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2. Etappe des Giro: Petacchi schlägt Cavendish ein Schnippchen. Rosa Trikot als schwacher Trost
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08.05.2011

2. Etappe des Giro: Petacchi schlägt Cavendish ein Schnippchen. Rosa Trikot als schwacher Trost

Info: GIRO D´ITALIA 2011
Flash-Ticker | Text-Ticker
Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)



Parma, 08.05.2011 - Auf der zweiten und mit 244 km längsten Etappe des diesjährigen Giro d'Italia, die erwartungsgemäß im Massensprint endete, hat Alessandro Petacchi (Lampre-ISD) seinen 22. Sieg bei der Italienrundfahrt eingefahren. In einer nicht unumstrittenen, letztlich aber von der Jury als regelkonform erklärten Weise bezwang der 37-Jährige seinen 11 Jahre jüngeren Dauerkonkurrenten Mark Cavendish (HTC-Highroad), welcher gleichwohl das Rosa Trikot von Teamkollege Marco Pinotti übernimmt. Über 200 Kilometer lang hatte ein Fahrer aus Deutschland im Rampenlicht gestanden: Sebastian Lang (Omega Pharma-Lotto) zeigte sich als Solo-Ausreißer an der Spitze und sicherte sich das erste Bergtrikot.

Ein Deutscher fährt ins Rampenlicht - und ins Grüne Trikot
Auch wenn der Giro 2011 als einer der schwersten in der Geschichte der Italienrundfahrt gilt, wurde er nach dem gestrigen Mannschaftszeitfahren heute sehr konventionell mit einer Flachetappe fortgeführt - einer ausgesprochen flachen Flachetappe noch dazu. Seine Besonderheit erhielt dieser Abschnitt aus seiner Distanz von sage und schreibe 244 Kilometern - länger wird es in diesem Jahr nicht mehr. Schon drei Kilometer nach dem Start in Alba stand fest, wer die einzigartige Gelegenheit erhalten würde, sich und seine Mannschaft auf dieser Mammutetappe vorne zu präsentieren: Es war der Erfurter Sebastian Lang (Omega Pharma-Lotto), der sich von der Weite der Po-Ebene nicht abschrecken ließ und eine unsagbar einsame Solo-Fahrt hinlegte, bei der dem ehemaligen deutschen Zeitfahrmeister seine Talente und Dulderqualitäten im Kampf gegen die Uhr durchaus zupassgekommen sein dürften. Rekordverdächtige 20 Minuten erreichte der Vorsprung des 31-Jährigen, bevor das Hauptfeld eine ernsthafte Nachführarbeit organisierte - allen voran natürlich die Teamzeitfahrgewinner von HTC-Highroad, die einerseits den Mann in Rosa in ihren Reihen hatten, andererseits aber mit Mark Cavendish auch einen der Siegaspiranten des heutigen Tages. Die meiste Spannung ergab sich aus der Frage, ob Sebastian Lang die Bergwertung ca. 33 km vor dem Ziel noch als Erster erreichen würde, sodass seine Flucht neben der Tatsache, dass sein Name in Radsport-Medien auf der ganzen Welt auftauchte, auch noch einen handfesten Ertrag haben würde. Tatsächlich waren von seinem Zeitguthaben eingangs des Tabiano Castello (Kat.4) noch 2:30 Minuten übrig, sodass er nicht nur am 8 Kilometer zuvor ausgetragenen Zwischensprint, sondern auch am Gipfel maximal punktete. Als erster Träger des Grünen Trikots tritt Lang die Nachfolge seines Landsmanns Paul Voß an, dem eben dieses Erlebnis vor Jahresfrist vergönnt war.

Petacchi mit Chuzpe zum 22. Giro-Etappensieg
Im Wissen um die Vollendung seines Tagwerks, das ihm natürlich auch 215 Kilometer in der Ausreißerwertung einbrachte, ließ der Deutsche sich 29 km vor dem Ziel relativ bereitwillig einholen. Sofort bildete sich eine neue Spitzengruppe um Langs Teamkollegen Jan Bakelants, zu der auch Leonardo Giordani (Farnese Vini), Michal Golas (Vacansoleil), Jerome Pineau (Quick Step), Ruggero Marzoli (Acqua & Sapone), Daniele Righi (Lampre) und Eduard Vorganov (Katusha) gehörten. Letzter kam wenig später allerdings spektakulär zu Fall, was die ohnehin geringen Chancen der sieben weiter schmälerte. Sechs Kilometer vor dem Ziel fuhr das Feld endgültig geschlossen und die Teams der Sprinter machten sich in den nicht ganz unproblematischen Straßenschluchten von Parma an die Vorbereitung des Massenspurts. Dabei hatte Alessandro Petacchi seinen Sprintzug mit u. a. dem Deutschen Danilo Hondo zwar an der 1000Meter-Marke bereits aufgebraucht, während Mark Cavendish zu diesem Zeitpunkt in Person von Mark Renshaw noch einen Mann vor sich hatte. Doch der 37-jährige Italiener machte mit all seiner Erfahrung das Beste aus der Situation, hängte sich an die beiden HTC-Profis und zog wenig später rechts an ihnen vorbei. Cavendish reagierte sofort, indem auch er in den Wind ging, musste aber, da Petacchi die Optimallinie für sich beanspruchte, einen kleinen Umweg über die linke Seite in Kauf nehmen. So kam der Brite um eine Felgenhöhe zu spät, als dass er Petacchis 22. Giro-Etappenerfolg und dritten Saisonsieg hätte verhindern können. Die Jury beratschlagte noch einige Minuten lang über die Regelkonformität von Petacchis Sprintverhalten, sah letztlich aber keinen Grund für eine Zurückstufung.

Cavendish protestiert - doch es bleibt "nur" Rosa
Alle anderen Fahrer hatten mit dem Ausgang nichts zu tun und kamen mit einem für einen Sprint recht deutlichen Abstand ins Ziel - zuerst Manuel Belletti, der für Colnago-CSF Inox Rang drei sicherte. Tyler Farrar (Garmin), eigentlich einer der größeren Favoriten, musste sich mit Rang sieben begnügen, noch hinter Roberto Ferrari (Androni), Borut Bozic (Vacansoleil) und Davide Appollonio (Sky). Robbie McEwen (Radioshack) wurde Achter, während Wouter Weylandt (Leopard) und Matteo Montaguti (Ag2r) die Top10 komplettierten. Bester deutschsprachiger Fahrer war der Schweizer Oliver Zaugg (Leopard) auf 19. Dass er von Teamkollege Marco Pinotti, heute zeitgleicher 64ter, das rosafarbene Leadertrikot übernehmen durfte, mag für Mark Cavendish nur ein schwacher Trost für den entgangenen Etappensieg gewesen sein. Jedenfalls führt der Brite nun mit 12 Sekunden Differenz vor Konstantin Sivtsov, seinem weißrussischen Mannschaftsgefährten. Das rote Punktetrikot übernimmt natürlich erst einmal Petacchi, während Bjorn Selander, 23-jähriger US-Amerikaner aus der Mannschaft Radioshack, als Gesamtzwölfter (+ 22 Sek.) weiterhin in den Genuss des Weißen Trikots für den besten Nachwuchsfahrer kommt.

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Die morgige dritte Etappe von Reggio Emilia nach Rapallo gilt zwar offiziell als flach - doch ist sie mit wesentlich mehr Höhenmetern ausgestattet als die heutige. Dazu trägt vor allem der Passo del Bocco mit seinem langgestreckten Anstieg bei, der bei km 133 in eine steile Abfahrt übergeht. Eine weitere Bergwertung wird bei Madonna delle Grazie keine 10 Kilometer vor dem Ziel abgenommen. Hinzu kommt ein Zwischensprint bei km 160.





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