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Etappenabbruch wegen Hagel und Erdrutsch – Egan Bernal fährt auf dem Iseran ins Gelbe Trikot
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26.07.2019

Etappenabbruch wegen Hagel und Erdrutsch – Egan Bernal fährt auf dem Iseran ins Gelbe Trikot

Info: TOUR DE FRANCE 2019 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Tignes, 26.07.2019 – Konfusion kurz nach der Überquerung des höchsten Berges der 106. Tour de France: Das Rennen wurde urplötzlich abgebrochen und der Schlussanstieg des vorletzten Alpenteilstücks gestrichen, weil im Tal ein heftiger Hagelschauer und eine gewaltige Schlammlawine niedergegangen waren und die Straße unpassierbar machten. Doch zumindest hatte der Col de l’Iseran für einige Action gesorgt und weil die dort herausgefahrenen Abstände gezählt wurden, nahm Egan Bernal Julian Alaphilippe das Gelbe Trikot ab. Es war nicht der einzige Rückschlag für die Franzosen, denn Thibaut Pinot war bereits in der Anfangsphase der Etappe ausgestiegen.


Das Profil der 19. Etappe der Tour de France

Pinots bitteres Tour-Aus
Es dauerte nur wenige Kilometer, bis sich auf der zweiten der drei Alpenetappen eine illustre Gruppe gebildet hatte, die mit Vincenzo Nibali (Bahrain Merida), Pello Bilbao (Astana), Daniel Martin (UAE Emirates) und Geburtstagskind Jesus Herrada (Cofidis) hervorragend besetzt war, aber sich kaum eine halbe Minute vorm Feld absetzen konnte. Während sich nach rund 30 Kilometern eine große Verfolgergruppe allmählich dem Führungsquarett annäherte, spielte sich hinter dem Hauptfeld ein französisches Drama um Thibaut Pinot ab, der nach ewig lang anmutenden qualvollen Minuten resignierte und vom Rad direkt in den Begleitwagen seines Teams Groupama-FDJ stieg. Zwei Tage zuvor hatte sich der Triumphator vom Tourmalet eine Muskelverletzung im linken Oberschenkel zugezogen, als er einen Sturz gerade noch hatte vermeiden können, aber von einem Lenker am Bein getroffen wurde. Am Abend der gestrigen Königsetappe, die der Gesamtfünfte ohne sichtbare Probleme und ohne Zeitverlust überstanden hatte, waren die Schmerzen stärker geworden und entwickelten sich weiter zu unerträglichen Qualen, die Pinots Traum vom Toursieg auf brutale Weise platzen ließen.

Ineos forciert am Iseran
Zu den vier ursprünglichen Ausreißern waren derweil 25 weitere hinzugekommen. Unter anderem auch Michael Matthews (Sunweb), doch der Vierte der Punktewertung fiel schon wieder zurück, ehe der Zwischensprint erreicht wurde. Damiano Caruso (Bahrain Merida), der Dritte des Bergklassements, konnte zwei kleinere Bergpreise gewinnen und sieben Punkte einsammeln, liegt im Gesamtstand aber immer noch sieben Punkte hinter Tim Wellens (Soudal Lotto) und 19 Punkte hinter Romain Bardet (AG2R La Mondiale). 20 Mann waren noch übrig, als 50 Kilometer vor dem Ziel der Anstieg zum Col de l'Iseran (12,9 km à 7,5%) begann; knapp zwei Minuten betrug der Vorsprung der Spitze mit solchen Fahrern wie Rigoberto Uran (Education First), Alejandro Valverde (Movistar) und Warren Barguil – die Nummern neun, zehn und zwölf der Gesamtwertung. Doch die Chancen auf den Etappensieg schwanden zusehends, weil die Ineos-Helfer Dylan Van Baarle und Wout Poels ein hohes Tempo anschlugen, welches auch das Hauptfeld rasch zu einer übersichtlichen Favoritengruppe verschlankte.

Bernal zieht alleine davon
Nairo Quintana (Movistar) war am Tag nach seinem Sieg in Valloire der erste Top10-Fahrer, der den Anschluss an die übrigen Favoriten verlor. Der Rest der Hauptgruppe explodierte, als genau nach der Hälfte des Iseran-Anstiegs direkt nacheinander Geraint Thomas (Ineos) und Steven Kruijsiwjk (Jumbo-Visma) attackierten. Es war dieser Moment, in dem wohl auch Julian Alaphilippes (Deceuninck-Quick Step) Traum vom Gesamtsieg platzte, denn der Franzose konnte dem erhöhten Rhythmus nicht mehr folgen. Als stärkster Fahrer stellte sich allerdings Egan Bernal (Ineos) heraus, der mit seiner Attacke knapp fünf Kilometer vor dem Gipfel alle Konkurrenten abschüttelte, und daraufhin die verbliebenen Ausreißer einen nach dem anderen einsammelte und abhängte, darunter Yates und Barguil, die den 2770 Meter hohen Iseran 5 bzw. 41 Sekunden nach ihm überquerten. 50 Sekunden betrug der Rückstand einer Gruppe mit Kruijswijk, seinem Helfer Laurens De Plus, der zu den Ausreißern gezählt hatte, dem ebenfalls eingeholten Nibali sowie Thomas und Emanuel Buchmann (Bora-Hansgrohe). Bis Alaphilippe die Bergwertung erreichte, verging noch deutlich mehr Zeit – insgesamt 2:07 Minuten.

Alaphilippe verliert das Gelbe
Ob Alaphilippe seinen Rückstand auf Bernal in der Abfahrt wieder hätte verkürzen können und wieviel er am gut sieben Kilometer langen Schlussanstieg nach Tignes wieder verloren hätte – all das bleibt Spekulation. Denn unmittelbar nach dem Beginn der Abfahrt vom Iseran, der immerhin noch 37,5 Kilometer vom Ziel entfernt war, wurden die Fahrer angehalten und das Rennen abgebrochen. Im Tal war ein heftiger Hagelschauer niedergegangen und hatte einen Teil der vorgesehenen Route komplett unter Wasser gesetzt. An anderer Stelle lud ein Erdrutsch Unmengen von Schlamm und Geröll auf der Straße ab. Einen Etappensieger gibt es deshalb nicht – aber zu Bernals Freude werden die Zeitabstände auf dem Iseran in die Gesamtwertung übertragen! Und somit steht der 22-Jährige wohl kurz vor dem Gesamtsieg, denn er liegt jetzt 45 Sekunden vor Alaphilippe und mehr als eine Minute vor Thomas (+1:03), Kruijswijk (+1:15) und Buchmann (+1:42), die aber weiterhin alle noch mindestens auf einen Podiumsplatz hoffen können.

-> Zum Resultat

Die 20. Etappe, das letzte Teilstück in den Bergen, hält noch einmal drei schwere Anstiege bereit: Cormet de Roselend (19,9 km à 6,0%), Côte de Longefoy (6,6 km à 6,5%) und den extrem langen Schlussanstieg nach Val Thorens (33,4 km à 5,5%).

Videos der unpassierbaren Straßen






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