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Bekannte Fahrer und neues Reglement bei den Bremer Sixdays
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04.01.2011

Bekannte Fahrer und neues Reglement bei den Bremer Sixdays

Info: Sixdays: 6-Tage-Rennen Bremen | Startliste
Autor: Thorsten Schmidt (www.kultur-buch.de)



Mit einem erwarteten Fahrerfeld und einer unerwarteten Neuerung im Reglement stimmte der Veranstalter die Medienvertreter auf einer Pressekonferenz auf das 47.Bremer Sechstagerennen vom 13.-18.Januar ein.

Empfangen wurden die etwa 60 Journalisten und Journalistinnen mit einer Meldung, die für ungläubiges Kopfschütteln sorgte. In der Nacht waren großflächige Werbeplakate für das Sechstagerennen von bisher Unbekannten demoliert worden. Zunächst glaubte wohl jeder an einen Dummen-Jungen-Streich. Doch Claus Kleyboldt, Geschäftsführer der Bremen Arena, wusste zu berichten, dass etwa 30 Großplakate im gesamten Innenstadtbereich zerstört wurden und dass gezielt und ausschließlich Plakate für das Sechstagerennen Opfer der Zerstörungswut waren. Sinn oder Unsinn dieser unglaublichen Aktion werden in den nächsten Tagen nicht nur Thema von Medienrecherchen, sondern auch Gegenstand polizeilicher Ermittlungen sein.

(Fast) Alle Spitzenfahrer in Bremen am Start

Der sportliche Leiter Patrick Sercu stellte ein Fahrerfeld vor, dass wenig Überraschungen beinhaltet. „Mit Ausnahme von Roger Kluge und Danilo Hondo sind die besten Fahrer dieses Sechstagewinters in Bremen am Start“, unterstrich Sercu die Klasse des Fahrerfeldes. Kluge startet beim Weltcup in Peking und Hondo erhielt wegen der Vorbereitungen auf die Straßensaison keine Freigabe seines Lampre-Rennstalls. Die beiden dänischen Pro-Tour Fahrer Alex Rasmussen und Michael Mørkøv fehlen wie schon in den letzten Jahren aus ähnlichen Gründen.

Ansonsten gehören alle Stars im Sechstagezirkus zu den üblichen Verdächtigen bei der Suche nach dem Favoritenpaar. Robert Bartko, Sieger in Amsterdam und in Zürich, ist in diesem Winter vielleicht der stärkste Einzelfahrer und geht in Bremen zusammen mit Iljo Keisse an den Start. 2008 standen die beiden in der Bremen-Arena schon einmal ganz oben auf dem Treppchen und im letzten Jahr wurden sie Zweite, knapp geschlagen von Bruno Risi und Franco Marvulli. Dieser versucht zusammen mit seinem Schweizer Landsmann Alexander Aeschbach, den Vorjahreserfolg zu wiederholen. Ansprüche aufs Podium erheben aber auch die Holländer Danny Stam und Leon van Bon, die in dieser Saison als festes Team zusammen fahren und bereits drei Mal auf dem Treppchen gelandet sind. Das bayrische Team Leif Lampater / Christian Grasmann möchte seinen dritten Platz vom Vorjahr gern wiederholen.

Das Fahrerfeld der 12 Teams in der Übersicht:

Robert Bartko – Iljo Keisse (D/B)
Franco Marvulli - Alexander Aeschbach (CH)
Danny Stam - Leon van Bon (NL)
Leif Lampater - Christian Grasmann (Bayern)
Kenny de Ketele – Tim Mertens (B)
Eric Mohs – Marcel Barth (D)
Jens-Erik Madsen – Marc Hester (DK)
Andreas Müller – Robert Bengsch (Berlin)
Jiri Hochmann – Martin Blaha (CZ)
Tino Thömel – Thomas Juha (D)
Tristan Marguet – Bobbie Traksel (CH/NL)
Ralf Matzka – Theo Reinhardt (D)

Weltpremiere in Bremen: Bonusrunde für das Zeitfahren

Bei der letzten Pressekonferenz im Dezember war schon darüber unterrichtet worden, dass das Programm der Einzelwettbewerbe am olympischen Omnium ausgerichtet werden wird.
Eine Einerverfolgung wird es nicht geben, aber Punktefahren, Ausscheidungsfahren und Scratch werden wie schon in den letzten Jahren ausgefahren. Neu ist, dass drei Zeitfahren pro Abend den Programmablauf prägen werden: Eine Rundenrekordjagd über 166 Meter, ein 500 Meter Einzelzeitfahren und ein 1000 Meter-Teamzeitfahren, bei dem beide Fahrer über die volle Distanz fahren und ohne Schleudergriff abgewechselt wird. Jeden Abend werden die drei Zeiten dieser Zeitfahren addiert und das tagesbeste Team erhält eine zusätzliche Bonusrunde.
Diese Neuerung im Reglement könnte alle Prognosen fürs Gesamtklassement auf den Kopf stellen. Reine Ausdauerteams wie Stam/van Bon, die bei keinem Zeitfahren in die Punkte fahren und deshalb bei allen Sechstagerennen ihre geringe Punktausbeute durch zusätzliche Rundengewinne kompensieren müssen, sind durch diesen neuen Wertungsmodus benachteiligt und haben nur eine geringe Chance aufs Podium. Ein Erik Mohs hingegen, dem die enge Bremer Bahn besonders liegt, könnte plötzlich zum Sieganwärter werden. In den letzten Jahren hat er die Zeitfahren in Bremen dominiert. Ein kleines Rechenspiel: Im vergangenen Jahr wurden Mohs und Barth mit acht Runden Rückstand Sechste. Wenn sie an allen sechs Abenden die Zeitfahren gewinnen sollten und dafür sechs Bonusrunden einfahren können, dann wären sie plötzlich ganz vorn mit dabei. „Die schnellen Fahrer sind immer im Vorteil“, erklärte der Sprint-Olympiasieger Patrick Sercu den neuen Wertungsmodus, der zuvor noch nie bei einem Sechstagerennen angewendet wurde, „auch bei einem Straßenrennen sorgen 200 Fahrer für das Tempo und am Ende machen eine Handvoll Sprinter den Sieg unter sich aus.“ Die kurzen Zeitfahren sind beim Publikum sehr beliebt und die Aufwertung dieser Disziplin soll mehr Publikum in die Radsporthalle 1 locken. (Zur Erinnerung: Die meisten der auch in diesem Jahr erwarteten 120 000 Besucher kommen wegen der Partyangebote in den drei Nebenhallen…)

Hängepartie um Iljo Keisse

Ob Robert Bartko seiner Favoritenrolle gerecht werden kann, entscheidet sich schon vor dem Startschuss. Denn ein Start seines Partners Iljo Keisse ist noch keineswegs gesichert. Vor einem Jahr war Keisse in einem Dopingverfahren vom belgischen Radsportverband freigesprochen worden. Die UCI hatte jedoch diesen Freispruch nicht akzeptiert und vor dem höchsten internationalen Sportgericht CAS eine Sperre durchgesetzt. Diese Sperre war im November von einem belgischen Arbeitsgericht ausgesetzt worden. Wegen formaler Fehler wurde eine neue Beweisaufnahme verfügt. Die UCI bestreitet die Zuständigkeit dieses Gerichtes für Rennen außerhalb Belgiens und setzt die Veranstalter unter Druck, um Keisse zukünftige Starts zu verwehren. Für einen Bruch bestehender Arbeitsverträge hat das belgische Gericht einen Regress von 100.000 Euro pro Tag festgesetzt. Durch Nichtteilnahme an einem Sechstagerennen könnte Keisse also viel mehr Geld verdienen, als wenn er dafür in die Pedalen treten müsste. Wenn denn eindeutig geklärt wäre, wer in diesem Falle die Vertragsstrafe bezahlen muss. Ein Arbeitsvertrag besteht immer mit dem Veranstalter. Nur wenn die UCI den Veranstalter unter Androhung eines Lizenzentzuges auffordert, einen gültigen Arbeitsvertrag mit Keisse nicht zu erfüllen, geht die Regresspflicht auf die UCI über. Der Veranstalter in Rotterdam muss vermutlich eine entsprechende Aufforderung der UCI erfüllen, der Bremer Veranstalter Frank Minder hat aber bislang noch keine Post der UCI bekommen. Weshalb Patrick Sercu davon ausgeht, dass Iljo Keisse in Rotterdam wahrscheinlich nicht starten wird, in Bremen aber sehr wohl. Gewohnt lapidar kommentierte Sercu diesen Vorgang in seinem flämisch-deutschen Akzent: „Ick versteh dat oog nik.“





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