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LiVE-Radsport Interview: Paris-Roubaix lässt Nicolas Portal träumen
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10.04.2009

LiVE-Radsport Interview: Paris-Roubaix lässt Nicolas Portal träumen

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Autor: LiVE-Radsport Redaktion



Nicolas Portal stand LiVE-Radsport als zweiter Fahrer von Caisse d'Epargne nach Luis Leon Sanchez für ein Interview zur Verfügung. Portal, der in knapp zwei Wochen 30 Jahre alt wird, feierte seinen größten Erfolg im Jahr 2004, als er noch im Trikot von Ag2r Prévoyance als Ausreißer eine Etappe der Dauphiné Libéré gewann. Der Franzose träumt von einer guten Platzierung bei Paris-Roubaix am Sonntag und erzählt uns unter anderem von den unterschiedlichen Lebensweisen in französischen und spanischen Teams.

Sie bestreiten bereits Ihre vierte Saison für eine spanische Mannschaft. Warum haben Sie 2005 Ag2r verlassen und wo ist der Unterschied zwischen einer französischen und einer spanisch geführten Mannschaft?

Eigentlich fühlte ich mich sehr wohl im Kreise der Ag2r-Mannschaft. Ich verstand mich sehr gut mit dem Manager der Mannschaft, Vincent Lavenu und ich hatte viele Freunde unter den Fahrern des Teams. Daher war es für mich nicht leicht zu wechseln. Ich war gerade ans Ende meines zweiten Vertrags über zwei Jahre mit Ag2r gekommen, als Francis Lafargue mir mitteilte, dass Caisse d’Epargne, eine spanische Mannchaft mit einem französischen Sponsor, daran interessiert sei mich unter Vertrag zu nehmen. Ich kannte Francis Lafargue gut, denn er war wie ich aus dem Südwesten Frankreichs und ich wusste auch, dass er eine sehr ernst zunehmende Mannschaft mit einer großen Geschichte - die ehemalige Banesto-Mannschaft von Miguel Indurain - vertrat. Für mich war das ganze daher eine große Chance sowie die Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren reich an verschiedenen Erfahrungen: ein neues Land kennen lernen, eine neue Sprache, eine neue Kultur. Es war nicht leicht nach vier Jahren in einer neuen Mannschaft wieder bei Null anzufangen, aber alle sagten mir, dass ich meine Chance ergreifen solle, und das tat ich auch.

Der große Unterschied zwischen einer französischen und einer spanischen Mannschaft liegt in den Tagesabläufen, die in Spanien sowohl anders als auch viel weniger streng sind. In Spanien isst man um 15 Uhr zu Mittag und zum Abendessen kommst du nie vor 21 Uhr, wohingegen man in Frankreich gegen 12 Uhr zu Mittag und um 19.30 Uhr zu Abend isst. Wenn man in Spanien fünf Minuten zu spät im Restaurant erscheint, macht das keine Probleme, es gibt keinen Stress. Das Gegenteil in Frankreich, wo jeder immer in Eile ist. Für mich war das aber nie ein Problem, da ich aus einer Region nahe Spanien stamme und meine Eltern mich in diesem Sinne großgezogen haben. Während eines Rennens aber läuft in Spanien alles millimetergenau!

Der Sponsor Ihrer Mannschaft ist französisch, welche Rolle spielt das für Sie?

Das war eine gute und wichtige Sache für mich, denn nachdem sie einen französischen Sponsor hatte, nahm die Mannschaft einige französische Fahrer unter Vertrag und erst das ermöglichte es mir, meine Chance zu bekommen. Mir gefällt an dieser Mannschaft, dass sich der französische Sponsor sehr schnell an den spanischen Lebensrhythmus angepasst hat und umgekehrt. Und zusätzlich ist diese Mischung aus verschiedenen Nationen gut für das Image der Bank!

Trainieren Sie öfter mit Ihrem Bruder Sébastien?

Nein, nicht besonders oft, da ich in Pau wohne, er hingegen in Toulouse lebt. Ab und zu besucht er mich aber und dann trainieren wir zusammen. Auch wenn wir beide unsere Mutter, die in Auch lebt, besuchen, haben wir die Möglichkeit zusammen zu trainieren. Durchschnittlich kann man aber sagen, dass wir nur 3 oder 4 Tage im Jahr zusammen trainieren.

Wer ist Ihr bester Freund im Team?

Mein Rad! Tatsächlich verstehe ich mich mit allen wirklich gut. Das ist es was uns ausmacht, wir sind eine große Gruppe von Freunden.

Ihr größter Erfolg ist wohl der Etappensieg bei der Dauphiné Libéré 2004. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an dieses Rennen zurückdenken?

Ich bin einer der Fahrer, die vom Mountainbike gekommen sind und wenn ich in dieser Disziplin Rennen fuhr, wollte ich immer gewinnen. Später, als ich auf der Straße fuhr, merkte ich schnell, dass es hier viel schwerer ist zu gewinnen. In meinen ersten vier Jahren als Profi wurde ich meist als Helfer eingesetzt und daher war es etwas Großartiges ein Rennen zu gewinnen. Und außerdem war es nicht irgendein Rennen, es handelte sich ja um eine Etappe eines sehr wichtigen Rennens, der Dauphiné Libéré, die das Sprungbrett zur Tour de France ist. Wenn ich heute daran zurückdenke, sage ich mir, dass es wirklich toll wäre eines Tages wieder eine Etappe wie diese zu gewinnen!

Zur Person:
Nicolas Portal erblickte am 23. April 1979 im Südwesten Frankreichs in Auch das Licht der Welt. Im Jahr 2001 testete ihn Ag2r Prévoyance als Stagiaire und nahm ihn danach vier Jahre lang unter Vertrag. Zur Saison 2006 wechselte Portal zu Caisse d'Epargne, wo er nun ebenfalls seine vierte Saison bestreitet.

Wichtigste Erfolge:
2003: 16. Paris-Roubaix, Etappensiebter Tour de France
2004: Etappensieg Dauphiné Libéré
2005: Etappenzweiter Bayern-Rundfahrt und Paris-Corrèze, Sieg MZF Vuelta a Castilla y Leon
2006: 8. Platz 4 Jours de Dunkerque
2007: Sieg MZF Volta a Catalunya
2008: Etappensechster Tour de France (Etappe 16 nach Jausiers)
Werden Sie 2009 die Tour de France bestreiten und wenn ja, welche Ziele haben Sie?

Ich hoffe natürlich ja. Zunächst einmal gibt es eine Vorauswahl von 12 oder 13 Fahrern, zu der ich dazugehöre. Nun liegt es an mir zu zeigen, dass ich in die Mannschaft gehöre, die nach Monaco zum Start der Tour de France fahren wird. Ich werde kämpfen müssen und zeigen, dass ich stark bin. Und wenn ich zur Tour fahre, werde ich alles für meinen Kapitän, Alejandro Valverde, der um den Gesamtsieg mitfahren wird, geben. Wenn es sich so ergibt, dass ich Teil einer Fluchtgruppe bin und ich die Chance habe einen Etappensieg zu ergattern, umso besser!

Was sind Ihre Hauptziele abseits der Tour de France?

Paris-Roubaix ist ein Rennen, das mich träumen lässt und das zu mir passt, denn wie ich bereits sagte komme ich vom Mountainbike. Ich weiß, dass ich nicht die Voraussetzungen habe um Paris-Roubaix zu gewinnen, aber 2004 wurde ich bereits 16., was schon eine sehr gute Leistung war und ich würde gerne aufs Neue so gut sein und vielleicht sogar ein bisschen besser. Außerdem gibt es die Dauphiné Libéré, bei der ich hoffe mein Meisterstück von 2004 zu wiederholen. Bei anderen Rennen hängt es ein bisschen von den Umständen und meinen Aufgaben ab.

Wie lange denken Sie, werden Sie noch Radfahren und was möchten Sie nach Ihrer aktiven Karriere machen?

Ich hoffe, dass ich noch so lange wie möglich fahren kann. Vielleicht nicht unbedingt bis ich 40 bin, aber andererseits: warum nicht?! Da ich erst sehr spät mit Radfahren begonnen habe, fühle ich mich noch sehr jung, auch wenn dieses Jahr 30 werde. Solang ich meine Beine habe, werde ich vor allem weiterfahren, da ich mich immer noch frisch fühle im Kopf und weiterhin sehr motiviert bin. Ich weiß aber noch nicht, was ich einmal machen werde, wenn meine Karriere als Radprofi zu Ende ist. Ich denke nur ab und zu daran. Es wäre schön im Bereich Sport zu bleiben, aber es ist auch kein Muss. Was ich weiß ist, dass egal was ich tue, ich es sehr gründlich und motiviert machen werde, da ich das mit allen Sachen mache, die ich einmal angefangen habe.





Nicolas Portal (Foto: www.cyclisme-caisse-epargne.fr)
Nicolas Portal (Foto: www.cyclisme-caisse-epargne.fr)



Leser-Kommentare
Schönes Interview mit Nicolas Portal
Interessant
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