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Radsport in der Coronakrise: Die Stimmen der Woche (KW12)
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21.03.2020

Radsport in der Coronakrise: Die Stimmen der Woche (KW12)

Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)



21.03.2020 - Zurzeit werden keine Radrennen ausgetragen, aber das heißt nicht, dass die Radsport-Szene verstummt ist. Geredet wird immer, zur Not über die Coronakrise. LiVE-Radsport.com hat die einschlägigen Medien durchstöbert und die Stimmen der Woche für Euch zusammengestellt.


Alle Beiträge der Serie „Die Stimmen der Woche“


16.03. - De Gendt erwartet seltsame Dinge

Am Montag blickte Maximilian Schachmann (Bora-Hansgrohe) auf seinen Gesamtsieg bei Paris-Nizza zurück, dem bis auf nicht absehbare Zeit letzten Radrennen, das in Europa ausgetragen wurde. „Für mich ist das der größte Erfolg meiner Karriere. Daran ändern auch die Umstände nichts“, sagte er gegenüber Radsport-News. „Das Ziel waren die Top fünf. Ein Podium wäre schon klasse gewesen, dass es jetzt der Sieg ist, ist ein Traum.“ Aber natürlich machte er sich auch über die Coronakrise Gedanken: „Das größte Problem ist die Ungewissheit, da man momentan nicht sagen kann, wann es weitergehen wird. Aber man muss auch sagen, dass jetzt die Zeit ist, an seine Mitmenschen zu denken, und der Sport einfach in den Hintergrund zu rücken hat.“

Auch das Cape Epic in Südafrika, das prestigeträchtigste MTB-Etappenrennen der Welt, wurde wegen Corona abgesagt. Cross-Country-Weltmeister Nino Schurter hätte dort am Start stehen wollen: „Ich weiß nicht, wann ich wieder Rennen fahren kann und das habe ich noch nie erlebt“, so der Schweizer gegenüber Sporza. „Es ist schwierig, sich zu entscheiden, ob ich mich nun besser ausruhe oder weiter trainiere, aber es hat sicher einen Einfluss auf meine Olympia-Vorbereitung. Das Cape Epic war als schwerer Trainingsblock eingeplant, aber momentan wissen wir ja nicht einmal, ob die Spiele stattfinden.“

Derweil stellte Thomas de Gendt (Lotto Soudal) Überlegungen an zur Tour de France, sollte sie denn wie geplant im Juli stattfinden können. Zu Het Nieuwsblad sagte er: „Angenommen dass die Tour das erste wieder ausgetragenen Rennen ist, dann erwarte ich sehr seltsame Dinge. Dann werden Fahrer, von denen man denkt, dass sie gut sein werden, schlechte Leistung bringen. Und umgekehrt. Zu Beginn der Saison fahren wir Wettkämpfe, um warmzuwerden und die Form aufzubauen. Einige Fahrer brauchen schwere Rennen, um in Topform zu kommen, aber brauchen das wiederum nicht.“



17.03. - Ulissi sieht die ganze Saison in Gefahr

Am Dienstag war auf MTB-News ein interessanter Beitrag zur Frage zu lesen, ob man in der Coronakrise noch biken gehen soll. Solange das nicht verboten ist, spricht nichts dagegen, sollte man meinen, die Webseite mahnt allerdings: „Das Problem ist das nicht unerhebliche Unfall-Risiko beim Mountainbiken. Wer aktuell beim Mountainbiken einen Unfall baut, der muss womöglich mit einer erheblich eingeschränkten medizinischen Versorgung rechnen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich diese Lage in den kommenden Tagen und Wochen noch zuspitzt. (Un)Fälle, die nicht akut behandlungsbedürftig sind, können zurückgewiesen werden.“

Diego Ulissi (UAE Team Emirates), der von der Quarantäne nach der UAE Tour betroffen gewesen war, zeichnete unterdessen in einem Interview bei Tuttobici ein düsteres Bild: „Der Wettkampfstopp war unvermeidbar. Wir Radsportler reisen während der Wettkampfsaison in der ganzen Welt herum und übernachten in allen möglichen Hotels. Wir haben Kontakt zu vielen Leuten am Straßenrand und im Ziel. Daher wäre das Risiko, das Virus zu verbreiten, zu groß. Ich glaube, wir müssen sogar die Möglichkeit akzeptieren, dass die Radsportsaison 2020 komplett gestrichen wird, wenn es unserer Gesundheit dient.“

Auch Ex-Profi Bradley Wiggins sieht die Sache für die Radprofis sehr ernst. „Es geht um ihre Existenzgrundlage. Wir sagen immer, es ist ‚nur Sport‘, aber für diese Jungs, mit all den finanziellen Auswirkungen auf Sponsoren und Teams, könnte es verheerend sein“, so der frühere Tour-de-France-Sieger im Eurosport Podcast.



18.03. - Naesen begeht 350-Kilometer-Albernheit

Mittlerweile hat die UCI erste Überlegungen zu einer Verlängerung der Straßenradsaison angestellt, um ausgefallene Rennen nachholen zu können. Gegenüber Het Nieuwsblad dämpfte der Vorsitzende der UCI Road-Kommission, Tom Van Damme, allerdings die Hoffnungen: „Es erscheint unmöglich, jeden zu Wettkämpfen im November zu zwingen. Sogar das letzte Oktober-Wochenende erscheint mir zu spät für einen Saisonabschluss. Man kann die Saison um eine Woche verlängern, oder sogar um zwei wenn nötig, aber das kann man nicht endlos so machen. Alle Rennen aus dem Frühjahr in den Herbst zu verschieben, ist utopisch.“

Letztes Jahr schrieb Quinn Simmons Schlagzeilen, als er Junioren-Weltmeister wurde und danach sofort einen Profi-Vertrag bei Trek-Segafredo bekam. Seine erste Saison als Berufsradfahrer hätte der 18-jährige US-Amerikaner sich sicher anders vorgestellt, aber er zeigte sich gegenüber Velonews doch zufrieden: „Es war eine erste supercoole Erfahrung. Aber genauso wie es eine Erfahrung war, musste ich doch auch hart arbeiten und war nicht nur als Zuschauer da. Ich habe von Anfang an mein Bestes gegeben, um dem Team zu helfen. Yeah, es war cool durchs Feld zu fahren und rüberzuschauen und Jungs wie Gilbert, Greg und Jungels zu sehen, und alle diese Stars. Aber wenn es Zeit ist, deine eigenen Leute in die nächste Kopfsteinpflasterpassage zu bringen, dann kämpfst Du mit Ellbogen und Schultern gegen so manchen Typen, von dem Du als Heranwachsender ein riesiger Fan warst.“

Von Oliver Naesen (AG2R-La Mondiale) war zu hören, dass er in Belgien eine 350 km lange Ausfahrt unternommen habe, aber auch er hängt in der Luft: „Die Tour ist das nächste Ziel. International ist sie sehr wichtig, aber für mich von minderer Bedeutung“, sagte Naesen zu Studio Brussel. Meine Agenda war übervoll, nun ist sie plötzlich ganz leer. Ein Buch lesen oder etwas Albernes tun so wie heute, klar… Zwei Wochen nichts tun, ist weniger eine Option, denn dann fängt man von null an.“

In Zeiten, wo keine „realen“ Radrennen ausgetragen werden, könnte die Stunde des virtuellen, des sogen. E-Sports schlagen. Dazu machte sich Radsport-News Gedanken und kam zu dem Schluss, dass es noch nicht so weit ist: „Bislang ausgetragene Rennen sind nettes Entertainment, mehr aber leider noch nicht. Man kann davon ausgehen, dass sich die Profis in den kommenden Wochen online tummeln werden und auch zum Spaß an dem einen oder anderen Rennen teilnehmen. Eine echte Rennserie, groß aufgezogen im Fernsehen und als echter, ernsthafter Ersatz für die Frühjahrsklassiker, kommt aber erstmal nicht.“



19.03. - Für Hinault steht die Tour zur Disposition

Am Donnerstag ließ der fünffache Tour-Gewinner Bernard Hinault aufhorchen. Eine Absage der Tour de France, Albtraum für alle Radsport-Fans, hält er für möglich: „Die Tour de France ist eine fantastische Party, aber Leben ist wichtiger“, sagte Hinault zu Le Parisien. „Ein Liebhaber der Tour möchte vor allem Menschen bei guter Gesundheit sehen. Wenn die Tour abgesagt werden muss, dann sollten wir nicht zögern. Es ist noch etwas Zeit, aber wir müssen uns fragen, ob es vernünftig ist, wenn sich Leute am Straßenrand versammeln, wenn noch ein Ansteckungsrisiko besteht.“

Über die derzeitige Sitaution der Mannschaft Bora-Hansgrohe gab Chef-Coach Dan Lorang auf der Teamwebseite Auskunft: „Zum einen geht es um die körperliche Leistungsfähigkeit, die man erhalten muss. Zum anderen geht es aber auch um die mentale Komponente. Ohne Ziel zu trainieren fällt schließlich nicht jedem Profi leicht – und ohne strukturierten Rennalltag brechen zudem auch die täglichen Routinen weg. Das ist derzeit sicherlich die größte Herausforderung. Trotz der Beschränkungen ist es wichtig, dass nun alle zuhause bei ihren Familien sind. Es würde zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn machen, italienische Fahrer nach Deutschland zu holen, da wir ja nicht wissen, wie lange die Situation anhält. Sobald sich die Situation allerdings verbessert, sind aber sicherlich gemeinsame Trainingslager denkbar.“



20.03. - Chabbey kämpft gegen das Virus

Wenn aktuell nichts geht, muss man sich an vergangene schöne Ereignisse zurückerinnern. Das tat auch Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step) gegenüber Velonews in Bezug auf seinen Sieg bei Mailand-Sanremo 2019: „Mit Mailand-Sanremo mein erstes Monument zu gewinnen – das längste und vielleicht am schwersten zu lesende Rennen des Jahres – ist etwas, das ich nie vergessen werde. An diesem Tag verwandelte sich mein Traum in Wirklichkeit, daher kann ich sagen, dass das bis heute mein schönster Sieg ist.“

Von sich reden machte in dieser Woche auch die Schweizer Radsportlerin Elise Chabbey (Bigla-Katusha), eine ausgebildete Ärztin, die sich nun am Uniklinikum Genf im Kampf gegen Corona engagiert: „Ich merkte schnell, dass es mir sehr gut tat, im Krankenhaus zu sein und etwas zu tun, das so gebraucht wird“, sagte die 26-Jährige gegenüber Velonews. „Ich kann gehen, wann immer ich möchte, aber ich habe schnell entschieden zu bleiben. Wir müssen die Realität anerkennen. Es geht um etwas Größeres als den Sport und ich fühle mich hier aktuell nützlicher, als wenn ich auf dem Rad sitzen würde.“

Außerdem verdeutlichte Tiesj Benoot (Sunweb) seine Liebe zum „realen“ Radsport: „Wenn es sein muss, fahre ich die Tour ohne Publikum“, so der Paris-Nizza-Gesamtzweite gegenüber Sporza. „Viel lieber als dann auf Zwift Rennen fahren zu müssen. Wenn wir auf Zwift Rennen fahren müssen, dann höre ich sofort auf. Alles weswegen ich mit den Radrennen angefangen habe, fällt auf Zwift weg. In der Natur fahren, das Soziale und das Heroische. Davon bleibt auf Zwift nichts mehr übrig.“







Thomas De Gendt (Foto: twitter.com/sportwereld_be)
Thomas De Gendt (Foto: twitter.com/sportwereld_be)

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