DM-Rennen vor der Tour hatte er sich nur Ackermann geschlagen geben müssen. Seine Siegbilanz weist neben dem erfüllten Tour-Traum nur zwei weitere Erfolge bei der Mallorca Challenge auf und liegt damit weit unter den Werten seiner besten Jahre bis einschließlich 2015. Der Trainingsunfall im Januar 2016, bei dem er fast die Kuppe seines linken Zeigefingers verloren hatte, stellte eine Zäsur in seiner Karriere dar, in der er vielleicht nie wieder sein früheres Toplevel erreichen wird.

Die weiteren Deutschen

Insgesamt 28 Deutsche fuhren 2018 in WorldTeams, die meisten bei Bora-Hansgrohe: neben Ackermann und Buchmann noch fünf weitere. Rüdiger Selig (29 Jahre) befand sich meist in der Rolle des Anfahrers für Ackermann, verbuchte aber selbst auch Top5-Ergebnisse bei Tour de Romandie, Binck Bank Tour und Tour of Guangxi sowie immerhin einen Sieg bei der Tour de Slovaquie. Andreas Schillinger (35 Jahre) wäre beinahe sogar ein Rundfahrtsieg gelungen, bei der Czech Cycling Tour wurde er Gesamtzweiter. Christoph Pfingsten (31 Jahre) war Vierter jener Giro-Etappe, die sein Landsmann Schachmann für sich entschieden konnte. Michael Schwarzmann (27 Jahre), der 2017 noch einige gute Ergebnisse in Massensprints erreicht hatte, und Routinier Marcus Burghardt (35 Jahre/Foto), der in der ersten Saisonhälfte noch das Meistertrikot tragen durfte, blieben ohne eigene starke Ergebnisse.

Für die sechs Deutschen in den Reihen des deutschen Teams Sunweb sprangen 2018 insgesamt nur drei Siege heraus. Sprinter Max Walscheid (25 Jahre) verzeichnete bei einer ganzen Reihe weiterer guter Ergebnisse Siege bei Tour de Yorkshire und dem heimischen Münsterland Giro. Phil Bauhaus (24 Jahre) konnte einen Sprint bei der WorldTour-Rundfahrt Abu Dhabi Tour gewinnen – vor Kittel und Ackermann! – und war Etappenzweiter bei der Tour Down Under. Simon Geschke (32 Jahre/Foto) hatte einige gute Tage wie bei der Tour-Etappe in Mende (6.) oder den Zeitfahren der Vuelta a España (8. und 9.). Nikias Arndt (27 Jahre) kam u.a. auf Top10-Plätze beim Great Ocean Road Race (6.), bei den Cyclassics Hamburg (8.) und auf Etappen der Tour de France (7. und 9.). Johannes Fröhlinger (33 Jahre) blieb stets in der Helferrolle und wie Lennard Kämna (22 Jahre) in seinem zweiten Jahr als Profi ohne große Erfolge.

Rick Zabel (Katusha Alpecin/24 Jahre) gehörte eigentlich auch lange zu den hoffnungsvollen jungen Talenten, doch kam er auch in seiner fünften Profi-Saison nicht über die Rolle des Sprinthelfers hinaus, was in Kittels Seuchenjahr nur selten erfüllend gewesen sein dürfte. Bei seinen Chancen, auf eigene Rechnung zu fahren, sprangen für Zabel als beste Ergebnisse nur vierte Plätze bei Tour of California und Tour of Britain heraus. Sein Teamkollege Marco Mathis (Katusha Alpecin/24 Jahre) ist zwar gleich alt, aber erst seit 2017 in der WorldTour aktiv. Platz sechs im Zeitfahren der Belgium Tour war 2018 sein bestes Resultat; nächste Saison geht er für Cofidis an den Start. Jasha Sütterlin (Movistar/26 Jahre) bestätigte seinen Ruf als Teamplayer, der auch selbst mal Ausrufezeichen setzen kann. Das gelang ihm bei der Deutschland Tour (Etappenvierter in Merzig) und bei der Tour of Britain (Gesamtsechster).

Zum Ende bleiben noch fünf Vertreter des „ü30-Clubs“, die dem Radsport aber alle auch über dieses Jahr hinaus weiter erhalten bleiben. Der Älteste unter ihnen ist Christian Knees (Sky/37 Jahre), der das saisonübergreifende Grand-Tour-Tripel seines Kapitäns Chris Froome als geschätzter Helfer begleitete. Marcel Sieberg (Lotto Soudal/36 Jahre) wurde Anfang Juni Siebter beim Heistse Pijl, stellte sich sonst aber wie seit vielen Jahren in den Dienst seines Teamkollegen und Freundes André Greipel – ihre Wege trennen sich nun jedoch, Sieberg wechselt zu Bahrain Merida. Paul Martens (LottoNL-Jumbo/35 Jahre) und Robert Wagner (LottoNL-Jumbo/35 Jahre) fuhren eine nach den Ergebnissen zu urteilen unauffällige Saison. Tour-Teilnehmer Martens bleibt auch weiterhin beim Jumbo-Team, während Wagner wie Greipel zu Arkéa Samsic wechselt. Last but not least: Roger Kluge (Mitchelton-Scott/32 Jahre), der es auf 47 Renntage auf der Straße bringt, seinen Fokus aber auf den Bahnradsport legt, wo er 2018 an der Seite von Theo Reinhardt im Madison sehr erfolgreich war (Weltmeister, Vize-Europameister, Sixdays-Podien in Berlin und London).





Pascal Ackermann - Deutschland Tour 2018
Pascal Ackermann - Deutschland Tour 2018

Maximilian Schachmann - Deutschland Tour 2018
Maximilian Schachmann - Deutschland Tour 2018

Nils Politt - Deutschland Tour 2018
Nils Politt - Deutschland Tour 2018

Nico Denz - Deutschland Tour 2018
Nico Denz - Deutschland Tour 2018


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