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Überragende Kluge/Reinhardt bleiben Madison-Weltmeister, Lee holt das Sprint-Keirin-Double
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03.03.2019

Überragende Kluge/Reinhardt bleiben Madison-Weltmeister, Lee holt das Sprint-Keirin-Double

Info: BAHNRADSPORT-WELTMEISTERSCHAFT 2019 IN PRUSZKÓW
Autor: Felix Griep (Werfel)



Pruszków, 03.03.2019 – Die Bahn-Weltmeisterschaft in Pruszków hat für Deutschland am letzten Tag doch noch eine Goldmedaille gebracht. Zu verdanken ist dies einer wahnsinnig souveränen Vorstellung von Roger Kluge und Theo Reinhardt, die ihren Madison-Titel mit Bravour verteidigten. Eine weitere herausragende Leistung zeigte am Sonntag auch Wai Sze Lee aus Hongkong, die nach ihrem Sieg im Sprint noch Gold im Keirin holte. Alexandra Manly sorgte im Punkterennen für Australiens sechste Goldmedaille, doch im Medaillenspiegel thronen letztlich die Niederlande an der Spitze, die durch Harrie Lavreysen und Jeffrey Hoogland Gold und Silber im Sprint absahnten.


Bahn-WM 2019: Übersicht | Medaillenspiegel | Zeitplan


Madison Männer

Kluge/Reinhardt Hansen/Von Folsach De Ketele/Ghys

Vorjahressieger Kluge/Reinhardt haben das Rennen zu jeder Zeit im Griff

Erst drei Stunden vor dem Startschuss war Roger Kluge im Velodrom von Pruszków eingetroffen, wo er mit seinem Partner Theo Reinhardt die Titelverteidigung im Madison anstrebte. Die Teilnahme bis einschließlich Samstag an der
UAE Tour und die lange Flugreise von Dubai nach Pruszkow waren sicher alles andere als eine ideale Vorbereitung, doch im Rennen war davon gar nichts zu merken. Zwar dauerte es bis zur vierten Wertung, ehe Kluge die ersten Punkte auf das deutsche Konto buchte, doch wenig später drehten sie richtig auf. Als nach 50 von 200 Runden Wojciech Pszczolarski/Daniel Staniszewski attackierten, setzten Kluge/Reinhardt nach und fuhren mit den Polen den ersten Rundengewinn heraus. Auch wenn sich dieses Unternehmen als sehr langwierig erwies und fünf weitere Teams, die sich auf der Jagd befanden, nur wenig später nachzogen, hatten Kluge/Reinhardt während ihrer Flucht immerhin zwei weitere Wertungen gewinnen und die Punktehoheit erobern können.

In der Mitte des Rennens beeindruckten Kluge/Reinhardt mit einer Reihe starker Sprints und holten an vier aufeinanderfolgenden Wertungen 18 von 20 möglichen Punkten, lagen dadurch auf einen Schlag 14 Punkte vor ihren ersten Verfolgern. Gemeinsam mit den belgischen Europameistern Kenny De Ketele/Robbe Ghys fuhren die Weltmeister 65 Runden vor dem Ende eine zweite Bonusrunde ein – und diesmal konnten nur zwei weitere Teams nachziehen: die Weltmeister von 2010 und 2011 Leigh Howard/Cameron Meyer aus Australien und die Dänen Lasse Norman Hansen/Casper Von Folsach. 40 Runden vor dem Ende lagen Kluge/Reinhardt 17 Punkte vor Howard/Meyer, 19 vor De Ketele/Ghys und 22 vor Hansen/Folsach. Die Dänen waren es, die danach den nächsten Angriff starteten. Deutschland und Australien bildeten, für eine Weile zusammen mit den Österreichern Andreas Graf/Andreas Müller, die erste Verfolgergruppe, während die Australier den Anschluss verpasst hatten.

Hansen/Von Folsach schlossen 14 Runden vor dem Ende ihren dritten Rundengewinn ab und lagen durch die Bonuspunkte für einen kurzen Moment in Führung, bevor Kluge/Reinhardt mit dem Gewinn der vorletzten Wertung wieder an ihnen vorbeizogen und vier Runden vor Schluss durch den gemeinsam mit De Ketele/Ghys erzielten dritten Rundengewinn den Sack zumachten. Die Zielwertung änderte nichts mehr am Ergebnis: Kluge/Reinhardt verteidigen ihren WM-Titel mit sensationellen 105 Punkten – 60 durch Rundengewinnen und starke 45 von den Sprints. Hansen/Von Folsach und De Ketele/Ghys bekamen mit 84 bzw. 82 Punkten Silber und Bronze, wohingegen Howard/Meyer leer ausgingen. Die Ex-Weltmeister hatten zwar die zweitmeisten Sprintpunkte (31) geholt, waren aber im Finale ohne dritten Rundengewinn geblieben, weshalb sie mit 71 Punkten in der Endabrechung nur Vierte sind.

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Punkterennen Frauen

Manly Boylan Wild

Entscheidung erst im Zielsprint, Wild fehlt ein Rundengewinn

Im ersten Drittel des Punkterennens der Frauen wollte sich noch keine Favoritin herauskristallisieren, nach den ersten drei Sprintwertungen führten mehrere Frauen mit jeweils fünf Punkten gemeinsam das Zwischenklassement an. An der vierten der insgesamt zehn Wertungen untermauerte dann aber die Vorjahressiegerin Kirsten Wild ihren Anspruch auf die Titelverteidigung und schob sich an die Spitze. Als kurz nach Halbzeit die Australierin Alexandra Manly und Qianyu Yang aus Hongkong Rundengewinne einfuhren, blieb Wild ruhig und sammelte erst einmal weitere Sprintpunkte, ohne die beiden dadurch aber wieder einholen zu können. Dennoch hatte sie zwanzig Runden vor dem Ende mit neun Punkten Rückstand auf Manly und vier auf Yang noch alle Chancen, sich allein durch ihre Sprintstärke die Goldmedaille zu holen.

Als dann aber die Irin Lydia Boylan und die Russin Gilnaz Badykova attackierten, sah Wild ihre Felle davonschimmen. Die beiden Angreiferinnen konnten gemeinsam in Windeseile einen Rundengewinnn realisieren, so dass Wild auf den fünften Platz verdrängt wurde. Mit dem Gewinn der Schlusswertung konnte Wild aber zumindest Badykova und Yang wieder überholen und nach Gold im
Omnium und Madison sowie Silber im Scratch ihre vierte Medaille dieser Weltmeisterschaft perfekt machen. Den WM-Titel erkämpfte sich die schon in der Mannschaftsverfolgung siegreiche Manly durch Platz drei im Zielsprint. Mit den dafür fälligen vier Punkten schob sie sich einen Punkt vor Boylan und jeweils drei vor Wild und Badykova.

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Sprint Männer

Lavreysen Hoogland Rudyk

Der Jüngere siegt im niederländischen Finale, Rudyk holt Bronze für Polen

Eine gefühlte Ewigkeit war es her, dass der beste Sprinter der Welt aus den Niederlanden kam. Doch in Pruszków schickten sich mit Jeffrey Hoogland und Harrie Lavreysen einen Tag nach ihrem
Doppelsieg in der Qualifikation gleich zwei Fahrer an, in die Fußstapfen von Theo Bos zu treten, der 2004, 2006 und 2007 den Titel errungen hatte. Der 2018 überraschend schon im Achtelfinale ausgeschiedene Hoogland konnte sein Halbfinale gegen den australischen Titelverteidiger Matthew Glaetzer glatt in zwei Durchgängen gewinnen. Lavreysen tat sich gegen Matusz Rudyk etwas schwerer, musste im ersten Durchgang eine knappe Niederlage einstecken, drehte den Spieß aber noch um und gewann die nächsten beiden Vergleich gegen den Polen.

So kam es tatsächlich zum niederländischen Finale zwischen dem amtierenden Europameister Hoogland und dem WM-Zweiten von 2017 Lavreysen, die vier Tage zuvor noch gemeinsam Gold im Teamsprint geholt hatten. In zwei extrem schnellen Läufen mit Zeiten jeweils unter zehn Sekunden auf den letzten 200 Metern setzte sich der 21-jährige Lavreysen einmal mit 0,166 und dann mit 0,032 Sekunden Vorsprung gegen den vier Jahre älteren Hoogland durch und verdiente sich damit die Goldmedaille. Für die heimischen Zuschauer war das „kleine Finale“ aber fast noch wichtiger gewesen, denn Rudyk erfüllte Gastgeber Polen dort den Traum von einer Medaille. Nachdem er im ersten Lauf von der Jury zum Sieger erklärt worden war, weil Glaetzer seine Linie verlassen hatte, überholte Rudyk im zweiten Lauf seinen Gegner wenige Zentimeter vor der Ziellinie und sicherte sich damit Bronze.

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Keirin Frauen

Lee McCulloch Shemelva

Wai Sze Lee holt ihre zweite Goldmedaille, Degrendele verpasst das Finale

Die letzte Entscheidung dieser Weltmeisterschaft fiel im Keirin der Frauen und ohne die Chance zur Titelverteidigung für Nicky Degrendele. Die Belgierin hatte sich als Dritte ihres Halbfinals eigentlich für den Endlauf qualifiziert, wurde aber wegen eines regelwidrigen Fahrmanövers relegiert und durfte so nur im Rennen um die Plätze sieben bis zwölf starten, wo sie letztlich Zehnte wurde. Nutznießerin des Jury-Entscheids war Kaarle McCulloch, die ins Finale nachrückte und die Gelegenheit nutzte, ihren Medaillensatz zu komplettieren. Nach Gold im
Teamsprint und Bronze im 500 Meter Zeitfahren holte sich die Australierin auch noch eine Silbermedaille. Selbiges gelang der Russin Daria Shmeleva, die zu Keirin-Bronze fuhr, nachdem sie schon Silber im Teamsprint und Gold im 500 Meter Zeitfahren geholt hatte.

Der WM-Titel im Keirin ging an Wai Sze Lee, die das Finale unangefochten für sich entschied und nach dem Sieg im Sprint ihr zweite Goldmedaille ergatterte. Die 31-Jährige aus Hongkong reiht sich damit in eine Liste klangvoller Namen ein, die in der Vergangenheit das Sprint-Keirin-Double erreicht haben: Svetlana Grankovskaya (2003), Victoria Pendleton (2007), Anna Meares (2011), Rebecca James (2013) und Kristina Vogel (2014, 2017). Nach vier Weltcup-Siegen im Sprint und zwei im Keirin im Laufe dieser Saison kamen diese Erfolge sicher nicht von ungefähr.

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Medaillenspiegel

Je sechs Goldmedaillen für die Niederlande und Australien

Der Kampf um die Spitzenposition im Medaillenspiegel blieb auch am letzten WM-Tag hochspannend und wurde nicht zuletzt durch Jeffrey Hooglands Sieg über Matthew Glaetzer im Sprint-Halbfinale entschieden. So stehen am Ende die Niederlande (6/4/1) knapp vor Australien (6/3/1). Die Niederlande toppten damit sogar noch die Bilanz
von ihrer Heim-WM 2018 in Alpeldoorn (5/5/2). Die Australier waren letztmals bei ihrer Heim-WM 2012 in Melbourne (6/6/3) erfolgreicher gewesen. Für Deutschland ist die Ausbeute von 1 Gold, 2 Silber und 3 Bronze im Jahr eins nach dem tragischen Ende der unvergleichlichen Karriere von Kristina Vogel durchaus als gut zu bewerten.

Die meisten Medaillen nimmt Kirsten Wild (2/1/1) mit nach Hause, die auch 2018 (3/1/0) schon in jedem ihrer vier Einsätze das Podium erreicht hatte. Jeweils drei Medaillen sammelten Kaarle McCulloch (1/1/1) und Daria Shmeleva (1/1/1), während bei den Männern niemand mehr als zwei Medaille gewinnen konnte. Mit Harrie Lavreysen, Matthijs Büchli und Sam Welsford gibt es aber immerhin drei Männer, die zwei Goldmedaille vorweisen können, was bei den Frauen neben Wild auch Wai Sze Lee, Ashlee Ankudinoff und Alexandra Manly gelang

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