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Col de Menté, Port de Balès und Col de Peyresourde versprechen Drama – Etappe 8 der Tour de France 2020
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04.07.2020

Col de Menté, Port de Balès und Col de Peyresourde versprechen Drama – Etappe 8 der Tour de France 2020

Info: TOUR DE FRANCE 2020 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



04.07.2020 – Es gab schon Bergankünfte in Orcières-Merlette und am Mont Aigoual, doch zu Beginn des zweiten Wochenendes steht die erste richtige Hochgebirgsetappe der 107. Tour de France an. Bei der Fahrt über drei Pyrenäen-Pässe liegt das Ziel zwar im Tal, aber auch die Abfahrten dieser Berge haben in der Vergangenheit schon oft zu dramatischen Wendungen des Renngeschehens geführt.


Wegen der Coronakrise wurde die Tour de France um rund zwei Monate verschoben und findet nun vom 29. August bis 20. September statt. In dem ursprünglich geplanten Austragungszeitraum vom 27. Juni bis 19. Juli können wir also leider noch nicht über das Rennen berichten, nutzen die Gelegenheit aber, um Tag für Tag einen genaueren Blick auf die Strecke der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt zu werfen, welche unverändert zu ihrer Präsentation im Oktober letzten Jahres bleibt.


Die Strecke des Tages

Etappe 8: Cazères-sur-Garonne - Loudenvielle (140 km)

Das zweite Tour-Wochenende findet in den Pyrenäen statt und bietet am Samstag gut 3000 Höhenmeter auf lediglich 140 Kilometern Länge. Auf dem Weg zum Zielort Loudenvielle überquert man noch in der ersten Rennhälfte den Col de Menté (6,9 km à 8,1%), während die anderen beiden Pässe nur 34 bzw. 9 Kilometer vor dem Ziel liegen. Bei diesen handelt es sich um Port de Balès (11,7 km à 7,7%) und Col de Peyresourde (9,7 km à 7,8%).


Etappenprofil



Wichtige Orte und Berge

Loudenvielle

Während der Startort Cazères-sur-Garonne erstmals in den Genuss eines Tour-Besuches kommt, gab es in Loudenvielle bereits drei Etappenankünfte bei der Frankreich-Rundfahrt. Bei der Premiere 1997 siegte, nach der Überquerung von unter anderem Tourmalet und Aspin, Laurent Brochard wenige Sekunden vor einer Gruppe mit Richard Virenque, Marco Pantani und Jan Ullrich. Ullrich rückte bis auf 13 Sekunden an den Führenden Cédric Vasseur heran und übernahm am nächsten Tag mit einem Sieg in Andorra das Gelbe Trikot. 2003, als Gilberto Simoni aus einer Ausreißergruppe gewann, hatten Menté und Peyresourde zur Strecke gehört – bei der bisher letzten Ankunft in Loudenvielle 2007 gab es mit Menté, Balès und Peyresourde sogar die exakt gleiche Berg-Reihenfolge wie nun wieder 13 Jahre später. Damals triumphierte Alexandre Vinokourov, wobei ihm der Sieg wegen Dopings aberkannt und stattdessen Kim Kirchen zugesprochen wurde.

Col de Menté

Seit seiner Erstbefahrung anno 1966 ist der Col de Menté relativ regelmäßig Teil von Tour-de-France-Etappen und steht mittlerweile schon zum 22. Mal im Programm – und innerhalb der jüngsten vier Jahre sogar zum dritten Mal. 2017 waren ihm ebenfalls Balès und Peyresourde gefolgt, damals ging es anschließend aber weiter zur Bergankunft in Peyragudes. 2018 war der Menté vorletzter Berg, als danach noch der Col du Portillon erklommen wurde und das Ziel in Bagnères-de-Luchon im Tal lag.

Port de Balès

Deutlich jünger im Sinne seiner Entdeckung durch die Frankreich-Rundfahrt ist der Port de Balès, der sich seit 2007 (am Tag jener bereits erwähnten letzten Etappenankunft in Loudenvielle) mit immerhin schon fünf Einbindungen in die Tour-Strecke aber schnell zu einer Konstante entwickelt hat. 2010 und 2014 war der Balès jeweils letzter Berg vor einer Ankunft in Bagnères-de-Luchon, 2012 und 2017 folgten ihm beide Male Peyresourde und Peyragudes.

Col de Peyresourde

Als die Tour de France ihre Fahrer 1910 erstmals in die Pyrenäen schickte, gehörte der Peyresourde neben Aspin, Tourmalet und Aubisque zu den vier Bergen der 10. Etappe, welche vom späteren Gesamtsieger Octave Lapize gewonnen wurde. Mit seinem Auftreten in 67 Etappen zählt dieser Anstieg seitdem zu den am häufigsten genutzten überhaupt. So gehörte er zum Beispiel auch vor einem Jahr zu einer Etappe über Hourquette d'Ancizan nach Bagnères-de-Bigorre. Davor wurde er im schon erwähnten Jahr 2017 vor der Bergankunft in Peyragudes gefahren. 2016, als man den Peyresourde in umgekehrter Richtung zu 2020 überquerte und die Etappe in Bagnères-de-Luchon endete, zeigte Chris Froome, wie man, mit einer gezielten Attacke am Gipfel, in der Abfahrt von diesem Berg Zeit auf die Konkurrenten herausfahren kann.



Denkwürdige Etappen

1971: Ocañas Traum vom Toursieg endet in der Menté-Abfahrt

Auf die Bergankunft in Orcières-Merlette bei der Tour de France 1971 hatten wir bereits zurückgeblickt. Luis Ocaña trug nach seinem Husarenritt stolz das Gelbe Trikot und hatte, auch wenn sein Vorsprung gegenüber Eddy Merckx in den folgenden Tagen von fast zehn auf rund siebeneinhalb Minuten sank, gute Chancen auf den Gesamtsieg. Doch dann kam die Verhängnisvolle 14. Etappe durch die Pyrenäen. Das Wetter war miserabel und der Regen führte in den Abfahrten zu einigen Stürzen. Auf dem Weg hinab vom Col de Menté erwischte es auch Ocaña, der das Rennen nicht fortsetzen konnte und den Tour-Gesamtsieg Merckx überlassen musste.

2001: Ullrichs spektakulärer Abflug in der Peyresourde-Abfahrt

Die Geschichte eines Sturzes bleibt auch für ewig mit dem Col de Peyresourde in Verbindung – besonders natürlich aus deutscher Sicht. Das Wetter war 2001 aber nicht Schuld an Jan Ullrichs unfreiwilligem Ausritt ins Grüne. Er hatte kurz vor der Bergwertung eine Attacke gestartet und nur Lance Armstrong ihm folgen können. In der Abfahrt versteuerte sich Ullrich aber, machte einen spektakulären Abflug über die Leitplanke und landete im dichten Grün. Armstrong nutzte das Malheur seines größten Konkurrenten nicht aus und wartete auf Ullrich, der glücklicherweise mit ein paar Schrammen davongekommen war. Diese 13. Etappe entschied sich letztlich am Schlussanstieg zum Pla d'Adet, wo Armstrong Ullrich um eine Minute distanzierte.

2010: Schlecks Kette versagt ihm am Port de Balès den Dienst

In dem Jahr, als die Tour de France ihr 100-jähriges Pyrenäen-Jubiläum feierte, spielte er Port de Balès eine entscheidende Rolle im Kampf um den Gesamtsieg zwischen Alberto Contador und Andy Schleck. Der Luxemburger hatte einen guten Tag erwischt und konnte mit seinem zweiten Angriff an diesem Berg den Konkurrenten tatsächlich abschütteln. Es hätte einer der größten Tage in Schlecks Karriere werden können, wäre sein vielversprechender Angriff nicht durch einen Kettendefekt gestoppt wurden. Bis er sein Rad wieder fahrtüchtig gemacht hatte, war Contador an ihm vorbeigezogen und wartete, anders als damals Armstrong am Peyresourde, nicht, was hitzige Diskussionen nach sich zog. Schleck erreichte das Ziel im Tal 39 Sekunden nach Contador – und genau 39 Sekunden betrug sechs Tage später auch der Abstand zwischen Contador und Schleck im finalen Gesamtklassement!






Die 8. Etappe mit Col de Menté, Port de Balès und Col de Peyresourde
Die 8. Etappe mit Col de Menté, Port de Balès und Col de Peyresourde

Col de Menté, Port de Balès und Col de Peyresourde versprechen Drama – Etappe 8 der Tour de France 2020
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