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Adventskalender am 22. Dezember: Abschiedsbrief an Fabian Cancellara
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22.12.2016

Adventskalender am 22. Dezember: Abschiedsbrief an Fabian Cancellara

Info: Bildergalerie
Autor: Christine Kroth (Cofitine)



  22.12.  
Gestern hatten wir im Adventskalender die großen Klassikersiege von Fabian Cancellara Revue passieren lassen. Heute gibt uns LiVE-Radsport-Autorin Cofitine einen persönlichen Rückblick auf ihre Eindrücke vom Sportler und Menschen Cancellara, den sie nicht nur durch die Medien, sondern im Laufe der Jahre auch bei verschiedenen Rennen kennenlernen durfte. Bei diesen Gelegenheiten sind auch viele Fotos vom Berner entstanden, die wir euch mit diesem Beitrag in einer Bildergalerie präsentieren.


Der LiVE-Radsport.com Adventskalender 2016
Bis Weihnachten präsentieren wir euch täglich einen besonderen Beitrag, um in der an Radrennen ärmeren Adventszeit keine Langeweile aufkommen zu lassen.


Lieber, Fabian Cancellara!

Eines muss ich zu Beginn gleich gestehen – ich war nie wirklich ein Fan von Dir! Mir war der Hype um Dich immer suspekt. Aber damit möchte ich nicht sagen, dass Du mir unsympathisch bist!
Für diesen Hype um Deine Person kannst Du nichts! Dass die Schweizer Dich lieben und dabei ihre anderen Stars dann leicht mal vergessen, dass ein Zeitfahrsieg von Dir mehr Aufmerksamkeit erzeugt als der vierte Platz Deines Landsmanns in der Gesamtwertung im gleichen Rennen, das ist vielleicht auch nicht das, was Du willst! Du bist Sportler, Du willst gewinnen! Was interessiert da schon die Konkurrenz aus dem eigenen Land? Aber Du bist Sportler und Du bist fair, auch diese Leistung anzuerkennen. Aber natürlich steht der eigene Erfolg an erster Stelle! Muss er ja!

Ich gebe zu, ich bin kein Fan von Superstars! Mich interessieren eher die, die im Schatten stehen. Was mich an den Superstars schon eher interessiert, ist der Mensch dahinter.
Du bist ein Superstar Deines Sports. Aber einer, der menschelt!
Ich habe Deine Leistungen immer mit Respekt und Anerkennung zur Kenntnis genommen. Ich war oft bei Deinen Siegen dabei. Die unbändige Freude, die Begeisterung für Deinen Sport war immer spürbar.
Das, was die Medien in Dir sahen, dafür kannst Du nichts! Sie gaben Dir den Namen „Spartakus“. Zugegeben, das passt zum Rennfahrer Cancellara wie die Faust aufs Auge! Zum Menschen Fabian passt eher der andere Spitzname – „Fäbu“. Wobei ich bei meinen Besuchen in der Schweiz nie gehört habe, dass sie Dich Spartakus nennen. Fäbu klingt ja auch irgendwie sympathischer, oder nicht?


Gestern im Adventskalender:
Rückblick auf die monumentalen Erfolge Cancellaras


Zum ersten Mal begegnet bin ich Dir in Köln 2002. Allerdings kann ich mich nicht mehr wirklich dran erinnern. Zu lange her, zu viele Begegnungen, die sich mehr ins Gedächtnis eingeprägt haben.
Ich erinnere mich an Etappensiege bei der Tour de Suisse und an die Tour de France 2010 im Maillot Jaune. Ich war dabei, als Du im gleichen Jahr Paris-Roubaix gewonnen hast. Zwar nicht im Velodrom in Roubaix, aber bei der Präsentation, am Start und an der Strecke.
Ich habe Dich im Trikot des Weltmeisters im Einzelzeitfahren erlebt und im Trikot des Schweizer Meisters. Ein Trikot, das Du 2016 nochmals holen konntest. Zumindest das für den Schweizer Meister im Einzelzeitfahren.

In Deiner letzten Saison habe ich Dich eher als Mensch wahrgenommen, weniger als Radprofi. Als einer, der alles genießt was passiert, weil er weiß, dass er das nicht mehr erleben wird. Dein Sieg im Auftaktzeitfahren der Tour de Suisse, die anschließende Pressekonferenz, auf der Du tief in Deine Seele als Radprofi hast blicken lassen. Aber auch die Enttäuschung am Tag darauf, als Du das Leadertrikot abgeben musstest und ein wenig trotzig die Ehrung als bester Schweizer entgegen genommen hast. Etwas, was Deinem Anspruch nicht wirklich genügte.

Noch einmal ein Start bei der Tour, die, just in Deinem letzten Jahr, in Deine Heimatstadt Bern führte, und die Du dann verlassen hast. Nicht ohne vorher die Etappe nach Finhaut-Emosson zu Ende gefahren zu sein. Das warst Du Deinen Schweizer Fans schuldig!
Aber Dein Ausscheiden hatte einen Grund – die Olympischen Spiele. Da zeigte sich dann Deine wahre Größe und davor habe ich großen Respekt! Im Straßenrennen hast Du Dich in den Dienst Deines jungen Teamkollegen Sébastien Reichenbach gestellt. Hast gearbeitet für den, dem der schwere Kurs mehr lag als Dir. Um wenige Tage später Deine Karriere mit dem Olympiasieg im Einzelzeitfahren zu krönen!

Ich gebe zu – ich war nie ein Fan von Dir! Aber so abzutreten, das nötigte mir gehörigen Respekt ab! Und plötzlich ertappte ich mich dabei, wie ich mich für Dich und über Deinen Sieg freute!
Ich habe Dich nochmal gesehen im Laufe der Saison. In Como, am Start zum Rennen Il Lombardia. Da aber nicht mehr als Radprofi sondern als Gast. Locker, fröhlich, gelöst! Man merkte, da ist einer mit sich im Reinen. Da steht der Mensch Fabian Cancellara, nicht der Radprofi. Da steht einer, der zum richtigen Zeitpunkt abgetreten ist.

Ich glaube fast, Du wirst mir im nächsten Jahr fehlen, Fäbu!



Fabian Cancellara im Laufe der Jahre

     

-> Zur Bildergalerie mit vielen weiteren Fotos

   





Adieu Cance - Fabian Cancellara bei der Tour de Suisse 2015
Adieu Cance - Fabian Cancellara bei der Tour de Suisse 2015

Fabian Cancellara on the Road bei der Tour de Suisse 2006
Fabian Cancellara on the Road bei der Tour de Suisse 2006

Fabian Cancellara auf dem Weg zur 2. Etappe der Tour de Suisse 2006
Fabian Cancellara auf dem Weg zur 2. Etappe der Tour de Suisse 2006

Konzentration auf das Zeitfahren der Tour de Suisse 2006 das in Fabian Cancellaras Heimatstadt Bern endet
Konzentration auf das Zeitfahren der Tour de Suisse 2006 das in Fabian Cancellaras Heimatstadt Bern endet


[Weitere Bilder]
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